Yasukuni Jinja 7 032.jpg, in welchem bestimmte gefallene japanische Soldaten verehrt werden.]] Als Shintō-Schrein oder kurz Schrein wird im deutschen allgemein eine religiöse Stätte des Shintō, im engeren Sinn des Schrein-Shintō bezeichnet. Im Japanischen wird üblicherweise seit 1882 (nach einem Gesetz zur Klassifizierung der Shintō-Organisationen) das Wort Jinja (神社) verwendet, es gibt jedoch eine Reihe weiterer Bezeichnungen für unterschiedliche Typen von Schreinen, auf die weiter unten eingegangen wird.
In Schreinen wird entweder ein einzelner Kami (was sowohl Gott, Gottheit, oder auch Seele bedeuten kann), mehrere Kami oder ein Paar, etwa Mutter und Kind, verehrt. Es gibt eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Kami. Einige gehen auf Natur- und Fruchtbarkeitsgötter aus alten Kulten zurück, andere sind im Shintō-buddhistischen Synkretismus (神仏習合, shinbutsu shūgō) zu Kami gewordene Bodhisattvas. Auch die Seelen Verstorbener werden als kami verehrt.
Es gibt in ganz Japan etwa 80.000–100.000 als solche registrierte Shintō-Schreine (die niedrigere Zahl ist eine Angabe der „Vereinigung der Shintō-Schreine“), die tatsächliche Zahl dürfte aber weit höher liegen (durch Schreine, die sehr klein sind oder nicht mehr aktiv verwaltet werden). Sie finanzieren sich hauptsächlich durch Spenden der ihnen jeweils geografisch zugehörigen Gemeinden.
Schon der Tod des legendären Kami Izanagi no Mikoto führte zur Verehrung seiner ewigen Ruhestätte, dem Kakureno-Miya (Schrein der Toten). Der Ahnenkult, sowohl reale als auch fiktive religiöse Gestalten betreffend, führte somit als eines der ältesten wesentlichen Merkmale des Shintō ebenfalls zur Entwicklung der religiösen Stätten.
Da es einen Shintō als Religion, wie er heute oft fälschlicherweise zurückprojeziert wird, vor der Tokugawa-Zeit kaum belegbar ist, war auch die Auffassung von den Schreinen vor jener Zeit eine grundlegend andere. Die Schreine gehörten oft zu buddhistischen Tempeln oder wurden von buddhistischen Priestern oder Yamabushi geführt. Nur wenige Schreine hatten vor dem 11. Jahrhundert schon permanente Priester. Selbst der von den Fujiwara geförderte Kasuga-Taisha hatte erst ab 996 einen dort residierenden Priester. Vor der Einführung des Buddhismus sind auch daoistische Elemente in den ältesten Schreinen, wie z.B. dem Ise-jingū, nachweisbar.
Die Schreine dienten als rituelle Orte bei Matsuri, (Festen), anfangs besonders auf führende Sippen bezogen, ab der Kamakura-Zeit aber zunehmend auch von normalen Personen auch an Tagen ohne Matsuri besucht. Bedeutsam für die Entwicklung des Schreinwesens war die Möglichkeit, wie buddhistische Tempel steuerfreies Land (jap: Shōen) gespendet zu bekommen. Aus den großen Shōen-Schreinen gingen später viele der Hauptschreine von Schrein-Netzwerken in der Tokugawa-Zeit hervor, in der auch das Wort Shintō sich entwickelte.
Durch die rasanten Veränderungen in der Meiji-Zeit wurde auch das Schreinwesen stark verändert. Einerseits war der Shintō nun eine Art Nationalreligion und damit wurde er gefördert, andererseits übte der Staat auch Druck auf die Schreine aus. Sie sollten in ein System gepresst werden, das sich stark von ihrer vorherigen lokalen Organisation unterschied. Gesetze wie, das es pro Dorf nur einen Schrein geben durfte, dass Shintō-Priester an bestimmten staatlichen Institutionen ausgebildet werden sollten und die Etablierung von Schreinen zum Schutz des Landes überall in Japan (siehe Yasukuni-Schrein), übten einen beträchtlichen Einfluß auf das lokale Schreinwesen aus.
Auf dem Weg zu den anderen Gebäuden, steht seitlich ein Waschbecken, genannt chōzuya (手水舎), in dem die Schreinbesucher Hände und Gesicht reinigen sollen. Dazu nimmt man eine der bereitgestellten Schöpfkellen aus Bambus und gießt das Wasser zuerst über die rechte, dann die linke und wieder über die rechte Hand. Dabei sollte man die Hände nicht über, sondern vor das Becken halten, damit das Wasser auf den Boden tropft und nicht in das Becken zurück. Außerdem gehört zum Ritual, dass man einen Schluck vom Wasser nimmt.
