Paget holmes.png]] Sherlock Holmes ist eine vom britischen Autor Sir Arthur Conan Doyle geschaffene fiktive Detektivfigur aus der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Besondere Bedeutung erlangte Holmes durch seine neuartige Arbeitsmethode, die ausschließlich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung beruht. Eine breite Leserschaft brachte ihm zu allen Zeiten außerordentliche Anteilnahme entgegen und betrachtet ihn bisweilen sogar als einen ihrer Zeitgenossen. Er gilt bis heute weithin als Symbol erfolgreichen analytisch-rationalen Denkens.
Das Werkverzeichnis um den Detektiv umfasst 56 Kurzgeschichten und 4 Romane. Sherlock Holmes erscheint darin stets als „beratender Detektiv“, das heißt, er löst „Probleme“, die ihm ratsuchende Klienten, mitunter auch die staatliche Polizei (z.B. in Gestalt des Inspektors Lestrade von Scotland Yard), übertragen. Allerdings hat der Meisterdetektiv immer andere Schlussfolgerungen als die staatlichen Kriminalisten und versucht die anderen Profile zu widerlegen.
Seine Besucher empfängt Holmes in seinem berühmten Wohnsitz, der fiktiven Adresse Baker Street 221b, London. (Diese Adresse gibt es jedoch zur Zeit nicht, weil der ganze Häuserblock mit den ungeraden Nummern von ca 201 bis ca 241 abgerissen wurde. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat ein Haus die Nummer 221b bekommen, in dem sich heute ein Museum für den Detektiv befindet.)
Als „letzte Instanz“ greift er häufig in dem Moment ein, wenn anderen die Klärung der Situation geradezu unmöglich erscheint. Die Aufklärungsarbeit des Detektivs steht im Mittelpunkt der Geschichten. Sie wird dem Leser vom praktisch veranlagten, verständigen Dr. Watson dargeboten, dem die Rolle des engen Freundes und getreuen Chronisten zufällt. Diese Figurenkonstellation – Detektiv mit vertrautem Begleiter – wurde den Detektivgeschichten Edgar Allan Poes entnommen. Dadurch, dass die Fälle meist als Erinnerungen Watsons niedergeschrieben werden, erhalten sie einen authentischen Charakter. Die Geschichten spielen vor einer zeittypischen Kulisse und beziehen ebenso Details des viktorianischen Lebensstils und aktueller Zeitereignisse wie die koloniale Exotik des British Empire mit ein. Aufgrund ihrer Beschreibungen, etwa von Charakteren und Schauplätzen, lassen sich die Geschichten in weiterem Sinne der Tradition des „Realismus“ zurechnen.
Die in Sherlock Holmes verwirklichte Arbeitsmethode spiegelt den Wissenschaftsoptimismus der Entstehungszeit wider. Sie steht in Verbindung mit den Ideen der Aufklärung und vernunftorientierter Philosophie. Ihre konkreten Wurzeln sind vermutlich vor allem in Conan Doyles eigener Vorstellungswelt, seiner (wissenschaftlich geschulten) Beobachtungsgabe und in den außergewöhnlichen (diagnostischen) Fähigkeiten des Medizinprofessors Joseph Bell, bei dem Doyle studierte, zu suchen. Methodologisch betrachtet, weisen die meisten ‚Deduktionen‘ von Sherlock Holmes die Struktur der Abduktion auf, weswegen seine Methode auch mit der Philosophie von Charles S. Peirce in Beziehung gebracht wird. Darüber hinaus lassen sich Bezüge zur Wahrscheinlichkeitslogik des 19. Jahrhunderts herstellen.
Die Geschichten bestärken den Leser in seinem Vertrauen auf Naturwissenschaft und Technik, da durch rationales Denken chaotische Situationen stets aufgelöst – also „in Ordnung gebracht“ – werden. Darüber hinaus stützen sie tendenziell die traditionellen Werte der Zeit, spiegeln aber auch deutlich Conan Doyles Engagement für unterdrückte und in Not geratene Menschen wider.
Ihre Themen sind breit gefächert. In der Regel steht ein außergewöhnlich intelligentes Rätsel (bzw. Verbrechen) im Vordergrund. Neben besonders scharfsinnigen Plänen (und deren Vereitlung) geht es häufig um die unbewältigte Vergangenheit eines Menschen, die plötzlich in sein jetziges Leben einbricht. Der Autor verarbeitet in seinen Geschichten auch eigene Einsichten und Meinungen – in einigen Fällen bringt er ein soziales oder politisches Anliegen zum Ausdruck.
