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Secundra Bagh after Indian Mutiny.jpg, Aufnahme von Felice Beato, März 1858]] 1857-Sepoy-vor-Kanonen.jpg

Der Sepoy-Aufstand war ein Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft über Indien. Er begann am 10. Mai 1857 als Meuterei von Sepoys der Garnison von Meerut. Seine tieferliegende Ursache war die verbreitete Unzufriedenheit der indischen Oberschicht mit dem wachsenden kulturellen und religiösen Einfluss des britischen Imperialismus.

Auch wenn die offene Meuterei erst am 10. Mai ausbrach, gehen die Wurzeln dieses Aufstands mindestens bis in den Januar 1857 zurück, als es vereinzelt kleine Brandstiftungen gegen britische Einrichtungen in diversen Garnisonen in Nord- und Ostindien gab. Die Sepoys des 19. Regiments der Bengal Native Infantry (BNI) in Behrampur verweigerten den Befehl, neue, Gerüchten zufolge mit Rindertalg und Schweineschmalz behandelte, Patronen zu benutzen und wurden vom Dienst entlassen. Ein paar Wochen später gab es einen Aufstand in Barrackpur nördlich von Kolkata als Sepoy Mangal Pandey vom 34. Regiment der BNI am 29. März 1857 auf seine Offiziere schoss. Die Kameraden blieben schaulustig inaktiv und ignorierten den Befehl, den britischen Offizieren zu helfen. Auch dieses Regiment wurde aufgelöst. Mangal Pandey wurde am 8. April erhängt und wird gemeinhin als erster Unabhängigkeitskämpfer Indiens betrachtet.

Bis zum Sepoy-Aufstand kann man kaum von einer „offiziellen“ Kolonialherrschaft Großbritanniens über Indien sprechen. Die lokale Macht und die Regelung innerer Angelegenheiten lagen z.T. in den Händen angestammter Adelsgeschlechter. Großbritannien unterhielt zwar Garnisonen, war aber vor allem durch die primär kommerziell motivierte British East India Company vertreten. Die Britische Ostindien-Kompanie trat dabei als parastaatliche Organisation auf, z.B. durch Unterhalt eigener Truppen. Weithin wurden diese aus der indischen Bevölkerung als sog. Sepoys rekrutiert.

Das labile Gleichgewicht zwischen Oberherrschaft und Nichteinmischung wurde durch wachsende politische Einflussnahme und Kulturhegemonie empfindlich gestört: Reformversuche gegen das Kastenwesen, gegen die rituelle Witwenverbrennung, christliche Missionierung, sowie Erbgesetzgebung, die indischen Familien den Ausschluss zum christlichen Glauben übergetretener Angehöriger von der Erbfolge verbot.

Der eigentliche Auslöser der Meuterei war schließlich die einheitliche Neubewaffnung britischer Truppen mit dem Enfield-Infanteriegewehr, Kaliber .577. Diese Vorderlader-Büchse verschoss Papierpatronen, deren gefalztes Ende - gemäß britischem Exerzierreglement - vor dem Laden mit den Zähnen abgebissen werden musste. Um die Patronen vor Feuchtigkeit zu schützen (Schwarzpulver ist sehr hygroskopisch, gleiches gilt für das zwecks besserer Verbrennung nitrierte Papier) und eine geringere Verschmutzung der Waffe beim Schießen zu erreichen, mussten Papierpatronen mit Fett imprägniert werden. Innerhalb der britisch-indischen Streitkräfte machte schon bald nach Einführung der neuen Waffe das Gerücht die Runde, die Munition sei mit einer Mischung aus Rindertalg und Schweineschmalz behandelt. Für gläubige Hindus und für Moslems unter den Sepoy-Truppen musste dies gleichermaßen als schwerer Affront erscheinen, die befehlsgemäße Benutzung des Gewehrs hätte zu einer religiösen Unreinheit der Soldaten geführt. Demgemäß verweigerten mehrere Sepoys der Garnison in Meerut die Benutzung der Enfield-Büchsen und wurden dafür mit Prügeln und Inhaftierung in Ketten bestraft. Ihre Kameraden schritten daraufhin zur Gefangenenbefreiung und ermordeten ihre britischen Offiziere.

