Sharon Marie Tate-Polański (* 24. Januar 1943 in Dallas, Texas; † 9. August 1969 in Bel Air / Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanisches Fotomodell und Filmschauspielerin.
Nach positiven Kritiken als Komödiantin wurde die überaus intelligente und gebildete Schauspielerin als vielversprechendster Newcomer Hollywoods gehandelt. Sie agierte bald an der Seite von Stars wie Deborah Kerr, Donald Pleasence oder David Niven.
Sharon Tates internationaler Durchbruch kam 1966 mit der Gruselkomödie „Tanz der Vampire” an der Seite von Roman Polański, der die Hauptrolle spielte und sowohl als Regisseur wie für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Obwohl die Rolle der Sarah eigentlich mit der rothaarigen Schauspielerin Jill St. John besetzt werden sollte, leistete Polański solange Überzeugungsarbeit bei dem Produzententeam bis die blonde Sharon endlich die Zusage erhielt (für den Film wurden ihre Haare rötlich gefärbt). Eine glückliche Wahl für den Film, denn Sharon konnte ihr komödiantisches Talent voll ausspielen und begeisterte die Kinobesucher. Auch privat wurde der Kultstreifen für Sharon ein Glückstreffer: Auf dem Set verliebten sich Tate und Polański ineinander.
Im Herbst 1967 zogen die Beiden nach London, wo sie häufig Gegenstand der Klatschpresse wurden und in zahlreichen Zeitschriftenartikeln erschienen. Im konservativen England der damaligen Zeit galt es als Aufsehen erregend, dass ein junges Paar bereits vor der Hochzeit zusammenlebte; der Franzose polnischer Abstammung Polański und die Texanerin Tate wurden als Ausländer ohnehin kritisch betrachtet, zumal Polańskis Filme nicht immer dem durchschnittlichen Publikumsgeschmack entsprachen. Überdies wuchsen Sharons Berühmtheitsstatus und ihre Rolle als Stilikone der „Swinging Sixties” bei der Jugend an, nachdem Modemagazine anfingen, sie als Model und Covergirl (u.a. war sie auf dem Titel des Playboy 1967 abgebildet) mit für damalige Zeiten gewagt-lasziven Fotografien herauszubringen (teilweise auch Nacktaufnahmen zusammen mit Polański).
Sharon Tate und Roman Polański heirateten am 20. Januar 1968, vier Tage vor Sharons 25. Geburtstag unter großem Publikums- und Medieninteresse in London. In der Folgezeit zog sich Sharon allerdings immer mehr ins Privatleben zurück und vernachlässigte ihre eigene Karriere. Das junge Paar kehrte zurück nach Los Angeles und wurde schnell Mitglied der Hollywood High Society. Die Beiden stürzten sich ins Partyleben und trafen auf weitere Stars wie Steve McQueen, Peter Sellers, Mia Farrow oder Peter Fonda und Jane Fonda. Sie knüpften schnell Kontakte zur Kunst- und Kulturszene und umgaben sich mit Musikern wie Jim Morrison und den Doors, den The Mamas and the Papas oder dem Musikproduzenten Terry Melcher (der Sohn von Doris Day) und dessen Freundin Candice Bergen.
Der Haarstylist Jay Sebring, ein Ex-Verlobter von Sharon, wurde trotz der ehemaligen Liaison ein sehr enger Freund der Polańskis. Hinzu kamen zahlreiche Freunde und Bekannte aus Romans Jugendzeit in Polen, wie der Schriftsteller Voyteck Frykowski und seine Freundin Abigail Folger, die Erbin des amerikanischen Kaffeeimperiums Folgers Flavours. Ungefähr gegen Ende 1968 mieteten Tate und Polański ein Haus von Terry Melcher in Bel Air an. Die Villa am Cielo Drive mit Blick über Los Angeles wurde bald Schauplatz zahlreicher Partys des Ehepaars und lockte dabei auch allerlei skurrile Gestalten an. Es gibt Vermutungen, dass auch Mitglieder der Charles Manson „Family” das Haus bereits im Vorfeld sondiert hatten. Sharon Tate und Roman Polański lebten den freien Geist der Hippiezeit voll aus. Wobei eine weitere enge Freundin des Paars, die Schauspielerin Leslie Caron stets Bedenken hatte und, wie sie in einem späteren Interview äußerte, „die Polańskis zu vertrauensvoll gewesen seien, da ihre Haustür zu jederzeit und für jedermann offen stand...”.
