Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) ist eine christliche protestantische Freikirche mit weltweiter Verbreitung. Sie hat etwa 15 Millionen erwachsene Mitglieder, davon in Deutschland ungefähr 36000.
Leitung
Sitz der Kirche (Weltkirchenleitung/Generalkonferenz) ist
Silver Spring in
Maryland (
USA). Die Generalkonferenz ist ein gewähltes Gremium, dem ein
Präsident (zurzeit (2006)
Jan Paulsen) vorsteht.
Als Generalkonferenz wird in dieser Kirche zugleich auch das alle fünf Jahre stattfindende Haupttreffen bezeichnet. Hier finden sich aus allen Ländern Delegierte ihrer Regionalkirche zusammen, um wichtige Beschlüsse zu fassen, ein neues Präsidium zu wählen, aber auch um gemeinsam mit ihren Glaubensfreunden aus aller Welt Gottesdienste zu feiern. Die Generalkonferenz dauert jeweils eine Woche, ist für alle Interessierten offen und findet an wechselnden Orten statt. Im Jahr
2000 fand sie in
Toronto,
Kanada statt,
2005 in
Saint Louis,
Missouri (
USA).
Ursprung
Die Siebenten-Tags-Adventisten entstanden aus der
Millerbewegung.
William Miller (* 15. Februar 1782 in Pittsfield,
Massachusetts; † 20. Dezember 1849 in
Low Hampton) kam nach einem intensiven
Bibelstudium, bei dem sein einziges Hilfsmittel eine
Konkordanz war, zu der Auffassung, dass Jesus im Frühjahr
1844 auf die Erde zurückkehren würde. Er prüfte seine Berechnungen bis 1822 und erzählte dann zunächst seinen Freunden und der Familie von seiner Erkenntnis. 1831 hielt er seine erste öffentliche Predigt vor einer
Baptistengemeinde. 1836 brachte Miller seine wichtigste Publikation, ’’Zeugnisse aus Schrift und Geschichte über das zweite Kommen Christi um das Jahr 1842’’, heraus. 1840 fand die erste Generalkonferenz in
Boston statt. Es kam zum Bruch mit der Kirche. Ab Juli 1843 wurden die Milleriten von den
Methodisten ausgeschlossen. Miller selbst, der nie etwas gegen die Kirche als solche hatte, wurde erst 1846 ausgeschlossen. Als die Wiederkunft Christi 1844 nicht erfolgte, bekannte Miller seinen Irrtum. Auf der im August stattfindenden Generalkonferenz herrschten Resignation und Verwirrung.
Samuel Snow, ein Anhänger Millers, korrigierte das Datum auf den 22. Oktober 1844 (»7-Monate-Bewegung«, »Wahrer Mitternachtsruf«). Miller schloss sich erst am 6. Oktober dieser Ansicht an.
Als Jesu Wiederkunft erneut ausblieb, machte sich große Enttäuschung breit und die Bewegung zerfiel in verschiedene Gruppierungen, deren größte sich zu den Siebenten-Tags-Adventisten entwickelte. Die Richtigstellung der Interpretation des Datums folgte später (siehe Entstehungsgeschichte).
Die Organisation der Gemeinschaft sowie Gottesdienst und Gemeindeleben sind stark methodistisch geprägt. Führende Gründungsmitglieder der STA entstammten US-amerikanischen methodistischen Kirchen. In vielen Ländern zählen Siebenten-Tags-Adventisten zur Gruppe verfolgter Christen.
Entstehungsgeschichte
Joseph Bates gilt als Mitbegründer der Siebenten-Tags-Adventisten. Er brachte den
Sabbat-Gedanken in die Bewegung, den er von den
Siebenten-Tags-Baptisten übernahm.
