Siena ist der Name einer Stadt und eines früheren Stadtstaates im Zentrum der italienischen Toskana und hat 54.000 Einwohner (Stand: 2004). Bekannt ist die Stadt für den Palio, ein Pferderennen, das am zentralen Platz Piazza del Campo ausgetragen wird.
Siena gilt als eine der schönsten Städte der Toskana und Italiens. Schon seit jeher befindet sie sich in Rivalität mit Florenz, egal ob in politischer, wirtschaftlicher oder künstlerischer Hinsicht. Während Florenz als Paradebeispiel einer Renaissance-Stadt vor allem durch die schiere Masse und Größe seiner Bauwerke und Kunstwerke beeindruckt, hat Siena den mittelalterlichen Charakter der speziell italienischen Gotik erhalten.
Aus Siena stammt die Heilige Katharina von Siena und auch die Sängerin Gianna Nannini, deren Vater hier eine Reihe von Cafés betreibt.
Hauptartikel: Geschichte Sienas
Siena geht vermutlich auf eine etruskische Siedlung zurück und wurde unter römischer Herrschaft eine Kolonie mit dem Namen Saena Iulia. Ihre eigentliche Bedeutung erlangte die Stadt aber erst im Mittelalter. Wie andere italienische Städte wurde sie allmählich unabhängig und hatte im 12. Jahrhundert eine Konsularregierung.
Im Streit zwischen Kaiser und Papsttum stand Siena – im Gegensatz zu Florenz auf ghibellinischer Seite und erhielt dadurch verschiedene Privilegien. Im Wesentlichen verbarg sich aber hinter diesem Konflikt eine wirtschaftliche Rivalität zwischen den beiden Handelsstädten. In der Schlacht von Montaperti 1260 wurden die Florentiner geschlagen. Die folgenden Jahre brachten aber einen Niedergang der Ghibellinen mit sich. Im Inneren kam es immer wieder zu politischen Machtkämpfen, die aber eine wirtschaftliche Blüte der Stadt nicht verhinderten.
1389 schlossen die Sienesen ein Bündnis mit Gian Galeazzo Visconti, das sie für einige Jahre in Abhängigkeit von Mailand brachte.
1487 ergriff Pandolfo Petrucci die Macht und regierte despotisch, wenn er auch formell die Regierungsformen nicht antastete. Anders als den auf ähnliche Weise in Florenz herrschenden Medici gelang es ihm aber nicht, eine Dynastie zu gründen, und nach seinem Tod 1512 stellte sich die Stadt bald unter den Schutz Karls V. Die Bürger lehnten sich gegen die zunehmende Tyrannei der Spanier auf, aber 1555 wurde Siena nach langer Belagerung eingenommen und zwei Jahre später als Lehen an Cosimo I. de’ Medici gegeben, unter dem es Teil des Großherzogtums Toskana wurde.
| Siena skyline 1.jpg | Siena-Piazza_del_Campo-001.jpg | Italy_tuscany_siena1.jpg | Siena Fassade am Domplatz 20030813-349.jpg | Piazza Campo.JPG |
Die dreiachsige Westfront mit spitzen Dreiecksgiebeln ist dekoriert durch eine Reihe von Säulen, Statuen und eingelegten Marmor. Sie soll von Giovanni Pisano begonnen worden sein, datiert aber tatsächlich nach 1370. Sie wurde 1380 vollendet und erinnert an die frühere von Orvieto (begonnen 1310). Der Campanile stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ist in Anlehnung an pisanisch-lombardische Glockentürme der Romanik gestaltet. Augenfällig unter den Kunstschätzen im Inneren ist die achteckige Kanzel von Niccolò Pisano (oder Nicola Pisano) von 1266-1268. Sie ruht auf Säulen, die von Löwen gestützt werden. Zahlreiche Statuen und Bas-Reliefs von Renaissance-Künstlern zieren die verschiedenen Altäre und Kapellen. Der Bodenbelag der Kathedrale ist nahezu einmalig. Es handelt sich um kunstvoll graphierte Marmorplatten, sowie um Intarsienarbeiten in Farbe und Schwarzweiß, die biblische Themen, aber auch solche aus Sagen und Legenden darstellen. Die schönsten Arbeiten unterhalb der Kuppeln, mit Szenen aus der Geschichte von Abraham, Moses und Elija, stammen von Domenico Beccafumi, der auch andere Szenen gestaltete. Das Chorgestühl ist ebenfalls erwähnenswert: die älteren Partien (aus dem originalen Chor) sind mit Intarsienarbeiten verziert; die anderen aus dem 16. Jahrhundert sind nach Zeichnungen von Riccio geschnitzt. Das Chorfenster (heute befindet sich das Original im Dommuseum) wurde von Duccio di Buoninsegna entworfen. Die Piccolomini-Bibliothek, die an den Dom angrenzt, wurde von Kardinal Francesco Piccolomini (später Pius III.) zu Ehren seines Onkels Pius' II. gegründet. Hier befinden sich Pinturicchios berühmte Fresken mit Szenen aus dem Leben des späteren Papstes und eine Sammlung von Chorbüchern (auf gemeißelten Tischen) mit Malereien von Sieneser und anderen Künstlern.
