Pattaya-touri.jpg]] Sextourismus bezeichnet Reisen, die von den Reisenden in erster Linie dazu unternommen werden, um sexuelle Kontakte zu den Einheimischen der besuchten Länder aufzunehmen. Da es sich hierbei zumeist um Prostituierte handelt, wird auch häufig der Terminus Prostitutionstourismus gebraucht. Sextourismus im heute zu beobachtenden Ausmaß existiert erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bedingt durch den zunehmenden Wohlstand bestimmter Weltregionen (Westeuropa, Nordamerika, Japan, bestimmte Staaten der arabischen Welt u.a.) und die Möglichkeit relativ billig und schnell in weit entfernte Länder reisen zu können.
Homosexuelle Männer sehen mitunter im Sextourismus eine Chance, ihre Homosexualität frei auszuleben ohne die schwierige Aufgabe, sich in der Heimat offen dazu bekennen zu müssen.
Da es in kaum einer der Destinationen männliche Pendants zu "Bardamen" oder Straßenprostituierten gibt, ist auch die Grenze mitunter schwer auszumachen zwischen sich prostituierenden Männern und solchen, die es als eine Art Sport ansehen, da Sex mit einheimischen Frauen und Mädchen außerhalb fester Beziehungen für sie oft kaum möglich ist. Zudem neigen Frauen eher als Männer dazu, ihre Urlaubsbeziehungen geheim zu halten oder sie nach außen als "Beziehung" mit echten Gefühlen darzustellen. Auch suchen sie häufiger als Männer "passende" Partner im Bezug auf das Alter und Aussehen. Die Bezahlung erfolgt in der Regel nicht so direkt wie bei männlichen Sextouristen üblich. Manchmal kaufen sie dem Partner ein Fahrzeug oder ermöglichen ihm mit Startkapital, ein Geschäft zu eröffnen.
Man findet in den Zentren des Prostitutionstourismus jedoch auch deutlich ältere Damen aus den Wohlstandsländern mit jungen (auch minderjährigen) Männern aus den Urlaubsländern.
Seit den 1970-ern ist zu beobachten, dass Frauen zum Zweck des Prostitutionstourismus zuerst in die Karibik (vor allem nach Jamaika), später auch nach Thailand, Bali, Kenia, Gambia und Tunesien reisten.
Die Grenzen von "normalen Beziehungen" zum Sextourismus sind nicht immer klar festzustellen.
Gisela Wuttke schreibt in Kinderprostitution, Kinderpornographie, Tourismus. Eine Bestandsaufnahme (siehe Literatur): „Im Hinblick auf das Geschlecht lässt sich sagen, dass der Prostitutionstourismus eine überwiegend männliche Domäne ist. * Insgesamt kann man aber wohl feststellen, dass der weibliche Prostitutionstourismus in den Medien eine (im Vergleich zum realen Stellenwert) eher überproportionale Beachtung gefunden hat.“
Häufigste Reiseziele für männliche Prostitutionstouristen sind Thailand, die Philippinen und seit wenigen Jahren auch Kambodscha in Südostasien, Kuba und die Dominikanische Republik in der Karibik, Brasilien und afrikanische Länder wie Gambia und Kenia. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs entwickelten sich auch die grenznahen Gebiete Tschechiens und Polens zum Ziel prostitutionstouristischer Kurzbesuche vor allem deutscher und österreichischer Männer.
Frauen aus den wohlhabenden Ländern suchen am häufigsten Kenia und die arabischen Länder am Mittelmeer auf; in den letzten Jahren auch zunehmend die Badeorte am Roten Meer in Ägypten.
Das primäre verbindende Merkmal der Reiseziele ist die ökonomische Situation der einheimischen Menschen. Der Prostitutionstourismus lebt – wie der normale Tourismus auch – von den niedrigeren Preis- und Lohnniveaus in den bereisten Ländern. Die Arbeitskraft wird in diesen Ländern im Allgemeinen weit geringer vergütet als in den Herkunftsländern der (Sex-)Touristen. Auch sexuelle Dienstleistungen werden meist zu sehr viel niedrigeren Preisen angeboten. Da gerade für die Frauen dieser Länder meist wenig Arbeitsmöglichkeiten bestehen, bietet die Arbeit als Prostituierte oft bessere Verdienstmöglichkeiten als andere Berufe.
