Kamasutra5.jpg-Handschrift]] Sexualität (sinngemäß „Geschlechtlichkeit“, von spätlat. sexualis; aus lat. sexus „Geschlecht“; vgl. Sex) bezeichnet im weiteren biologischen Sinne die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern.
Zwischenmenschliche Sexualität wird in allen Kulturen auch als ein möglicher Ausdruck der Liebe zwischen zwei Personen verstanden.
Die Herausbildung der Sexualität ist einer der Hauptfaktoren und gleichzeitig das Ergebnis der biologischen Evolution. Die Entstehung von genetisch unterschiedlichen Geschlechtern und Paarungstypen gilt als Ausgangspunkt für die Entwicklung höherer Lebewesen aus ursprünglich geschlechtslosen Einzellern, die sich nur asexuell (vegetativ) fortpflanzen.
Man nimmt an, dass sich die Sexualität erst spät in der Evolution - vor ca. 600 Millionen Jahren - etabliert hat. Vermochten sich die Lebewesen anfangs nur durch einfache Zellteilung unter Vermehrung fortzupflanzen, was fast ausschließlich zu genetisch identischen Nachkommen führte, ist am Ende dieses Evolutionsschrittes die Fortpflanzung mit einer Vereinigung und Neuaufteilung der Genome zweier Individuen verbunden, was in der Regel zu genetisch verschiedenen Nachkommen führt. Dadurch wird die Variabilität der Individuen einer Population und damit deren Fähigkeit zur Anpassung und Evolution erhöht. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei verschiedene Genome vereinigt werden, wird dadurch erhöht, dass es mindestens zwei verschiedene Paarungstypen gibt und nur die Genome zweier verschiedener Paarungstypen vereinigt werden können. Die Vereinigung von identischen Genomen (den Mitglieder eines Klons) wird so verhindert. Bei den meisten Lebewesen kommen nur jeweils zwei Paarungstypen vor, die im Fall der Oogamie als die bekannten zwei Geschlechter männlich und weiblich bezeichnet werden.
Viele Einzeller betreiben als sexuellen Akt die Verschmelzung ganzer Individuen, einige Einzeller wie das Pantoffeltierchen die sogenannte Konjugation mit Austausch von Genomen. Sogar bei Bakterien kommen sexuelle Phänomene vor: Sie bilden so genannte F-Pili, röhrenförmige Proteinfortsätze, durch die sie Teile des Erbguts (DNA) von einem Individuum auf ein anderes übertragen; dies geschieht unabhängig von der Vermehrung, die meistens durch Zellteilung erfolgt. Bei Eukaryoten (d.h. Tieren, Pflanzen, Pilzen und Protisten) bedeutete die Trennung in verschiedene Geschlechter den Übergang zur geschlechtlichen Fortpflanzung durch den Austausch und die Rekombination von Erbgut bei der Befruchtung und die Bildung einer befruchteten Keimzelle. Die Entwicklung eines durch Hormone gesteuerten Systems war ein weiterer Schritt zur Herausbildung sexueller Verhaltensweisen. Neben der Fortpflanzung mittels Austausch von Erbinformationen hat geschlechtlicher Verkehr bei höheren Organismen teils auch eine soziale Bedeutung, insbesondere bei den Primaten (wie dem Menschen und den Zwergschimpansen).
In der Zoologie erschließt sich der Erfolg für das Prinzip „Reproduktion durch Sexualität“ erst durch des Verständnis eines zwangsläufig begleitenden Evolutionsschrittes. Zunächst mussten Sinnessysteme (Sinnesorgane mit nachgeordneten verhaltensrelevanten Instanzen) entwickelt werden, die eine Suche und Findung möglicher Geschlechtspartner der eigenen Art erst ermöglichten. Anfangs sicher noch auf biochemischen Sinnesreizen basierend entwickelte sich in der Folge eine Vielzahl von Sinnessystemen im Tierreich, die etwa die des Menschen an Leistungsfähigkeit oftmals überbieten.
