Sievering ist heute ein Stadtteil Wiens im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling und setzt sich aus den bis 1892 eigenständigen Gemeinden Unter- und Obersievering zusammen.
| Sievering
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| Wappen
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Geographie
Lage
Sievering entwickelte sich entlang des
Arbesbaches (Erbsenbach). Die später erfolgte Teilung des Ortes orientierte sich am Bachverlauf. So liegt Obersievering am Oberlauf des Baches zwischen
Schenkenberg und
Hackenberg, Untersievering am Unterlauf südlich des
Meiselbergs. Ursprünglich lag zwischen den beiden Sieverings auch noch die Wüstung Mitterhofen, die den ältesten Teil des Ortes bildet. Die Häusergruppe um die ursprüngliche Kapelle ging jedoch in den beiden Orten auf. Die am südwestlichen Abhang des Hackenberges gelegene Wüstung
Chlaintzing existierte vermutlich nur bis ins
14. Jahrhundert. Wassermangel dürfte die Bewohner zur Anlage von
Neustift am Walde gebracht haben. Ursprünglich waren in beiden Ortsteilen grundherrliche
Meierhöfe vorhanden, um die sich die
Weinbauer als Untertanen der Gutsherren ansiedelten. Wahrscheinlich im
12. Jahrhundert entstanden um die Meierhöfe Dörfer. Im Jahre
1330 wird Ober- und Under Sufferingen erstmals getrennt angeführt (Stiftungsurkunde der Sieveringer Kirche). Welcher der beiden früher entstand ist unklar. Die Sieveringer Kirche lag an der Grenzscheide beider Orte. Als die Dörfer über die Jahrhunderte wuchsen, wuchsen beide Häuserzeilen zu einem anggestreckten
Straßendorf zusammen.
Geschichte
Namensherkunft
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sievering im
1114 als Sufringen. Später wurde der Name schließlich über Suueringan und Sivring zu Sievering. Bei dem Ortsnamen handelt es sich um einen echten –ing Namen, bedeutet also
bei den Leuten, die zu einem Mann mit dem Namen Suver(o)/Sufr gehören.
Sievering bis zur Neuzeit
In Sievering befand sich zur
Römerzeit ein großer
Steinbruch, dessen Steine für das Militärlager
Vindobona verwendet wurden. Mit Sicherheit bestand dort auch eine größere Arbeitersiedlung.
1897 wurde in der Sieveringer Straße 132 auch ein
Mithräum freigelegt, dass von der 10. Römischen Legion aufgestellt worden war. Heute befindet sich der Altar im Historischen Museum der Stadt
Wien. Die Bewohner im
Mittelalter waren wiederum Bauern, die im wesentlichen für den Eigenbedarf produzierten. Für den Verkauf wurde
Wein angebaut. Im
14. Jahrhundert erfolgte die Trennung des Ortes nach dem Lauf des Arbesbaches.
1330 ist diese erstmals urkundlich festgehalten.
1334 übergab
Leopold III. den Ort dem
Stift Klosterneuburg, im
15. Jahrhundert ging der Besitz wieder an den Landesfürsten zurück. Nach wechselnden Besitzern kamen die beiden Orte letztlich an die Wiener
Hofkammer. Bereits 1330 ist eine Kapelle belegt, die dem heiligen Andreas geweiht war. Zur
Sieveringer Pfarrkirche wurde der Bau bereits
1348 erhoben. Erster Pfarrer war
Jacob de Medlaer aus dem Weltpriesterstand. Erst
1510 übernahm das Stift Klosterneuburg die Pfarre.
Sievering bis zum 19. Jahrhundert
Sievering litt ähnlich wie die umliegenden Orte stark unter den
Türkenkriegen, die die Entwicklung hemmten.
1634 wechselten die beiden Orte erneut den Besitzer. Obersievering kam an die
Kamaldulenser vom
Kahlenberg, Untersievering an das
Stift Gaming. Als
1713 die
Pest nach Wien kam, litt Sievering besonders stark unter der Krankheit. In Ober-Sievering waren 30 von 33 Häusern verseucht, in Unter-Sievering 32 von 34. Insgesamt starben in Sievering 267 Menschen an der Pest. In der Folge entwickelten sich die beiden Orte unterschiedlich stark. Wegen der schlechten Verkehrsanbindung und des kühleren, feuchten Wetters entwickelte sich Obersievering viel schlechter als Untersievering.
