Die
Shetland-Inseln * (engl.
Shetland Islands; frühere Namen:
Hjaltland,
Yetland oder
Zetland) sind eine zu
Schottland gehörende Inselgruppe zwischen den
Orkney und den
Färöer. Sprachwissenschaftler sehen eine Verbindung mit der in altirischen Texten erwähnten Insel Catt (die Insel der Catten oder Chatten), die ansonsten aber nicht identifizierbar ist. Ausgenommen der abseits liegenden Inseln
Fair Isle und
Foula, erstrecken sie sich über ein 80 mal 120 km großes Areal zwischen dem 59. und 61. Grad und bilden den nördlichsten Teil Großbritanniens. Von den 1.426 km² Fläche entfällt etwa zwei Drittel auf die Hauptinsel
Mainland. Administratives Zentrum und größte Stadt der Shetlands ist
Lerwick auf Mainland.
Geografie
Die Hauptinseln sind
Nahegelegen sind die Inseln Foula und Fair Isle.
Vorgeschichte
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Die Shetland-Inseln sind seit dem
3. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Die Bewohner betrieben
Ackerbau und
Viehhaltung und errichteten 16 so genannte heelshaped
Megalithanlagen (z. B. Islesburgh, Muckle Ward auf Vementry, Punds Water, Ronas Hill) und stellten
Menhire auf; einige als
Alignement (Menhire) oder
Steinkreis. Im
2. Jahrtausend v. Chr. (
Bronzezeit) wurde das Klima feuchter und kälter, weshalb die Bewohner näher an der Küste siedelten. In der
Eisenzeit entstanden hier noch heute zu besichtigende
Brochs, runde Steintürme (z. B. Broch of
Mousa der
Jarlshof oder
Clickhimin), aber auch Blockhouses,
Ringforts, Rampart Forts, Earthhouses
Souterrains und
Wheelhouses oder Tempel wie
Stanydale prägen das Bild des Archipels.
Siehe
*.
Geschichte
Die Skoten, von deren Überfällen die Römer berichten, stammen ursprünglich aus Irland. Zur Zeit des Königreichs von Dalriade dehnten sie sich vom Co. Antrim in Nordirland nach Argyll in Westschottland aus. Im restlichen Schottland und auf den nördlichen Inseln lebten die im Jahre 297 n. Chr. erstmals in römischen Berichten erwähnten Pikten (die Bemalten). Im
9. Jahrhundert landeten hier die
Wikinger an und nannten die Inseln
Hjaltland. Sie etablierten neue, eigene
Gesetze und vor allem eine eigene Sprache, welche sich zum
Norn entwickelte. Im
10. Jahrhundert wurden sie
christianisiert. Um 1195 n. Chr. wurden die Inseln für einige Zeit direkt der Krone Norwegens unterstellt. Die Shetlands gehörten auch später zu
Norwegen. Im
14. Jahrhundert vereinigte sich
Norwegen (mit seinen Besitzungen) mit
Schweden und
Dänemark.
Die Shetland-Inseln gelangten als Mitgift der Tochter des dänischen Königs Christian I. 1469 zu Schottland, als diese König James III. von Schottland heiratete. Seitdem wuchs der schottische Einfluss auf die Inseln. Das Old Norn als allgemein verbreitete Sprache starb im 19. Jahrhundert aus. Dennoch gibt es bis heute vor allem auf der nördlichsten Insel Unst noch ein paar alte Menschen, die Norn sprechen und sich an die alten Sagen und Geschichten erinnern.
Im Zweiten Weltkrieg spielten die Shetlands eine gewisse Rolle bei der Unterstützung des norwegischen Widerstands und bei der Flucht aus dem besetzten Norwegen. Vor hier aus wurden Kommandounternehmen durchgeführt und Agenten eingeschleust. Mit vorwiegend norwegischen Fischereibooten wurde die Überfahrt zwischen den Shetlands und der gesamten norwegischen Küste bewerkstelligt, was nur in der Winterzeit möglich war. Bekannt wurden die Aktionen als „Shetland Bus“, von denen die bekanntesten wohl die Angriffe auf das deutsche Schlachtschiff Tirpitz im Jahr 1942 und die Schwerwasseranlage der Norsk Hydro in Rjukan (Telemark) waren.