Diese Sinnessysteme bieten allerdings auch dem wichtigsten Aspekt des Lebens, nämlich dem Selbsterhalt, einen Selektionsvorteil. Der allseits zitierte Vorteil der Möglichkeit einer genetischen Rekombination ist so mehr als Folge denn als Ursache des Erfolges der sexuellen Reproduktion zu sehen.
Für männliche Individuen gilt, dass sie mit dem Geschlechtsakt ihren biologischen Anteil zur erfolgreichen Reproduktion bereits beigetragen haben. Die ethologischen Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen aber auch, dass für viele Tierarten und Menschen die gemeinsame Sexualität die Basis für vielfältigste weitergehende Sozialstrukturen darstellt, die im Extremfall lebenslange exklusive Sexualpartnerschaft zwischen einem Weibchen und einem Männchen bedeuten kann.
Allen uns bisweilen skurril anmutenden Sexualverhaltensmustern, die oft nach einem sehr starren Schema ablaufen, ist eines zwangsläufig gemeinsam: Diese Muster sind auf etwas oder jemanden in der Außenwelt des Individuums gerichtet; in der Regel ist dies bezüglich eines optimalen Reproduktionserfolgs ein gegengeschlechtlicher Artgenosse.
Zur Entstehung der Sexualität bei Pflanzen und ihrer Modifikation im Verlauf der Stammesgeschichte siehe auch: Generationswechsel.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte die Ansicht vor, dass Kinder zunächst asexuelle Wesen seien und sich der Geschlechtstrieb erst mit Beginn der Pubertät entwickle. Bereits vor Freud, nämlich ab etwa 1870, wurde in der medizinischen Fachliteratur von kindlicher Sexualität berichtet. Stephen Kern: Freud and the discovery of child sexuality. In: History of Childhood Quarterly. Nr. 1, 1973, S. 118–26. Die beschriebenen Verhaltensweisen waren die „Hysterie“ und Masturbation, so etwa in Eduard Henochs Lectures on children’s diseases (1888) oder John Keatings Cyclopaedia ofthe diseases of children (1890). 1904–1905 publizierte Freud sein Aufsehen erregendes Werk Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, worin er die These darlegt, nach der Kinder trotz ihrer sexuellen Unreife von Geburt an im Besitz einer Geschlechtlichkeit und geschlechtlichen Identität seien, was sich in vielerlei Sexualäußerungen zeige. Freuds Lehren zur Sexualität von Kindern sind nicht unumstritten, aber in ihren Grundzügen auch 100 Jahre nach der Publikation noch weithin anerkannt.
Nach Freud ist die angebliche Asexualität des Kindes ein realitätsfernes Erziehungsideal und ein folgenschwerer Irrtum. Bereits das neugeborene Kind bringt Keime von sexuellen Regungen mit auf die Welt, die sich zunächst eine Zeitlang weiterentwickeln, nach einer Blütephase um das dritte bis vierte Lebensjahr aber einer fortschreitenden Unterdrückung unterliegen. Erst mit der Pubertät setzt sich die sexuelle Entwicklung wieder fort. Freud spricht hier von einem zweizeitigen Ansatz der sexuellen Entwicklung des Menschen, der von einer mehrere Jahre andauernden sexuellen Latenzperiode unterbrochen wird.
Jede Phase der psychosexuellen Entwicklung ist nach Freud durch das Vorherrschen bestimmter erogener Zonen gekennzeichnet, die Freud als Lustzentren bezeichnete.
Die erste Äußerung der kindlichen Sexualität ist die orale Phase, welche beim Säugling unmittelbar nach der Geburt auftritt und sich bei gesunder Entwicklung ca. 1,5 Jahre fortsetzt. Typischer Weise treten rhythmisch wiederholte saugende Bewegung mit dem Mund auf, die nicht der Nahrungsaufnahme dienen und bereits angeboren sind. Das Kind erlernt sodann, dass diese Betätigung bereits beim Saugen an der Mutterbrust (oder dem Fläschchen) mit weiteren Lustquellen verbunden wird. Gesaugt wird dann auch an greifbaren Objekten, vorzugsweise jedoch an geeigneten Stellen des eigenen Körpers, wodurch eine zweite, wenngleich minderwertigere, erogene Zone gebildet wird. Nach Ende der oralen Phase lösen andere erogene Zonen den Mund als vorherrschendes Lustzentrum ab, der Mensch behält aber die Fähigkeit zum oralen Lustgewinn, wie beispielsweise bei der Berührung seiner Lippen mit den Lippen des Partners als erotischer Reiz beim Kuss.
