HamletSkullHCSealous.jpg, auf Sinnsuche mit Yoricks Schädel]] Unter dem Sinn des Lebens versteht man die Bedeutung der individuell gegebenen Lebenszeit eines Menschen. Er bezeichnet die „Deutung des Verhältnisses zwischen dem Menschen und seiner Welt“ (P. Tiedemann). Die eigenständige Frage nach dem individuellen Lebenssinn taucht als solche erst am Ende des 19. Jahrhunderts in der „populärwissenschaftlichen“ Philosophie auf.
Es gibt unzählige mögliche Antworten auf die Frage nach dem „Sinn des Lebens“. Häufig beruhen diese auf religiösen oder philosophischen Überzeugungen. Ansichten über den Sinn des Lebens können sich sowohl von Mensch zu Mensch unterscheiden, als auch im Lauf des Lebens eines einzelnen Menschen variieren. Über die verschiedenen Auffassungen lässt sich keine Übereinstimmung herstellen. Dieses augenscheinliche Fehlen einer allgemein gültigen Antwort kann als unbefriedigend oder belastend empfunden werden.
Viele unnötige Spekulationen und Verwirrungen haben ihre Ursache allerdings auch einfach darin, dass versäumt wird, die Begriffe Sinn und Leben eindeutig und klar zu definieren (s.u.). Oftmals wird die Frage nach der Bedeutung des Lebens mit anderen Problemen verwechselt, etwa ob das Leben einem bestimmten Zweck dienen oder ob ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll; allerdings können diese Elemente natürlich auch zusammenfallen.
Um im Weiteren über den „Lebenssinn“ sprechen zu können, ist zunächst eine sprachliche Klärung und Eingrenzung vonnöten.
Eine zentrale Rolle bei der Fragestellung nimmt der Begriff des „Sinns“ ein. Sinn ist selbst ein nicht fest definierter Begriff, er kann etwa als Bedeutung, logos, teleologischer Sinn oder als rein sprachliches Problem aufgefasst werden. All diese Konnotationen von Sinn sind im Weiteren immer mitzudenken.
Schließlich muss auch der Begriff „Leben“ eingeschränkt werden, denn hier ist nur „Leben“ im Sinn der Existenz eines jeden einzelnen menschlichen Individuums gemeint. Davon abzugrenzen ist eine abstraktere Frage nach dem Sinn des biologischen Phänomens „Leben“ überhaupt (vgl. hierzu z.B. Anthropisches Prinzip).
Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen und beantworten zu können, ist eine Fähigkeit, die offenbar nur der Mensch besitzt. Schon in der antiken Philosophie hatte man festgestellt, dass er offenbar das einzig bekannte sprachbegabte Vernunft- und Verstandeswesen (zoon logon echon) ist, das die Voraussetzungen für eine selbstbezügliche Sinnreflexion vorweisen kann.
Vielen Menschen stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens im Alltag in der Regel nicht, solange die eigene Lebensführung nicht zweifelhaft oder fragwürdig wird. Häufig kommt es zu einer existenziellen Sinnkrise, wenn Ereignisse nicht mehr in das vorhandene Sinnkonzept integriert werden können: z.B. durch Enttäuschungen, Unglücke oder die Anforderungen eines neuen Lebensabschnitts. Die Folge ist oftmals der Beginn oder die Wiederaufnahme der Reflexion über den Lebenssinn.
Das Stellen der Frage nach dem Sinn des Lebens muss nicht zwingend eine positiv bestimmte Antwort nach sich ziehen:
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebenssinn kann aber auch zu einer oder mehreren, positiv bestimmten Antworten führen. Voraussetzung für eine individuelle Antwort auf die Sinnfrage ist dabei entweder die Annahme einer gewissen Freiheit des Menschen, den Sinn seines Lebens selbst zu wählen, oder dass ein vorgegebener Sinn (z.B. von Gott gegeben) ermittelt werden kann.
Die Mehrzahl der Glaubensrichtungen beinhalten die Sinnfrage als Teil ihrer Theologie. Der Sinn ergibt sich dabei oft verbindlich und logisch aus den aufgestellten Thesen der Religion.
Einige Institutionen nutzen die Sinnfrage aus, indem Sie den Mitgliedern das individuelle Hinterfragen des Sinns verbietet und stattdessen mit einem vorgegebenen Sinn z.B. Pflichten der Mitglieder rechtfertigen. Eine ähnliche Situation kann sich auch in (im weitesten Sinne) totalitären sozialen Gemeinschaften oder Staaten vorfinden.
