Kernkraftwerke sind komplexe und große Anlagen. Wie in jeder Technik, ist es auch hier trotz aller Sicherheitsmaßnahmen unvermeidbar, dass beim Betrieb gelegentlich Störungen auftreten. Bei technischen Anlagen gibt es grundsätzlich nie eine völlige Risikominderung, da auch ein Versagen noch so vieler Sicherheitsvorkehrungen niemals ganz ausgeschlossen werden kann. Im Grunde treten bei modernen westlichen Kernkraftwerken Störfälle weit seltener auf als bei zahlreichen anderen Technologien des täglichen Lebens.
Das Risiko von Kernkraftwerken besteht im Wesentlichen im möglichen Austritt radioaktiver Stoffe in die Umgebung. Ein solcher Austritt kommt zum Einen durch radioaktive Emissionen im normalen Betrieb zustande, zum Anderen kann er sich als Folge von kleineren oder größeren Störfällen bzw. Unfällen ergeben. Die Radioaktivitätsfreisetzung im Normalbetrieb ist allerdings so gering, dass darauf zurückzuführende gesundheitliche Schäden noch nie beobachtet wurden.
Von Seiten der Kraftwerksbetreiber wird vor allem mit der rein statistischen Ausfallwahrscheinlichkeit argumentiert. So sei nach der Deutschen Risikostudie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) von 1989 für eines der deutschen Kernkraftwerke alle 33.000 Betriebsjahre mit einem schweren Unfall zu rechnen. Würden 17 laufende Kernkraftwerke in Deutschland (Stand 2005) und 30 Betriebsjahre berücksichtigt, liege die Wahrscheinlichkeit aus dieser Studie bei knapp 2 Prozent.
Allerdings bleiben in dieser Studie mehrere Aspekte unberücksichtigt, so fließen z.B. Sabotagemaßnahmen oder panikbedingte Fehlentscheidungen des Personals wie 1979 im Three Mile Island-Kraftwerk bei Harrisburg nicht in die Berechnungen ein. Auch können unerwartete, da bislang unbekannte physikalische Phänomene nicht berücksichtigt werden. Hierzu zählt etwa die im Sicherheitskonzept seinerzeit nicht vorhergesehene Wasserstoffbildung in Siedewasserreaktoren durch die sogenannte Radiolyse, die bei der Reaktorkatastrophe von Harrisburg eine Rolle spielte.
Die GRS-Studie von 1989 wurde von Atomexperten des Darmstädter Öko-Instituts dahingehend kritisiert, dass die Wahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls hier als zu niedrig eingestuft wird.
So wird eine Beispielrechnung für das einzelne schweizerische Kernkraftwerk Mühleberg vorgeführt, derzufolge 0,02 Todesfälle pro GWJahr vorkamen. Diese Zahl schließe sowohl unmittelbare als auch latente Todesfälle ein. Zum Vergleich werden die unmittelbaren Todesfälle durch andere Energiequellen (in der Gesamtheit) angegeben, 1969-1996: 0,1 Todesfälle pro GWJahr für Gasturbinenkraftwerke, 0,3 für Kohlekraftwerke und 0,9 für Wasserkraft .
Würde der Bedarf an elektrischer Energie in Deutschland (derzeit etwa 66 GWJahre pro Jahr) also allein durch Kernkraftwerke gedeckt, heißt es, wären im Langzeitdurchschnitt 1,3 Todesfälle pro Jahr zu beklagen. Würde er andererseits allein durch Gasturbinenkraftwerke gedeckt, wären 6,6 Todesfälle pro Jahr. Für erneuerbare Energiequellen wäre diese Zahl aufgrund ihrer arbeitsintensiven und dezentralen Struktur noch höher, heißt es begleitend dazu.
Massive Häufungen von Klagen gegen Kraftwerksbetreiber wegen gehäufter Krankheitsfälle nach bekannt gewordenen Unfällen, sowie die nachgewiesene Häufung bestimmter Krebsarten rund um bestimmte, für "nicht nennenswerte, kleinere" Störfälle bekannte Kraftwerke (auch in Deutschland) sind jedoch inzwischen unumstritten dokumentiert. Ursächliche Zusammenhänge zwischen den Kernkraftwerken und Krebserkrankungen in der Umgebung konnten aber trotz teilweise umfangreicher, und mehrfacher Untersuchungen (z.B. KKW Krümmel / Leukämie in der Elbmarsch) - nicht wissenschaftlich belastbar nachgewiesen werden.
Wesentliches Problem des statistischen (epidemiologischen) Nachweises solcher Effekte ist, dass die unterstellten Einflüsse (z.B. Krebserkrankung durch Strahlenbelastung) durch die geringen Fallzahlen und die geringen Strahlendosen nicht mit hinreichender Sicherheit von den sonstigen Einflüssen mit der gleichen Wirkung (z.B. Rauchen, Stress, Ernährung, Bevölkerungsmigration, etc.) und der natürlichen Eintrittswahrscheinlichkeit getrennt werden kann. Ebenso problematisch ist die Zuweisung eines bestimmten Todesfalls oder einer bestimmten Krebserkrankung zu einer bestimmten Ursache.
So erscheint die Anzahl der Todesopfer pro GWJahr in einer Statistik des PSI (siehe hier) durch Kernkraftwerke in OECD-Staaten als „Null“.
Eine erhöhte Leukämierate bei Kindern gilt statistisch nicht als Beweis einer potentiellen Gefahr, da diese Kinder nicht beweisbar direkt durch den Betrieb des Kraftwerkes erkrankt sind, und da Erkrankungen (im Gegensatz zu Todesfällen) nicht in allen Statistiken zum Thema erfasst werden.
Siehe auch:
Hirschberg et al: Severe Accidents in the Energy Sector, Paul Scherrer Institut, 1998. S. 241f
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Sicherheit von Kernkraftwerken".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world