Siegel_kaiser_heinrich_iii.png]] Das Siegel (von lat. sigillum, Bildchen) ist eine Form der Beglaubigung von Urkunden oder Sicherstellung (Verschluss) der Unversehrtheit von Gegenständen oder Behältnissen (Briefumschlag, Tür) mit Hilfe einer Schablone, die in eine weiche erhärtende Masse (Siegellack) gedrückt wird.
Grundsätzliches und Rechtliches
Rechtlich ist jedes "Siegel" einzigartig (gegenüber beliebig herstellbaren "Stempeln" - es verhält sich hier ähnlich wie bei dem Unterschied zwischen "Fahne" und "Flagge"). Wer es führen darf, ist eigens geregelt. Bei behördlichen Siegeln ist z.B. ein unbrauchbar gewordenes Siegel nur unter Hinzuziehung eines Zeugen und mit einem entsprechenden Protokoll vernichtbar, einen unbrauchbaren Stempel hingegen zerschneidet man und wirft ihn weg.
Siegelbruch ist in Deutschland strafbar ( Abs. 2 StGB).
Historisches
Die frühesten
Stempelsiegel sind im vorderen Orient seit der
Djemdet-Nasr-Zeit belegt. Seit der
Uruk-Zeit kamen
Rollsiegel auf, die auch bei den Sumerern, Akkadern,
Assyrern, und
Babyloniern üblich waren. Dies sind kleine Steinzylinder aus
Onyx,
Lapislazuli,
Achat,
Fritte oder anderen Stoffen, in die Figuren und Inschriften eingraviert wurden. Die Größe schwankt zwischen 0,15 cm und 10 cm. Durch das Abrollen des Zylinders in eine weiche Masse (z.B. Ton) entsteht der charakteristische Siegelabdruck. Seit der
Perser-Zeit werden wieder Stempelsiegel üblich.
Siegel-grossmeister-deutschritterorden_1-640x640.jpg des
Deutschritterordens]]
Solche Siegelabdrücke (in Ton) finden sich außer bei den Sumerern, Assyrern und Babyloniern (Rollsiegel), später auch bei Griechen und Römern, von denen sie die Herrscher des Frühmittelalters übernahmen. Siegelführend waren zunächst Einzelpersönlichkeiten, später auch Körperschaften. Kaisersiegel finden sich in Byzanz seit dem 6. Jahrhundert, Papstsiegel seit dem 9. Jahrhundert. Im frühen und hohen Mittelalter siegelten Kaiser und Könige sowie Angehörige des Adels und der hohen Geistlichkeit, denen die Bürger seit dem 13. Jahrhundert folgten. Siegel geistlicher Korporationen finden sich seit dem 11. Jahrhundert, Städtesiegel seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts (Trier 1113, Köln 1149).
Später gebrauchte man Metallsiegel ("Bullen") (aus
Gold und
Silber bei
byzantinischen Kaisern, aus
Blei bei
Päpsten). Später siegelte man
- mit rotem Wachs: (Kaiser, Könige), die das Recht hierzu auch anderen Fürsten verliehen, grundsätzlich nur bei (staatsrechtlichen) "Souveränen";
- mit grünem Wachs: geistliche Stifter und Klöster;
- mit weißem Wachs: Freie Reichsstädte;
- mit schwarzem Wachs: der Patriarch von Jerusalem und die Großmeister der geistlichen Ritterorden; heute noch gel. bei Trauerbriefen.
Später traten die Oblaten (runde weiße Papierflächen) an die Stelle des Wachses und im
16. Jahrhundert der bekannte
Siegellack. Seit dem
11. Jahrhundert wurde es üblich, bildliche Darstellungen (wie Wappen) in die Siegel einzubeziehen.
Siegel.jpg
Um Siegelmißbrauch zu verhüten, wurden die Siegelstempel im Mittelalter sorgfältig aufbewahrt. Die großen Siegel der Herrscher waren hohen Beamten anvertraut. Später wurde das Amt des Siegelbewahrers zum bloßen Titel (z.B. Lordsiegelbewahrer in England).
Mit den historischen Siegeln beschäftigt sich die Sphragistik.
Formen von Siegeln
Mit einem Griff versehen, wird ein Siegel
Petschaft genannt, gebräuchlicher sind Siegelringe.
Das Siegel kann auf die Urkunde gedrückt sein oder an einer Schnur oder einem
Pergamentstreifen befestigt sein.
Andere Ausführungsformen mit Siegel-Funktion sind Aufkleber wie das Pfandsiegel (umgangssprachlich auch Kuckuck genannt), die an Kfz-Kennzeichenschildern angebrachte Zulassung-Prüfplakette, Plomben an Verschlüssen und Geräten, Sicherungsstempel an Meßgeräten.
Beispiele verschiedenartiger Siegel
Bild:Siegel_Lobengulas.jpeg|Siegel des Lobengula
Bild:VOC.svg|Siegel der VOC
Bild:Wappen_Jauch.jpg|Siegel der Jauch
Bild:ZimmererSiegel.jpg|Siegel der Zimmerer
Image:Republic of Formosa Ex Libris.jpg|Siegel der Republik Formosa, 1895: 民主國之寶印
Image:Gilgamesh Enkidu cylinder seal.jpg|Abrollung eines Rollsiegels aus Mesopotamien
Image:Inkan.JPG|Inkan aus Japan
Bild:Universitaet zu Koeln-Siegel.jpg|Siegel der Universität Köln
Siegel im ostasiatischen Kulturkreis
ChineseSeal.jpg
Siegel haben in Ostasien einen hohen Stellenwert. Einerseits werden sie in der
chinesischen Malerei und
Kalligrafie verwendet, andererseits sind sie ein Mittel der Legitimation, das dem Wert einer Originalunterschrift entspricht. Beim Sturz einer Dynastie war der Übergang zur nächsten Dynastie erst dann legitimiert, wenn der Nachfolger das Reichssiegel des vorherigen Kaisers in seinen Händen hielt.
Zwei speziell dafür ernannte Mandarine waren nötig, um ein Siegel des Kaisers präzise aufzusetzen, denn die quadratischen Siegel hatten eine Kantenlänge von 15 bis 30 Zentimeter und bestanden aus Sandelholz oder Bronze. Teilweise waren sie sogar vergoldet.
Die japanische Bezeichnung für Siegel ist Inkan (印鑑) oder Hanko (判子). Diese Siegel werden geschäftlich und privat eingesetzt und sind oft wichtiger als die eigenhändige Unterschrift. In manchen Fällen wird gar nur das Siegel als Beglaubigung akzeptiert.
Siehe auch
Weblinks
Siegel
Insigne | Historische Hilfswissenschaften | Identifikationstechnik | Heraldik | Sphragistik | Glyptik
Печат | Seal (device) | Sigelo | Sello (cuño) | Sceau | חותם | Lakzegel | Pieczęć | Pečat | Sigill