Die Geschichten der Prostituierten in den außereuropäischen Sextourismus-Destinationen ähneln sich häufig: Schulbildung ist nicht oder kaum gegeben. Häufig betrifft es Menschen, die in Notsituationen geraten sind, beispielsweise Frauen, die vom Mann verlassen und mit ihren Kinder alleingelassen wurden oder für ein krankes Familienmitglied zu sorgen haben. Ein anderes Argument, neben der Notwendigkeit Geld zu verdienen, ist, dass die Frauen nicht wollen, dass ihre eigenen Töchter in der Prostitution enden. In der Tat kann in vielen dieser Länder (siehe auch Schwellenländer) allein durch Arbeit in der Fabrik, deren Lohn manchmal nur 1 bis 3 Euro am Tag beträgt, weder eine ordentliche Schulbildung noch eine angemessene ärztliche Behandlung finanziert werden. Daneben werden von mittellosen oder verschuldeten Familien der ländlichen Regionen oft auch Töchter an die Bars oder Clubs in den Städten und Tourismuszentren verkauft. Ein junges Mädchen für ein Bordell in Bangkok kostet die Menschenhändler durchschnittlich 8000 Baht, etwa 160 Euro.
Ab den 1980-ern wurden die Länder der Region, allen voran wiederum Thailand und die Philippinen, wegen der günstigen Flüge und der politischen und wirtschaftlichen Stabilität zu immer beliebteren Fernreisezielen für Touristen aus Nordamerika und Europa sowie Australien. Mit den gewöhnlichen Touristen kamen bald auch die Sextouristen, weniger der tropischen Strände oder der Kultur wegen, sondern angezogen durch die vergleichsweise billig verfügbaren "exotischen" Frauen.
Zu Zentren des Sextourismus in Thailand entwickelten sich insbesondere Pattaya, daneben auch Bangkok (Patpong), Chiang Mai und die Insel Phuket. Speziell in Thailand ist der Anteil der Touristen an der Gesamtzahl der Kunden der Prostituierten allerdings relativ gering. Etwa 4,6 Millionen männliche Thais besuchen jährlich die nach Schätzungen mindestens 1,5 Millionen Prostituierten. Die größte Gruppe ausländischer Männer sind Malayen mit ca. 1 Million; diese besuchen besonders die Bordelle im Süden Thailands wie in Hat Yai. Unter den fernreisenden Sextouristen stellen US-Amerikaner die größte Gruppe, gefolgt von Briten und Deutschen. Zwar versucht die thailändische Regierung seit einigen Jahren die Prostitution zurückzudrängen und vor allem den Ruf des Landes im Tourismus zu verbessern, aber Prostitution ist dennoch ein profitabler Wirtschaftszweig: die "Rotlicht"-Branche weist einen Umsatz von jährlich rund 27 Milliarden Dollar auf und erwirtschaftet etwa 14 % des BIP (Schätzung der ILO, der International Labour Organisation der UNO). Etwa 28 % der Einkommen in Nordthailand stammen von Frauen, die in den Städten und touristischen Zentren als Prostituierte arbeiten. Aus dem Umstand, dass mit Prostitution verhältnismäßig viel Geld zu verdienen ist, folgt auch, dass offizielle Versuche sie zurückzudrängen kaum durchsetzbar sind. Prostitution ist in Thailand gesetzlich verboten. Allerdings funktioniert ein Verbot nicht, wenn jene, die es durchsetzen sollen, also regionale Beamte und Polizisten, teilweise korrupt oder direkt involviert sind.
Die Zahl der Frauen in der Prostitution auf den Philippinen wird auf etwa 500.000 geschätzt, wobei der Anteil der Kinder und Jugendlichen hier deutlich höher ist als in anderen Ländern, die von Sextouristen besucht werden.
Auch in Kambodscha nimmt seit dem Ende des Bürgerkriegs in den späten 1990-er Jahren, neben dem allgemeinen, auch der Sextourismus kontinuierlich zu. Die Kinderprostitution steigt hier besonders an, nachdem Thailand die Gesetze und Kontrollen gegen Kinderprostitution verschärft hat. Schon in der Zeit, als das Land in den frühen 1990-ern von der UNO verwaltet wurde, fand das Geschäft mit der Prostitution erstmals weitere Verbreitung. Viele UNO-Soldaten waren damals Kunden der neu entstandenen Bars und Bordelle. Heute blüht in Kambodscha nicht nur der Tourismus, der vor allem von den Kulturdenkmälern in Angkor angezogen wird, sondern auch die Prostitution in Phnom Penh und den Touristenzentren der Südküste.