In das Bapstisterium San Giovanni, das in den Substruktionen des Domchores eingerichtet ist, tritt man über eine äußere Flucht von Marmortreppen von 1451. Die schöne, aber unvollständige Fassade, wurde von Giovanni di Mino del Pellicciaio 1382 entworfen. Im Inneren befindet sich ein Taufbecken mit Bronze-Reliefs von Donatello, Ghiberti, Jacopo della Quercia und anderen Bildhauern des 15. Jahrhunderts. Die Fresken der Gewölbe führte der Sieneser Maler Lorenzo Vechietta aus.
Die Opera del Duomo enthält neben dem Fenster des Domchores auch Duccios berühmte Madonna, die 1308-1311 für die Kathedrale gemalt wurde, sowie andere Kunstwerke, die aus dem Kontext der Kathedrale stammen. Durch das Museum kann man die Fassade des "Duomo Nuovo" betreten, der nie vollendet wurde (s.o.).
Gegenüber des Domes befindet sich dieses schon kurz nach 1000 gegründete Pilgerhospiz, das etwa das vierfache Bauvolumen der Kathedrale besitzt. Im Obergeschoss sind verschiedene Säle und Kapellen von Interesse: neben dem Eingang blickt man in die Kapelle der SS.Annunziata, die im 15. Jh. errichtet und im 18. Jh. durch ein grandioses Fresko in der Apsis ausgeschmückt wurde. Daran schließt die sog. Sagrestia an, die von Vechietta ausgemalt wurde. Der große Saal im Zentrum des Hospizes ist vollständig ausgemalt, die meisten der Fresken stammen von Domenico di Bartolo, aber auch Vechietta und Priamo della Quercia führten einzelne Szenen aus. Von hohem Interesse sind die beiden Untergeschosse, die höhlenähnlichen Charakter besitzen. Sie sind zum Teil in verschiedenen Epochen ausgestattet worden, beherbergen heute außerdem viele Kunstwerke, darunter eine große Sammlung antiker Urnen und ein Altarretabel von Taddeo di Bartolo.
Der Palazzo Pubblico (das Rathaus) ist ein Palast, dessen Bau im Jahre 1297 begann als Sitz der republikanischen Regierung, der Podesta und des Konzils der Neun.
Der Palast liegt zentral an Sienas Marktplatz, dem Piazza del Campo, auf dem auch das Palio stattfindet, ein alljährliches lokales Pferderennen. Im Palast selbst befinden sich zahlreiche berühmte Fresken wie zum Beispiel dasjenige, das Guidoriccio da Fogliano im Saal der Landkarten (Sala del Mappamondo) zeigt. Das Fresco stammt wahrscheinlich von Simone Martini. Die Wand des Saals zeigt ausserdem Reste der Zeichnung einer Weltkarte von Pietro Lorenzetti. Eines der berühmtesten Werke im Palast ist die Darstellung der Guten und der Schlechten Regierung im Saal der Neun (Sala della Pace) von Ambrogio Lorenzetti.
Der Turm des Palastes (Torre del Mangia), wurde zwischen 1325 und 1344 errichtet, seine Spitze wurde von Lippo Memmi entworfen.
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