Unter der Führung des Nana Sahib (richtiger Name: Dandu Pant), Adoptivsohn des letzten Peschwa von Pune, einem der bedeutenderen Marathen-Fürstentümer, der nach einer Niederlage gegen die Engländer im nordindischen Bithur im Exil lebte, weitete sich der Aufstand über ganz Nord- und weite Teile Zentralindiens aus. Die Erhebung ging rasch weit über eine „Sepoy-Meuterei“ hinaus, und wurde zum Volksaufstand. Demgemäß lehnt die indische Geschichtsschreibung auch die englische Bezeichnung „Sepoy-Mutiny“ ab und spricht statt dessen vom „Ersten indischen Unabhängigkeitskrieg“ (First war of Indian Independence). Die Aufständischen erzielten anfangs rasch bedeutende Erfolge, darunter die Einnahme von Delhi. Die Festung Lakhnau konnte trotz größter Schwierigkeiten von den Briten gehalten werden. Etliche unzufriedene Fürsten schlossen sich der Rebellion an. Die jugendliche Rani von Jhansi - Lakshmi Bai (* 1835, † 17. Juni 1858 im Gefecht bei Kotah-ki-Serai nahe Gwalior) - wurde hier durch ihren standhaften Widerstand bei der Verteidigung der Festung Jhansi sowie in den nachfolgenden Gefechten und ihren frühen Tod zur Volksheldin Indiens (die „Jeanne d'Arc von Indien“).

England reagierte schnell mit der Entsendung eines Expeditionsheeres, das die zweite Phase des Sepoy-Aufstands, die Rückeroberung durch britisches Militär, einleitete. Der Umstand, dass es im Zuge der Erhebung verbreitet zu - teilweise bestialischen - Morden an britischen Zivilisten gekommen war, wirkte sich nun verhängnisvoll aus, indem er den Briten einen Vorwand zur weitgehend schrankenlosen Kriegsführung lieferte. Berüchtigt sind in diesem Zusammenhang Massenerschießungen und die Hinrichtung indischer Aufständischer, indem man sie vor Kanonen band.

Schlecht organisiert und weitgehend von militärisch unfähigen Führern geleitet, wurde der Aufstand von englischen Truppen bis zum Spätsommer 1858 niedergeschlagen. Eine bedeutende Rolle kam dabei der ungebrochenen Loyalität der so genannten Bombay- und Madras-Armeen zu. Nepal schickte Gurkha-Soldaten, um den Briten zu helfen. Die Sikhs schlugen sich auf die Seite der Briten. Auch etliche Prinzen blieben entweder neutral oder wurden Verbündete gegen die Rebellen, da sie sich keine Rückkehr der Mogulen wünschten. Nach der Niederwerfung des Aufstands wurde die Britisch-Ostindische-Handelsgesellschaft (British East India Company) aufgelöst, da die englische Regierung in deren Praktiken bei der Behandlung der indischen Bevölkerung die Hauptursache für den Aufstand sah. Der letzte, nur noch nominell regierende 80-jährige Großmogul Bahadur Shah Zafar wurde abgesetzt und nach Birma verbannt, wo er 1863 starb.

Bibliographie


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  • Saul David, The Indian Mutiny : 1857, Penguin Books, 2003
  • Sen, Surendra Nath, Eighteen fifty-seven (With a foreword by Maulana Abul Kalam Azad), Delhi : Min. of Information & Broadcasting, 1957
  • Taylor, P. J. O., What really happened during the mutiny : a day-by-day account of the major events of 1857 - 1859 in India, New Delhi * : Oxford Univ. Press, 1999

Weblinks


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