Simon Petrus (* unbekannt; † vermutlich in Rom um das Jahr 65) war einer der zwölf Apostel aus Galiläa, die Jesus von Nazaret schon zu Lebzeiten nachfolgten. Informationen über sein Leben überliefert hauptsächlich das Neue Testament. Dort ist Petrus erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi sowie meist erster Zeuge der Auferstehung Jesu Christi, Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.
Hinzu kommen spätantike kirchliche Dokumente, wonach Petrus erster Bischof von Antiochia, Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll. Ihre Historizität ist umstritten. Der Katholizismus führt den Primatsanspruch des römischen Bischofs und das Papsttum auf Petrus zurück („petrinisches Prinzip“). Innerhalb der katholischen und orthodoxen Tradition wird Petrus als Heiliger verehrt.
Der Beiname ist eigentlich ein Titel; er nimmt die Stelle des Vaternamens oder Herkunftsortes ein. Er ist die latinisierte Form des griechischen πετρος (petros), das den aramäischen Ausdruck kefa übersetzt (gräzisiert Kephas). Die Bedeutung des Wortes reicht von „Stein“ bis zu „Felsen“.
Sein Vater hieß Jona (Mt 16,17) oder Johannes (Joh 1,42); seine Mutter wird nicht genannt. Er hatte einen Bruder namens Andreas, der mit ihm von Jesus berufen wurde. Diesen nennen alle Apostellisten an zweiter Stelle neben Simon: Daraus schließt man, dass Andreas wohl der Jüngere von beiden war.
Nach der Apostelgeschichte wurde Petrus im traditionellen jüdischen Glauben erzogen. Er beachtete jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden (Apg 10,14.28). Den synoptischen Evangelien zufolge wohnte er in Kafarnaum am See Genezareth in Galiläa. Dort besaß er ein Haus, wo er zusammen mit seiner Schwiegermutter lebte (Mk 1,29-31; Lk 4,38).
Jesus soll seine Schwiegermutter geheilt haben, worauf sie den Jüngern gedient habe (Mk 1,31). Den Namen von Petrus' Frau erwähnen die Evangelien nicht. Daher glauben manche Exegeten, Petrus habe sie gemäß der Aufforderung Jesu, alles zu verlassen (Mk 10,28f), in Kafarnaum zurückgelassen. Nach Paulus, der ihn um das Jahr 39 in Jerusalem traf, wurden Petrus und andere Apostel jedoch von ihren Ehefrauen begleitet (1 Kor 9,5). Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Mt 5,32), kann Simons Frau auch vorher schon, wie andere Frauen aus Galiläa (Mk 15,41; Lk 8,2), mit ihrem Mann umhergezogen sein.
Nach den Synoptikern, die hier wohl dem Markusevangelium folgten, arbeiteten Simon (noch ohne Zuname) und Andreas als Fischer. Am See Genezareth habe Jesus sie beim Auswerfen ihrer Fischernetze getroffen und aufgefordert, ihm nachzufolgen. Daraufhin hätten die Brüder die Netze verlassen und seien ihm gefolgt (Mk 1,16). Bei der Berufung der übrigen Zwölf habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben (Mk 3,16).
Nach dem Lukasevangelium wurde Simon zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung ist hier Abschluss eines unerwartet großen Fischfangs, nach dem Simon bekennt: Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch. (Lk 5,1-11). Hier nennt Lukas erstmals seinen Beinamen Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (Lk 6,14). Beide Evangelisten erklären den Beinamen nicht.
Auch das Matthäusevangelium nennt Simon ab seiner Berufung Petrus (Mt 4,18). Er stellt diesen Beinamen besonders heraus, nachdem Simon bekannte: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Als Antwort erhält er eine Seligpreisung und Zusage, dass Jesus seine ecclesia auf „diesen Felsen“ bauen wolle (Mt 16,18).
Nach dem Johannesevangelium kamen er und sein Bruder aus Bethsaida in Judäa. Ob hier der Geburts- oder der zeitweise Wohnort gemeint ist, bleibt offen. Andreas soll als ein Jünger Johannes des Täufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt und dann seinen Bruder Simon zu ihm geführt haben. Jesus habe ihm sofort, als er ihn sah, den Beinamen Kephas („Fels“ oder „Stein“) verliehen (Joh 1,35-44).