Nach Freud stellt die orale Phase eine Form der Autosexualität dar, da der Trieb nicht auf andere Personen gerichtet ist.
Das Kind beginnt den After zu entdecken und zu erforschen. Die zugehörige Entwicklungssphase wird als die anale Phase bezeichnet und zeichnet sich außerdem auch durch Spiele mit den Ausscheidungsprodukten aus. Je nach Erziehungsumständen wird die Aufmerksamkeit auf die Reinlichkeit gelenkt. Diese Phase dauert ab etwa 15 Lebensmonate und drei Jahre an. Ihr folgt die genitale Phase, die mit einer weiteren Wandlung der vorherrschenden erogenen Zonen beginnt.
Auch die Genitalien spielen bereits in der kindlichen Sexualität eine Rolle. Das Kind entdeckt und erforscht seine Genitalen. Diese Zeit liegt zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr und wird von der Latenzperiode beendet.
Die genitale Phase durchläuft drei Perioden:
Mit Abschluss der genitalen Phase erkennt sich das Kind einem Geschlecht zugehörig und kann eine geschlechtliche Identität entwickeln.
Der genitalen Phase folgt nach Freud eine Latenzperiode, in der das Kind keine sexuellen Interessen haben sollte. Beendet wird diese Periode erst durch die Pubertät. Es ist derzeit ungeklärt, ob die Latenzperiode natürlichen Ursprungs ist oder durch die Sozialisation verursacht wird. Freud selbst hat Zweifel an der Natürlichkeit der Latenzperiode geäußert, das Konzept aber nicht aufgegeben.
Die Sexualäußerungen des Kindes treten hauptsächlich vor und nach der Latenzzeit auf. Sie sind vielfältig, überwiegend autosexuell, und offenbaren ihre sexuelle Natur oft erst bei genauer Betrachtung. Sie folgen typischen Entwicklungsphasen.
Während der Latenzperiode entwickelt das Kind seelische Regungen, die sich später der Sexualität als Hemmnisse in den Weg stellen und diese in Bahnen lenken: der Ekel, das Schamgefühl, die ästhetischen und moralischen Idealanforderungen. Durch äußere Einflüsse kann die sexuelle Latenzperiode jedoch durchbrochen werden. Dabei zeigt sich der Geschlechtstrieb des Kindes in seiner Natur als polymorph pervers.
Laut Freud bringt das Kind so genannte "polymorph perverse" Anlagen mit auf die Welt, die sich bei Durchbrüchen der sexuellen Latenzperiode in vielfältigen Paraphilien manifestieren können. Das vorpubertäre Kind neigt gegenüber dem Erwachsenen verstärkt zu Paraphilien, da seine seelischen Dämme gegen diese - Scham, Ekel und Moral - je nach Alter erst in der Bildung begriffen sind. Nach Freud besitzen paraphile Erwachsene somit eine Sexualität, die in ihrer Entwicklung gehemmt wurde und auf einer kindlichen Stufe stehengeblieben ist. Wo eine bestehende Neigung zur Paraphilie jedoch verdrängt wird, entsteht an deren Stelle eine Neurose. Die Neurose bezeichnet Freud als das Negativ der Perversion.
Durch den Prozess der Sublimierung dagegen kann eine paraphile Neigung in intellektuelle oder künstlerische Schaffenskraft umgewandelt werden. Hierin sieht Freud einen Motor der Kulturentwicklung.
Zu den in der Kindheit ausgelösten Paraphilien zählen unter anderem die sexuellen Neigungen
Siehe auch: Doktorspiele, Sexualmoral
Die Sexualität des Menschen beeinflusst seine Psyche, seine persönliche Entwicklung, die Formen seines Zusammenlebens sowie - auch beeinflusst von der Sexualmoral - die gesamte Sozialstruktur, also die Kultur und Gesellschaft, in der er lebt. Da zwischen der Sexualität des Mannes und der Sexualität der Frau teils erhebliche Unterschiede bestehen, führt diese Diskrepanz bei der Heterosexualität zu mannigfaltigen Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Geschlechtern. Folge mangelnder Anpassung auf beiden Seiten können sich auch in Funktionsstörungen bei Frau und Mann niederschlagen.
