KyotoFushimiInari.jpg]] Shintō (jap. 神道, im Deutschen meist übersetzt mit „Weg der Götter“; vom Chinesischen Shên für Geistwesen und Dao für Weg) – seltener auch Shintoismus – ist eine fast ausschließlich in Japan von etwa 4 bis 5 Millionen Japanern aktiv praktizierte Religion.adherents.com: Major Religions Ranked by Size - Englisch; abgerufen am 10. Juni 2006 Da sich Einflüsse des Shintō in vielen Bereichen des kulturellen und sozialen Lebens in Japan wiederfinden (wie z. B. in der Assoziation mit diversen Feiertagen), dürfte die Zahl der sich am Shintō in irgendeiner Form beteiligenden Menschen weitaus höher sein.
Genauer bezeichnet Shintō:
Das Wort shintō 神道 entstammt dem Chinesischen, wo es shendao ausgesprochen wird. Shen (jap. shin) bedeutet „Geist(er), Gott/Götter“, dao (jap. dō, tō oder michi) ist der „Weg“. Der Begriff findet sich unter anderem im Yijing.
Die Gottheiten des Shintō werden allgemein als kami 神 bezeichnet. Kami ist die ursprünglich-japanische Lesung des Zeichens 神, das auch Teil des Kompositums shintō ist. Shintō kann also auch als „Weg der kami“ übersetzt werden. Der Begriff kami kann sich aber auch auf Gottheiten anderer Religionen, z. B. den christlichen Gott beziehen.
Schon in der zweitältesten japanischen Reichsgeschichte, dem Nihonshoki (712), ist shintō erwähnt, allerdings nur insgesamt viermal. Auch ist bis heute strittig, ob und inwiefern sich das Wort im damaligen Sprachgebrauch auf einen göttlichen Weg bezog. Als Bezeichnung für ein eigenständiges religiöses System im Sinne des heutigen Wortgebrauchs taucht shintō erst in Quellen des japanischen Mittelalters auf.
Im 5. und 6. Jahrhundert entstand mit der Übernahme vieler Aspekte chinesischen Staatswesens und Kultur ein höfischer Kult, der einheimische religiöse Traditionen, insbesondere diejenigen, die mit den einflussreichen Klans zu tun hatten, mit Ahnenverehrung und Moralvorstellungen des chinesischen Konfuzianismus, dem Buddhismus und der Kosmologie des Daoismus kombinierte. Sowohl im Mythos als auch im Ritus des frühen japanischen Staatswesens sind daher unverkennbar chinesische Traditionen enthalten. Da die ersten schriftlichen Quellen beinahe zwei Jahrhunderte nach starken Einlüssen und aus einer Zeit gravierender Umbrüche stammen, sind sie zur Rekonstruktion "echter" indigener Religion sehr problematisch.
Der frühe japanische Staat entstand aus Bündnissen einzelner Klans, die jeweils eigene Ujigami (Klangottheiten) verehrten, die sich jedoch in dieser Zeit auch stark wandelten und später oft mit ihren Ahnen gleichgesetzt wurden. Als sich der Klan des Kaisers innerhalb dieses Bündnisses als führende Dynastie durchsetzte, entstand eine Mythologie, die die Geschichten der einzelnen Klangottheiten zu einer einheitlichen mythologischen Erzählung verband. Die ersten schriftlichen Quellen dieser Mythologie stammen aus dem achten Jahrhundert und schildern die Weltentstehung und den Ursprung der Dynastie des Tenno: Ein Urgötterpaar (Izanagi und Izanami) kreiert die japanischen Inseln und alle übrigen Gottheiten. Amaterasu Omikami (Himmelsscheinende große Gottheit) ist die wichtigste ihrer Schöpfungen: Sie beherrscht die „himmlischen Gefilde“ (Takamanohara) und wird mit der Sonne gleichgesetzt. In ihrem Auftrag steigt ihr Enkel zur Erde herab, um hier die ewig andauernde Dynastie des Tenno-Geschlechts zu gründen. Diese mythologische Vorstellung von der Gründung Japans und der Errichtung der kaiserlichen Linie bildet im späteren Shintō (der Kokugaku und des Staats-Shintō) eine zentrale Idee. Tatsächlich bezeichnet Shintō in jener Zeit keine Religion, sondern vielleicht ein daoistisches Handlungsideal.
Die meisten Shintō-Schreine hatten keine eigenen Shintō-Priester, sondern wurden von buddhistischen Mönchen oder von Laien betreut. Nur die ganz großen shintōistischen Institutionen, allen voran der Ise Schrein waren in den Händen von erblichen Priester-Dynastien, die ursprünglich dem kaiserlichen Hof, später aber ebenso einem buddhistischen Tempel unterstellt waren. Nur einzelne Abkömmlinge dieser Priester-Dynastien befassten sich mit der Idee, die kami unabhängig vom Buddhismus zu verehren und schufen damit die Grundlagen des modernen Shintō.