In seinen Geschichten um Sherlock Holmes gelang es Conan Doyle, eine in sich geschlossene, fiktionale Welt zu erschaffen, die dabei so real erscheint, dass sie oft vom Leser nahtlos in die Alltagswelt integriert wird. Dies gilt heute – entgegen den Absichten des Autors – als seine bedeutendste Leistung.
In der allerersten Geschichte um Sherlock Holmes, dem Roman A Study in Scarlet („Eine Studie in Scharlachrot“), wird sein Hintergrund eingehender dargestellt: Dem Leser begegnet Holmes hier als eigenständiger, extrem wissenschaftlich orientierter Chemiestudent, der abseits gängiger Laufbahnen eine Vielzahl von Interessen pflegt, mit dem Ziel, seine Vorstellungen von Detektivarbeit realisierbar zu machen. In diesem Roman wird der Grundstein für die gesamte ‚Welt des Sherlock Holmes‘ gelegt: Der besondere Charakter des sachlich-rationalen Beobachters, die Kulisse der Geschichten und das Verhältnis Holmes-Watson sind hier bereits voll entfaltet.
In der Planungsphase der Geschichten fand Conan Doyle verschiedene Namen für seinen Helden, darunter – wie gelegentlich erwähnt wird – auch Shelling Ford.
Die Erzählung The Adventure of the Gloria Scott zeigt die schicksalhaften Umstände, die Sherlock Holmes dazu brachten, den Beruf des Detektivs zu ergreifen: Der Vater eines Studienfreundes beglückwünschte ihn zu seinen Fähigkeiten als Beobachter, nachdem er selbst auf schmerzliche Weise mit ihnen konfrontiert worden war.
Auch Holmes’ Familie tritt in Erscheinung, vor allem sein Bruder Mycroft Holmes, der als gleichfalls hochbegabter Politikberater in britischen Staatsdiensten steht.
Holmes’ entschiedenster Rivale ist Prof. James Moriarty, der ihm intellektuell in nichts nachsteht, seine Fähigkeiten aber – als genialer Verbrecher – zum Schaden der Menschheit einsetzt („schwarzes Spiegelbild“). Dem Detektiv sind dadurch die Hände gebunden, da jeder Schritt seiner Pläne bereits vom Gegner vorausberechnet werden kann. Es kommt schließlich zu einem Kampf der Kontrahenten, bei dem sie – der ursprünglichen Version zufolge – gemeinsam in die (tatsächlich existierenden) Reichenbachfälle bei Meiringen in der Schweiz stürzen.
Ursprünglich plante Conan Doyle, das Leben seines Helden, der ihn zusehends in Bedrängnis brachte, auf diese Weise zu beenden; ein kompliziertes Kesselsystem hätte im übrigen die Bergung eventueller sterblicher Überreste unmöglich gemacht.
Der besondere Rang, den Sherlock Holmes inzwischen erreicht hatte, verhinderte dies jedoch. Die öffentliche Trauer war so erheblich, dass sich zahlreiche Menschen in London schwarze Schleifen um den Oberarm banden. Dies überstieg alle Erwartungen, so dass Conan Doyle seine Figur auf allgemeinen Druck hin (u.a. sogar seiner eigenen Mutter) ins Leben zurückrief. Nach einigen anderen Kompromisslösungen versucht der Autor schließlich doch, den Tod des Detektivs zurückzunehmen: Dies geschah beinahe nahtlos integriert mit der Kurzgeschichte Das leere Haus (engl. The empty house), welche die zweite Schaffensperiode Arthur Conan Doyles in Bezug auf Sherlock Holmes einläuten sollte.
Der Held sei, so die aufwändige erzählerische Konstruktion, nicht wirklich in die Fälle hinabgestürzt, sondern konnte sich dank der Beherrschung einer (nicht real existierenden) asiatischen Kampfkunst aus dem Griff Professor Moriartys entwinden, so dass nur dieser den Tod in den Wasserfällen fand.
Häufig wird auch fälschlicherweise verbreitet, er habe sein Überleben dadurch gesichert, indem er Halt an einem Grasbüschel fand. Dies sei hier nur angemerkt, weil manchmal darin der Ursprung der Bezeichnung „Cliffhanger“ gesehen wird.
