Sesamstraße ist der Titel einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter. Die halbstündigen Folgen setzen sich zusammen aus sechs bis zehn kleineren, meist thematisch unabhängigen Einzelbeiträgen, die eine inhaltlich zusammenhängende Rahmenhandlung unterbrechen. Neben sketchartigen oder lehrreichen Puppendialogen („Ein Kreis ist rund.“, „So bin ich nah, jetzt bin ich fern“), Trickfilmen und Kinderliedern gibt es oft auch Realfilmbeiträge über einfache Situationen aus dem Kinderalltag oder über die Herstellung eines Produkts.
Ab 1978 produzierte der NDR eigene Rahmenhandlungen und Einzelbeiträge für die deutschen Zuschauer. In den Rahmenhandlungen traten dabei regelmäßig bekannte deutsche Schauspieler auf (u. a. Liselotte Pulver, Ilse Biberti, Henning Venske, Gernot Endemann, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Hildegard Krekel, Ute Willing und Horst Janson) und neue Figuren wie Samson (als Austausch gegen Bibo), Tiffy, Herr von Bödefeld oder Finchen wurden eingeführt. Der abfallliebende Oscar aus der Mülltonne (gesprochen von Gottfried Kramer) löste bei manchen die Besorgnis aus, er übe einen schlechten Einfluss auf das junge Publikum aus (z. B. das Lied: „Ich mag Müll. Alles was schmutzig ist, stinkig und dreckig. Ja ich mag Müll!“) und wurde nach ein paar Jahren im deutschsprachigen Raum ersetzt – durch den braveren Rumpel aus der Regentonne (Stimme Joachim Hall).
Die bekanntesten Muppets der Einzelbeiträge sind Ernie & Bert, Kermit der Frosch, Grobi und das Krümelmonster (engl. Cookie Monster).
Nach einem Großbrand in den Wandsbeker Produktionsstudios 1988 und dem Tod des bisherigen Samsondarstellers (Mandrik Jielsen) wurde das deutsche Konzept der Serie einschließlich Vor- und Abspann erstmals auffällig inhaltlich und technisch überarbeitet; die bisherigen Kulissen wurden dabei ersetzt. Seitdem traten immer wieder neue aktuelle Schauspieler und Prominente (z.B. Dirk Bach und Miriam Krause) in den Rahmenhandlungen auf.
Im Jahr 2003 wurde der 30. Geburtstag der Sendung aufwendig mit Sondersendungen und Bühnenshows in deutschen Bahnhöfen gefeiert. Nahezu gleichzeitig änderte die ARD die Ausstrahlungszeiten: der traditionelle Termin am Vorabend (18.00 Uhr bzw. 18.30 Uhr) entfiel und wurde durch Termine im Frühprogramm bzw. mittags ersetzt. Dies führte vor allem bei Eltern und Freunden der Sesamstraße zu Protesten. Insgesamt wurden über 2000 Folgen gesendet.
Bibo ist eine Großfigur. Ein sympathischer, gelber Vogel, der in der amerikanischen Fassung „Big Bird“ heißt. Bibos deutsche Stimme war Wolfgang Draeger.
Ernie und Bert zählen zu den populärsten Figuren der Sesamstraße. Beide wohnen zusammen und sind ein Freundespaar, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.
Ernie stellt den spitzbübischen Part dar, voller kindlicher Naivität und Unbefangenheit. Er verfügt über ein unbeschwertes Gemüt, und macht Bert mit seinen nahezu anarchistischen Ideen und Einfällen oftmals das Leben schwer. Ernie ist bekannt für sein Quietscheentchen, außerdem macht er gerne laute und für Eltern nervige Dinge wie Schlagzeug- oder Klavierspielen. Zudem mag er Luftballons und wie ein normales (amerikanisches) Kind spielt er gerne Schlagball. Ernie hat eine Cousine Ernestine.
Im Kontrast dazu verkörpert Bert, der schon vom Aussehen her sehr streng wirkt (langer gelber Kopf mit einer strengen durchzogenen Augenbraue und ständig einem grünbraunen längsgestreiften Pullunder), den stets korrekten, langweiligen und erwachsenen Typ. Er hat ein Faible für Tauben und sammelt langweilig anmutende Dinge wie Kronkorken, Büroklammern und Papierschnitzel. Bert hat einen Zwillingsbruder Bernd und einen Neffen Gerd.
Die Wechselbeziehung der beiden entgegengesetzter Charaktere bildet den Ansatzpunkt, aus dem sich die Handlungen der einzelnen Episoden entwickeln. Kinder können daraus lernen, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen.
Die Vorlage für Ernie und Bert fußt wahrscheinlich auf dem Taxifahrer Ernie Bishop und einem Polizisten namens Bert in dem berühmten James Stewart-Film Ist das Leben nicht schön? (Originaltitel: It’s A Wonderful Life).