Eine grundsätzliche Schwierigkeit bei jedem denkbaren Lebenssinn ist die prinzipielle Möglichkeit, einen einmal akzeptierten Sinn wiederum zu hinterfragen. Die Suche nach dem Sinn des Sinns führt schnell in einen unendlichen Regress (vgl. infiniter Regress), in dessen Verlauf sich die Frage als nicht - oder nicht endgültig - zu beantworten erweist (Thomas Nagel). Einige Sinnangebote (darunter auch religiöse) zeigen in der Gesamtheit ihrer Annahmen und Thesen oft keine theoretischen Lücken auf, die Beurteilung muss dann aufgrund anderer Faktoren geschehen.
Ein Problem, dem die meisten Suchenden auf ihrer Suche nach Sinn nie zu begegnen scheinen, ist die Frage nach dem Sinn der Lebenssinn-Frage selbst: Warum stellt sich diese Frage vielen Menschen überhaupt? Warum drängt es viele Menschen so sehr, sie zu beantworten? Was gewinnen oder verlieren wir eigentlich, wenn wir sie beantworten oder nicht beantworten?
Prinzipiell kann der Mensch seinem Leben in jeder Situation Sinn abgewinnen oder geben, solange er bei Bewusstsein ist (Viktor Frankl). Eine wirklich freie Entscheidung können die meisten aber nur dann treffen, wenn ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind (Abraham Maslow). Hunger, Durst, Schmerz, Angst, Unfreiheit usw. können daher sehr schnell zu einem Verlust an Lebenssinn führen. Die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse darf jedoch nicht mit der von diesen grundsätzlich unabhängigen Sinnsetzung verwechselt werden.
Steht die eigene Person im Zentrum der Suche nach dem Lebenssinn, so können Wünsche nach Befriedigung körperlicher, materieller, sozialer und geistiger Bedürfnisse dominieren. Der Sinn kann z.B. im Streben nach Macht, Besitz, Ansehen, sowie Fortpflanzung, erfüllter Partnerschaft oder Selbstverwirklichung gesehen werden. Eine andere Ausprägung liegt vielleicht in der Suche nach Erkenntnis oder persönlicher Entwicklung.
Eine weitere Ausrichtung des Lebenssinns entsteht durch die Bedeutungsgebung im Hinblick auf andere Menschen oder allgemein der Umwelt. Konkret kann es sich dabei etwa um Hilfe im weitesten Sinne handeln: die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten, alltäglich gelebte Mitmenschlichkeit oder auch um soziales oder politisches Engagement. Oftmals orientiert sich das Handeln an einem Ideal (z.B. Liebe oder Gerechtigkeit).
Wird die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht in menschlichen Belangen gesucht, so kann sie auch in philosophischen oder spirituellen Angelegenheiten gefunden werden. Fragen nach dem Sinn oder Ursprung allen Seins (Ontologie) spielen hier vielleicht eine Rolle, möglicherweise steht die Suche nach Erleuchtung oder das Streben nach der Vereinigung mit dem Absoluten bzw. Gott im Mittelpunkt. Zu diesem Zweck könnte etwa Philosophie studiert, einer bestimmten Religionsgemeinschaft beigetreten, ein spezieller spiritueller Weg beschritten oder einem geistlichen Vorbild nachgefolgt werden.
Der Sinn des Lebens bestand in der Philosophie der Antike in der Hauptsache in der Erlangung der Glückseligkeit (eudaimonía). Diese wurde gemeinhin als das höchste, erstrebenswerteste Gut angesehen. Unterschiede in den philosophischen Schulen ergaben sich vor allem aus der Definition dessen, was unter Glück zu verstehen sei und der Art und Weise, wie man glaubte, dass dieses erreicht werden könnte.
Nach Platon besteht die unsterbliche menschliche Seele aus drei Teilen: der Vernunft, dem Mut und den Trieben. Nur wenn diese drei Seelenteile im Gleichgewicht sind und sich nicht gegenseitig widersprechen, kann der Mensch glücklich sein.
Sein Schüler Aristoteles betrachtete die Glückseligkeit nicht als statischen Zustand, sondern als ein stetiges Tätigsein der Seele. Vollkommenes Glück kann der Mensch nur im kontemplativen Leben (bios theoretikos), d.h. im Philosophieren bzw. im wissenschaftlichen Forschen finden.
Die Stoa setzte die Tugend an die Stelle der Glückseligkeit. Nur diejenigen, die im Einklang mit der Ordnung im Kosmos leben, frei von Affekten, Wünschen und Leidenschaften und gleichgültig gegenüber dem eigenen Schicksal sind, können den Endzustand der „Apathie“ erreichen. Diese Unempfindlichkeit gegen die Wechselfälle des Lebens, die stoische Ruhe, bedeutet das wahre Glück.