Bei Doyle selbst allerdings lesen wir, dass sich Sherlock Holmes nach dem Ableben Moriartys auf einem höher gelegenen Felsvorsprung verstecken konnte, um so seinen vermeintlichen Tod vorzutäuschen. Auf diese Weise untergetaucht habe er sich für längere Zeit, seinen wissenschaftlichen Studien nachgehend, im Ausland verstecken können. Dies geschah in der Absicht im entscheidenden Moment nach London zurückzukehren, um dort endgültig den letzten bedeutsamen Handlanger Moriartys das Handwerk zu legen.
Als weitere wichtige Figur gilt Irene Adler, da sie durch ihr überlegtes Handeln Holmes eine seiner 4 Niederlagen beibringt. Es gelingt ihr, kompromittierende Photos, die der Detektiv im Auftrag eines Monarchen wiederbeschaffen soll, in Sicherheit zu bringen und sich selbst ins Ausland abzusetzen; sie ist damit keine Verbrecherin. Ein solcher Erfolg einer intelligenten Frau ist besonders bemerkenswert, da er dem damals vorherrschenden Rollenbild widerspricht. Diese herausragende Frauenfigur des Werkkanons lieferte oft den Anlass, die Geschichten um eine Liebesgeschichte zu ergänzen; Conan Doyles Originale legen das allerdings nicht unbedingt nahe.
Immer wieder wird auf Holmes’ Kokainkonsum hingewiesen. Diese Eigenschaft wird in den Texten klar beschrieben und von Dr. Watson als "einziges Laster" seines Freundes bezeichnet. Zur Entstehungszeit der Geschichten war Kokain noch nicht als Droge verboten, man schätzte seine positiven Wirkungen und verwendete es vielfach. Als sein Suchteffekt bekannt wurde, arbeitete Conan Doyle dies in weitere Geschichten ein.
Holmes’ Neigung, in besonderen Notlagen Gesetze zu brechen, verweist auf Conan Doyles eigenes, vergleichsweise modernes Moralempfinden und seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Holmes’ Charakter wird in erster Linie durch seine intellektuellen Fähigkeiten und seine außergewöhnlich sachliche, akkurate und effektive Arbeitsweise bestimmt. Dies führte oft dazu, dass er als Maschine gesehen wurde – eine Assoziation, die auch in den Geschichten selbst ausgesprochen wird.
Im Kontrast dazu zeigt Holmes aber auch typisch menschliche Züge wie Zu- und Abneigungen, Einfühlungsvermögen, Gefühle wie Wut oder Angst, moralisches Urteilsvermögen und – nebst einigem anderen – eine ausgeprägte Liebe zur Musik, er besitzt u.a. eine Stradivari-Geige. Dabei vereinigt er viele rollentypische Eigenschaften aus der Entstehungzeit in sich, wie zum Beispiel die des Dandys.
Ein wichtige Funktion für die Wirkung der Geschichten spielen außerdem ihre pointierten Dialoge. Ein Beispiel:
Aus der Geschichte ‚Silberstern‘ (Silver Blaze / SILV). In: Sir Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes. Werkausgabe in neun Bänden. Erzählungen, Bd. 2: Die Memoiren des Sherlock Holmes. Übers. v. Nikolaus Stingl. Zürich: Haffmans 1985, S. 31.
Außerdem wird Holmes’ Gesicht in einigen Geschichten als markant und eckig bezeichnet, da er eine spitze Habichtsnase habe. Außerdem wird er in einigen Geschichten auch als blass- und bleichgesichtig beschrieben.
Durch die besonders enge Beziehung des Lesers zur Figur des Sherlock Holmes erreichte sie einen besonderen Rang und wird heute nicht nur als Symbol des analytisch-rationalen Denkens verstanden, sondern ist auch als ein nach wie vor produktiver Mythos der literarischen Moderne anzusehen.
Mit seinen Geschichten führte Sir Arthur Conan Doyle einige bedeutende Elemente in die Kriminalliteratur ein. Häufig wird er unter anderem als Erfinder des klassischen Detektivduos (siehe oben) bezeichnet. In wieweit er sich von Edgar Allan Poes Detektivgeschichten beeinflussen ließ, ist ungeklärt – allerdings finden sich auffallende Parallelen zu dessen Protagonisten C. Auguste Dupin, ja Poes Geschichten kommen sogar in der Handlung vor, etwa in The Adventure of the Cardboard Box wo Holmes Dr. Watsons Gedanken nachvollzieht, um diesem zu beweisen, dass ein logisch denkender Beobachter dazu fähig ist – was Watson bei der Lektüre von „one of Poe’s sketches“ (es handelt sich wohl um eine Dupin-Geschichte) zuvor bezweifelt hatte. Als weiterer Vorläufer ist Emile Gaboriaus Detektiv Monsieur Lecoq zu nennen, den Holmes ausdrücklich in Eine Studie in Scharlachrot erwähnt, dort allerdings als „erbärmlichen Stümper“ abqualifiziert.