Alle Evangelien sind sich einig, dass Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsrolle innehatte. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle und zählt, zusammen mit Jakobus dem Älteren und Johannes, zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahe standen. Sie waren nach Mk 9,2-13 (Verklärung Christi) die Einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Gethsemane (Mk 14,33).
Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14,29-31).
Laut Joh 13,6-9 widersprach er auch Jesu Ansinnen, ihm die Füße zu waschen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also gegen die Zumutung, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Aber nur dieser Dienst gab ihm vorweg Anteil an dem am Kreuz Jesu erwirkten Heil und deutete auf die „Taufe in den Tod“ voraus. Das war mit der Verpflichtung an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen. In der Erinnerung daran wurde Petrus nach Jesu Tod zu einer Führungsfigur in der Urgemeinde.
Im Verlauf der Passion Jesu spitzen alle Evangelien das Versagen des ersten Jüngers und Christusbekenners zu. Jesus kündete Petrus beim letzten Mahl Jesu an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich (Mk 14,27-31 par.):
Petrus fehlte also die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Dennoch erhielt gerade er auf sein Christusbekenntnis hin von Jesus den Namen „Fels“ und die Zusage der Gemeindegründung (Mt 16,16-23). Die Apostelgeschichte stellt Petrus nach Pfingsten demgemäß als todesmutigen Bekenner vor dem Hohen Rat dar (Apg 5,29), der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte. Paulus dagegen zeigt ihn auch als wankelmütig: Er berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue „heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zu wandeln (Gal 2,11-14).
Einige Exegeten schließen daraus auf seinen ambivalenten Charakter. Andere sehen Petrus als Beispiel für das Verhalten aller Jünger, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes verließen (Mk 14,50). Er steht im NT für das dichte Beieinander von Glauben und Unglauben, Zeugendienst und schuldhaft verweigerter Kreuzesnachfolge in der ganzen Kirche.
Ort und Inhalt der Petrusvision lassen die synoptischen Evangelien unbestimmt. Nach dem Markusevangelium erhielten die Frauen, die das leere Grab Jesu entdeckten, dabei die Botschaft eines Engels (Mk 16,7):
Auch das Lukasevangelium malt die Erstvision des Petrus nicht aus. Es deutet an, dass die Jünger nach Jesu Tod auf getrennten Wegen in ihre Heimat zurückkehrten. Unterwegs seien einige von ihnen Jesus begegnet, deshalb wieder umgekehrt und hätten sich in einem Haus in Jerusalem versammelt. Dort habe Jesus sich ihnen gemeinsam offenbart und ihnen den Auftrag zur Völkermission gegeben. Dabei kündet er hier die Ausschüttung des Heiligen Geistes nur an, die 40 Tage später an Pfingsten erfolgte (Lk 24,13-50).
Im Johannesevangelium geschah die gemeinsame Jüngervision ebenfalls in der Tempelstadt. Dabei erhielten alle Jünger den Geist und damit die Vollmacht zum „Binden und Lösen“ der Sünder (Joh 20,19-23). Dem ging die Begegnung Jesu mit Maria Magdalena voraus: Sie, nicht Petrus, sah und verkündete den Auferstandenen hier zuerst. Petrus habe zuvor das leere Grab Jesu betreten und darin das aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten entdeckt. Weil er sich dies nicht habe erklären können, sei er zunächst „nachhause“ gegangen. Nicht die Entdeckung des leeren Grabes, sondern erst die Selbstoffenbarung des Auferstandenen konnte also seinen Glauben wecken (Joh 20,1-18).
Aus diesen Unterschieden schließen NT-Historiker heute meist, dass Erscheinungen und Grabentdeckung ursprünglich unabhängig voneinander überliefert und dann auf verschiedene Weise kombiniert wurden, um das Jüngertreffen in Jerusalem zu erklären. Der später angehängte Schluss des Markusevangeliums (Mk 16,9-20) versuchte - wahrscheinlich bei der beginnenden Kanonisierung des Neuen Testaments (um 180) -, die verschiedenen Evangelienberichte von Jesuserscheinungen in eine harmonische Abfolge zu bringen.