Hiram Edson (1806-1882) war eine weitere wichtige Persönlichkeit in der Entstehungsphase der Adventisten. Er kam zu dem Schluss, dass das von Miller errechnete Datum richtig, aber dessen Interpretation falsch sei. Jesus geht im Himmel ins Allerheiligste, um dort Gericht zu halten über die bisher Verstorbenen. Inwieweit diese als "Heiligtumslehre" bezeichnete Glaubensüberzeugung, die den Grundzügen des Tempeldienstes der
Israeliten im Tempel zu
Jerusalem (70. n. Chr. von den
Römern zerstört) interpretierend nahesteht, sich in ihrer traditionellen Ausformung noch aufrechterhalten lässt, wird die Zukunft zeigen. Innerhalb der Freikirche wird die "Heiligtumslehre" derzeit kontrovers diskutiert und zum Teil neu interpretiert.
Lehren
In weiten Teilen ähnelt die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten der Lehre von anderen
protestantischen und insbesondere
baptistischen Gemeinschaften. So gilt z.B. die
Bibel als die höchste religiöse Autorität. Es gibt aber auch einige charakteristische Unterschiede.
Glaubensartikel
Die Lehre wird derzeit in 28 Glaubenspunkten offiziell beschrieben (siehe Homepage der STA in Deutschland). Diese Glaubenspunkte beschreiben unter anderem das Gottesverständnis, die Rolle Jesu Christi, die Dreieinigkeit, das Bibelverständnis, die Lehre vom Sabbat, von der Gemeinde (Kirchenverständnis), von der Gemeindefinanzierung (Zehnter), vom christlichen Lebensstil, von Tod und Auferstehung, von der Endzeit, der Wiederkunft Christi und der neuen Erde.
Sabbat
Anders als die Mehrzahl der christlichen Kirchen, die den Sonntag für den regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst nutzen, beachten die Siebenten-Tags-Adventisten den Samstag als gottesdienstlichen Ruhetag, den sie als
Sabbat bezeichnen. Die Gemeinschaft sieht sich damit in der Tradition der jüdisch-christlichen
Urgemeinde. Der Sabbat beginnt freitags mit dem Sonnenuntergang und endet samstags ebenfalls mit dem Sonnenuntergang. Ausgangspunkt für diese Lehre sind der Schöpfungsbericht (1. Mose 2,3 "und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn") und das vierte der
Zehn Gebote (2. Mose 20,8-11, nach Zählung anderer Kirchen: das 3. Gebot), in dem die Heiligung des Sabbat vorgeschrieben wird: "der siebente Tag ist der Sabbat des Herrn" (Hinweis: Obwohl in Deutschland die DIN-Norm gilt, dass mit dem Montag die Woche beginnt, halten alle christlichen Kirchen weiterhin am Sonntag als ersten Wochentag fest.). Sie sind der Auffassung, dass es im
Neuen Testament keine Verlegung des Feiertags vom Sabbat auf den Sonntag gibt. Siebenten-Tags-Adventisten betrachten den Sabbat als eine Zeit der Ruhe, die Zeit für die Gemeinschaft mit Gott und mit dem Nächsten bietet.
Taufe
Die Siebenten-Tags-Adventisten praktizieren (wie auch viele andere Kirchen) die
Glaubenstaufe durch Untertauchen. Sie sind der Auffassung, dass die persönliche Umkehr zu Gott, der persönliche Glaube an Jesus Christus als den Erretter und die bewusste Entscheidung Grundvoraussetzungen für die Taufe sind. Sie betrachten die Glaubenstaufe als Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Vor der Taufe erfolgt eine gründliche biblische Unterweisung. Der Taufkandidat muss sich anschließend bei der Gemeinde oder dem Gemeindeausschuss vorstellen und erklären, warum er getauft werden möchte. Die Taufe erfolgt in Taufbecken, die bei größeren Gemeindehäusern in den Gottesdienstsaal integriert sind, oder ggf. bei geeignetem Wetter auch in Flüssen oder Seen. Zeitgleich mit der Taufe erfolgt die Aufnahme in die Gemeinde. Der Übertritt in die Gemeinschaft ist ohne erneute Taufe möglich, wenn eine vorherige Glaubenstaufe aus einer anderen Kirche vorliegt. Eine als Säugling oder Kleinkind empfangene Taufe wird nicht anerkannt.
