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Die Sengoku-Zeit (jap. 戦国時代 sengoku-jidai, dt. Zeit der streitenden Reiche) ist eines der bewegtesten Zeitalter in der japanischen Geschichte. Der Beginn des Sengoku Jidai wird auf etwa 1477 datiert.

Historische Einordnung


Das Ashikaga-Shōgunat hatte im Verlauf der Muromachi-Zeit ständig Macht eingebüßt. Mit dem Ōnin-Krieg (146777) endete das Ashikaga-Shōgunat und mit ihm der letzte Rest einer zentralen Staatsgewalt. In den folgenden etwa 100 Jahren, die als Sengoku-Zeit bekannt geworden sind, rangen neue Männer um die Herrschaft in Japan.

Unter der Herrschaft der Ashikaga waren die Provinzen von Lokalherren regiert worden, die zumindest formal noch Shugo, also bestellte Provinzgoverneure waren. Mit dem Ende der Zentralstaatlichkeit trat ein neuer Typ Feudalherr auf, der Sengoku-Daimyō. Er legitimierte sich nicht mehr über die Berufung durch eine Zentralregierung, sondern durch Landbesitz und militärische Macht. Japan war in zahllose Territorien zersplittert, deren Herrscher Kriege gegeneinander führten und Bündnisse schlossen.
Die Zersplitterung wurde erst durch drei Männer, Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu beendet. Sie befriedeten Japan mit militärischer Gewalt und Ieyasu gelang die Errichtung eines neuen Shōgunats (näheres siehe Azuchi-Momoyama-Zeit). Mit der Einigung Japans endete die Zeit der streitenden Reiche Anfang des 17 Jahrhunderts.

Die streitenden Reiche


Mit Ende des Ashikaga-Shōgunats entstanden schätzungsweise 200 Territorien mit autonomen Herrschern. Um im Kampf um die Herrschaft eine Rolle zu spielen, waren etwa 30 dieser Sengoku-Daimyō mächtig genug. Mitte des 16. Jahrhunderts hatten sich durch Eroberungen und Bündnisse die Kontrahenten um die Herrschaft über die japanischen Inseln herauskristallisiert. Mōri Motonari, Hōjō Ujitsuna, Imagawa Yoshimoto, Oda Nobunaga, Takeda Shingen und Uesugi Kenshin traten zum Kampf um die Herrschaft an.
Takeda Shingen und Uesugi Kenshin bekriegten einander heftig und rieben einander letztendlich beinahe auf. Imagawa Yoshimoto marschierte im Jahr 1560 gegen Oda Nobunaga. Trotz einer zehnfachen Übermacht verlor er. 1568 gelang es Oda Nobunaga dann Kyōto zu erobern, Ashikaga Yoshiaki als Marionettenshōgun einzusetzen und mit dieser Legitimation die Eroberung ganz Japans anzustreben. Oda schloss ein Bündnis mit Tokugawa Ieyasu, ein ehemaliger General Imagawa Yoshimotos. Dann marschierte er gegen die bedeutendsten buddhistischen Klöster des Landes, da deren militante Mönchssoldaten (Sōhei) seine Feinde unterstützt hatten. Als Beispiel für Oda Nobunagas Grausamkeit und Härte wird häufig der Angriff auf das Kloster Enryaku-Ji im Jahr 1571 genannt, das er umzingeln und in Brand setzten ließ. 1573 entmachtete er Ashikaga Yoshiaki wieder und war praktisch Herr über Japan.

Estampe-p1000685.jpg]] Schlacht.jpg | 1575 gelang Oda Nobunaga in der Schlacht von Nagashino ein Sieg über die Heere der naheliegenden Feinde. Dieser Sieg basierte nicht zuletzt auf dem erstmaligen Einsatz von Feuerwaffen in größerem Maßstab. In der folgenden Zeit rüstete er sich zum Kampf gegen seine verbliebenen Feinde, zwischen 1576 und 1579 errichtete er die Festung Azuchi, die später der Azuchi-Momoyama-Zeit einen Teil ihres Namens gab. 1582 wurden Oda Nobunaga und sein ältester Sohn von Akechi Mitsuhide, einem seiner wichtigsten Vertrauten und Militärführer, ermordet.