Auch das Johannesevangelium wurde später nochmals ergänzt: Das Schlusskapitel berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (Lk 5,1-11), so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: Liebst du mich?, was er jedesmal bejaht. Daraufhin erhält Petrus dreimal den Befehl: Weide meine Schafe! und den erneuten Ruf Folge mir nach. Dabei kündet Jesus ihm an, dass er als Märtyrer sterben werde (Joh 21,1-19).
Die Lokalisierung am See Genezareth bestätigt, dass die ersten Jüngervisionen in Galiläa nicht in Jerusalem stattfanden. Sie wurden als Versöhnung mit Jesus und erneute Nachfolgeberufung verstanden: Das gemeinsame Mahl mit dem Auferstandenen bedeutete für Juden Vergebung und Anteilgabe am endzeitlichen Heil. Ostererinnerung und Abendmahl waren im Gottesdienst der Urchristen eng verbunden und wurden auf Petrus zurückgeführt.
Auch wenn die Zahl überhöht erscheint - Jerusalem hatte damals nur um 20.000 Einwohner -, kann Petrus Erfolg unter seinen jüdischen Landsleuten gehabt haben, weil seine Missionspredigt sie zwar für Jesu Kreuzigung haftbar machte, aber nicht verurteilte, sondern ihnen Gottes Versöhnung zusagte und anbot (Apg 3,17). Er geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten (Apg 4,8ff; 5,29). Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimütig bekannt haben.
Nach der Verfolgung der Urgemeinde im Anschluss an die Hinrichtung des Stephanus missionierten einige Apostel, darunter Petrus, offenbar auch außerhalb Jerusalems. Laut Apg 8,14-25 kam er dabei auch nach Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine Autorität über die Urgemeinde hinaus. Er war wohl anfangs der Hauptvertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (Gal 2,8; Mt 10,5; vgl. Lk 24,47).
Von Petrus werden auch Spontanheilungen und sogar Totenerweckungen analog zu denen Jesu berichtet, etwa in Lydda und Joppe (Apg 9,32-43). Damit wird die Kontinuität zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen betont, das zu ihrem Auftrag gehörte (Mk 16,15-20; Mt 10,8).
Wie er in seiner ersten Predigt Christus ganz als Erfüllung jüdischer Verheißungstraditionen verkündete, so hielt er auch an der jüdischen Tora inklusive der Speise- und Reinheitsgesetze fest (Apg 10,13f). Doch dann habe er nahe der Römerstadt Cäsarea Philippi eine Vision Gottes erhalten, der ihm die Tischgemeinschaft mit dem Hauptmann Kornelius, einem der sogenannten „gottesfürchtigen“ Römer, befohlen habe. Damit begann nach lukanischer Darstellung die urchristliche Heidenmission.
Diese führte zu Konflikten mit den Judenchristen, die von Heiden die Beschneidung und Einhaltung jüdischer Gebote verlangten. Petrus habe sie mit Hinweis auf seine göttliche Autorisierung überwunden (Apg 11,17):
Nach dem Ende der Regentschaft des Pontius Pilatus ließ der jüdische König Herodes Agrippa I. (41-44) die Urgemeinde in Jerusalem verfolgen und den Apostel Jakobus den Älteren enthaupten. Auch Petrus wurde verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Doch laut Apg 12,1-19 verhalf ihm ein Engel auf wunderbare Weise zur Freiheit. Er ließ dies Jakobus und den übrigen Aposteln mitteilen und verließ Jerusalem, um seine Mission fortzusetzen.
Patristische Notizen des 3. Jahrhunderts (s.u.) deuteten diese Nachricht als Übergabe der Leitung der Urgemeinde an Jakobus. Dem widerspricht Paulus, der Petrus, Jakobus den Gerechten und Johannes beim Apostelkonzil (um 48) gemeinsam als „Säulen“ der Urgemeinde antraf (Gal 2,9). Dort wurde über seine gesetzesfreie Heidenmission entschieden. Petrus sei dabei als deren Fürsprecher aufgetreten (Apg 15,7-11). So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.