Bis heute werden weitere Geschichten um den Detektiv erfunden, darunter auch Parodien. Als besonders gelungen gelten beispielsweise die Bände von Laurie R. King, in denen der gealterte Sherlock Holmes mit einer jüngeren Kollegin Mary Russel weitere Fälle löst. Auch Jörg Kastner, Nicholas Meyer, Zeus Weinstein und andere verfassten gelungene Fortsetzungen oder berichten ‚verlorene‘ (d.h. von Watson ursprünglich nicht veröffentlichte) Fälle. Siehe dazu weiter unten unter Pastiches und Parodien.
Eindeutig von Holmes inspiriert ist die Comic-Figur des Nick Knatterton. Deren Schöpfer Manfred Schmidt wollte nach eigenen Aussagen zwar die amerikanischen Superman-Geschichten parodieren, Aussehen und Vorgehensweise seines Detektivhelden erinnern aber unverkennbar an Holmes.
Neben Pastiche und Parodie hat sich zudem ein breites Feld von Sherlock-Holmes-Forschungen etabliert, das als Fan-Science von der Conan-Doyle-Forschung abzugrenzen ist. Begonnen hat diese Form des sog. ‚Sherlockian Reading‘ 1911 mit einer satirischen Rede des Oxforder Theologen Ronald Knox. Die Lebendigkeit der Holmes-Figur führte in diesem Kontext auch zu einer Reihe ernst gemeinter Biographien über den Detektiven. Die bedeutendste ist noch immer diejenige von William S. Baring-Gould. All diese Werke beweisen die Vielfältigkeit und Anziehungskraft von Conan Doyles fiktionaler Welt.
Bei Pastiches handelt es sich um Nacherzählungen anderer Autoren, die dem Ursprungsautor meist satirefrei ihre Hochachtung bezeugen. Eine literarische Figur reicht bei der Anzahl von Pastiches weit über alle anderen hinaus, der von Arthur Conan Doyle geschaffene beratende Detektiv Sherlock Holmes. In seinen 'Erinnerungen' erwähnt Watson immer wieder einmal andere Abenteuer des berühmten Detektivs, die er (noch) nicht zu Papier gebracht habe, so die Geschichte der Riesenratte von Sumatra, vom schrecklichen Tod des Bankiers Crosby, des wahnsinnig gewordenen Journalisten Isadore Persano, eines der Wissenschaft völlig unbekannten Wurmes, das Verschwinden von Mr. Philimore, um nur einige von über 40 Beispielen zu nennen.
Sicher ist in diesen Bemerkungen eine der Ursachen der zahllosen Pastiches zu sehen, die sich um Sherlock Holmes bildeten. In vielen 'Nachschöpfungen' sind es dann auch (durch welche Zufälle auch immer) plötzlich wieder gefundene verloren gegangene Geschichten aus der Feder des Dr. Watson. Oft begegnen Holmes (und Watson) auch anderen literarischen Figuren, aber auch echten Zeitgenossen, von George Bernard Shaw, Oscar Wilde, Bram Stoker über Sigmund Freud bis Albert Einstein. Holmes löst dabei sowohl echte Kriminalfälle, wie die Jack the Ripper Morde, als auch Fälle, die die Fantasiewelten anderer Autoren wie H.G.Wells (die Invasion der Marsianer in Der Krieg der Welten) oder das Phantom der Oper berührten.
Bis 1980, als nach englischem Recht 50 Jahre nach dem Tod von A. C. Doyle das literarische Werk und damit die Figur des Sherlock Holmes Allgemeingut wurden, hatten Doyle und seine Erben den Urheberrechtsschutz an den Figuren und ihren Namen. Daher mussten andere Autoren, soweit sie keine ausdrückliche Genehmigung erhielten, Umschreibungen benutzen. Maurice Leblanc, der in zwei seiner Romane Sherlock Holmes (natürlich vergeblich) gegen seine eigene Schöpfung, den Meisterdieb Arsene Lupin antreten lässt, nennt ihn Herlock Sholmes und seinen Gefährten Dr. Wilson. In den drei Romanen von Henry Fitzgerald Heard, die schon zu einer Zeit spielen, in denen sich der in Ruhestand gegangene Holmes in Sussex als Bienenzüchter betätigt, nennt er sich selbst Mr. Mycroft (wir denken an den Bruder von Holmes).