Für Epikur wiederum lag der Sinn des Lebens in der (vornehmlich nicht-sinnlichen) Lust. Die maßvolle Befriedigung der Grundbedürfnisse bildete für ihn die Basis der besonders erstrebenswerten geistig-seelischen inneren Freuden. Voraussetzungen für die Glückseligkeit waren die Überwindung von Angst und Schmerz. Seine Empfehlung war auch ein Rückzug aus der Öffentlichkeit in einen kleinen Kreis von Freunden.
Das Mittelalter schließlich war die Zeit, in der in Europa das Christentum dominierte, das in dieser Zeit das Monopol auf die Sinnangebote besaß. Im späten Mittelalter verlagerte sich der Schwerpunkt von der eher kollektiven auf eine individuellere Form des Lebenssinns, der in der persönlichen Nachfolge Christi und der mystischen Vereinigung mit Gott schon zu Lebzeiten gesucht wurde.
Auch zu Beginn der Neuzeit orientierten sich die meisten Menschen noch an der christlichen Lehre. Erst die Aufklärung begann die auf Frömmigkeit und Traditionen vertrauende, autoritätsgläubige Geisteshaltung kritisch zu hinterfragen. Der Mensch sollte sich wieder seines eigenen Verstandes bedienen (sapere aude!) und die Verantwortung für sein eigenes Leben selbst übernehmen.
Immanuel Kant kritisierte die herkömmlichen Vorstellungen von Glück, da diese bedeuteten, dass jeder den unvorhersehbaren Schwankungen seiner eigenen wechselhaften Triebe, Bedürfnisse, Gewohnheiten und Vorlieben ausgeliefert ist. Er forderte stattdessen, dass sich der Mensch freiwillig den Gesetzen der Moral (kategorischer Imperativ) unterwirft. Dadurch kann ein selbstbestimmtes (autonomes), vernünftiges Leben geführt werden, in dem sich immerhin Zufriedenheit erreichen lässt.
Auch der Determinismus hatte Auswirkungen auf die Debatte um den Sinn des Lebens. Deterministen behaupten, dass ein Zustand der Welt zusammen mit den Naturgesetzen jeden weiteren Zustand der Welt festlegt. Einige Philosophen waren der Meinung, dass dies einen freien Willen unmöglich mache. Wenn der Weltverlauf schon feststehe, so könne man sich nicht mehr frei für eine Handlung entscheiden. Doch damit, so wurde weiter argumentiert, drohe auch der Sinn des Lebens zu einer Farce zu werden. Schließlich könne man sich einen „Sinn“ dann nicht mehr aus freier Entscheidung geben und für seine Erfüllung sorgen.
Bei Arthur Schopenhauer ist das Leben durch den eigenen Willen geprägt. Dies ist für ihn gleichbedeutend mit Leiden, da das Wollen des Menschen niemals dauerhaft zufriedenzustellen ist. Nur der ästhetische Genuss, die Versenkung in Kunst und Musik kann den Menschen in einen Zustand der reinen Anschauung versetzen, in dem das Leiden aufgehoben ist.
Einen völlig anderen Ansatz vertritt Friedrich Nietzsche, der die Aufgabe des Menschen darin sieht, einen höher entwickelten Menschentypus hervorzubringen: den Übermenschen. Dieser soll hart und ohne jedes Mitleid gegen sich selbst und andere sein. Sein Lebenszweck besteht darin, aus seinem Leben und aus der Menschheit ein Kunstwerk zu formen. Buchenwald-bei-Weimar-am-24-April-1945.gif besichtigt das KZ Buchenwald am 24. April 1945.]] Der Existenzialismus beschäftigte sich besonders intensiv mit der Problematik des Lebenssinns. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass es jedem Menschen aufgegeben ist, frei zu wählen und zu entscheiden, was er mit seinem Leben tun will. Der Mensch ist in die Welt „hineingeworfen“ worden und muss sich nun selbst definieren. Das bedeutet: Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich selbst macht. Er konzipiert ständig neue Entwürfe von sich, die er dann (nach)lebt. Diese totale Freiheit bedeutet aber auch die Bürde einer vollständigen Verantwortung für sich und sein Handeln, denn das eigene Leben kann durch keine andere, höhere Instanz mehr entschuldigt werden.
Der modernen analytischen Sprachphilosophie, wie sie sich auf Wittgenstein beziehen lässt, schien unklar, welchen Status Aussagen über das, was man tun oder nicht tun soll, haben können. Sie geriet mit der Sinnfrage in einen Raum individueller Entscheidung außerhalb eines strenger zu fassenden philosophischen Projekts. Sie trennt daher den Bereich des Lebens von den Bereichen, in denen die Philosophie Antwort zu geben vermag.