Außer der am weitesten verbreiteten Ausrichtung des Sexualverhaltens, der Heterosexualität, weist das Sexualverhalten des Menschen weitere sexuelle Orientierungen auf. Dazu gehören zum Beispiel die Homosexualität, d.h. die Ausrichtung des Sexualtriebs auf das eigene Geschlecht, die Bisexualität, die sich auf beide Geschlechter richtet, die Asexualität, wo kein Verlangen nach Sex - weder mit dem männlichen noch weiblichen Geschlecht - besteht, oder auch die fetischistische Sexualität, die sich auf unbelebte Gegenstände oder bestimmte Handlungen richtet. Früher teilweise tabuisiert und verboten, gewinnen diese Ausrichtungen heute in aufgeklärten Gesellschaften zunehmend an Akzeptanz und sind in vielen Ländern heute gesetzlich legal. Sigmund Freud diagnostizierte zwei geschlechtstypische kindliche Komplexe, die sich aus dem anatomischen Merkmal ergeben, dass die weiblichen Genitalien im Gegensatz zu den männlichen äußerlich kaum zu sehen sind. Demnach leiden Knaben unter der bewussten oder unbewussten Angst, man könnte ihren Penis abschneiden, da die Existenz von penislosen Altersgenossinnen diese Möglichkeit impliziere. Mädchen dagegen würden an ihrem Körper ein dem Penis gleichwertiges Organ vermissen und sich dadurch minderwertig fühlen. Heutige Ansichten gehen davon aus, dass Penisneid und Kastrationsangst nicht zwangsläufig auftreten, sondern nur, wenn die sozialen Umstände dies befördern, bzw. durch eine erzieherische soziale Benachteiligung von Mädchen gegenüber Jungen, wie das zu Freuds Zeiten praktisch immer der Fall war.
Nach der Überwindung der sexuellen Latenzperiode erhält in der Pubertät der Genitalapparat des Kindes das Primat über die anderen erogenen Zonen (Lustzentren). War der Sexualtrieb bis dahin vorrangig autosexuell, so findet er nun sein Sexualobjekt und stellt sich in den Dienst der Fortpflanzungsfunktion.
Das Primat der Genitalzone entsteht durch die Ausnützung der Vorlust, wobei die zuvor selbstständigen Akte, die mit Lust und Erregung verbunden sind, nun zu vorbereitenden Akten für das neue Sexualziel, den Orgasmus, werden.
Bei der Objektwahl ist das Kind durch seine vorpubertäre Prägung zunächst versucht, diejenigen Personen zu Sexualobjekten zu machen, die es mit einer "abgedämpften Libido" seit seiner Kindheit liebt, also seine Eltern bzw. Pflegepersonen. Jedoch ist in der Zeit der sexuellen Latenz neben anderen Sexualhemmnissen auch die Inzestschranke gereift. So wird die Objektwahl von diesen Personen weg, jedoch oftmals zunächst auf ihnen ähnliche Personen gelenkt. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass sich Jugendliche in unerreichbare Personen verlieben. Diese "Liebe" hat in der Regel schwärmerischen Charakter, Erfüllung und Leben der Partnerschaft ist nicht wirklich angestrebt, so äußert sich diese "Verliebtheit" z.B. in Verehrung von fernen Popstars, Filmschauspielern, auch Politikern etc..
Teilweise geschieht die Ablösung von den Eltern nur mangelhaft. In diesen Fällen unterdrückt die Person ihren Sexualtrieb und schafft es so, ihren Eltern weit über die Pubertät hinaus in Kinderliebe verbunden zu bleiben. Jedoch zeigt sich für Freud als negative Folge davon oftmals in ihren partnerschaftlichen Beziehungen eine Neigung zur Frigidität.