Des weiteren existieren Typen von Schreingebäuden, in denen für gewöhnlich andere Kami (meist ihrerseits Haupt-Kami anderer Schreine) als der oder die Haupt-Kami des jeweiligen Schreins verehrt wird (mit Ausnahmen: Manchmal wird dort ebenfalls der oder die Haupt-Kami (so z. B. im bekkū des Atsuta-jingū) oder ein Aspekt oder der Geist (mitama) verehrt. Diese sind für gewöhnlich (mit absteigender Wichtigkeit):
Für sessha und masha existieren keine eindeutigen und offiziellen Definitionen, sie sind jedoch gebräuchliche Bezeichnungen für Schreingebäude, die zwar nicht notwendigerweise auf dem Gelände des Hauptschreins stehen, jedoch mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllen: 1) der oder die Kami des Gebäudes ist ein Lebensgefährte oder Kind (御子神, mikogami) des Haupt-Kami des Hauptschreins, 2) das Gebäude existierte bereits vor dem Eintreffen der oder des Haupt-Kami im Hauptschrein, 3) das Gebäude ist der Verehrung des aramitama (der zur Herrschaft durch Autorität bemächtigte Geist) des oder der Haupt-Kami gewidmet, 4) das Gebäude ist der Verehrung des jinushigami (地主神, auch tochigami, chi no kami und jinushisama; lokale Schutzgottheit des Grundstücks) des oder der Haupt-Kami gewidmet, 5) alle sonstigen Schreine, die besonders relevanten Beziehungen aufweisen. Sessha, Massha in der Encyclopedia of Shinto; abgerufen am 19. Juni 2006 - Englisch
Dem honden, dem eigentlichen Heiligtum vorgelagert sind einmal der haiden (拝殿, etwa „Gebetshalle“), meist kleiner und unscheinbarer als der honden, dafür aber den Laien zugänglich. Hier können die Gläubigen ihre Gebete an die Kami richten. Dazu ist vor dem Gebäude eine Glocke an einem Seil angebracht. Gläubige werfen eine Münze, meist 5 oder 50 Yen, in eine dafür aufgestellte große Holzkiste (saisen-bako), läuten die Glocke und klatschen zweimal in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Gottheit zu erlangen. Der Ise-jingū besitzt kein haiden.
Zum anderen kommt vor dem honden meist noch der heiden (幣殿), in denen Geistliche Opfer darbringen. Manche Schreine wie der Ise-jingū oder Atsuta-jingū besitzen keinen heiden. Es existieren auch Ausnahmen, in denen Ersatz- oder Repräsentationsformen benutzt werden, wie ein dreifaches Torii (im O-miwa-taisha) oder ein durch Steine abgegrenztes Feld unter dem freien Himmel (im Nishinomiya-Schrein). Auch werden bei manchen Schreinen eigene, andere Namen für das Gebäude verwendet (z. B. jukken-rō, norito-den). Suwa-Taisha und Mae-miya besitzen kein eigenes heiden, dafür aber je zwei haiden in jeweils großer Entfernung voneinander. Auch beim heiden sind wie beim haiden Ausnahmen in weiteren Ersatzformen bekannt.
Im Zentrum jedes Schreins steht der honden (本殿, wörtl. „Hauptgebäude“), der Bereich der / des Kami, der im Schrein verehrten Gottheit, also das Allerheiligste. Üblicherweise ist es der Öffentlichkeit nicht zugänglich, die Priester betreten es nur, um ihre Rituale zu vollziehen. Bautechnisch ist der Honden das Herz des Schreinkomplexes, zwar mit dem Rest der Schreinanlage verbunden, aber üblicherweise etwas erhöht und mit einem Zaun abgesperrt. Der Honden ähnelt den anderen Schreingebäuden, wenn auch etwas kleiner. Die Türen werden nur zu religiösen Festen (matsuri) geöffnet. Im Herzen des Honden befindet sich der goshintai oder shintai (御神体, wörtl. „ehrwürdiger Körper der Gottheit“), den man als den Sitz der Kami verehrt. Dies kann etwa ein Stein sein, die häufigsten Typen von Reliquien sind aber Schwerter, Spiegel und Edelsteine, verweisend auf die Throninsignien Japans.
Die Hauptgebäude sind traditionellerweise alle aus Holz gebaut, bevorzugt aus dem der Hinoki-Scheinzypresse. Durch die jahrhundertelangen Erfahrungen mit Bränden besteht aber seit der Nachkriegszeit eine Tendenz dazu, zumindest Wände und Fußböden aus Beton anzufertigen.
