Sìchuān () ist eine zentralchinesische Provinz mit Chengdu als Hauptstadt. Traditionell wurde Sichuan auch als Land des Überflusses (天府之国; Pinyin: Tiānfŭ zhī guó) bezeichnet.
Sichuan liegt östlich des tibetischen Hochplateaus am Oberlauf des Chang Jiang (Yangtse).
Den Kern der Provinz Sichuan bildet das Rote Becken, eine fruchtbare, von Gebirgen umgebene Ebene. Die Ebene hat ein Nord-Süd-Gefälle von 700m auf 300m.
Der Westen wird von Hochgebirgsketten wie dem Großen Schneegebirge (大雪山; Dàxuěshān) beherrscht, das mit dem Gongga (7.556m) die höchste Erhebung der Provinz hat. Nach Norden wird das Becken vom Qinling-Gebirge (秦岭山) abgeschlossen, das bis in die 4.000er geht. Richtung Süden und Südosten liegt das Dalou-Gebirge (大娄山) mit Gipfeln um die 2.000m.
weitere bedeutende Berge: Erlang Shan (二郎山; 3.437m); Emei Shan (峨眉山; 3.099m), Siguniang Shan (四姑娘山; 6.254m)
Der Chang Jiang (Yangtse) ist der größte und wasserreichste Fluss, der Sichuan durchquert. Sein Verlauf bildet den Großteil der West- und Südgrenze der Provinz, wobei er noch bis Yibin den Namen Jinsha Jiang (金沙江; Goldsandfluss) trägt. In Sichuan nimmt er vier Zuflüsse auf, die der Provinz ihren Namen gaben. Diese vier Flüsse sind der Min Jiang (岷江), Tuo Jiang (沱江), Jialing Jiang (嘉陵江) und Wu Jiang (乌江). Vorher hat er bereits bei Panzhihua den Yalong Jiang (雅礱江) aufgenommen.
Benachbarte Provinzen sind Tibet, Qinghai, Gansu, Shaanxi, Chongqing, Guizhou und Yunnan.
Die klimatischen Bedingungen in den gebirgigen Regionen, die das Rote Becken umschließen und nach Westen zum tibetischen Hochplateau ansteigen, sind dagegen deutlich kälter und trockener.
Neben einer Mehrheit von Han-Chinesen (95%) leben in Sichuan Angehörige der Minderheiten der Yi (2,6%), Tibeter (1,5%), Qiang (0,4%) und Miao. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Ebene und ist von den Han dominiert, während die gebirgigen Gebiete dünn besiedelt sind und stark von den Minderheiten geprägt werden.
1997 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 69,7 Jahren.
Sichuan ist eine bedeutende Ausgangsregion für innere Migration, d.h. viele Wanderarbeiter stammen aus dieser Provinz.
Die Stadt Chongqing mit dem dazugehörigen Verwaltungsbezirk wurde am 14.März 1997 als regierungsunmittelbare Stadt aus der Provinz Sichuan ausgegliedert.
Die Mehrzahl der in Sichuan gesprochenen Dialekte der chinesischen Sprache, einschließlich des Dialekts der Hauptstadt Chengdu, gehören zur südwestlichen, auch als Huguang (湖广) oder Xinan (西南) bezeichneten Gruppe der chinesischen Sprachen und weisen eine starke Ähnlichkeit zu den Dialekten der benachbarten Provinzen Yunnan und Guizhou sowie der Stadt Chongqing auf.
Die Verschmelzung der Retroflexen und der Alveolaren , die Verschmelzung von und sowie von bzw. und bzw. sind Besonderheiten, die verschiedenen Dialekten der südwestlichen Sprachgruppe gemeinsam sind.
Die Autonomen Bezirke Garzê und Ngawa (Aba) im Westen und Norden Sichuans werden überwiegend von Tibetern bewohnt, welche die tibetischen Dialekte Kham und Amdo sprechen. Die Qiang und mit ihnen verwandte ethnische Gruppen sprechen eine eigene tibeto-birmanische Sprache. Die im Autonomen Bezirk Liangshan im Süden Sichuans ansässigen Yi verwenden ebenfalls eine eigene mit dem Birmanischen verwandte Sprache, welche offiziell mit einer Silbenschrift aus 1.164 Zeichen geschrieben wird.
Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde mit der Errichtung des Bewässerungssystems von Dujiangyan eine wichtige Grundlage für den agrarischen Reichtum der Provinz gelegt.