Paulus bestätigt Angaben wie Apg 9,32, wonach Petrus als Vertreter der Urgemeinde neue Gemeinden, darunter auch Antiochia, besuchte und mit den Heidenchristen dort die Tischgemeinschaft pflegte: Das bedeutet, dass er die Heidenmission anerkannte. Dann aber hätten Anhänger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert (vgl. Apg 11,3). Daraufhin sei Petrus vor ihnen zurückgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Heiden beendet. Deshalb habe er, Paulus, ihn öffentlich für seine Inkonsequenz gerügt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, wonach den getauften Heidenchristen die Einhaltung der Tora ganz erlassen worden sei (Gal 2,11-14).
Paulus zeichnet also ein anderes Bild von Petrus als Lukas. Er sah ihn als Vertreter des „Evangeliums an die Juden“ an, der den Heidenchristen bis zum Apostelbeschluss zur gesetzesfreien Heidenmission bestimmte Toragebote auferlegte. Als er danach zur Befreiung nichtjüdischer Christen von den Speisevorschriften hätte stehen müssen, wurde er unter dem Druck strengerer Judenchristen wieder schwankend. Diese Angaben aus dem Galaterbrief werden meist als Hinweis auf nach dem Apostelkonzil fortbestehende Spannungen gesehen, die die spätere lukanische Darstellung zu beschönigen versucht habe.
Andere, darunter die Zeugen Jehovas, verstehen den Gruß aus Babylon wörtlich und nehmen an, dass Petrus tatsächlich dort missionierte, da er auch sonst jüdische Diasporagemeinden wie Antiochia bereiste. Ob Babylon damals überhaupt noch existierte, ist unbekannt.
Der Brief autorisiert kurz vor dem Tod des Autors als sein „Testament“ die Lehren des Paulus (2 Petr 1,14; 3,15). Heute wird er meist auf 100-130 datiert. Die Aufnahme in den Kanon des NT war wegen ungewisser Autorschaft des Petrus umstritten.Die Gleichsetzung von Johannes Markus mit dem Autor des ältesten Evangeliums und seine Bekanntschaft mit Petrus sind außer diesen Notizen nirgends belegt und gelten Christentumshistorikern heute meist als patristische Konstruktion. Aufgrund der als zuverlässig geltenden Notizen der Paulusbriefe geht man zudem von Spannungen zwischen den hellenistischen Heidenmissionaren um Stephanus und später Paulus mit den „Judaisten“ der Urgemeinde aus; welche Position Petrus dabei einnahm, ist ungewiss.
Hinzu kommen einige Apokryphen, die von der frühen Kirche aus theologischen Gründen nicht in den Kanon aufgenommen wurden oder verschollen sind:
Petrus soll nach legendarischen Notizen einiger Kirchenväter gegen Ende seines Lebens nach Rom gekommen sein und dort den Tod als christlicher Märtyrer gefunden haben. Diese Legende wurde im Katholizismus zur Glaubensüberzeugung und diente immer wieder als Stoff künstlerischer Werke (bildliche Darstellung siehe rechts), bekannt geworden ist etwa die Verfilmung „Quo Vadis“ von 1951, die auf dem gleichnamigen Roman von 1895 beruht.
Das Neue Testament erwähnt weder eine Romreise des Petrus noch seinen Märtyrertod. Zwar wird in der synoptischen Tradition allen Jüngern Jesu Verfolgung und Tod vorhergesagt (u.a. Mk 10,39; Mk 13,12); aber nur ein später Redaktor des Johannesevangeliums lässt Jesus dem Petrus dessen Hinrichtung ankündigen, ohne deren Ort und Umstände zu nennen (Joh 21,18f.).
Wäre Petrus nach dem Apostelkonzil nach Rom gereist, so argumentieren viele Historiker, hätte sich dies an vielen Stellen des NT niedergeschlagen: vor allem im Römerbrief des Paulus (um 56 - 60), der Christen in Rom namentlich grüßt und bereits auf dortige Verfolgung hinweist, sowie in der Apostelgeschichte. Diese, so entgegnen andere, sei als periodisierende Missionsgeschichte nicht an lückenloser Chronologie interessiert. Doch sie stelle den Übergang von der Judenmission des Petrus und der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus dar und berichte am Ende über dessen ungehinderte Missionstätigkeit in Rom (Apg 28,17-31): Wäre er Petrus dort begegnet, hätte der Autor dies sicher vermerkt.
