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Der_Abenteuerliche_Simplicius_Teutsch_1668.jpg der Erstausgabe 1668]]

Der abenteuerliche Simplicissimus (Teutsch) ist ein sogenannter Schelmenroman, der von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1625–1676) im Jahr 1668 veröffentlicht wurde.

Er veröffentlichte ihn unter dem Namen German Schleifheim von Sulsfort, welcher ein Anagramm zu seinem richtigen Namen ist.

Dieser Roman stellt das wichtigste Werk seiner Art in dieser Zeit dar. Er gilt als der erste deutschsprachige Abenteuerroman. Er enthält autobiographische Züge, denn Grimmelshausen hatte selbst am Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) teilgenommen.

Inhalt


Simplicius wächst als einfältiger Viehhirte auf einem Bauernhof im Spessart auf. Er lebt wie ein wildes Tier ohne jegliche Bildung und kennt nicht einmal seinen Namen. Beim Schafehüten lockt der Zehnjährige mit seinem Dudelsackspiel einen Trupp Soldaten an, die sich im Wald verirrt hatten. Sie plündern den Bauernhof, foltern den Knecht, schänden die Frauen, morden und brandschatzen das Dorf. Der Junge flieht auf Anraten der übel zugerichteten Magd und entkommt in den Wald. So wird er von seinen Pflegeeltern, die er Knan und Meuder nennt, getrennt. Seinen Knan soll er erst viel später wieder treffen. Nachdem der Knabe einige Tage durch den Wald irrt, wird er von einem alten Einsiedler aufgenommen, der ihn Simplicius, den „Einfältigen“ nennt. Er unterweist ihn in der christlichen Lehre und lehrt ihn Lesen und Schreiben.

Nach zwei Jahren des Lebens im Wald erklärt ihm sein Lehrer, den er als seinen rechten Vater ansieht, dass seine Zeit gekommen sei und er sterben werde. Er bittet Simplicius, ihn zu begraben. Noch ein halbes Jahr bleibt er in der Einsiedelei, dann will er den Pfarrer des nahen Dorfes um Rat bitten, was er weiter tun solle. Doch bei seiner Ankunft findet er alles niedergebrannt. Erschrocken von der Heillosigkeit der Welt beschließt er, selbst Einsiedler zu werden. Doch auch sein bescheidenes Zuhause wird von Soldaten überfallen, seine Vorräte für den Winter werden geplündert. In seiner Hütte findet er aber einen letzten Brief des Einsiedlers, in dem er ihm rät, den Wald zu verlassen.

Über das verwüstete Gelnhausen kommt Simplicius nach Hanau. Dort wird er zuerst als Spion verdächtigt, kommt dann aber mit Hilfe des Stadtpfarrers frei. Er erfährt, dass der Einsiedler, bevor er sich in den Wald zurückzog, ein Offizier gewesen sei und der Schwager des Gouverneurs Ramsay war. (Hiermit wird auf James Ramsey (1589-1639) angespielt, der bis 1638 schwedischer Kommandant in Hanau gewesen war.)

Simplicius wird zum Pagen des Gouverneurs, und bald zeichnet sich ab, dass das vermeintliche Waisenkind der Neffe des Gouverneurs ist, der Sohn seiner verschollenen Schwester und seines Schwagers. Doch das Leben am Hof unterscheidet sich zu sehr von dem in der Einsiedelei. Simplicius empfindet es als heuchlerisch und gottlos, erfährt aber seinerseits immer weniger Verständnis für seine Einfalt und mangelnde Kenntnis höfischer Sitten.

Simplicius verliert daher bald die Gunst des Gouverneurs und wird ein Narr. Daher muss er immer ein Kalbsgewand tragen. Wenige Tage später wird er auch noch von kroatischen Soldaten gefangengenommen, kann aber fliehen, fällt dann aber wieder Räubern in die Hände. Es gelingt ihm, diese zu übertölpeln, und er gelangt so an ihre Beute. Nachdem er diese aufgezehrt hat, gelangt Simplicius nach Magdeburg. Dort wird er wieder der Narr des dortigen Oberst und bald ein guter Freund dessen Sohnes, Ullrich Herzbruder.

Bevor die Schweden Magdeburg überfallen, kann er mit Ulrichs Hilfe fliehen, der jedoch selbst gefangengenommen wird, und rettet sich als Diener eines Dragoners in ein Kloster. Als sein Herr stirbt, wird er selber zum Dragoner und kommt als "Jäger von Soest" zu Ruhm und Geld. Er häuft Verbrechen auf Verbrechen, geht aber selbst immer unversehrt hervor und machte reiche Beute. Die Bekanntheit der Person führt dazu, dass in der Nachbarstadt Werl ein "Jäger von Werl" sich das Schema zu eigen macht. Der Jäger von Soest gebietet diesem allerdings schnell Einhalt, indem er ihm bei Nacht auflauert und ihm mit dem Tode droht, wenn er noch einmal in Jägerkluft auf Beutezug geht. Durch sein großspuriges Auftreten fordert er zwei Soldaten zu einem Duell heraus, aus dem er als Sieger hervorgeht. Da aber Duelle im Heer unter Todesstrafe verboten sind, wird er festgenommen, handelt jedoch bald wieder seine Freilassung aus, da er dem General eine List vorschlägt, wie er eine belagerte Stadt ohne Blutvergießen einnehmen kann.

