Der Simplontunnel ist ein 19'823 bzw. 19'803 Meter langer, zweiröhriger Doppelspur-Eisenbahntunnel der Schweizerischen Bundesbahnen AG (SBB) und führt von Brig in der Schweiz nach Iselle in Italien. Er verbindet das Wallis und das Val Divedro ohne steile Rampen auf ebener Linie. Der Tunnel führt unter dem Simplonpass hindurch; im Tunnel selbst herrscht im Sommer wie im Winter eine kontinuierliche Temperatur von 35 Grad °C. Im Winter müssen daher die Triebfahrzeuge beheizt werden, um Schäden an den elektrischen Anlagen durch Kondenswasser zu verhindern.
Der zwischen 1898 und 1905 sowie 1912 und 1921 erbaute Simplon-Basistunnel war bis Ende der 1970er-Jahre mit 19,8 km der längste Gebirgstunnel der Erde. Bekannt wurde der Tunnel auch durch den bis 1977 durch ihn verkehrenden Simplon-Orient-Express.
Um 1870 gab es bereits ein Projekt für eine "Ligne d'Italie" mit einem Tunnel vom Rhonetal ins Val d'Ossola.
Am 1. Juli 1878 erreichte die Bahngesellschaft Compagnie du chemin de fer du Simplon (S) ihren Endpunkt Brig und fusionierte im Jahr 1881 mit der Gesellschaft Suisse-Occidentale (SO) zur Suisse-Occidentale-Simplon (SOS). Die französischen Financiers der SOS zeigten ein lebhaftes Interesse an einem Simplondurchstich und konnten sich 1886 die Finanzierung des Simplontunnels mit Krediten sichern. Aus 31 Projekten wählte man den Bau eines ganz auf Schweizer Boden liegenden Tunnels von Glis nach Gondo. Von dort würde eine Rampe durch das Val Divedro hinunter nach Domodossola führen.
Bei einer schweizerisch-italienischen Konferenz im Juli 1889 einigte man sich jedoch auf einen fast 20 Kilometer langen Basistunnel, welcher auf dem Gebiet beider Staaten liegen sollte. Um den Kredit für einen Tunnelbau zu sichern, schloss sich die SOS mit der Jura-Bern-Luzern-Bahn, bei welcher die Eidgenossenschaft beteiligt war, zur Jura-Simplon-Bahn zusammen. Dank der Beteiligung der Eidgenossenschaft konnte mit Italien am 25. November 1895 ein Staatsvertrag bezüglich des Baus und des Betriebs einer Eisenbahn durch den Simplon von Brig nach Domodossola ausgehandelt werden, welcher den Bau und die Konzessionserteilung an die Jura-Simplon-Bahn regelte. Die Trasse des Tunnels wurde uas militärstrategischen Gründen so gewählt, dass die Staatsgrenze zwischen beiden Ländern genau in der Mitte des Tunnels zu liegen kam.
Noch während des Baus wurde die Jura-Simplon-Bahn am 1. Mai 1903 verstaatlicht und die Nachfolgebahn, die Schweizerische Bundesbahnen (SBB), vollendete den Tunnelbau.
Im Schnitt arbeiteten täglich 3000 Leute auf der Baustelle. Es waren hauptsächlich Italiener, die unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen litten. 67 Arbeiter kamen bei Unfällen ums Leben, viele starben später an Folgekrankheiten. Während der Arbeiten kam es zu Streiks, bei denen Bürgerwehren und die Armee aufmarschierten.
Da im Berginnern infolge der Gebirgsüberlagerung von 2135 m eine Tunneltemperatur von bis zu 42°C erwartet wurde, wendete man ein neues Bauverfahren an. Neben dem einspurigen Haupttunnel I wurde im Achsabstand von 17 m ein Parallelsohlstollen gebaut, welcher im Abstand von 200m durch Querstollen mit dem Haupttunnel verbunden war. Durch im Parallelstollen verlegte Luftzuführungsrohre gelangte Pressluft, frische Luft, in den Hauptstollen zu den Bauarbeitern. Für einen späteren Ausbau auf Doppelspurbetrieb war vorgesehen, diesen Parallelstollen als zweite Fahrröhre einzurichten. Um eine Kreuzungsmöglichkeit im langen Tunnel zu erhalten, wurde in der Mitte des Tunnels auf einer Länge von 500m der Parallelstollen daher schon zu einer örtlich bedienten Kreuzungsstation ausgebaut.
Der Tunnel ist geradlinig, nur an den beiden Tunnelportalen läuft er in kurzen Bögen aus.
Am 24. Februar 1905 erfolgte der Durchschlag des Richtstollens; die Abweichung betrug seitwärts 20,2 cm und in der Höhe 8,7 cm. Infolge der eingetretenen Bauschwierigkeiten (Wassereinbrüche, Streiks) verlängerte sich der Bau von 5½ auf 7½ Jahre.
Die Züge im Simplontunnel fuhren von Anfang an elektrisch. Dies wurde erst ein halbes Jahr vor der Eröffnung des Tunnels durch die damals noch junge SBB so entschieden. Man wählte den in Italien gebräuchlichen Drehstrom von 3000 Volt und 15 Hz. Erst am 2. März 1930 wurde der Simplontunnel mit der Wechselstromspannung der SBB von 15'000 Volt 16,7 Hz um-elektrifiziert.
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