In Deutschland wurde Ernie von Gerd Duwner synchronisiert (1973–1996); in den Jahren 1997–2001 von Peter Kirchberger, und schließlich ab 2001 von Michael Habeck. Berts deutsche Synchronstimme stammte von Wolfgang Kieling (1973–1985). Ab 1986 übernahm nach Kielings Tod Horst Schön die Synchronisierung; derzeit stammt Berts deutsche Stimme von Christian Rode.
Ernie und Bert inspirierten Attik Kargar zu der nicht für Kinder geeigneten Parodie Bernie und Ert.
Finchen wurde ursprünglich gespielt von Lothar Klose, später von Uta Delbridge.
Nur im englischen Original allerdings lässt sich das ursprüngliche Wortspiel nachvollziehen: to count bedeutet als Verb zählen, während count als Substantiv Graf bedeutet. So wird auch klar, warum die Figur gerade Graf Zahl heißt.
Die deutsche Synchronstimme von Graf Zahl war Alf Marholm.
In einigen Sketchen erklärt er mit Kermit dem Frosch Zusammenhänge des Alltags, wobei Kermit doziert und Grobi die praktische Veranschaulichung unter vollem physischen Einsatz übernimmt - oder dies zumindest versucht.
In Anlehnung an Superman erscheint statt Grobi zuweilen das Alter Ego Supergrobi. Hier trägt er einen Ritterhelm und einen flatternden Umhang und kann fliegen. Allerdings bringt er ausschließlich Bruchlandungen am Beginn seines Einsatzes zustande. Als Supergrobi versucht er als Retter kleiner Mädchen und Kaninchen ebensolchen zu helfen. Regelmäßig bringt er sich dabei selbst in Schwierigkeiten. Gelegentlich erscheint auch Grobis Mutter, die ihm dann gute Ratschläge erteilt.
Grobis deutsche Synchonstimme stammte ursprünglich von Karl-Ulrich Meves. Inzwischen wird er von Robert Missler gesprochen.
Herr von Bödefeld legte stets Wert darauf, gesiezt zu werden. Oft war er für die spezifischen Probleme der menschlichen Identifikationsfiguren, z. B. Lilo (Liselotte Pulver), Manfred (Manfred Krug), Henning (Henning Venske) oder der anderen Protagonisten (Samson, Tiffy) verantwortlich.
Herr von Bödefeld wirkte androgyn, das heißt man ordnete ihm kein eindeutiges Geschlecht zu. Affektiertes Sprechen und Gebaren wie ständiges Haare-Zurückstreichen, eitles Kopf-in-den-Nackenlegen bewirken eine gewollt negative Konnotation. Die Puppe war blassrosa, mit einer Art Nasenbärschnauze, orangefarbener Rastafrisur, dürre Ärmchen zu korpulentem Körper. Sichtbar war immer nur der obere Teil der Puppe, ähnlich wie bei Tiffy.
Herr von Bödefeld schied 1990 aus dem Ensemble der Sesamstraße aus, da die Lizenz für die Puppe nicht verlängert wurde. Er wurde ab 1990 durch den Griesgram Rumpel, einen deutschen Verwandten von Oscar aus der Mülltonne ersetzt.
Herr von Bödefeld wurde gespielt von Benita Steinmann.
Kermit stellt einen grünen Frosch dar, der aber auch in der Muppet Show als Gastgeber auftritt. In der Sesamstraße moderierte er vor allem die „Sesamstraßen-Nachrichten“, die u. a. in bedeutsamen Momenten von Märchen anwesend war – wo meistens etwas anders lief als im Original. So ließ z. B. das schwerhörige Rapunzel nicht nur ihr Haar herab, sondern ließ gleich die ganze Perücke fallen. Rotkäppchen und die drei kleinen Schweinchen waren ebenfalls in einzelnen Episoden zu Gast, genauso wie ein gewisser Udo Rumpelstilzchen. Weiterhin gingen die Sesamstraßen-Nachrichten auf humorvolle Art den Texten von Kinderliedern auf den Grund. Außerdem erklärte Kermit den Kindern Formen und Farben, wobei er nicht selten von einem übermotivierten Krümelmonster gestört wurde.
Kermits deutsche Synchronstimme lieh ihm in der Sesamstraße Andreas von der Meden, in der Muppet Show war es Horst Gentzen.
Kermit erhielt einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood.
Das Krümelmonster (im englischsprachigen Original: Cookie Monster) ist ein großes Monster mit blauem Fell und rollenden Augen. Seine Leibspeise sind Kekse. Es isst sie so gierig und schnell, dass die Keksstückchen nur so herumfliegen – daher auch sein Name. Es ist fast immer hungrig und fordert dann, völlig unabhängig vom aktuellen Gesprächsthema: „Keeekseee!“. Sein Hunger treibt das Krümelmonster auch oft dazu, die Dekoration der Bühnenbilder, in denen es sich bewegt, aufzuessen. Dies wird oft als komischer Effekt eingesetzt, etwa wenn das Krümelmonster einen Buchstaben erklären soll, ihn dann aber auffrisst.