Nach seiner Freilassung verprasst er sein ganzes Geld und verliebt sich in die Tochter des Obristen. Kurz darauf fährt er über Köln nach Paris. Dort macht er als Opernsänger Karriere und verdient damit viel Geld. Aufgrund einer schweren Erkrankung wird ihm dieses wenige Tage später geraubt. Er gesundet wieder und kommt als Quacksalber erneut zu Geld, wird aber bald von Musketieren zum Kriegsdienst gezwungen.

Bei einem Spähmanöver im Rhein kippt das Schiff, auf dem er sich befindet, und er ertrinkt beinahe, wird jedoch im letzten Moment gerettet. Er flieht nach Rheinhausen, wird abermals als Soldat eingezogen, von gegnerischen Truppen gefangengenommen und von einem Räuber überfallen. Daraufhin kommt er in ein Wirtshaus und trifft dort Herzbruder wieder. Sie beschließen, eine Wallfahrt nach Einsiedeln zu machen, um für ihre Sünden zu büßen. Simplicius hat aber keine richtige Lust dazu und geht nur widerwillig mit. Anschließend meldet er sich wieder zum Kriegsdienst.

Er hört dort von einem nahe gelegenen See, dem Mummelsee. Er wandert hin und wirft Steine hinein, worauf ihm der König der Wassergeister erscheint. Dieser schenkt ihm einen Stein, der eine Heilquelle hervorsprudeln lässt, wenn man ihn auf den Boden legt. Er will ein neues Heilbad gründen, legt ihn aber versehentlich beim Schlafengehen auf den Boden. Völlig verdrossen, schon wieder so ein großes Vermögen verloren zu haben, zieht er sich auf einen Bauernhof zurück und studiert verschiedene Künste.

Als sich im Herbst bei seinem Bauernhof Truppen einquartieren, wird er von diesen gefangengenommen. Er kommt durch diese nach Moskau und macht dort als Forscher Karriere. Er zeigt dem Zar die Pulverherstellung. Dafür wird er freigelassen. Auf der Reise erlebt er unzählige Abenteuer in Japan, Macao, Ägypten, Konstantinopel und Rom. Er wird von Piraten gefangengenommen und als Galeerensklave verkauft. Schließlich kehrt er nach Hause zurück.

Bei einem Waldspaziergang findet er ein Steinbild. Als er es berührt, verwandelt es sich in verschiedene Dinge und Tiere, bis es schließlich als Vogel davonfliegt (siehe Baldanders). Er deutet dies als Zeichen Gottes und will nach Santiago de Compostela in Spanien pilgern. Allerdings kentert das Schiff, und er rettet sich mit dem Schiffszimmermann an Land. Dort finden sie Obst, Geflügel, Früchte und Wasser. Nachdem sich der Zimmermann am Palmwein zu Tode getrunken hat, wird Simplicius zum Einsiedler und schreibt sein Leben nieder. Als zufällig Jahre später ein holländisches Schiff vorbei fährt, übergibt er dem Kapitän seinen Lebensbericht. Schließlich stirbt er auf der Insel.

siehe: Marodeur, Soldateska, Schwedentrunk,

Verfilmung


1975 erschien im ZDF im Rahmen der Abenteuervierteiler eine mehrteilige Verfilmung mit Matthias Habich in der Hauptrolle. Regie: Fritz Umgelter

Literatur


  • R. P. T. Aylett: The nature of realism in Grimmelshausen's Simplicissimus, cycle of novels. Bern 1982.
  • Jakob Koeman: Die Grimmelshausen-Rezeption in der fiktionalen Literatur der deutschen Romantik. Amsterdam 1993.
  • Dieter Breuer: Grimmelshausen-Handbuch. UTB, Stuttgart. ISBN 3825281825
  • Edith Parzefall: Das Fortwirken des Simplicissimus von Grimmelshausen in der deutschen Literatur. Berlin 2001. ISBN 3897226383

Aktuelle Ausgaben:

  • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus. Köln, 2005. ISBN 9783938484364
  • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus - Gekürzte Ausgabe. Reclam Schulausgabe, 1986. ISBN 3150074525

Weblinks


Literarisches Werk | Literatur (17. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Schelmenroman | Entwicklungsroman

Simplicius Simplicissimus

 

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