Toyotomi Hideyoshi, der zu dieser Zeit als General für Nobunaga im Westen des Landes kämpfte, kehrte zurück, tötete den Verräter Akechi Mitsuhide und übernahm die Herrschaft. Mit Toyotomi Hideyoshi trat der zweite der drei Reichseiniger hervor. Er hatte seine Laufbahn als einfacher Soldat in Nobunagas Heer begonnen und war nach einigen Machtkämpfen 1585 der mächtigste Mann des Landes. Er bestätigte Oda Nobunags Bündnisse mit den Uesugi und den Tokugawa und stellte sich den verbliebenen großen Daimyō des Landes zum Kampf. 1590 bezwang er sie und vollendete Japans Einigung. Er teilte das Land in etwa 200 Provinzen, übertrug die Herrschaft an Daimyō und sicherte sich deren Lehnstreue. Seine Herrschaft sicherte er durch persönliche Verfügung über ergiebige Provinzen ab, und er umgab sich nur mit Daimyō, die ihm treu ergeben waren. Weiterhin ließ er sich als Regent durch den Kaiser bestätigen. Trotz allem war das System aber nicht vollends stabil. 1591 befahl er eine Invasion in Korea. Unklar ist bis heute ob er ernsthaft glaubte Korea und China erobern zu können, oder ob er die unbeschäftigten Krieger außer Landes bringen wollte, die ein ständiges Konfliktpotential darstellten. Die Invasion war aufgrund der chinesischen Militärmacht nicht erfolgreich und wurde nach Hideyoshis Tod im Jahr 1598 beendet.

Bevor er 1598 starb, beauftragte er einen Rat aus fünf Daimyō, zu dem auch Tokugawa Ieyasu gehörte, mit der Regentschaft für seinen noch minderjährigen Erben. Sofort nach Toyotomi Hideyoshis Tod begann der Kampf um die Macht. Tokugawa Ieyasu konnte sich aber behaupten und der Unterstützung vieler Daimyō versichern. 1600 vernichtete er in der Schlacht von Sekigahara das Aufgebot seiner verbliebenen Feinde. Mit diesem Sieg war Japan endgültig geeint und die Tokugawa sollten für über zweieinhalb Jahrhunderte über Japan herrschen.

Gesellschaftliche Auswirkungen


Trotz der unruhigen Zustände war die Endphase der Sengoku-Zeit eine Zeit bedeutsamer Entwicklungen für Japan. Oda Nobunaga reformierte die Verwaltung der Dörfer, die Landvermessung und die Steuererhebung. Eine Reform und Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten, sowie eine Befreiung des Handels legten den Grundstein für den Aufstieg der Kaufleute (chōnin), der später prägend für die Edo-Zeit sein sollte. Toyotomi Hideyoshi installierte mit dem System der Daimyō als Provinzherren, die dem Regenten gegenüber zu Lehnstreue verpflichtet waren, die Basis für das Baku-Han-System der Tokugawa-Shōgune. Er setzte Oda Nobunagas Reformen fort, teilte ganz Japan neu auf und führte eine Steuer in Form von Reis ein. Sein bedeutendster Reformansatz war aber die Einführung von Ständen. Gerade er, der sich vom Bauern zum Kriegsherrn hochgedient hatte, zwang die Menschen nun entweder Bauern oder Krieger (Samurai) zu sein. Dieser Reformschritt gestaltete sich schwierig, da in den langen Kriegsjahren der Sengoku-Ära riesige Heere aus Bauern aufgestellt worden waren. Bis zum Onin-Krieg hatten allein die Bushi, von alters her Japans Kriegerelite, gekämpft. Für die Massenschlachten der folgenden Jahre waren auch die Bauern bewaffnet worden. Nach Toyotomi Hideyoshis Gesellschaftsreform mussten sie in sogenannten Schwertjagden (katana-gari) wieder entwaffnet werden. Diese Teilung der Gesellschaft bildete die Grundlage für das spätere Gesellschaftsmodell der Edo-Zeit mit seinen vier Ständen. Tokugawa Ieyasu schließlich vervollkommnete die Ansätze seiner beiden Vorgänger und installierte ein politisches System von bemerkenswerter Stabilität.

Filme


Literatur


  • Eiji Yoshikawa: Taiko - Beinhaltet Aufstieg der drei großen Feldherren Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und letztlich Tokugawa Ieyasu.
  • Eiji Yoshikawa: Musashi - Beginnt mit der Schlacht von Sekigahara und zeigt mehr das Bild der Gesellschaft jener Zeit.

Japanische Geschichte

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