| Flag of Sierra Leone.svg | Sierra Leone coa.gif | (Details) | (Details) |
Sierra Leone grenzt im Nordwesten, Norden und Nordosten an die Republik Guinea und im Südosten an Liberia. Im Süden und Südwesten liegt der Atlantische Ozean. Eine bis zu 110 km breite Ebene zieht sich an der Küste entlang, auf der Freetown-Halbinsel erheben sich die Sierra Lyoa Mountains bis zu einer Höhe von 1.000 m. Einigen Küstenregionen sind bis zu 112 km lange Sandbänke vorgelagert. Hinter der feuchten Küstenebene beginnt das z. T. landwirtschaftlich genutzte Waldgebiet, durch das die drei wichtigsten Flüsse fließen. Das Land steigt zu den östlichen Guinea Highlands an, einem Hochplateau mit Erhebungen von über 1.830 m in den Loma Mountains und Tingi Hills. Der höchste Berg ist der Bintumani mit 1.948 m.
Geographische Lage: 10°-13° westliche Länge, 7°-10° nördliche Breite an der westafrikanischen Atlantikküste.
Die größten Städte in Sierra Leone sind (Stand 1. Januar 2005): Freetown 802.639 Einwohner, Bo 174.354 Einwohner, Kenema 143.137 Einwohner, Makeni 87.679 Einwohner und Koidu-Sefadu 87.539 Einwohner.
Die wichtigsten Inseln sind:
Die Landesgrenze ist insgesamt 958 km lang, davon grenzen 652 km im Norden an Guinea und 306 km im Süden an Liberia. Die Küstenlänge beläuft sich auf 402 km.
Die größten Flüsse sind: Mano und Moro.
Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit, Niederschläge werden seltener. In Dezember und Januar ist das Klima durch den Harmattan geprägt, einem Wind aus der Sahara, der Staub und erstaunlicherweise kühle Luft mit sich bringt. Februar, März, April sind die heissesten Monate mit seltenen Niederschlägen.
Wegen des Harmattans sprechen die Einheimischen auch von drei Jahreszeiten: rainy season, harmattan season, dry season.
Die Bevölkerung beläuft sich auf ca. 5,34 Millionen Menschen, die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 74 Menschen je km².
Die Bevölkerung setzt sich aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Die wichtigsten sind die Mende mit ca. 30,6 %, die Temne mit 29,4 %, die Limba mit 8,4 % und die Kono mit 5,2 %. Andere Volksgruppen sind die Bullum-Sherbro, die Fula oder Peul, die Madingo, die Kuranko, die Susu, die Yalunka, die Kreolen oder Kros, die Kissi und die Vai.
70 % der Einwohner sind sunnitische Moslems und 20 % sind Christen (Anglikaner, Protestanten - United Brethen, Katholiken, Freie Kirchen - Adejobi). Der Rest (etwa 10 %) bekennt sich zu keiner Religion.
Die Lebenserwartung gehört zu der weltweit niedrigsten (Stand 2006).
Die Portugiesen (Pedro da Cintra) erreichten die sierra-leonische Küste, auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien, im Jahre *. Der Name Sierra Leone stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet „Löwengebirge“. Sie nannten das Land „Löwengebirge“, weil sie Löwen auf dem Küstengebirge der Halbinsel, der Freetown Peninsula, vermuteten. Das Echo des Donners, das von den Küstengebirgen widerhallte, vermittelte den Eindruck eines bedrohlichen Löwengebrülls. Seit dem 15. Jahrhundert besuchten europäische Seefahrer die Küste regelmäßig, um Fertigwaren gegen Elfenbein, Gold und Speisen zu tauschen oder sich mit Wasser und Proviant für die Seefahrt nach Indien einzudecken.
Erste Kontakte des Landes mit Großbritannien entstanden mit dem Versuch der britischen philanthropischen Organisation „The Black Poor Society“ (Grenville Sharp), den in England verwahrlosten Afrikanern zur Rückkehr in die Heimat zu verhelfen. Kurz nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erwarb „The Black Poor Society“, 1787 ein Stück Land auf der Halbinsel zur Ansiedlung von Afrikanern, die während des Unabhängigkeitskrieges von 1776 auf der Seite Großbritanniens gekämpft hatten oder nach dem Verbot der Sklaverei von 1810 nach England eingereist waren. Schon 1787 wurde eine Gruppe von 200 Menschen, darunter etwa 150 Briten, auf der Halbinsel angesiedelt. Als die Mehrheit von ihnen innerhalb kürzester Zeit an Malaria und Gelbfieber erkrannkte, wurde das Experiment, dort eine Kolonie als Stützpunkt der britischen Handelsmarine zu gründen, aufgegeben. Danach wurden britische Staatsbürger zur Umsiedlung nur noch nach Australien verschickt. Die Halbinsel diente später als Stützpunkt der britischen Marine im Kampf gegen den Sklavenhandel. Befreite Sklaven aus England, aus den britischen Besitzungen in Übersee und aus den gekaperten Sklavenschiffen wurden dort angesiedelt.