Brach die Herrschaft einer chinesischen Dynastie zusammen, gehörten die Bewohner Sichuans stets zu den ersten, die die Wirren nutzten, um ein eigenes Königreich zu gründen. Dies war im Jahr 24 der Fall, als sich Gongsun Shu während dem Aufstand der Roten Augenbrauen zum König von Shu ausrufen ließ. Seine Herrschaft bestand bis 36, als sie von Han Guangwudi zerschlagen wurde.
Als der Aufstand der Gelben Turbane das Ende der Han-Dynastie einläutete, errichtete Zhang Lu (张鲁) von 186 bis 216 in Sichuan und Süd-Shaanxi eine daoistische Theokratie, die auf den Lehren seines Großvaters Zhang Daoling (张道陵) beruhte.
Im Zerfall des Reichs der Han gründete Liu Bei (刘备/劉備) 221 Shu-Han (蜀汉), eines der Drei Reiche, die für die folgende Periode namensgebend waren.
In den frühen 30er Jahren waren bereits die nördlichen Teile Sichuans kommunistisch kontrolliert. 1935 führte die Route des Langen Marsches durch Sichuan; dabei war die Erstürmung der Brücke von Luding eine der gewagtesten Aktionen.
1936 erlebte Sichuan eine extreme Dürre mit folgender Hungersnot.
Nach der Eroberung von Wuhan durch die Japaner verlegten die Nationalisten unter Chiang Kai-shek 1938 ihr Hauptquartier nach Chongqing.
1949 wurde nach Ausrufung der VR China das Südwest-Büro unter der Führung des gebürtigen Sichuanesen Deng Xiaoping eingerichtet, um die Herrschaft der KPCh in dieser Region zu festigen. Im Dezember 1949 eroberten die Kommunisten mit Chongqing den letzten Festlandsstützpunkt der KMT.
1975 wurde Zhao Ziyang Parteisekretär in Sichuan und leitete erste marktwirtschaftliche Reformen in der Landwirtschaft ein.
Kangding-c01-f.jpg Die Provinz Sichuan ist insgesamt noch vorwiegend agrarisch geprägt. Die Regierung bemüht sich allerdings um eine aktive Wirtschaftspolitik und hat in Chengdu und Mianyang Sonderwirtschaftszonen eingerichtet.
Unter den Inlandsprovinzen gilt Sichuan als relativ wohlhabend, kann sich aber nicht mit Küstenregionen wie Guangdong messen
2002 betrug das Bruttosozialprodukt der Provinz 488 Mrd. RMB. 2000 lag ein städtisches Durchschnittseinkommen bei 5.894 RMB und ein ländliches bei 2.768 RMB. 1999 lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 3,7%.
Der Wert der landwirtschaftlichen Produktion stieg von 1994 bis 1999 jährlich um durchschnittlich 5,6% auf 144,5 Mrd. RMB.
In Sichuan werden Eisen (bei Panzhihua), Titan, Vanadium und Kobalt abgebaut.
Im Jahr 1999 betrug der Wert der industriellen Produktion von Sichuan 390 Mrd. RMB. Neben Schwerindustrie (Eisen, Stahl, Energieerzeugung) existiert Leichtindustrie mit Holzverarbeitung, Seidenweberei und Lebensmittelproduktion.
Sichuan wurde in den 1950er Jahren in das Eisenbahnnetz der VR China integriert und seither ist Chengdu der wichtigste Knotenpunkt in Chinas westlicher Region. Die Verbindungen mit den anderen Landesteilen laufen nach Norden über Baoji nach Xi'an, nach Osten über Chongqing und nach Süden über Xichang nach Kunming. 1998 betrug die Gesamtlänge der Strecken 2693 km.
Nach Tibet in Richtung Westen führt nur eine ausgebaute Straße über Kangding. Das Autobahnnetz befindet sich noch im Ausbau. 1998 hatte es aus 550 km Streckenlänge zwischen Chongqing, Chengdu, Mianyang und Xinjin.
Chengdu besitzt mit Shuangliu einen internationalen Flughafen.
In der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes bzw. Weltnaturerbe werden aus Sichuan aufgelistet:
Sichuan ist nomineller Handlungsort von Bertolt Brechts Theaterstück Der gute Mensch von Sezuan, als solches aber nicht zu erkennen.
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