Hölle und der Zustand der Toten
Hinsichtlich der Hölle und dem Zustand der Toten vertreten die Adventisten den Standpunkt des
Annihilationismus, wie zum Beispiel auch die
Zeugen Jehovas: Sie betrachten den Tod als einen Zustand des Schlafs und begründen dies mit Bibelstellen wie Prediger 9,5+6+10. Sie lehren, dass ein Mensch die Zeit seines Todes nicht bewusst erlebt und lehnen die volkstümliche Sicht ab, dass die Menschen direkt nach dem Tod in den Himmel bzw. in die Hölle kommen (siehe 1. Thess 4,13ff). Diese Zeit endet mit der Auferstehung, die (im Falle der Gerechten) zur Wiederkunft Jesu bzw. (im Falle der Gottlosen) nach dem Millennium (Offenbarung 20) geschieht. Es schließt sich dann das
Jüngste Gericht an. Dieses endet für die Gottlosen nicht mit einer ewigen Qual in einer feurigen
Hölle, sondern mit der endgültigen Vernichtung bzw. Auslöschung.
Wiederkunft Jesu
Die Siebenten-Tags-Adventisten erwarten die baldige Wiederkehr Jesu Christi und stellen damit eine
eschatologische Glaubensgemeinschaft dar, wie zum Beispiel auch die
Neuapostolische Kirche.
Lebensführung
Die Siebenten-Tags-Adventisten legen großen Wert auf eine gesunde Lebensführung und meiden zumeist
Alkohol,
Tabak und andere Rauschmittel. Zudem werden die biblischen Speisegebote eingehalten. Ein Teil der Siebenten-Tags-Adventisten lebt
vegetarisch.
Ellen White
Die Mitbegründerin der Gemeinschaft,
Ellen G. White (1827-1915) gilt innerhalb der Adventgemeinde als
Prophetin, wenngleich betont wird, dass die Schriften von Ellen White nicht gleichwertig mit der
Bibel seien. Adventisten betonen, dass die Lehre der STA nicht direkt auf Ellen White zurückgeht. Sie hat die Lehren der Adventisten aber (z.T. durch Visionen) bestätigt und ihnen damit innerhalb der Gemeinschaft Geltung verschafft.
Auslegung der apokalyptischen Bücher der Bibel
In der adventistischen Bibelauslegung wird den
apokalyptischen Büchern
Daniel und
Offenbarung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Ökumene
Insgesamt beteiligt sich die Glaubensgemeinschaft weltweit und auch in Deutschland kaum an der
Ökumene. Von der historisch stark ablehnenden Haltung zur Ökumene wird aber mehr und mehr abgegangen. So nehmen die Siebenten-Tags-Adventisten als Beobachter an den Versammlungen des
Ökumenischen Rates der Kirchen teil und sind Gastmitglied in der
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und der
Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland. Einzelne Ortsgemeinden sind auf lokaler Ebene Mitglied der
Evangelischen Allianz. In Gesprächen mit dem
Lutherischen Weltbund (LWB) haben beide Seiten weitgehende Übereinstimmungen festgestellt.
Das spezifische Selbstverständnis der Adventgemeinde als endzeitliche, weltweite Sammlungsbewegung ("Gemeinde der Übrigen" in Anlehnung an Offenbarung 12,17) erschwert innergemeindlich einen offenen Zugang zur Ökumene.
Entwicklung der Mitgliederzahl
Weltweit
- 1961: 1(+) Million
- 1980: 3,5 Millionen
- 1990: ca. 7 Millionen
- 2000: ca. 11 Millionen
- 2002: ca. 12,9 Millionen
- 2005: ca. 13,9 Millionen
Die Zahlen beziehen sich nur auf getaufte Mitglieder. Kinder aus adventistischen Familien sind nicht mitgezählt. Zusammen mit den noch nicht getauften Kindern und Jugendlichen besuchen derzeit ca. 20 Millionen die adventistischen Gottesdienste.