Eine These ist, dass durch die Neolithische Revolution das Verhältnis des Menschen zur Sexualität geändert haben könnte. Diesem Konzept nach betrachtete der Mann die Sexualität der Frau als zunehmend gefährlich und einer Kontrolle bedürftig. Es wird in diesem Zusammenhang darüber spekuliert, dass nun nicht mehr das Kind an sich wichtig gewesen sei, sondern nur noch, wenn es der eigene, genetisch verwandte Nachwuchs gewesen sei. In diesem Zusammenhang soll der Umstand eine Rolle gespielt haben, dass die Frau eine verdeckte Befruchtung hat: da der Mann nicht im Nachhinein kontrollieren konnte, ob er der Erzeuger der Kinder war, fing er an, die weibliche Sexualität mit Tabus und Verboten zu belegen. Nicht erklärt werden kann in dieser naturalistisch-biologistischen Sichtweise, warum auch alle anderen Formen der Sexualität mit Tabus und Verboten verbunden wurden.
In Altertum und Antike ist das Verhältnis zur Sexualität je nach Kultur und Epoche äußerst unterschiedlich. Von einigen Hochkulturen (z.B. Griechenland) ist bekannt, dass Prostitution und offene Homosexualität in ihnen gesellschaftsfähig waren.
Amphora -seduction scene- for Wiki.jpg Die christliche Moral der Kirche im Mittelalter war stets sexualfeindlich; Sexualität sollte vornehmlich der Zeugung von Kindern dienen. Wollust galt gemeinhin als sündhaft, Homosexualität als krankhaft und widernatürlich.
Während im spätmittelalterlichen Europa und in bestimmten Phasen der frühen Neuzeit - von den mittelalterlichen Badehäusern bis zu den absolutististischen Höfen - recht ungezwungen Sitten herrschten, breitete sich erst mit dem Puritanismus und den Moralvorstellungen des viktorianischen Englands oder wilhelminischen Deutschlands repressive Moralvorstellungen aus, mit denen man der Sexualität insgesamt misstrauisch gegenüberstand. Sie wurde z.B. als animalisch, roh und gefährlich angesehen, da sie die Grenzen der Vernunft zu sprengen drohte. In diesem Zusammenhang wurde auch die Masturbation als medizinisch und psychologisch schädliche Handlung dargestellt und bekämpft. Insbesondere in diesen Zeiten wurde der Frau keine selbstbestimmte Ausübung ihrer Sexualität zugestanden.
Mit der Psychoanalyse von Freud, und anschliessenden Vorstellungen wie denen von Wilhelm Reich kamen Anfang des 20. Jahrhunderts neue Vorstellungen der Rolle von Sexualität auf: sie sei ein natürlicher Trieb, ihre Auslebung befreiend, notwendig und positiv, ihre Unterdrückung hingegen erzeuge Neurosen.
Dennoch blieb bis in die 60er Jahre hinein eine oftmals als bigott angesehene Moral vorherrschend. So galten z.B. Zimmerwirte als Kuppler, wenn sie unverheirateten Paaren gemeinsame Schlafräume vermittelten. Sexualität war ein Tabu-Thema, über das in der Öffentlichkeit nicht gesprochen wurde. Erst die Welle der sexuellen Befreiung der 68er führte - zusammen mit der Aufklärungsliteratur (wie der von Shere Hite) und den Aufklärungsfilmen - zu neuem Nachdenken über die sexuelle Lust.
In der Gegenwart wird die sexuelle Selbstbestimmung mehr und mehr zum Leitgedanken der Sexualmoral. Abweichende sexuelle Praktiken, Beziehungsformen und sexuelle Orientierungen sind zunehmend sozial akzeptiert oder wenigstens geduldet, solange Einverständnis zwischen den (erwachsenen) Beteiligten besteht, die Vorgaben des Strafrechts eingehalten und keine Dritten potentiell geschädigt oder belästigt werden.
Weil vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1920 keine Filmzensur in Deutschland existierte, folgte 1919 auf die Welle der „Aufklärungsfilme“ die der eigentlichen „spekulativen Sexfilme“, damals noch „Sittenfilme“ genannt.
In den 60er Jahren wiederholte sich das Geschäft auf eine erstaunlich ähnliche Weise.
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