Zudem, so etwa Hans Conzelmann (Geschichte des Urchristentums S. 136), setze das Petrusbekenntnis nach Mt 16,16-19 eine Gemeinde in Syrien oder Kleinasien voraus, die von Petrus gegründet wurde und schon auf seinen Tod zurückblickt. Denn hier werden die „Pforten der Unterwelt“, die sich laut Jes 38,10 hinter jedem Sterblichen („Fleisch und Blut“) schließen, in den Gegensatz zur Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft über den Tod des Einzelnen hinaus gestellt. Dennoch schließt Conzelmann einen Romaufenthalt des Petrus nicht aus, da vielleicht schon der 1. Petrusbrief mit dem Hinweis auf „Babylon“ indirekt davon ausgehe.
Der 1. Clemensbrief, der wahrscheinlich in oder bald nach der Regierungszeit Domitians zwischen 90 und 100 in Rom verfasst wurde, erwähnt erstmals ein Martyrium der beiden Hauptvertreter des Urchristentums: Petrus für die Jerusalemer Urgemeinde, Paulus für die Heidenmission im römischen Reich. Die Kapitel 5 und 6 heben ihr Vorbild hervor, dem viele Christen folgten:
Der Bischof Dionysius von Korinth (ca. 165-175) soll laut Eusebius von Cäsarea (ca. 260-340) von Petrus und Paulus gesagt haben:
Eusebius folgerte daraus (2, XXV.):
Nach Apg 1,2ff entstand die Urgemeinde durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Jesu Auferstehung allen Jüngern offenbarte, die sie dann gemeinsam den Jerusalemern verkündeten. Petrus hatte dabei die Vorreiterrolle (Apg 2,41). Wegen seiner Hervorhebung im Zwölferkreis und seines Auftretens als erster Verkünder der Auferstehung Jesu (Apg 2) wird er als Gründer und einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde angesehen. Dass er darüber hinaus weitere Gemeinden gegründet und geleitet hätte, berichtet das NT jedoch nicht.
Nach Apg 11,20 wurde die Gemeinde in Antiochia nicht von ihm, sondern von hellenistischen Anhängern des Stephanus gegründet, die nach dessen Martyrium nach Syrien versprengt worden waren. Die Gemeinde bestand wohl überwiegend aus Heidenchristen und wurde so erstmals als eigene, vom Judentum verschiedene Gruppe wahrnehmbar. Eventuell erhielt sie deshalb von dortigen Griechen oder Römern den Namen „Christiani“ (Apg 11,26).
Das von Paulus geschilderte Zurückweichen des Petrus vor denen, die die gesetzesfreie Heidenmission auch nach dem Apostelkonzil ablehnten, spräche eher dagegen, dass er in Antiochien ein Führungsamt innehatte. Davon unabhängig wurde er dort in späterer Zeit als Bischof verehrt. Irenäus von Lyon (ca. 135 - 202) berichtet, Paulus und Petrus hätten die Kirche in Rom „gegründet und festgesetzt“ (Adversus Haereses 3,3,3). Um diese Zeit kam die Ansicht auf, dass Petrus auch die Kirche in Rom als Bischof geleitet habe. Sie baut auf der etwas älteren Tradition seines Romaufenthalts auf. Sie trifft jedoch historisch nicht zu, da Petrus noch in Jerusalem wirkte, als Paulus nach Apg 18,1 in Korinth Christen aus Rom traf (um 50). Daher nimmt man an, dass dort bereits eine von keinem der beiden gegründete Gemeinde bestand. Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte (2,I.) Clemens von Alexandria (150-215):
Doch wie die Nachwahl des Matthias (Apg 1,26) zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhalten bleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wählte laut Apg 6,5 und Apg 15,22 neue Führungspersonen. In den synoptischen Texten vom Rangstreit der Jünger (u.a. Mk 10,35-45) wird ein Führungsprivileg für Einzelne - hier die Zebedaiden Jakobus und Johannes, zwei der im NT hervorgehobenen Lieblingsjünger Jesu - ausdrücklich abgelehnt und der Wunsch danach scharf kritisiert.