Zum Vergleich der Größenordnung: Weltweit gibt es derzeit etwa 66 Millionen Lutheraner (hier sind die Kinder wegen der dort praktizierten Kindertaufe mitgezählt).
Mitglieder in Österreich
In Österreich gibt es 56 Adventgemeinden mit insgesamt rund 3500 getauften Gläubigen.
Mitglieder in Deutschland
In Deutschland gibt es ca. 600 Advent
gemeinden mit etwa 36.000 getauften Mitgliedern und schätzungsweise mit 8.000 Mitgliedern
russlanddeutscher Abstammung.
Mitglieder in der Schweiz
Getaufte Mitglieder: ca. 4.400
Institutionen
Die Siebenten-Tags-Adventisten unterhalten in
Deutschland und in anderen Ländern unter anderem
Krankenhäuser,
Altersheime,
Kindergärten, Schulen, die
Theologische Hochschule Friedensau,
Verlage, Gesundkostläden und Lebensmittelproduktionsstätten, so zum Beispiel in
Lüneburg das "DE-VAU-GE Gesundkostwerk". DE-VAU-GE produziert u.a. die Bioness Produkte und die Müslis für Aldi. Weltweit wird die Katastrophen- und Entwicklungshilfe
ADRA betrieben. Weiterhin betreiben sie den weltweit zu empfangenden Sender
Adventist World Radio. Dessen deutschsprachiger Zweig nennt sich
Stimme der Hoffnung.
Die Adventjugend ist die Jugendorganisation der Siebenten-Tags-Adventisten. Dazu gehört unter anderem in der Schweiz und in Österreich die Adventwacht (ADWA), in Deutschland die Christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder der Adventjugend (CPA).
Bekannte Vertreter
Literatur
Monographien
- Biblisches Forschungskomitee der Euro- Afrika- Division (Hrsg.): Studien zur adventistischen Ekklesiologie. Saatkorn-Verlag, Hamburg
- 1. - Abendmahl und Fußwaschung, 1991, ISBN 3-8150-0870-0
- 2. - Die Gemeinde und ihr Auftrag, 1994, ISBN 3-8150-0859-X
- Rüdiger Hauth: Adventisten. Evangel. Preeseverband für Bayern, München 1994, ISBN 3-583-50632-4
- Richard Müller: Adventisten, Sabbat, Reformation. Geht das Ruhetagsverständnis deer Adventisten bis zur Zeit der Reformation zurück. Lund, Gleerup 1979, ISBN 91-40-04686-8
- Helmut Obst: Apostel und Propheten der Neuzeit. Gründer christlicher Religionsgemeinschaften des 19. und 20. Jahrhunderts. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-5255-5439-7
- Georg Schmid, Georg Otto Schmid (Hrsg.): Kirchen, Sekten, Religionen. Religiöse Gemeinschaften, weltanschauliche Gruppierungen und Psycho-Organisationen im deutschen Sprachraum. Theologischer Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-2901-7215-5
- Christian D. Schmidt: Zeit des Gerichts oder Gericht der Zeit? Ideologie und Eschatologie der Siebenten-Tags-Adventisten. Lemberg-Verlag, Frankfurt/M. 1972, ISBN 3-87476-013-8
- Irmtraud Wittenburg (Hrsg.): Gelebter Glaube. Christsein heute. Saatkorn-Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-8150-1219-8
Aufsätze
- Floyd Greenleaf: Seventh Day Adventists. In: Hans J. Hillerbrand (Hrsg.): The Encyclopedia of Protestantism. Routledge, New York 2004, ISBN 0-415-92472-3 (Bd. 4)
- Thomas Hase: Siebenten-Tags-Adventisten. In: re.form Leipzig (Hrsg.): Religionen in Leipzig. Leipziger Campus-Verlag, Leipzig 2003, ISBN 3-937218-00-9
- Konrad F. Müller: Die Frühgeschichte der Siebenten- Tags- Adventisten. In: Axel H. Swinne (Hrsg.): Studia Irenica. Gerstenberg, Hildesheim 1991, (Bd. 4)
Siehe auch
Weblinks
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