Im aufkeimenden Militarismus der Shōwa-Zeit wurde Shintō dann weiter für nationalistische und kolonialistische Zwecke instrumentalisiert. Auch in den besetzten Gebieten Chinas und Koreas wurden Schreine errichtet, in denen die lokale Bevölkerung dem Tennō ihre Reverenz erweisen sollte. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 kam es zu einem offiziellen Verbot des Shintō als Staatsreligion, im Jahre 1946 verzichtete der Tennō auf jeden Anspruch auf Göttlichkeit. Einzelne Institutionen, denen eine politische Nähe zum Staats-Shintō nachgesagt wird, etwa der Yasukuni-Schrein in Tōkyō, existieren jedoch heute noch.
Shintō weist in seiner gesamten Geschichte nur wenige, klar umrissene Konzepte religiöser Ethik auf. Es gibt keine schriftlich fixierten Gebote, die für alle Gläubigen oder gar alle Menschen jederzeit gültig gewesen wären. So ist die Ausrichtung auf den Kaiser als oberster Autorität im Schrein-Shintō generell nicht Bestandteil des Sekten-Shintō. Auch ist ein Unterschied zu buddhistischer, konfuzianistischer oder bloß säkularer Ethik oft nicht auszumachen. Einige generelle Tendenzen werden jedoch allgemein der ethischen Praxis aller Richtungen zugerechnet:
Die vieldeutige, polytheistische Natur der einheimischen Götter (kami) macht es schwer, einen gemeinsamen religiösen Kern im Shintō zu finden. Allerdings verfügen Schreine über einige allgemeine Erkennungsmerkmale, die sie deutlich von z. B. buddhistischen Bauwerken unterscheidet: An den Eingängen eines Schreinareals findet man das charakteristische torii (鳥居), ein Tor, das aus zwei Grundpfeilern und zwei Querbalken besteht. Heilige Gegenstände, oft auch Bäume oder Felsen, werden mit einem Strohseil (注連縄 shimenawa) gekennzeichnet. Shintō-Priester sind heute stets mit einer Amtsrobe bekleidet, die auf die Adelstracht der Heian-Zeit zurückgeht.
Kamidana.jpg]] Höhepunkt des religiösen Lebens der Shintō-Schreine sind periodisch veranstaltete Matsuri, Volksfeste, die lokalen Traditionen folgen und daher von Region zu Region, ja von Dorf zu Dorf ganz unterschiedlich sein können. Viele Matsuri haben mit dem agrarischen Jahreszyklus zu tun und markieren wichtige Ereignisse wie Saat und Ernte (Fruchtbarkeitskulte), in anderen Matsuri zeigen sich Elemente der Dämonenbeschwörung und -abwehr. Viele Matsuri sind auch mit lokalen Mythen und Legenden verbunden. Ein typisches Element sind Schreinumzüge. Das Hauptheiligtum (shintai) des betreffenden Schreins wird dabei in einen tragbaren Schrein umgeladen, den sogenannten Mikoshi, der dann in einem lauten und fröhlichen Festumzug durch das Dorf/Stadtviertel getragen oder gezogen wird. Feuerwerke (花火 hanabi), Taiko-Trommeln und natürlich Sake begleiten zumeist diese Umzüge. Oft sind Matsuri auch mit quasi-sportlichen Wettkämpfen verbunden. Der moderne Sumō-Sport dürfte beispielsweise seinen Ursprung in derartigen Festen haben.
In der heutigen Praxis spielt der Tennō-Kult nur noch in wenigen Schreinen eine zentrale Rolle. Diese Schreine werden im allgemeinen als jingu (神宮) (im Gegensatz zu 神社 jinja) bezeichnet, der wichtigste ist der Ise-Schrein. Obwohl das „Gesetz zur Trennung von Buddhas und Shintō-Göttern“ einschneidende Veränderungen mit sich brachte, sind die Spuren der einstmaligen shintō-buddhistischen Vermischung noch heute in vielen religiösen Instititutionen zu bemerken. Es ist nichts Ungewöhnliches, auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels einen kleinen Shintō-Schrein zu finden oder einen Baum, der mit einem „Götterseil“ als Wohnort eines kami markiert ist. Umgekehrt haben viele Shintō-Gottheiten indisch-buddhistische Wurzeln. Im modernen Alltagsleben der Japaner spielen sowohl Shintō als auch Buddhismus eine gewisse Rolle, wobei die Mehrzahl keinen Widerspruch darin sieht, sich zu beiden Religionen zu bekennen. Allgemein tendiert man dazu, shintōistische Riten für freudige Anlässe (Neujahr, Hochzeit, Gebet um Alltagsdinge), buddhistische dagegen für traurige und ernste Anlässe (Todesfall, Gebet um Wohlergehen im Jenseits) heranzuziehen. In neuester Zeit kommt noch eine Art säkulares Christentum dazu, wenn etwa junge Japaner eine howaito weddingu (ホワイトウエディング), eine weiße Hochzeit im amerikanischen Stil feiern.
Ein umstrittenes Politikum ist der Yasukuni-Schrein in Tōkyō, in dem die Gefallenen aller japanischen Kriege verehrt werden.
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