Oft ist die Erwähnung von Namen im übrigen völlig überflüssig, es reicht eine Personenbeschreibung (wie in Poul Andersons Chroniken der Zeitpatrouille), wenn es heißt, „der (Privatdetektiv) sei schlank und groß, habe ein Adlergesicht und werde von einem kräftigen Burschen mit Schnauzbart und Hinkefuß begleitet, der ein Famulus zu sein scheine“. Manchmal reichen sogar einzelne Worte, um auf den Einzigartigen hinzuweisen, wie „Baker Street“. Lassen Sie jemanden „Elementar“ sagen, und es genügt. Dies ist um so bemerkenswerter, als der berühmte Satz „Elementary, My Dear Watson“ bei Doyle überhaupt nicht vorkommt. Die zahllosen Nachschöpfungen anderer Autoren, darunter so bekannter wie Stephen King, Ellery Queen, Nicholas Meyer, Maurice Leblanc, Laurie R. King oder Isaac Asimov, lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen.
Zum einen in die schon genannten „verlorenen Fälle“, die Dr. Watson aufzeichnete, aber aus verschiedensten Gründen nicht veröffentlichte (aus Diskretion, um der Staatsraison willen, um eine Massenpanik zu vermeiden usw.). Hier tritt das bekannte Zweigespann auf. Eine Unzahl von Romanen und Kurzgeschichten gehört hierzu. Holmes rettet beispielsweise London vor der Pest (Der Mann des Schreckens), macht Bekanntschaft mit dem Beginn des organisierten Verbrechens (Die violette Hand), findet die gestohlenen Kronjuwelen der verstorbenen Königin Victoria (Sherlock Holmes und die Kronjuwelen) oder lüftet das Geheimnis um das Ungeheuer von Loch Ness (Das Privatleben des Sherlock Holmes).
Des weiteren gibt es Geschichten aus der Jugendzeit des großen Detektivs, als er Dr. Watson noch nicht begegnet war und der demnach nicht dabei ist. Hierzu gehören die Geschichten von Gerald Frow.
Darüber hinaus finden sich Geschichten aus der Zeit, in der Sherlock Holmes sich (angeblich) zum Bienenzüchten nach Sussex zurückgezogen hat. In diese Kategorie gehören die drei Romane von Henry Fitzgerald Heard; hier wird der „Mr Mycroft“ genannte Holmes von einem Sydney Silchester begleitet. Auch die vier Romane von Laurie R. King gehören in diese Kategorie. Hier begegnet ihm mit Mary Russell eine junge Frau, die ihm ebenbürtig ist und die er, nachdem er sie zur Detektivin ausgebildet hat, ehelicht.
Die Weggefährten von Sherlock Holmes, Dr. Watson und Mrs. Hudson, stehen im Zentrum einer weiteren Kategorie (z.B. Steven King: Watsons Fall; Sydney Hosier: Kein Fall für Mr. Holmes). Ebenso die „Baker Street Irregulars“, Holmes Bande junger Leute aus der sozialen Unterschicht, die für ihn Spitzel- und Botendienste leisten (Antony Boucher: The Case of the Baker Street Irregulars, 1940).
Geschichten, die man als „Sherlock-Holmes-Hasser-Geschichten“ bezeichnen kann, sind eine weitere Kategorie. Sie sind nicht als Pastiches, sondern eher als Parodien zu betrachten. Begonnen hatte dies mit der Geschichte Mark Twains (A double barelled detective story) bereits im Jahre 1902. Neben den bereits erwähnten Arsene-Lupin-Geschichten sind vor allem die insgesamt sieben Bände um den ewig als Trottel kritisierten Scotland-Yard-Inspektor Sholto Lestrade von J.W. Trow zu erwähnen. Hier ist Lestrade der Held, während Sherlock Holmes, der in einem Wahnanfall an den Reichenbachfällen stirbt, ein völlig wirrer sich selbst überschätzender Laie ist, der die polizeilichen Ermittlungen bestenfalls stört und von Watson völlig kritiklos vergöttert wird.