Der Tradition nach bestehen die Dächer zumeist aus Chinaschilf oder dicken Schuppen aus Hinoki-Holz. Neuere Gebäude, wie der Meiji-Schrein haben stattdessen Kupferplatten.
Die kagura-den (神楽殿) sind Hallen, in denen zeremonielle Tänze (神楽, kagura) und Musik aufgeführt werden. Ähnliche Gebäude gibt es auch für Nō-Theateraufführungen. Beide Typen sind erst in der Muromachi-Zeit entstanden. Davor existieren nur Hofstanz und -musik (gagaku), die für gewöhnlich auf einer zwischenzeitlichen Bühne (舞殿 mai-dono) oder bu-den) vor dem honden aufgeführt wurden.
Wegen des steigenden Bedarfs, auch Zeremonien in Gebäuden durchzuführen, an denen Laien teilnehmen (wie Hochzeiten) wurde die gishiki-den (儀式殿, Zeremonienhalle) eingeführt.
Shamusho (社務所) sind in der Meiji-Zeit aufgekommene Büroräume, in denen die bürokratischen und geschäftlichen Angelegenheiten des Schreins bearbeitet werden. Darunter fallen bei großen Schreinen auch oft Gebäude zum Verkauf von Talismanen (wie Omamori, Ema (Pferdebilder) und Omikuji) oder solche in denen die Gemeindemitglieder des Schreins zum Verzehr ritueller Mahlzeiten (naorai) zusammenkommen, sowie Quartiere für Beamtenbesuch, die Dienerschaft (小使, koshi) und Lagerräume.
Vor der Meiji-Zeit wurden all diese Funktionen normalerweise, insbesondere in kleineren Schreinen, auch in den privaten Hallen der einzelnen Priester (経宮者, keieisha) ausgeführt. Nach der Abschaffung der erblichen Priesterschaft und der zentralen Organisation der Schreine wurde aber die Einführung von Gebäuden nötig, in denen die oben genannten Tätigkeiten ausgeführt werden konnten, ohne in direkter Verbindung mit dem Privatleben der Priester zu stehen. Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs behielten die meisten Schreine diese Einrichtungen bei.
Im Ise-jingū heißen diese Einrichtungen jingū shichō (神宮司庁), im Atsuta-jingū gūchoō (宮庁).
An vielen Hallen eines Schreins, aber auch an Torii und an Bäumen auf dem Schreingelände sind die großen und dicken, aus Stroh geflochteten Shimenawa zu finden. Diese sollen die Welt der Götter von der diesseitigen Welt trennen und den oder die Kami im behangenen Objekt bewahren.
In der Heian-Zeit wurde versucht, andere Klassifizierungen vorzunehmen, vgl. das System der 22 Schreine. Ebenfalls aus der Heian-Zeit stammt der mittlerweile veraltete Titel Ichi-no-miya (一の宮, wörtlich: „Erster Schrein“), mit dem man bezeugt seit Ende der Heian-Zeit (wahrscheinlich durch die umfangreichen Gesetzesschriften im Auftrag von Kaiser Daigo) den jeweiligen Haupt-Schrein einer der historischen Provinzen Japans bezeichnete. Die Gouverneure der jeweiligen Präfektur mußten diese Schreine bei ihrem Amtsantritt besuchen. Auch konnten sie in ihm Shintō-Gottesdienste in Vertretung für alle untergeordneten Schreine ausführen, ohne diese selber dafür aufsuchen zu müssen.
Im Rahmen der in der Meiji-Restauration begonnenen Beschlüsse zur Umsetzung des Schrein-Shintō zum Staats-Shintō wurde im Mai 1871 folgendes Ordnungssystem eingeführt:
Vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die gegenwärtig noch benutzten Titel (shagō, gewöhnlich als Suffix) in der Regel durch die Regierung festgelegt, danach durch die im Februar 1946 gegründete „Vereinigung der Shintō-Schreine“ (Jinja-honchō). Schreine, die keine der folgenden, besonderen Titel erhalten, tragen für gewöhnlich als Titel das Suffix -jinja, -sha oder -miya.
Miko (巫女) sind junge, meist unverheiratete Frauen, die den Priestern in mittleren und größeren Tempeln bei allen anfallenden Arbeiten helfen. Sie kümmern sich sowohl um die Vorbereitungen der Zeremonien, als auch um die Ausführung einiger (Tänze), sowie um profanes wie das Verkaufen von kleinen Reliquien und die Säuberung der Schrein-Anlagen.
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