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Sergei Juljewitsch Witte (russisch Сергей Юльевич Витте; * 17. Juni/29. Juni 1849 in Tiflis, Gouvernement Tiflis; † 28. Februar/13. März 1915 in Petrograd) war ein russischer Staatsmann und Unternehmer.

Lebenslauf


Nach Abschluss der Schule begann er das Studium der Mathematik an der Universität von Odessa, welches er 1870 beendete. Er fand zunächst eine Beschäftigung bei der russischen Eisenbahn. Als erfolgreicher Unternehmer wurde er 1889 in die russische Regierung berufen und wurde zum Leiter der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten ernannt. Im Jahr 1893 wurde Witte zum russischen Finanzminister ernannt.

Der als Modernisierer und Reformer geltende Witte forderte eine stärkere Industrialisierung der russischen Wirtschaft und forcierte den Bau der Transsibirischen Eisenbahn. Seine Reformbestrebungen führten schließlich zum Konflikt mit anderen Ministern, besonders dem konservativen Innenminister Wjatscheslaw Konstantinowitsch von Plehwe, der Witte bei Zar Nikolaus II. denunzierte. Plewe behauptete, Witte sei Teil einer jüdischen Verschwörung. Sergei Witte musste daraufhin am 29. August 1903 von seinem Posten als Finanzminister zurücktreten.

Nachdem sich im Russisch-Japanischen Krieg die drohende Niederlage Russlands abzeichnete, erinnerte sich Nikolaus II. an Wittes Verhandlungsgeschick und sandte ihn im Juni 1905 als Chefunterhändler nach Amerika um mit Japan die Bedingungen für den Friedensvertrag von Portsmouth auszuhandeln. Witte zeigte sich als brillanter und harter Verhandlungspartner, der trotz Russlands vernichtender Niederlage auf dem Schlachtfeld relativ milde Vertragsbedingungen aushandeln konnte. Russland verlor die Liaodong-Halbinsel und den Kriegshafen Port Arthur sowie die Konzessionen für die Eisenbahnen in der Mandschurei. Weiterhin verpflichtete sich Russland Süd-Sachalin an Japan abzutreten. Doch die harten Maximalforderungen des Komplettabtritts von Sachalin und hohe Entschädigungszahlungen konnte der japanische Unterhändler Komura Jutaro nicht durchsetzen. Während der Friedensvertrag in der japanischen Öffentlichkeit mit Unmut aufgenommen wurde und zu den Hibiya-Ausschreitungen führte, war Zar Nikolaus II. mit Witte sehr zufrieden und holte ihn wieder in seine Regierung.

Zar Nikolaus II. musste das von Witte verfasste Oktobermanifest erlassen, um einer drohenden Revolution vorzugreifen. Witte unterstützte ebenfalls die Einrichtung der Duma. Nach den Wahlen zur ersten Duma geriet er jedoch erneut unter Druck, da die liberalen Parteien entscheidende Stimmgewinne erzielen konnten und der Zar fortan an den eingeleiteten Reformen zweifelte. Auf Druck konservativer Regierungskreise wurde Witte im April 1906 erneut zum Rücktritt gezwungen.

Sergei Witte zog sich ins Privatleben zurück und schrieb seine Memoiren. Hin und wieder äußerte er öffentlich seine Meinung zum politischen Tagesgeschehen in Russland. Im Angesicht des Ersten Weltkriegs protestierte er entschieden gegen einen russischen Kriegseintritt und warnte vor einer Niederlage. Witte schlug stattdessen den Eintritt in Friedensverhandlungen mit Deutschland und Frankreich vor. Der Zar kanzelte ihn jedoch ein weiteres mal ab. Kurz darauf starb Witte am 13. März 1915 im Alter von 64 Jahren in Petrograd.

Literatur


  • Sergei Juljewitsch Witte: The Memoirs of Count Witte (engl.), herausgegeben von Sidney Harcave, Verlag M.E. Sharpe, 1990, ISBN 0-8733-257-10

Weblinks


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