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Selma Lagerlof (1908), painted by Carl Larsson.jpg 1909]] Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf (* 20. November 1858 in Östra Ämtervik, Schweden; † 16. März 1940 in Mårbacka, Schweden) war eine schwedische Schriftstellerin. Am 10. Dezember 1909 erhielt sie als erste Frau den Nobelpreis für Literatur.

Leben


Selma Lagerlöf wurde als Tochter eines Gutsbesitzers in der wald- und seenreichen Region Värmland geboren. Ihre Kindheit war durch den Verlust des väterlichen Gutes Mårbacka, das wegen Schulden verkauft werden musste, und durch ein Hüftleiden überschattet. Nach dem Schulabschluss ergriff sie den Beruf einer Lehrerin und übte ihn bis 1895 in Landskrona aus. Während dieser Zeit erschien ihr erstes Buch Gösta Berling, das mit zu den meistgelesenen Büchern in Schweden zählt. Durch die Nacherzählung von Volkssagen setzte Selma Lagerlöf den Menschen ihrer Heimat ein kulturgeschichtliches Denkmal.

1897 zog Selma Lagerlöf nach Falun in Dalarna, einerseits, weil ihre Schwester Gerda sie darum gebeten hatte, anderseits, weil Dalarna als Zentrum schwedischen Brauchtums und schwedischer Volkskultur galt. In der Gemeinde Nås in der Nähe von Falun war im Jahr 1896 eine Gruppe von Bauern in Folge einer religiösen Erweckung nach Jerusalem ausgewandert, um sich dort einer amerikanischen Sekte anzuschließen. Dies machte Selma Lagerlöf zum Thema ihres Romans Jerusalem - neben Vilhelm Mobergs Auswandererromanen das zweite große Auswandererepos in der schwedischen Literatur.

1906 gab Selma Lagerlöf als Auftragsarbeit für ein Schullesebuch das Buch Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige - (dt. Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen) heraus. Dabei handelt es sich um die phantastische Geschichte eines ungebärdigen Jungen, der in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und gemeinsam mit den Wildgänsen ganz Schweden kennen lernt und in vielerlei moralische Konflikte gerät, worin er zahlreichen Personen auf den Grund ihrer Seele sieht und manche Verantwortung übernehmen muss. Das Buch stellt gleichzeitig einen Erziehungs- und Entwicklungsroman und ein liebevolles Porträt Schwedens dar. Die einzelnen Landschaften werden, häufig in Form von Sagen und Märchen, vorgestellt, wobei auch aktuelle Informationen beispielsweise über die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Schwedens eingestreut werden. Dieses Buch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bedeutung erlangte Nils Holgersson auch dadurch, dass zum ersten Mal in einem literarischen Werk die neue schwedische Rechtschreibung angewendet wurde. Für Nils Holgersson erhielt Selma Lagerlöf - als erste Frau - den Literaturnobelpreis.

1914 wurde Selma Lagerlöf als erste Frau zum Mitglied der Schwedischen Akademie gewählt.

Lagerlöf veröffentlichte bedeutende Romane - darunter 1925-28 die Trilogie Die Löwenskiölds (s.u.), die sich, wie oft bei ihr, gleichzeitig als Geschichte eines schicksalsmächtigen Fluches oder als hellsichtige Analyse des Narzissmus' der Zentralfigur lesen lässt; ferner Erzählungen (berühmt z.B. Herr Arnes penningar - Herrn Arnes Schatz); doch gibt es von ihr auch eine Reihe sehr autobiografisch angelegte Veröffentlichungen, so die Arbeit Mårbacka, Ett barns memoarer, Mårbacka (dt. Aus meinen Kindertagen) und das Tagebuch von Selma Lagerlöf Dagbok för Selma Ottilia Lagerlöf. Mårbacka III.

Die Romane und Erzählungen von Selma Lagerlöf wirken auf den ersten Blick naiv und erwecken den Anschein, in einer uralten mündlichen Erzähltradition geschrieben zu sein. So ist es typisch für Selma Lagerlöf, dass ihre Romane aus einzelnen Kapiteln bestehen, die in sich jeweils abgeschlossene Episoden darstellen. Das Einleitungskapitel von Jerusalem I etwa, Ingmarssönerna (Die Ingmarssöhne), fungierte ursprünglich sogar als selbstständige Novelle. Bei näherem Hinsehen freilich zeigt sich, dass Selma Lagerlöf äußerst bewusst mit raffinierten erzähltechnischen Methoden arbeitet. Auch das für die Werke von Selma Lagerlöf charakteristische Auftreten übernatürlicher Mächte und Erscheinungen darf nicht als Wunderglaube missverstanden werden, sondern hat immer einen ganz gezielten, häufig symbolischen, Zweck im Rahmen der Komposition.