Geologie und Morphologie
Die Inselgruppe entstand am Ende des Paläozoikums im Rahmen der Kaledonischen Gebirgsbildung. Sie ist aus unterschiedlichen Sedimentgestein aufgebaut. Shetlands Oberfläche ist felsig. Der Archipel handelte sich die Bezeichnung The old rock ein, weil hier harte, zu den ältesten Gesteinen der Erde gehörende Sedimente dominieren. Shetland-Mainland, Yell und der Westen von Unst sind aus kristallinen Schiefern und Gneisen aufgebaut. Nord-Mainland besteht überwiegend aus
Granit.
Gabbro und
Serpentin bilden den Osten von Unst und Fetlar.
Sandstein findet sich nur an den West- und Osträndern des Archipels. Für das dortige Relief sind die
eiszeitlichen Gletscher verantwortlich. Das Landschaftsbild ähnelt hier dem der Orkney, während der übrige Teil der Shetlands rauh ist. Die Bodenschicht ist dünn, Felsblöcke,
Moore und saure Wiesen, zahlreiche kleinen
Seen und
Teiche sind vorhanden. Die harten Gesteine Mainlands boten den Eismassen enormen Widerstand. Diese folgten den Schwachzonen in der Erdkruste, den Falten- und Bruchlinien aus der Zeit der Gebirgsbildung oder den mit Kalkablagerungen gefüllten Tälern. So entstanden die mächtige Gletschertäler und die langen und tiefen
Voes: (Bowland, Clousta, Culbinsbourgh, Footabrough, Leiraness, Papil, Quarf, Scalloway, Scatsta, Setter, Snarraness, Sound, Sullom, Tresta). Pittoreske Formen, die das westseitige Küstenpanorama prägen, entstanden im Zusammenspiel von Westwind und Brandung, die die Felsen unterhöhlten. Indem in der zu dünnen Decke von Meereshöhlen Löcher einbrachen, entwickelten sich
Gloups. Ins Land schneidende Felsspalten erweiterten sich zu so genannten
Geos. Die Geos und Gloups und das Felsentor des Dore Holm vor der Westküste von Esha Ness bieten den eindrucksvollsten Anblick im Nordwesten von Mainland.
Einwohner
Von den rund 24.000 Shetländern lebt rund 1/3 in der Inselhauptstadt
Lerwick (7.500). Zweitgrößter Ort ist die ehemalige Hauptstadt
Scalloway mit rund 1.250 Einwohnern. Die früher gesprochene nordische Sprache
Norn wurde durch
Schottisches Englisch abgelöst.
Wirtschaft
Die bedeutendste Industrie der Inseln ist die Öl-Industrie, von den Ölfeldern
Ninian und
Brent in der Nordsee zwischen den Shetlands und Norwegen führt eine unterseeische Pipeline in die Bucht
Sullom Voe, an der Europas größtes Öl-Terminal errichtet wurde. Die Ölfelder haben aber inzwischen ihr Förderpeak (
Peak-Oil) überschritten, die Förderdrücke sinken also. So ist ein Ende der Ölförderung absehbar.
Darüber hinaus hat es schon immer eine ausgeprägte auf Lachsfang und in früheren Zeiten auch Heringsfang spezialisierte Fischereiwirtschaft gegeben. Neuester Zweig ist die Zucht von Lachsen in Farmen, womit in den 90er Jahren begonnen wurde. Landwirtschaft kann bei den vorherrschenden Klima- und Bodenbedingungen nur als Weidewirtschaft betrieben werden. Gehalten werden neben Schafen auch einige wenige Galloway-Rinder, die besonders genügsam sind.
Als weiteres wirtschaftliches Standbein gilt der Tourismus, der hauptsächlich von privaten B&B-Unterkünften für Individualtouristen geprägt ist. Einige ehemalige Fischer bieten inzwischen Rundfahrten zu den Klippen der Natur- und Vogelschutzgebiete, zum Beispiel zur Südseite von Bressay oder zur Insel Noss, an.
Verkehr
Man kann die Shetlandinseln mit der Fähre oder dem Flugzeug erreichen.
Die wichtigsten Fährverbindungen sind:
Eine regelmäßige Flugverbindung besteht zwischen dem Verkehrslandeplatz Sumburgh an der Südspitze und Edinburgh sowie Aberdeen.