Ein Sonderfall ist die Geschichte von Nicholas Meyer Sherlock Holmes und der Fall Sigmund Freud (The seven percent solution), die 1976 auch unter dem Titel Kein Koks für Sherlock Holmes verfilmt wurde. Hier wird die berühmte Geschichte um Professor Moriarty Das letzte Problem, die mit dem Kampf an den Reichenbachfällen endet, völlig neu erzählt. Holmes leidet, wie ja Conan Doyle selbst beschrieb, an Kokainsucht. Professor Moriaty ist in der Neuerzählung nicht der „Napoleon des Verbrechens“, sondern der frühere Privatlehrer der Familie Holmes und Schuld am Tod von Holmes Mutter, mit der er ein Verhältnis hatte. Holmes selbst leidet an diesen, nie verarbeiteten Kindheitserlebnissen und flüchtet mit Hilfe des Kokains in die besagten Wahnvorstellungen von einem Superkriminellen. Watson und Mycroft Holmes gelingt es, Holmes (auf der Spur des vermeintlich flüchtigen Moriartys) nach Wien in die Praxis Sigmund Freuds zu locken, der ihn von der Sucht befreit und Holmes psychoanalytisch behandelt. Nebenbei löst Holmes in der österreichischen Hauptstadt einen Fall. Ein Essay von Michael Shepherd (in Deutschland ebenfalls unter dem Titel „Sherlock Holmes und der Fall Sigmund Freud“ erschienen), beleuchtet die Gemeinsamkeiten zwischen der kriminalistischen Deduktion des Meisterdetektivs und der Methode der Psychoanalyse.
Letztlich hat sich eine weitere Literaturgattung der Person des Sherlock Holmes angenommen, die Science Fiction. Schließlich ist die Arbeitsmethode von Holmes bisweilen wirklich ‚außerirdisch‘. Neben einer von Isaac Asimov zusammengestellten Sammlung verschiedener Kurzgeschichten (Mit Sherlock Holmes durch Zeit und Raum) tritt Holmes in dem Buch von Poul Anderson Die Chroniken der Zeitpatrouille auf sowie in der Kurzgeschichte von M. Wellmann (Sherlock Holmes vs. Mars), in der die Invasion der Marsbewohner, die H. G. Wells in Der Krieg der Welten schildert, aus der Sicht des Detektives erzählt wird. Unsterblichkeit im wahrsten Sinne des Wortes erringt Holmes in einer der von Asimov gesammelten Kurzgeschichten (Mack Reynolds: Das Abenteuer mit dem Außerirdischen), in der er im greisen Alter für die die Erde beobachtenden Aliens unentbehrlich wird.
Sir Arthur Conan Doyle schrieb zunächst zwei Romane über Sherlock Holmes: A Study in Scarlet (Eine Studie in Scharlachrot) und The Sign of the Four (Das Zeichen der Vier), die 1887 bzw. 1890 erschienen.
Es folgten zwölf Kurzgeschichten, die 1982 in dem Band The Adventures of Sherlock Holmes (Die Abenteuer des Sherlock Holmes) zusammengefaßt wurden. The Memoirs of Sherlock Holmes (Die Memoiren des Sherlock Holmes) mit ebenfalls zwölf Kurzgeschichten erschien 1893 und endeten mit dem vorläufigen Tod Holmes in Das letzte Problem.
Erst 1902 erschien ein weiterer Roman über Sherlock Holmes, The Hound of the Baskervilles (Der Hund der Baskervilles). 1904 war das Jahr, in dem Sherlock Holmes in Das leere Haus wiederauferstand, diese Kurzgeschichte wurde mit zwölf weiteren in dem Band The Return of Sherlock Holmes (Die Rückkehr des Sherlock Holmes) veröffentlicht.
1915 erschien der Roman The Valley of Fear (Das Tal der Angst)
His Last Bow (Seine Abschiedsvorstellung) enthielt 1917 nur acht Kurzgeschichten, 1927 folgte mit The Case-Book of Sherlock Holmes (Sherlock Holmes' Buch der Fälle) wieder ein Band mit zwölf Erzählungen.
Zwei weitere Taschenbücher mit sogenannten "Apokryphen Erzählungen", also Texte, deren Herkunft strittig ist, wurden 1989 veröffentlicht: Die Wahrheit über Sherlock Holmes und Das Vermächtnis des Sherlock Holmes.
Aber auch die jüngste Verfilmung von „Sherlock Holmes – Der Seidenstrumpfmörder“ aus dem Jahre 2004 mit Rupert Everett in der Rolle des Sherlock Holmes ist sehr gut gelungen.
Die wohl nennenswerteste nicht-englische Verfilmung ist die erfolgreiche russische TV-Produktion „Priklyucheniya Sherloka Kholmsa i doktora Vatsona: Sobaka Baskerviley“ aus dem Jahr 1981.
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