Die
Stadt Simmern/Hunsrück ist
Mittelzentrum, Kreisstadt des
Rhein-Hunsrück-Kreises und Sitz der
Verbandsgemeinde Simmern in Rheinland-Pfalz (
Deutschland).
Allgemeines
Die Stadtfläche beträgt 1196 ha, die Stadt liegt genau auf dem 50. Breitengrad. Bürgermeister der Stadt und der Verbandsgemeinde ist Manfred Faust.
Simmern liegt an der Bundesstraße 50 in der Nähe der Bundesautobahn 61. Außerdem verfügt die Stadt über einen Bahnhof an der Bahnlinie Bingen-Hermeskeil. Die Strecke ist allerdings stillgelegt und Simmern nur noch mit dem Bus erreichbar. Jedoch soll sie auf Grund des boomenden Flughafen Frankfurt-Hahn in den nächsten Jahren wieder reaktiviert werden und dann den Flughafen mit dem Rhein-Main-Gebiet verbinden.
Bildung
An Bildungseinrichtungen existieren zwei Grundschulen (die Kurt-Schöllhammer-Grundschule sowie die Rottmannschule), eine Regionale Schule mit Haupt- und Realschulabschluss und das staatliche, mathematisch-naturwissenschaftliche Herzog-Johann-Gymnasium, sowie berufsbildende Schulen mit einem Wirtschaftsgymnasium, mehrere Fach- und Fachoberschulen und eine Schule für Lernbehinderte.
Institutionen
Neben der Stadt- und Kreisverwaltung verfügt die Stadt auch über eine Reihe weiterer Dienststellen (Amtsgericht, Finanz-, Gesundheits- und Katasteramt, Post, Außenstelle der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Kreishandwerkerschaft). Außerdem ist sie Standort eines Technologie- und Gründerzentrums. Auch ein Kino ("Pro-Winz-Kino") ist vorhanden. Neben dem VfR 1921 Simmern verfügt die Stadt über eine ganze Bandbreite anderer Vereine.
Simmern attraktiv e.V. zum Beispiel ist der Zusammenschluss der aktivsten Gewerbetreibenden der Stadt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, den Einzelhandelsstandort Simmern zu stärken und die Stadt noch attraktiver für Bürger, Kunden sowie Besucher zu machen.
Wirtschaft
Zu den größten Arbeitgebern der Stadt zählen die ZF Boge Elastmetall GmbH (600 Beschäftigte), die CompAir Drucklufttechnik GmbH (500), die Pfefferkorn & Co GmbH (Sektstopfenhersteller), die Massa GmbH (Fertighausbau), Kastell Bautechnik GmbH (Fertighäuser), Zischka Textilpflege GmbH (Großwäscherei), die Hunsrück-Klinik und die DHL mit einer Logistikzentrale. Daneben gibt es mehrere Verbrauchermärkte und eine Vielzahl kleinerer Dienstleister.
Freizeit
Simmern verfügt über ein Freizeitbad und ein Naturfreibad, die Indoor-Kindererlebniswelt "Dschungeldorf " und ein Kino.
Die Stadt liegt am Schinderhannes-Radweg und am Soonwald-Radweg. Diese führen von Emmelshausen über Kastellaun und Simmern zum Soonwald, die Gesamtlänge beträgt 54 km.
Sehenswürdigkeiten
- Barocke katholische St. Josefskirche aus dem 18. Jh. mit sehenswerten Deckenfresken !
- Spätgotische evangelische Stephanskirche, erbaut 1486 bis 1510, mit Grabmälern der Herzöge von Pfalz-Simmern und historischer Orgel von 1776 aus der Werkstatt der Hunsrücker Orgelbauer Familie Stumm.
- Kulturzentrum im Neuen Schloss mit Hunsrückmuseum, Friedrich-Karl-Ströher-Ausstellung (Hunsrück-Maler) und Stadtbücherei
- Schinderhannesturm im Zentrum der Stadt. Im Schinderhannesturm waren zu verschiedenen Zeiten die Räuber Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, und Johann Peter Petri, genannt Schwarzer Peter, gefangen, beide konnten aber ausbrechen.
Geschichte
Mittelalter und frühe Neuzeit
Die Stadt wurde
847 erstmalig urkundlich erwähnt, war aber bereits in der Römerzeit besiedelt und lag an der wichtigen Heerstraße
Bingen-
Trier. Simmern gehörte zunächst dem Nahegaugrafen, der den Ort an ein Mainzer Kloster verschenkte; später wurde er Besitz des Raugrafen und war damit Teil des Territoriums des
Erzbistums Trier. Von dessen Erzbischof
Balduin erhielt Simmern
1330 das Stadtrecht. Die Wochen- und Jahrmärkte der Stadt zogen Händler des gesamten Hunsrücks an und sorgten für ein Aufblühen von Handel und Gewerbe. Mit dem Stadtrecht verbunden war die Befestigung mit einer wehrhaften Doppelmauer, die mit einer Reihe von Türmen und Toren versehen wurde. Noch im 14. Jahrhundert wurde Simmern an die
Pfalzgrafen aus dem Hause
Wittelsbach weiterverkauft. Die pfälzischen Wittelsbacher waren seit
1356 Kurfürsten waren und spalteten sich
1410 nach dem Tod
Ruprechts III., der auch die deutsche Königskrone innehatte, in mehrere Linien auf, darunter die Linie
Pfalz-Simmern, die ihre Residenz in der Stadt nahmen. Zu nennen sind die Herzöge
Ludwig III.,
Friedrich I., Johann I. und vor allem
Johann II. Dieser regierte in Simmern von
1509-
1557, war humanistisch und künstlerisch gebildet, ließ eine erste Druckerei in der Stadt errichten und förderte insbesondere die Bildhauerkunst. Er führte in seinem Land auch die
Reformation ein, was zu Spannungen mit den umgebenden Erzbistümern Trier und Mainz führte. Ihm folgte Kurfürst
Friedrich III., der zum
Calvinismus wechselt und eine führende Rolle in der Reichspolitik spielte. Im Jahre
1559 folgte die Linie
Pfalz-Simmern der erlöschenen Hauptlinie der Pfalz mit der
Kurwürde in
Heidelberg nach. Die Söhne Friedrichs III. Georg und Richard bildeten die kurzlebige Linie der Pfalzgrafen von Simmern-Sponheim, deren Besitz nach Richards Tod
1598 wieder an das Kurfürstentum unter
Friedrich IV. zurückfiel.