Im Sommer 1969 kehrte das Ehepaar Tate-Polański noch einmal nach Europa zurück. Sharon machte ihre letzten Fotoaufnahmen als Modell für das Queen Magazine in London, während Roman Drehorte für neue Filmprojekte in England suchte. Im Anschluß kehrte die schwangere Sharon allein in die USA zurück. Roman Polański sollte seine Ehefrau nie lebend wiedersehen.
Um die baldige Geburt ihres Kindes zu feiern lud Sharon Tate - sie war bereits im achten Monat schwanger - ihre engsten Freunde Jay Sebring, Abigail Folger und Voyteck Frykowski nach einem Essen in einem mexikanischen Restaurant zu einer spontanen Party in ihr Haus am Cielo Drive ein. Die Vorgänge dieser verhängnisvollen Nacht vom 8. August zum 9. August 1969 wurden nie völlig geklärt (es gibt viele widersprüchliche Versionen des Tathergangs). Vier Mitglieder der „Manson Family” (Susan Atkins, Charles „Tex” Watson, Linda Kasabian und Patricia Krenwinkel) brachen in das Anwesen ein und überfielen die Anwesenden mit Messern und Pistolen bewaffnet. Sie trieben die Bewohner im Wohnzimmer zusammen und fesselten sie. Jay Sebring, der ehemalige Verlobte von Sharon Tate, versuchte sich zu befreien, wurde daraufhin von Tex angeschossen und verblutete. Auch Frykowski gelang es, ebenso wie Abigail Folger, sich zu befreien und bis in den Vorgarten zu flüchten. Sharon Tate soll noch vergeblich um das Leben ihres ungeborenen Kindes gefleht haben (nach späteren Aussagen von Linda Kasabian und Susan Atkins). Nachbarn hörten Schreie und Schüsse. Den Untersuchungsberichten des LAPD zufolge sollen die Mörder (vermutlich Atkins) mehrmals auf den Leib der sterbenden Schauspielerin eingestochen haben. Insgesamt wies ihr Körper 16 Stichwunden auf, von denen einige post mortem ausgeführt worden waren. Am folgenden Morgen fand Tates Haushälterin die Leichen und verständigte die Polizei. Der zufällig in der Mordnacht anwesende Student Steven Parent wurde erschossen in seinem Auto in der Einfahrt des Hauses gefunden. Er war das einzige Opfer das nicht durch Messerstiche entstellt wurde. Die beiden anderen Opfer Abigail Folger und Voyteck Frykowski wurden im Vorgarten bzw. im Flur des Hauses kaltblütig mit Pistolenschüssen niedergestreckt. Das Wort "PIG" wurde - in Anlehnung an ein Lied der Beatles - mit Tates Blut an die Haustür geschrieben. Roman Polański war zu diesem Zeitpunkt noch immer mit Dreharbeiten in Europa beschäftigt. Als er von dem Mord Nachricht bekam eilte er umgehend nach Los Angeles. In einem demonstrativen Akt der Verzweiflung erlaubte er Fotoreportern des Life Magazines Zugang zu den blutverschmierten Räumen seines Hauses und gab der Presse ein umfangreiches Statement zu der Greueltat. Nach dem Tate-Massaker fanden noch weitere Morde der Manson Family statt: Unter anderem (mit Beteiligung von Leslie Van Houten) an dem Supermarktkettenbesitzer Leno LaBianca und seiner Frau Rosemary am 10. August.