1808 wurde die Halbinsel formell zur britischen Kronkolonie erklärt. Fast ein Jahrhundert später und etwa elf Jahre nach dem berühmten Berliner Abkommen zur Aufteilung Afrikas im Jahre 1885 wurde das Hinterland 1896 als britisches Protektorat deklariert. Kurz danach, in dem sogenannten Hut-Tax-War von 1898, erhoben sich die lokalen Fürsten unter der Führung von Bai Bureh und Kai Lundu gegen das britische Protektorat. Etwa sechzig Jahre nach dem Protektoratsabkommen erhielt das Land 1958 die innere Selbstverwaltung und wurde drei Jahre später, am 27. April 1961, ein politisch unabhängiger Staat innerhalb des Commonwealth. Die sogenannte Kolonialzeit (ein „misnomer“, d.h. eine falsche Bezeichnung für das Protektoratsverhältnis) dauerte also nur 65 Jahre - im Vergleich dazu: die türkische Herrschaft über Griechenland und den Balkan dauerte fast 350 Jahre. Nach Militärputschen 1967 und 1968 wurde 1971 die Republik ausgerufen.
Während der Präsidentschaft Joseph Saidu Momohs begann die Revolutionary United Front mit Unterstützung von Charles Taylor, Warlord im liberianischen Bürgerkrieg, ihren Kampf gegen die wechselnden Regierungen des immer instabiler werdenden Landes. Die Rebellenübergriffe aus Liberia wurden in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit äußerster Brutalität geführt. So wurden Amputationen und Misshandlungen an großen Teilen der Bevölkerung vorgenommen und von beiden Seiten Kindersoldaten zwangsrekrutiert. Finanziert wurde der Bürgerkrieg in erster Linie durch den illegalen Handel mit Diamanten. Nach Interventionen der westafrikanischen ECOMOG im Jahr 1999, der es gelang, einen Putsch gegen Präsident Ahmad Tejan Kabbah rückgängig zu machen, der Vereinten Nationen (UNAMSIL) im selben Jahr und schließlich Großbritanniens im Jahr 2000 (Operation Palliser) konnte der Krieg beendet und der politische und wirtschaftliche Wiederaufbau eingeleitet werden. Am 18. Januar 2002 wurde im Rahmen einer Feierstunde im Nationalstadion, bei der mehrere Tausend Waffen verbrannt wurden, das offizielle Ende des Rebellenkrieges verkündet – zwei Tage zuvor war ein bilateraler Vertrag zwischen Sierra Leone und den Vereinten Nationen zur Errichtung des Sondergerichtshofs für Sierra Leone unterzeichnet worden.
Sierra Leone ist aufgeteilt in die drei Provinzen Northern, Southern und Eastern sowie das Gebiet um die Hauptstadt Freetown (Western Area). Die Provinzen sind wiederum in Distrikten (12 insgesamt) und die Distrikten in Kommunalvolksgebieten (Chiefdoms) aufgeteilt.
Neben der Landwirtschaft dient auch der Fischfang dem Eigenbedarf, vor allem werden Heringe und Thunfisch gefangen.
Jalloh, S Balimo (1995) Sierra Leone – Ein Länderbericht, New Africa Verlag, 1995, Bergisch Gladbach
Jalloh, S Balimo (2001) Conflicts, Resources and Social Instability in Subsahara Africa – The Sierra Leone Case; in Internationasles Afrikaforum, 37. Jg. 2/2001, Pages 166-180.
Jalloh, S Balimo (2004) The Sierra Leone Regiment, The Royal West African Frontier Force and the Burma War – An Exploratory Essay- in: Internationales Afrikaforum, 40 Jahrgang, Heft 4/2004, S. 369-378. (www.internationaleafrikaforum.de)
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