Die Arbeitslosigkeit der Frauen in den Städten der Dominikanischen Republik ist etwa doppelt so hoch wie jene der Männer. Außerdem kümmern sich viele Männer, wenn sie sich von ihren Frauen trennen, finanziell nicht mehr um ihre Kinder. Unterhaltszahlungen sind für alleinstehende Mütter in der Praxis nur schwer durchzusetzen. Berufe im Dienstleitungssektor (z.B. Service- oder Reinigungspersonal in den Hotelanlagen) werden meist so schlecht bezahlt, dass ein Überleben für die Frauen und ihre Familien damit kaum zu finanzieren ist. Häufig sind es auch Frauen aus dem noch viel ärmeren Nachbarstaat Haiti, die als Prostituierte arbeiten.
Im kommunistischen Kuba kommt hinzu, dass viele Waren nur auf dem Schwarzmarkt gegen harte Währung zu bekommen sind; Prostitution ist hier eine der einfachsten Methoden, an Dollars heranzukommen.
In den Heimatdörfern der Frauen wird über Prostitution nicht gesprochen. Zwar ist die finanzielle Unterstützung der Familie willkommen, das Verhalten der Frauen wird aber dennoch missbilligt. In einigen Dörfern soll jede zehnte Frau mit einem Ausländer verheiratet sein, jedoch wird häufig kein Wort darüber verloren, wie sich die Paare kennen gelernt haben.
Bei über acht Millionen Touristen jährlich alleine in Thailand, davon eine Menge Rucksacktouristen, ist es aber nicht zwangsläufig, dass Ehepaare sich als Freier-Prostituierte kennengelernt haben. Reisende aus westlichen Ländern finden nicht selten einen Partner im Urlaubsland, und sind umgekehrt für die Frauen oft auch wegen der sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten attraktiver als Partner aus dem eigenen Land.
In der Regel führt der Weg, sofern ihnen nicht die Flucht gelingt oder sie Hilfe finden, in Bordelle wo sie weitgehend rechtlos leben und arbeiten müssen oder in eine Beziehung, manchmal auch Ehe, mit einem Mann von dem sie vor der Ankunft oft nicht einmal ein Foto gesehen hatten. International organisierte Heiratsvermittlung unterscheidet sich grundlegend von nationaler. Die Auswahl der Partner erfolgt nahezu ausschließlich durch den Mann. Er wählt eine Frau, die ihm gefallen könnte, aus dem Angebot der Vermittler aus, bezahlt den Vermittler und erhält dafür oft sogar ein "Umtauschrecht" für den Fall, dass er enttäuscht werden sollte. Frauen werden in diesem System auf ein Handelsgut reduziert. In der Regel haben sie keinen Einfluss auf die Partnerwahl. Dazu kommt, dass sie kaum darüber aufgeklärt werden an welche Bedingungen die Chance auf das erhoffte bessere Leben in Europa oder Nordamerika geknüpft ist. Nach der Eheschließung erhalten sie erst nach drei Jahren eine Dauer-Aufenthaltsgenehmigung. Sie sind also von Anfang an abhängig, zuerst von der Vermittlungsagentur, der sie zusätzlich das Geld für die Anreise schulden, und in der Folge vom Ehepartner. Dazu kommen in vielen Fällen mangelhafte oder überhaupt nicht vorhandene Sprachkenntnisse und der Umstand, in einem fremden Land mit fremder Kultur zu sein.
Gemäß § 6 Nr.4 StGB wird auch im Ausland begangener Menschenhandel in Deutschland strafrechtlich verfolgt.
In Bangkok suchen Mitarbeiter des Kinderschutzzentrums in Bordellen nach minderjährigen Prostituierten, um sie zu befreien. Neue gesetzliche Regelungen in Europa ermöglichen eine Strafverfolgung, auch wenn der Kindesmissbrauch im Ausland stattfand. Dies ermutigt Hilfsorganisationen Hinweisen auf ausländische Sextouristen nachzugehen. Die Zahl der wegen Kindesmissbrauchs inhaftierten Touristen nimmt seit dem Ende der 1990-er auch deshalb deutlich zu.
Siehe auch: Übersicht Tourismus
Sexualverhalten | Tourismus | Prostitution
Sex tourism | Turismo sexual | Tourisme sexuel | Sekstoerisme | Turystyka seksualna | Sexturism
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