Die Naturwissenschaften können ihrem Wesen nach eigentlich keine Sinnangebote machen, doch hat ihre Popularität auch zu einer Kompetenzzuschreibung in diesem Bereich geführt. So sieht die Biologie den Lebenssinn des Menschen in der Erhaltung der Art, die einerseits durch die individuelle Suche nach einer effektiven Fortpflanzungsstrategie und andererseits durch das möglichst erfolgreiche Großziehen der eigenen Nachkommen bestimmt ist.
Der moderne Hedonismus betont in der Nachfolge der Utilitaristen und klassischen Hedonisten das Erleben und Erstreben von sinnlicher Lust. Der Lebenssinn liegt in der Befriedigung von Bedürfnissen. Intensive, reizvolle und angenehme Lustempfindungen werden aktiv gesucht und nach Möglichkeit gesteigert. Die Verrechnung von Lust und Unlust soll dabei für das Individuum möglichst zu jedem Zeitpunkt ein positives Gesamtergebnis aufweisen.
Hieronymus_Bosch_013.jpg Der Sinn des Lebens im Christentum ist es, die Einheit mit Gott im Leben wie im Tod zu erreichen. Voraussetzung sind hierzu Buße, Umkehr und der Glaube an bzw. die Annahme der Erlösung durch Jesus Christus, wie sie in der Bibel beschrieben wird.
Erste Anknüpfpunkte für die Sinnfrage bilden im Christentum die beiden Schöpfungsberichte (1. Mose 1.2), in denen Gott den Menschen als sein Ebenbild mit einem freien Geist (Entscheidung für/gegen Gott) schuf und ihm den Auftrag gibt die Erde zu bevölkern und zu bewirtschaften.
Zahlreiche Aspekte über die Nichtigkeit des Strebens nach Geld, Macht, Ruhm und vor allem nach Wissen sind in dem Buch Kohelet gesammelt.
Der Sinn des Lebens im Islam besteht darin, Allah zu dienen und hierdurch am Tag des [[jüngstes Gericht|jüngsten Gerichts]] dank guter Taten mit dem Eingehen in das göttliche Paradies belohnt zu werden. Dazu dienen u.a. der feste Glaube an Gott und seine Vorsehung, die Überwindung schlechter Eigenschaften und falscher Ideen, verantwortliches Handeln, Eintreten gegen Ungerechtigkeit und das Vollbringen guter Taten.
Der Sinn des Lebens im Judentum besteht in der Einhaltung der göttlichen Gesetze, d.i. in der Ehrfurcht vor Gott und seinem Willen. Die Regeln und göttlichen Gebote sind im Tanach gesammelt, der in Talmud und Midraschim diskutiert und ausgelegt wird.
Wheel_life_01.jpg symbolisiert den Kreislauf der Wiedergeburten]] Der Sinn des Lebens im Alten Buddhismus ist es, dem Kreislauf der Wiedergeburten durch das Eingehen in das Nirvana zu entkommen, in die völlige Verlöschung - was die Verlöschung der Sinnfrage logisch einschließt. In der Lehre der Buddhisten wird alles Leben und Tun als schlussendlich zu Leiden führend entlarvt. Hierfür wird die Gier nach Leben, Macht und Lust als ursächlich erkannt. Nur die völlige Aufgabe dieser Gier kann zur Überwindung des Leidens führen.
Im Verlauf der langen Entwicklung des Buddhismus entstand eine Vielzahl buddhistischer Schulen und Strömungen, die zum Teil sehr verschiedene Methoden als Wege zur Befreiung aus dem Kreislauf des Leidens anwenden. Allen buddhistischen Traditionen ist der sogenannte „Edle Achtfache Pfad“ gemein.
In den späteren Schulen des Mahayana-Buddhismus steht vorrangig nicht die Erlösung der eigenen Person durch das Eingehen ins Nirvana, sondern die Idealexistenz eines Bodhisattva, der zunächst hilft, alle anderen Personen aus dem Endlosen Kreislauf zu retten, um erst danach selbst ins Nirvana überzugehen.
In den naturphilosophischen Arbeiten Teilhard de Chardin um 1930 mündet die "Radiale Energie" der Evolution- und damit auch die Menschheit- im Punkt Omega, dem Ersten und dem Letzten, der vollkommenen Liebe- Jesus Christus.
Nach der 1994 veröffentlichten Omegapunkt-Theorie des Kosmologen Frank J. Tiplers besteht der Sinn des Lebens darin, „die Gottheit zu erschaffen“.