1767 hatte Obersievering immerhin noch aus 41 Häusern und 26 Hofstätten bestanden, Untersievering konnte nur 5 Hofstätten aufweisen. Dennoch hatte Untersievering 1819 bereits den oberhalb gelegenen Ort überholt. Untersievering beherbergte in 56 Häusern 467 Einwohner, in Obersievering lebten in 52 Häusern 377 Menschen. Nach
1789 errichteten Private "am Himmel" Wasserleitungen und Teiche, pflanzten Obstbäume, betrieben
Schafzucht und errichteten einen Park und eine
Meierei.
1832 vereinigte schließlich der Holzhändler Josef Müller die beiden Orte wieder in einer Hand und verkaufte sie später an Anton Edler von Wirth, der 1824 auch
Oberdöbling ersteigert hatte.
Als der Ort 1892 gemeinsam mit Unterdöbling, Oberdöbling, Heiligenstadt, Nußdorf, Grinzing, Josefsdorf und dem Kahlenbergerdorf nach Wien eingemeindet wurde, hatte Obersievering 626 Einwohner, Untersievering 1.996 Einwohner. Obersievering bestand dabei aus 78, Untersievering aus 214 Häusern. Um 1900 erfolgte die Verbauung der unteren Sieveringer Straße mit großen Zinshäusern. 1902 wurde die ehemalige Straßenbahnlinie 39 nach Sievering errichtet. Allmählich begann auch die Verbauung der umliegenden Hügel. Dennoch sind die beiden alten Ortskerne von Unter- und Obersievering heute noch gut erkennbar.
Wirtschaft
Beide Teile von Sievering hatten Anfang des
19. Jahrhunderts große
Rebflächen. Im etwas kleineren Untersievering war die Hälfte der Nutzfläche von
Weingärten bedeckt, ein Drittel machten Ackerflächen aus. In Obersievering waren es immerhin noch 28 Prozent Rebflächen, gefolgt von 20 Prozent
Wald und je etwa 15 Prozent
Wiesen bzw. Äckern. Von Bedeutung war der Sieveringer Steinbruch, der schon seit der Römerzeit bestand und dem Wiener Magistrat gehörte. Er lieferte bis 1921 Pflaster- und Schleifsteine.
Anders als das naheliegende Grinzing oder Neustift am Walde war Sievering lange Zeit kaum als
Sommerfrischeort geschätzt. Zudem entwickelten sich die Trauben im kühleren Bachtal langsamer als auf den umliegenden Hügeln. Bis weit ins 19. Jahrhundert war Sievering zudem nur schlecht durch Straßen mit der Umgebung verbunden. Allmählich siedelten sich aber auch hier Gewerbetreibende an und 1837 verband man Sievering erstmals durch eine Stellwagenlinie mit Wien. 1875 begann zudem die Verbauung Untersieverings, die allmähliche Einwölbung des Arbesbaches schützte vor Überschwemmungen.
Ein wichtiger Betrieb war ein
1897 durch den Zimmermeister Wenzl Hartl gegründetes Dampf
sägewerk in der Sieveringer Straße 2. Zusammen dem Baumeistergewerbe wuchs der Betrieb rasch, wurde jedoch
1948 nach
Niederösterreich verlegt. Auf dem Grundstück entstanden Reihenhäuser und das Franz Josef Hotel. Zum größten Betrieb Sieverings wurde jedoch die
1904 in der Weinberggasse gegründete Automobilfabrik
Gräf & Stift, die
Autos,
Lastkraftwagen und
Busse produzierte. Nach der etappenweise Verlegung der Produktion ins Werk
Liesing wurde das Grundstück mit Wohnhäusern verbaut.
Quellen
- Schwarz, Godehard: Döbling. Zehn kulturhistorische Spaziergänge durch Wiens 19. Bezirk. Wien 2004
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