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Die Singhalesische Sprache (Singhalesisch) ist die Sprache der Singhalesen, der größten ethnischen Gruppe Sri Lankas. Sie gehört zum indoarischen Zweig der indoiranischen Untergruppe der indogermanischen Sprachen. Es wird auch der von der Eigenbezeichnung සිංහල (siṃhala, gesprochen ) abgeleitete Name Sinhala verwendet.

Sie wird von etwa 16 Millionen Menschen vorwiegend in Sri Lanka, wo sie seit 1958 auch erste Amtssprache ist, gesprochen. Singhalesisch verfügt über eine eigene Schrift (siehe singhalesische Schrift).

Im Singhalesischen besteht, wie bei vielen Sprachen des indischen Subkontinents, eine ausgeprägte Diglossiesituation: Die Schrift- und die Umgangssprache weichen in vielerlei Hinsicht stark voneinander ab. Die Schriftsprache wird für alle Formen geschriebener Texte verwandt, aber auch mündlich bei formalen Anlässen (öffentliche Reden, Fernseh- und Radionachrichten etc.), während die Umgangssprache als allgemeine Verkehrssprache des Alltags dient. Der größte Unterschied ist das Fehlen flektierter Verbalformen in der Umgangssprache. Man kann sich die Situation so vorstellen, als ob im deutschsprachigen Raum die Schriftsprache Mittel- oder gar Althochdeutsch wäre. Die Schriftsprache wird von den Kindern in der Schule fast wie eine Fremdsprache erlernt.

Da das Sinhala geografisch durch den dravidischen Sprachraum von den anderen indoarischen Sprachen in Nord- und Zentralindien getrennt ist, hat es im Laufe der Zeit zahlreiche Lehnwörter aus benachbarten dravidischen Sprachen, insbesondere dem Tamil, aufgenommen. Auch im Bereich der Syntax steht es dem Dravidischen sehr nahe. Die am engsten mit dem Sinhala verwandte Sprache ist das auf den Malediven gesprochene Dhivehi.

Erste singhalesische Inschriften sind schon aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt, die ältesten literarischen Zeugnisse stammen aber erst aus dem 10. Jahrhundert n. Chr.

Die singhalesische Umgangssprache hat folgende charakteristische Eigenschaften:

  • SOV-(Subjekt-Objekt-Verb-)Satzstellung.
  • Es gibt keine Nebensätze wie im Deutschen, sondern nur infinite Nebensätze, die mit Hilfe von Partizipien und Verbaladjektiven gebildet werden. Beispiel: „Der Mann, der Bücher schreibt“ heißt , wörtlich: „Bücher schreibender Mann“.
  • Es ist eine linksverzweigende Sprache, das heißt beschreibende Elemente werden meist vor das gesetzt, was sie bestimmen (siehe Beispiel oben).
  • Eine Ausnahme dazu stellen Mengenangaben dar, die fast immer hinter dem stehen, das sie bestimmen. Beispiel: „die vier Bücher“ heißt , wörtlich „Bücher vier“.
  • Es gibt keine Präpositionen, sondern nur Postpositionen. Beispiel: „unter dem Buch“ heißt , wörtlich „Buch unter“.
  • Sinhala ist eine Pro-Drop-Sprache (siehe Projektionsprinzip): Das Subjekt kann weggelassen werden, wenn es aus dem Zusammenhang heraus klar ist. Beispiel: Der Satz , wörtlich „wohin ging“, kann bedeuten „Wo bist du hingegangen“ (oder auch „ist er ...“, „sie“, „wir“ etc.). Ebenso wird die Kopula „sein“ grundsätzlich weggelassen: „Ich bin reich“ heißt , wörtlich „ich reich“.
  • Die Deixis ist vierstufig (was extrem selten ist): Es gibt die vier Demonstrativstämme (siehe Demonstrativpronomen) „hier, nahe beim Sprecher“, „da, nahe beim Angesprochenen“, „da, bei einem Dritten, im sichtbaren Bereich“ und „dort, bei einem Dritten, im nicht sichtbaren Bereich“.
  • Das Vorkommen von so genannten „Halbnasalen“ oder „pränasalisierten Verschlusslauten“. Dabei wird den stimmhaften Verschlusslauten ein sehr kurzer homorganer Nasal vorgeschlagen (nd, mb etc.), wobei die entsprechende Silbe einmorig bleibt (siehe More (Metrik)).

Literatur


  • Bechert, Heinz: Über Sanskrit-Bildung und Schulsystem in Birma und Ceylon, in: Wiener Zeitschrift für die Kunde Süd- und Ostasiens, Band VII, Wien 1963.
  • Gair, James: Sinhala and Other South Asian Languages, New York 1998.
  • Gair, James und Paolillo, John C.: Sinhala, München, Newcastle 1997.
  • Geiger, Wilhelm: A Grammar of the Sinhalese Language, Colombo 1938.
  • Jayawardena-Moser, Premalatha: Grundwortschatz Singhalesisch-Deutsch, Wiesbaden 1993.
  • Karunatillake, W.S.: An Introduction to Spoken Sinhala, Colombo 1992 Neuauflagen.
  • Matzel, Klaus und Jayawardena-Moser, Premalatha: Einführung in die singhalesische Sprache, 4., neubearbeitete Auflage, Wiesbaden 2001.

Weblinks


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