Eine spätere Leitung des Jakobus lässt sich aus Apg 21,15ff folgern, wo er mit den „Ältesten“ zusammen auftrat. Das Testimonium Flavianum bestätigt, dass er - offenbar als Leiter der Urgemeinde - im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach Zitaten Hegesipps bei Eusebius unter Domitian verhaftet worden sein: Dann hatten sie noch zwei Generationen später eine Führungsrolle im Christentum. Viele Historiker folgern daraus, dass erst im 2. Jahrhundert ein teilweise dynastisches Bischofsamt entstand, das dann nachträglich auf die apostolische Autorität zurückgeführt wurde. Die um 100 entstandenen Ignatiusbriefe wissen noch nichts von einem solchen Amt. Es war den ersten Christengenerationen unbekannt und in ihrem Selbstverständnis nicht vorgesehen: Alle Christen waren gemäß Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung (Mk 10,43-45) gleichermaßen die „Heiligen“ (Röm 15,25). Zwar hatten die Apostel als Zeugen der Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene Autorität; aber der monarchische Episkopat lässt sich schwerlich direkt daraus ableiten. Aus verständlichen Gründen hält die katholische Kirche aber an der Tradition fest und geht weiterhin von Petrus als erstem römischen Bischof aus. Endgültig widerlegen lässt sich diese Behauptung selbstverständlich nicht.
Im späten 4. Jahrhundert, als sich der monarchische Episkopat allgemein durchgesetzt hatte und der römische Bischof zunehmend eine Sonderrolle beanspruchte, erwähnt Hieronymus eine römische Amtszeit des Petrus von 25 Jahren: Das setzt einen Romaufenthalt des Petrus vom Jahr 40 an voraus. Dem widerspricht allerdings Apg 15,7, wonach Petrus mindestens bis 48 einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde war.
Daraus leitet die römisch-katholische Kirche ihre Auffassung ab, der Papst sei als Bischof von Rom ein Nachfolger Petri. Linus wäre dann sein unmittelbarer Nachfolger gewesen. Die besondere Vollmacht des Petrus als Stellvertreter Christi auf Erden und Leiter der ganzen Kirche sei in einer historisch ununterbrochen Kette auf alle seine Nachfolger im römischen Bischofsamt übergegangen (Apostolische Sukzession). Diese Auslegung der neutestamentlichen Passagen begründet also bis heute den Anspruch des Papstes auf die Führung aller übrigen Ortskirchen.
Petrus ist auch nach evangelischem Verständnis ein besonderer Jünger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller gläubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gott die Zusage der gegenwärtigen Vergebung und zukünftigen Erlösung erhalten. Auch der Glauben ist nach evangelischem Verständnis keine Eigenleistung des Petrus, sondern reines Gnadengeschenk der stellvertretenden Fürbitte Jesu, des Gekreuzigten (Lk 22,31ff):
Eine Sondervollmacht Petri lasse sich aus dem NT nicht herleiten: Die „Schlüsselgewalt“ zum Binden und Lösen der Sünden werde nach Mt 18,18 und Jh 20,21-23 allen Jüngern gegeben. Besonders das Matthäusevangelium lasse keinen Zweifel daran, dass die christliche Gemeinde nur auf dem Glaubensgehorsam aller ihrer Mitglieder erbaut sein könne. Denn dort wird die Bergpredigt Jesu mit dem Zuspruch eröffnet (Mt 5,14):
Darum bezweifelten protestantische Historiker oft nicht nur das Bischofsamt, sondern schon den Romaufenthalt des Petrus. Heute schließen sie diese Möglichkeit nicht aus, ohne deswegen das Papsttum anzuerkennen. Denn auch eine mögliche „Amtsübergabe“ des Petrus an seinen Nachfolger in Rom begründe keine Vorrangstellung des römischen Bischofs für alle Zeit.
Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron
Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl. Im Volksglauben wird er auch für Regenwetter verantwortlich gemacht, weil er die Schlüssel zum Himmel hat.
Weltweit sind nach dem heiligen Petrus zahlreiche Orte und Kirchen benannt. Die berühmteste davon ist der Petersdom im Vatikan. Weitere Kirchen, die das Patrozinium des Heiligen Petrus haben, sind zum Beispiel:
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