Obwohl es im hungrigen Zustand oft rabiat erscheint, ist das Krümelmonster doch gutmütig und nicht furchterregend. Es tut seinen Freunden immer nur kurz weh – bis diese es mit Essen, am besten Keksen, ruhig stellen.
Das Krümelmonster wurde in Deutschland synchronisiert nacheinander von
Sesamstraße-Lieder, in denen das Krümelmonster eine wichtige Rolle spielt, sind:
In manchen Folgen taucht auch die Mutter des Krümelmonsters auf. Sie sieht ihrem Sohn sehr ähnlich, ist aber auf dem Kopf stärker behaart als es und trägt im Gegensatz zu ihm, der stets unbekleidet auftritt, Strickkleider.
Im Jahre 2005 geriet die Figur „Krümelmonster“ aus der Sesamstraße in die öffentliche Diskussion. Nachdem es 36 Jahre lang Kekse (manchmal zusammen mit der Schachtel) vertilgte, wurde für die neue Sesamstraßen-Staffel in den USA eine „Obst-Diät“ von der Produktionsfirma PBS angeordnet. Das Krümelmonster soll demzufolge vorwiegend Äpfel und Kohlrabi essen und sich nur noch ausnahmsweise einen Vollkornkeks genehmigen dürfen. Damit das blaue Monster immer wieder an eine gesundheitsbewusste Ernährung erinnert wird, begleiten es eine Karotte, Aubergine sowie ein Früchtemix als Chor. Was wie ein Scherz klingt, hat durchaus einen ernsthaften Hintergrund: In den USA leiden zwei Drittel aller Kinder an Übergewicht aufgrund Bewegungsmangel und Fehlernährung.
In Deutschland werden die Folgen der Sesame Street, in denen das Krümelmonster seine Ernährung umgestellt hat, frühestens zwei Jahre nach der Produktion in den USA zu sehen sein. Jedoch ist die deutsche Sesamstraße in Bezug auf Ernährung einen Schritt weitergegangen und hat schon bevor die Diskussion in den USA aufkam, das Thema Kochen als einen Schwerpunkt in die Kinderserie implementiert; durch den Teil der Sendung führt der prominente Fernsehkoch Alfred Biolek.
Lulatsch wurde in Deutschland synchronisiert von Jochen Sehrndt.
Aufgrund des Todes von Jim Henson im Jahre 1990 schied die Figur, die Henson im Original selbst sprach, aus der Serie aus.
Samson ist eine Großfigur mit zotteligem braunem Fell, die einen Bären darstellt. Es handelt sich um eine schwingend aufgehängte Puppe, bei der der Körper nach dem Hosenträger-Prinzip frei schwingend an einem Gestell hängt, während der Kopf durch ein Schultergestell getragen wird. Der Puppenspieler sieht über einen im Kopfinneren angebrachten Monitor, wohin er sich bewegt.
Samson wurde ursprünglich gespielt von Peter Röders (1978–1983), in den Jahren 1986 bis 1988 von Mandrik Jielsen und nach dessen Tod ab 1989 von Matthias Bullach. Seit 1991 spielt der studierte Opernsänger Klaus Esch (u. a. Theater Lübeck...) die Figur des Samson.
Schlemihl wurde in Deutschland synchronisiert von Horst Stark.
Beim großen Brand in den Wandsbeker Produktionsstudios des NDR 1988 verbrannten alle Puppen. Die Sendung wurde mit neuen Puppen weiterproduziert. Die neue Tiffy entspricht optisch eher dem Kindchenschema.
Nach Angaben des NDR scheidet Tiffy im Jahr 2005 nach 27 Jahren in der neuen Staffel der Sesamstraße vorerst aus dem Ensemble aus und wird in der laufenden Staffel durch die Monster-Figuren Moni, eine alleinerziehende Mutter, und deren Tochter Lena vertreten. Eine Sprecherin des NDR bestätigte, dass die Puppe Tiffy in die USA zu einer Generalüberholung geschickt wurde, da die Puppe kaputt sei und nicht mehr zu benutzen gewesen sei. Mit dem Comeback von Tiffy wird frühestens im Frühjahr 2006 gerechnet.
In der Version der Sesamstraße, die in Südafrika ausgestrahlt wird (dort Takalani Sesame), gibt es seit 2002 den HIV-positiven Charakter Kami, mit dem gegen die dort herrschende Diskriminierung von AIDS-Erkrankten angekämpft werden soll.
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