Innerhalb der Inselgruppe wird die Verbindung zwischen den einzelnen Eilanden ebenfalls durch Fähren aufrecht erhalten. Darüber hinaus sind inzwischen einige der Inseln mit Brücken untereinander verbunden. Darüber hinaus verkehren auf den Inseln diverse Buslinien.
Kultur, Filme, Theater, Musik
Alljährlich am letzten Dienstag im Januar gibt es ein regionales gesellschaftliches Großereignis, das „
Up Helly Aa“-Fest. Etwas später im Frühjahr findet jährlich das
Shetland Folk-Festival statt. Das schottische Volksinstrument Geige, hier „
Fiddle“ genannt, zu spielen, gehört zu den hergebrachten Traditionen. Die
Brauchtumspflege der „Shetland-Fiddelers“ ist in Folkmusikkreisen europaweit für ihre Leistungen bekannt. Zugleich gibt es seitens der jüngeren Shetländer zahlreiche Rockbands. Originalität haben diese allerdings am ehesten, wenn sie in ihren Eigenkompositionen an die nur hier so zu findende
Folkmusik-Melodien anknüpfen.
- Jürgen u. Ute Schimmelpfennig: „Strandpiraten an kalten Kuesten: Skua, die grosse Raubmöwe auf den Shetland-Inseln; ein Film“. BR, Muenchen 1984. 1 Videokassette * (43 Min.).
- Berliner Universität d. Künste (Hrsg.): „Inseln am Netz: Beispiel Shetland-Inseln“. 1997. Umfang 1 Videokassette.
- Musik: Catriona Macdonald & Ian Lowthian - „opus blue“, Acoustic Radio, 1993, C.M. Distribution: Starbeck, Harrogate, North Yorkshire, HG2 7HY, England.
Literatur
- Jérôme Bonnin: „Short-term sediment resuspension on the continental slope and geochemical implications: the Faeroe-Shetland Channel“. Utrecht : Rijksuniv. te Utrecht, Inst. voor Aardwetenschappen, 2004. 152 S. (Schriftenreihe: Geologica ultraiectina 238; Utrecht, Univ., Dissertation 2004) ISBN 90-5744-097-0
- Claudia Eidtmann: „Die Nahrung von Eissturmvögeln (Fulmarus glacialis) auf den Shetland-Inseln“. Kiel : Inst. für Meereskunde, Abt. Meereszoologie an der Christian-Albrecht-Univ., 1999. 76 Bl. (Kiel, Univ., Diplomarbeit, 1999)
- Rainer Maresch: „Umwelterziehung im Geographieunterricht: das Tankerunglück „Braer“ am 5. Januar 1993; Auswirkungen auf Menschen, Industrie und Umwelt der Shetland-Inseln“. Freiburg, Paed. Hochsch., Wiss. Hausarb., Realschule, Geographie, 1996. 94 Bl.. Illustrationen., graph. Darstellungen.
- Wolfgang Schlick: „Die Orkney und Shetland-Inseln: Landschaft und Kultur im Nordatlantik“. DuMont, Köln 1989 298 S. (DuMont Kultur-Reiseführer) ISBN 3-7701-2174-0
- Wolfgang Maack: „Die Shetland-Inseln - ihre siedlungs-, wirtschafts- und sozialgeographische Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Erdölförderung“. 170 S. Illustrationen, Hamburg, Univ., Dissertation 1989
- Heinz Heineberg: „Wirtschaftsgeographische Strukturwandlungen auf den Shetland-Inseln“. Paderborn: Schöningh, 1969 142 S. (Schriftenreihe: Bochumer geographische Arbeiten 5; Bonn, Univ., Diss., 1967)
- Stiftung F.V.S. zu Hamburg (Hrsg.): „Verleihung des Europa-Preises für Volkskunst 1994 an die Shetland Fiddlers' Society, Shetland-Inseln (Großbritannien) und an das Alba Regia Tanzensemble, Székesfehérvár (Ungarn)“ Stiftung FVS Hamburg, 1994 23 S.
Siehe auch: Shetland-Pullover, Shetlandschafe, Shetlandpony, Siedlungsgeographie, Sozialgeographie, Wirtschaftsgeographie, Eissturmvogel, Nordatlantik
Weblinks
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