Die Höflichkeitsform ist eine Form der höflichen Anrede, die eine besondere Ehrerbietung für die angeredete Person darstellt (vgl. Honorificum). Sie kann sich je nach Sprache unterschiedlich gestalten, etwa durch eine Variation des Verbs, des Substantivs, der Personalpronomina oder durch besondere Interjektionen. Dabei fügt sie sich in den indoeuropäischen Sprachen vorzugsweise in ein System verschiedener Stufen der Anreden ein. Die Höflichkeitsformen entwickeln sich im Laufe der Zeit und ändern sich.
In der deutschen Sprache wird die Höflichkeitsform heute durch die Anrede mit der Pluralform "Sie" und mit den davon abgeleiteten Formen gebildet. Auch das entsprechende Verb steht im Plural.
Die Höflichkeitsform mit "Sie" (dritte Person Plural statt zweite Person Singular bzw. Plural) ist die einzig verbliebene aus einer Stufenreihe von Höflichkeitsformen:
Als gerade nicht höflich gilt das "Du" (und früher das "Er", die 3. Pers. Sing.):
Eine weitere Höflichkeitsform in der deutschen Sprache ist die Anrede mit "Herr" oder "Frau" und Familiennamen.
Weitergehende Anredeformen, die eine Hierarchie von Anreden bilden, gelten heute in den meisten Fällen als veraltet. Sie werden aber oft in der internationalen Diplomatie weiterhin verwendet. Die Formen entsprechen dabei dem Rang der angeredeten Person. Solche Anreden sind: Magnifizenz, Euer Hochwürden und Ähnliche.
Formen wie: "Gnädiger Herr" oder "Gnädiges Fräulein", die noch zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verwendet wurden, sind heute außer Gebrauch.
Die Anrede "Doktor" ist keine Höflichkeitsform, sondern zeigt den akademischen Grad an. Der Titel ist entgegen einer weitvertreiteten Vorstellung kein Bestandteil des Namens.
Bei Aufforderungen, Wünschen, Bitten und Fragen wird als Höflichkeitsform oft der Konjunktiv verwendet.
Besondere Höflichkeitsformen werden im Schriftverkehr verwendet.
Dazu gehört eine besondere Form der Anrede:
Bei Reden ohne konkreten Ansprechpartner, zum Beispiel im Fernsehen, wird die Höflichkeitsfloskel "Sehr geehrte Damen und Herren" verwendet.
Die Höflichkeitsform wird normalerweise gegenseitig verwendet. Die einseitige Verwendung gilt oft als unhöflich und als Verweigerung der Ehrerbietung.
Beim Umgang von älteren Menschen mit (wesentlich) jüngeren ist aber bisweilen eine Einseitigkeit gegeben, so siezen zum Beispiel Schüler ihre Lehrer, werden aber (bis wenigstens zu Beginn der Sekundarstufe II) von diesen für gewöhnlich geduzt.
Generell gilt für Kinder, dass diese dazu angehalten werden, alle Erwachsenen mit Ausnahme der eigenen Familie und Erwachsene aus dem Bekanntenkreis zu siezen, während Kinder normalerweise von niemandem gesiezt werden.
Traditionell wird die Höflichkeitsform beim Treffen zwischen einander unbekannten Personen und von nicht miteinander verwandten Personen verwendet.
Auf die Höflichkeitsform verzichtet wird im familiären Bereich und oft im Freundeskreis oder zwischen Arbeitskollegen.
In Internetforen wird ebenfalls oft das vertraulichere "du" gegenüber dem "Sie" bevorzugt, selbst bei völlig fremden Personen. Auffallend ist hier die teilweise zu beobachtende Vertauschung der Rollen. So wird der Wechsel vom üblichen Duzen hin zum Siezen (etwa in besonders hitzigen Diskussionen) als Mittel zur deutlichen Distanzierung vom Gesprächspartner eingesetzt und von vielen Teilnehmern als Affront empfunden.
In anderen Ländern und Sprachen sind zum Teil sehr unterschiedliche Höflichkeitsformen üblich. In der englischen Sprache wurde die frühere Höflichkeitsform "you" (zweite Person Plural) gleichzeitig zur zweiten Person Singular und ersetzte die ältere Form "thou" auch im familiären Bereich.
Zahlreiche, vor allem asiatische Sprachen haben ausgeprägte Höflichkeitssysteme, die zu einem oder gar mehreren abgestuften Honoritäts-Kasus entwickelt wurde, siehe etwa die Japanische Höflichkeitssprache.
In einigen Eingeborenengemeinschaften in Australien wurden für bestimmte soziale Kontexte die so genannten Schwiegermuttersprachen erfunden, die beispielsweise nur mit der Schwiegermutter verwendet werden.
Höflichkeitsformen sind oft mit speziellen Gesten verbunden. Dazu gehören Verbeugung (vgl. Knicks und Diener), spezielle Handbewegungen, Händedruck und Zuwendung der Aufmerksamkeit. In einigen Fällen können solche nonverbalen Höflichkeitsformen auch verbale ersetzen.
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