Kriege um die Pfalz
Friedrichs IV. Sohn
Friedrich V. trug mit seiner Kandidatur für den böhmischen Königsthron als "Winterkönig" mit dazu bei, dass der
Dreißigjährige Krieg eskalierte und schnell auch seine Besitzungen in der Rheinpfalz erfasste. Diese waren inzwischen mit Begründung der jüngeren Linie
Pfalz-Simmern durch seinen Bruder Ludwig Philipp
1611 erneut geteilt worden, doch fällt auch diese mit dem Tod von dessen Sohn Ludwig Heinrich
1673 wieder an die Hauptlinie unter
Karl I. Ludwig zurück, der im Westfälischen Frieden die Kurwürde zurückerlangte. Dank seiner Befestigungen konnte die Stadt Simmern die Kriegswirren relativ unbeschädigt überstehen, doch kam es durch den Tod des Sohnes Karls I.,
Karl II. zu neuen Wirren, da mit ihm die Linie der pfälzischen Wittelsbacher ausstarb und Frankreich Besitzrechte anmeldete, da
Liselotte von der Pfalz, Schwester Karls II. und in den Augen der Franzosen erbberechtigt, mit
Philipp I. von Orléans verheiratet war, dem Sohn
Ludwigs XIV.; da aber auch die wittelsbacher Linie
Pfalz-Neuburg Ansprüche auf das Simmerner Erbe erhob, brach
1688 der
Pfälzer Erbfolgekrieg aus, in dessen Verlauf die Franzosen weite Gebiete der Pfalz verwüsteten. Die Stadt Simmern selbst war kurz zuvor von zahlreichen
Hugenotten, die der religiösen Verfolgung in Frankreich entflohen, regelrecht überflutet worden. Am
17. September 1689 schließlich eroberten die französischen Truppen die Stadt, die sie fast vollständig in Trümmern legten. Das Residenzschloss wurde, ebenso wie das in Heidelberg, zur Ruine, lediglich Stefanskirche, der Pulverturm, dem späteren
Schinderhannesturm und eine Hand voll Häuser überstanden die Katastrophe. Immerhin blieb die Pfalz infolge des
Friedens von Rijswijk wittelsbachisch. Im 18. Jahrhundert war Simmern dann aber nur noch Sitz eines pfälzischen Oberamts, da die Kurfürsten in Mannheim residierten.
18. bis 20. Jahrhundert
Nach der französischen Revolution eroberten die Franzosen erneut die Pfalz, die von ihnen annektiert wurde. Simmern wurde ein Kanton im Département
Rhin-et-Moselle. Der Besatzungsmacht stellte sich bald
Johannes Bückler, genannt
Schinderhannes, entgegen, der mit seiner Räuberbande im Hunsrück aktiv wurde und 1799 kurzzeitig im heutigen Schinderhannes-Turm in Simmern inhaftiert war, von wo ihm aber die Flucht gelang.
1804 weilte Kaiser
Napoleon in der Stadt, die mittlerweile auch eine demokratische Stadtverwaltung erhalten hatte.
1815 kam Simmern dann an Preußen.
Die Situation der Stadt, die im Hunsrück doch etwas abseits der Zentren der Industrialisierung lag, war im 19. Jahrhundert nicht leicht, zumal es 1845 auch noch zu Kartoffelfäule und Missernten kam, woraufhin viele Bewohner der Stadt nach Amerika auswanderten.
Im ersten Weltkrieg war Simmern wichtiger Stützpunkt der Etappe der Westfront. In der Zwischenkriegszeit litt die Stadt, die zudem bis 1930 erneut französisch besetzt war, unter der wirtschaftlichen Situation jener Zeit. Im Zweiten Weltkrieg kam es dann erneut zu Verwüstungen, zumal es in unmittelbarer Nähe eines Militärflughafens (dem heutigen Flughafen Frankfurt-Hahn) lag. 1945 wurde Simmern von US-amerikanischen Truppen befreit, wurde dann mit der Pfalz der französischen Besatzungszone zugeschlagen und gehört seit 1946 dem Land Rheinland-Pfalz an. Die USA nutzte den Flugplatz Hahn bis zur Wende als Air-Force-Stützpunkt, der mit dem Abzug der Amerikaner schließlich für die zivile Luftfahrt freigegeben wurde.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Weblinks
Ort in Rheinland-Pfalz Kurpfalz | Simmern