In Gösta Berlings saga schreibt Selma Lagerlöf in einem hochgestimmten, überschwänglichen, emphatischen Ton, häufig mit direkten Anrufen an den Leser. In späteren Werken ändert sie ihren Stil und pflegt eine lakonische, schlichte, an die isländische Saga gemahnende Schreibart. Selma Lagerlöf gestaltet Menschenschicksale mit großer elementarer Kraft. Zugleich behandelt sie aber immer auch aktuelle Geschehnisse und Entwicklungen: In Antikrists mirakler (Die Wunder des Antichrist) versucht sie, Christentum und Sozialismus miteinander auszusöhnen, in Jerusalem (Jerusalem) behandelt sie den Verfall der Autorität der lutherischen schwedischen Staatskirche und das Aufkommen neuer Volksbewegungen, Bannlyst (wörtlich: Geächtet, in Deutschland erschienen unter dem Titel Das heilige Leben) ist ein ergreifendes pazifistisches Plädoyer angesichts der Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Selma Lagerlöf engagierte sich auch im wirklichen Leben, insbesondere in Frauenfragen. 1911 hielt sie in Stockholm bei einem internationalen Frauenkongress die vielbeachtete Rede Hem och stat („Heim und Staat“), in welcher sie die „weibliche“ Schöpfung des Heimes, in dem Frieden und Geborgenheit herrschen, der „männlichen“ Schöpfung des von Macht und Gewalt geprägten Staates gegenüberstellt. Dass eine weltbekannte Frau, Nobelpreisträgerin und Gutsbesitzerin, sprach, der gleichwohl das elementare staatsbürgerliche Recht, nämlich das Wahlrecht, verweigert wurde, machte die Rede besonders brisant.

1933 beteiligte sich Selma Lagerlöf an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge (was man ihr in Nazi-Deutschland so übelnahm, dass man die zu ihrem 75. Geburtstag geplanten Feierlichkeiten absagte). 1940 half sie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs, nach Schweden zu fliehen, und rettete so ihr Leben. Im gleichen Jahr wollte sie ihre Nobelpreismedaille verkaufen und von dem Erlös Menschen in dem von der Sowjetunion überfallenen Finnland zu unterstützen.

Selma Lagerlöf war eine enge Freundin Sophie Elkans; die erhaltenen Briefe lassen es denkbar erscheinen, dass Lagerlöf sich eine Liebesbeziehung mit Elkan erhoffte. Diese pflegte allerdings ein heimliches Verhältnis mit einem Belgier. Als beinahe sicher gilt (vor allem nach dem Erscheinen des Buches "Selma på Mårbacka" von Lars Westman), dass sie über viele Jahre eine Liebesbeziehung zu Valborg Olander hatte. Ihr Desinteresse an einer Beziehung zu Lagerlöf hielt Elkan allerdings nicht davon ab, zeitlebens heftig eifersüchtig auf Olander zu sein, und auch Olander empfand Elkan als Rivalin.

Selma Lagerlöf lebte zuletzt auf dem von ihr wiederhergestellten Mårbacka, das sie nach ihren literarischen Erfolgen zurückkaufen konnte und in ein repräsentatives Herrenhaus im historisierenden Stil umbaute.

Werke


  • Gösta Berlings saga, Roman, 1891 („Gösta Berling“, 1896)
  • Osynliga länkar, Erzählungen, 1894 („Unsichtbare Glieder“)
  • Antikrists mirakler, Roman, 1897 („Die Wunder des Antichrist“)
  • En herrgårdssägen, Roman, 1899 („Eine Gutsgeschichte“)
  • Jerusalem, Roman, 2 Bde., 1901 und 1902 („Jerusalem“, 1902/03)
  • Herr Arnes penningar, Erzählung, 1904 („Herrn Arnes Schatz“)
  • Kristuslegender, Erzählungen, 1904 („Christuslegenden“)
  • Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige, Roman, 1906-1907 („Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“)
  • Liljecronas hem, Roman, 1911 („Liljecronas Heim“)
  • Körkarlen, Roman, 1912 („Der Fuhrmann“, auf deutsch erschienen unter dem Titel „Fuhrmann des Todes“)
  • Kejsarn av Portugallien, Roman, 1914 („Der Kaiser von Portugallien“)
  • Troll och människor, Erzählungen, 1915-21 („Trolle und Menschen“)
  • Bannlyst, Roman, 1918 („Geächtet“, auf deutsch erschienen unter dem Titel „Das heilige Leben“)
  • Mårbacka, Memoiren, 1922 („Mårbacka“, 1923)
  • Romantrilogie:
    • Löwensköldska ringen, 1925 („Der Ring des Generals“, 1925)
    • Charlotte Löwensköld, 1925 („Charlotte Löwensköld„, 1926)
    • Anna Svärd, 1928 („Anna, das Mädchen aus Dalarne“, 1929)
  • Ett barns memoarer, Memoiren, 1930 („Memoiren eines Kindes“)
  • Dagbok för Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, Memoiren, 1932 („Tagebuch der Selma Ottilia Lovia Lagerlöf“)
  • Höst, 1933 („Herbst“)
  • Från skilda tider, 1943-45, postum

Literatur zu Selma Lagerlöf


  • Claudia Eberhard-Metzger: Ich bin eine Zuhörerin, eine Wiedererzählerin in Charlotte Kerner (Hrsg): Madame Curie und ihre Schwestern - Frauen, die den Nobelpreis bekamen, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1997, ISBN 3-407-80845-3
  • Gertraude Wilhelm (Hrsg); Die Literaturpreisträger - Ein Panorama der Weltliteratur im 20. Jahrhundert, Econ Taschenbuch Verlag Düsseldorf, 1983, ISBN 3-612-10017-3

Siehe auch: Liste schwedischsprachiger Schriftsteller

Weblinks


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