Nach dieser - auf der globalen allgemeinen Relativitätstheorie, das Standardmodell der Teilchenphysik und Kosmologie, und die Komplexitätstheorie begründeten - These ist Gott sowohl Ziel als auch Ursprung der Evolution. Ähnlich wie bei Teilhard de Chardin - von dem der Ausdruck „Omegapunkt“ stammt- wird bei Tipler ein „göttlicher Wille zum Werden“ angenommen. Bei Teilhard ist dieses Ziel Jesus Christus als die Liebe selbst, bei Tipler die in der „Entwicklung vollendete Gottheit“.
Nur in einigen Sequenzen verlässt Tipler seine ansonst rein physikalische Argumentationslinie: Im Vergleich der Implikationen seiner Omegapunkttheorie mit den Eschatologien der Weltreligionen, und auf das umstrittene Bibelwort als Moses auf seine Frage "Wer bist du?" vom brennenden Dornbusch die Antwort erhält: "Ehyeh Asher Ehyeh". Die korrekte Übersetzung ist laut Ernst Bloch und Hans Küng: "Ich werde sein, der ich sein werde"- also ein "Gott der vor allem am Ende der Zeit existiert". Der Heilige Geist wird bei ihm quantenmechanisch als universelle Wellenfunktion gesehen. Der Mensch als biologische Gattung wird zwar langfristig aussterben, aber dessen Kultur und deren gesamter Informationsgehalt wird in nanotechnologischen "Von-Neumann-Sonden" (sich selbst reproduzierenden Maschinen) das Universum besiedeln. Die Möglichkeiten künftiger Informationsverarbeitung dieser unserer "kosmischen Kinder" werden derart gewaltig sein, dass alle nur denkbaren, in sich widerspruchsfreien Universen perfekt simuliert werden können (s.a. Emulation, d.h. mit der Wirklichkeit identisch).
Auch der Informatiker Hans Moravec in seinen Robotik- und transhumanistischen - Thesen stellt ähnliche Visionen von teleologischen Interpretationen des anthropischen Prinzips an. Dies bedeutet, dass dann auch jeder- dann perfektionierte- Mensch in einem virtuellen Universum „aufersteht“. In Tipler´s Eschatologie ist die Geschwindigkeit und Menge der Information im Big Crunch unendlich groß, weshalb dort auch individuelle, unendliche Ewigkeit- das Paradies- eintritt. "Billiger Altruismus" (= Behandle jeden so, wie auch du von ihm behandelt werden willst.) der dann lebenden intelligenten Wesen wird die Antriebskraft für diesen Simulationslauf sein. Alles intelligente, geliebte Leben (Menschen, aber auch Haustiere) wird zum ewigen Leben erweckt, weil Gott uns liebt. Begründung für die Auferstehung ist also im Grunde die Agape ( = selbstlose Liebe) Gottes. Der Mensch besteht dann aus dem Stoff, aus dem jetzt der menschliche Geist besteht (Aristoteles: Form in einer Form).
Nach Niklas Luhmann ist Sinn das universale Medium der Formbildung sozialer und psychischer Systeme.
Physische, soziale und psychische Systeme bilden Formen. Zur Formenbildung benötigen sie ein Medium. So wie für physische Systeme die Gegenstände, mit denen sich die Physik befasst, ein universales Medium zur Bildung von Formen sind, so ist Sinn das universale Medium, mit dem soziale und psychische Systeme Formen bilden können.
Zu den Formen, die im Medium Sinn geformt werden können, gehören zum Beispiel alle Sinnentwürfe, alle Fragen nach dem Sinn und alle Antworten darauf.
Im Medium Sinn gibt es mögliche Formen (die noch nicht aktualisiert wurden) und aktualisierte (tatsächlich verwirklichte) Formen. Soziale Systeme erleben diesen Unterschied und handeln, indem sie aus möglichen Formen wählen (selektieren) und sie zu aktualisierten Formen werden lassen. Die Differenz zwischen möglichen und aktualisierten Formen ist überhaupt der Grund für das Erleben und Handeln sozialer Systeme. Und Sinn als Medium für Formen ist die Voraussetzung dazu.
Auf die ewige Grundfrage des Menschen gibt es viele humorvolle Antworten, dazu gehören:
Religion | Ethisches Gut | Philosophische Anthropologie | Weltanschauung | Metaphysik
Meaning of life | Meningen med livet | Elämän tarkoitus | Sens de la vie | משמעות החיים | 인생의 의미 | Zin van het leven | Sens życia | Смысл жизни | Meaning of life | Meningen med livet
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