Ein Jahrzehnt nach den Morden schloss sich Sharons Mutter Doris Tate - entsetzt über den wachsenden Kultstatus der Mörder und beängstigt von der Möglichkeit, dass einige von ihnen begnadigt werden könnten - einer Kampagne an, um sicherzustellen, dass sie im Gefängnis blieben. Ihre Entschlossenheit, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten der erzieherischen Strafmaßnahmen des Staates zu richten und ihre Kritik daran, waren unter anderem der Auslöser für die Änderungen im Strafgesetz Kaliforniens im Jahr 1982. Diese Änderungen machten es Verbrechensopfern und deren Familien möglich, sogenannte Victim Impact Statements während der Gerichtsverhandlungen von Häftlingen und bei nachfolgenden Anhörungen über Hafturlaub abzugeben. Doris Tate war der erste Mensch, der solch ein Statement unter dem neuen Gesetz abgab, als sie bei der Anhörung über den Hafturlaub einer der Mörder ihrer Tochter, Charles „Tex” Watson, aussagte. Sie sagte später, dass sie glaube, die Änderungen im Gesetz hätten ihrer Tochter die Würde zurückgegeben, die ihr zuvor verwehrt blieb und dass es ihr gelungen sei, „Sharons Vermächtnis als Mordopfer in ein Symbol für Opferrechte umzuwandeln”. Nach dem Tod von Doris Tate im Juli 1992 führte Sharons jüngere Schwester Patti die Arbeit ihrer Mutter bis zu ihrem eigenen Ableben im Juni 2000 weiter (siehe Literatur).
Sharons Schwester Debra Ann Tate (* 1953), wacht seitdem über das Vermächtnis ihrer Familie und betreibt eine Website zum Gedächtnis an ihre Schwester (siehe Weblinks).
Der Mythos Sharon Tate und ihr tragisches Ende wird stets in einem Atemzug verbunden bleiben mit Charles Manson und seiner „Family” und zieht noch immer Fans, Fanatiker, Schriftsteller und deren Kritiker in seinen Bann und überdeckt dabei leider zu oft das Talent einer viel zu früh verstorbenen Schauspielerin.
Sharon Tates ungeborenes Kind bekam postum den Namen Paul Richard Polanski; es wurde zusammen mit seiner Mutter auf dem Holy Cross Cemetery, in Culver City, Kalifornien beerdigt.
Roman Polański widmete ihr seinen Film „Tess” im Abspann mit „For Sharon”. Die Hauptrolle besetzte er mit Nastassja Kinski, die ironischerweise am gleichen Tag (24. Januar) wie Sharon Tate Geburtstag hat.
| Jahr | Film (Originaltitel) | Rolle | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| 1962 | Hemingway's Adventures of a Young Man | unbenannt | |
| 1962 | Barabbas | unbenannt | Nebenrolle |
| 1963 | The Beverly Hillbillies | Janet Trego | sporadische Auftritte als Nebenrolle |
| 1964 | The Americanization of Emily | unbenannt | |
| 1966 | Tanz der Vampire (The Fearless Vampire Killers) | Sarah Shagal | |
| 1967 | Die schwarze 13 (Eye of the Devil) | Odile de Caray | |
| 1967 | Die nackten Tatsachen (Don't make Waves) | Malibu | |
| 1967 | Das Tal der Puppen (Valley of the Dolls) | Jennifer North | |
| 1968 | Rosemary's Baby | Partygast | unbenannte Nebenrolle |
| 1969 | Rollkommando (The wrecking Crew) | Freya Carlson | |
| 1969 | Die dreizehn Stühle (The Thirteen Chairs) | Pat | posthum veröffentlicht |
Frau | US-Amerikaner | Fotomodell | Schauspieler | Filmschauspieler | Geboren 1943 | Gestorben 1969
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