article

Unter Selbstwert (auch Eigenwert, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen) versteht man in der Psychologie den Eindruck oder die Bewertung, den man von sich selbst hat. Der Wert kann sich dabei auf den Charakter und die Fähigkeiten des Individuums, die Erinnerungen an die Vergangenheit und das Ich-Empfinden oder auf das Selbstempfinden beziehen.

Selbstvertrauen kann dann durch äußere Faktoren beeinflusst werden, wenn hinsichtlich der bestimmten Anforderung hinreichend objektive Gründe gegeben sind, wie z.B. Methodenkompetenz, ausreichende Kenntnisse oder Erfahrungen, wiederholte Tätigkeiten in ähnlichen Situationen o.ä.

Theorie


Es resultiert aus dem Vergleich der vermeintlichen subjektiven Fähigkeiten mit den Anforderungen, mit denen sich die Persönlichkeit konfrontiert sieht. Es lässt sich an ganz konkreten und zunehmend verallgemeinerten Anforderungssituationen bestimmen, z.B. auch in psychologischen Tests. Ein hohes Selbstvertrauen gegenüber Anforderungen zeigt sich, wenn vorausschauend eingeschätzt wird, dass diese Situation gut gemeistert werden kann.

Der Grad des Selbstvertrauens hängt im Normalfall von der unterschiedlichen Befähigung für bestimmte Tätigkeiten ab und ist zeitlichen Änderungen (etwa durch Emotionen oder Müdigkeit) unterworfen.

Personen können situativ oder ständig ein inadäquates Selbstvertrauen haben, indem sie ihre Leistungsmöglichkeiten über- oder unterschätzen. Derartige Fehleinschätzungen entstehen auf der Grundlage individueller Besonderheiten, Einstellungen und anderer Eigenschaften. Ein zu hohes Selbstwertgefühl muss jedoch keineswegs günstig sein und kann sich zu Überheblichkeit entwickeln, was bei anderen Abneigung hervorruft.

Der beste Zustand ist ein Gleichgewicht zwischen den vier psychischen Säulen oder Grundbedürfnissen, insbesondere zwischen den jeweils ersten und letzten beiden:

Hintergrund

Die Basis für einen sicheren Umgang mit sich und der Umwelt hängt eng mit dem Selbstvertrauen und dem Selbstwertgefühl zusammen. Die Selbstsicherheit bildet sich im Laufe der kindlichen Entwicklung aus:
  1. über das Erzielen von Wirkungen - insbesondere von jenen, die im Kind zu angenehmen, positiv erlebten Gefühlen führen;
  2. das Erhalten von Wertschätzung und Anerkennung (als besondere Form sozialer Wirkung);
  3. dem Identifizieren mit wichtigen Bezugspersonen, die selbst die nötige Selbstsicherheit haben und auf das Kind positiv reagieren;
  4. in der späteren Entwicklung durch eine Balance zwischen erlebter Freiheit und der Verbundenheit zu Bezugspersonen.

Theorien für gesundes Selbstwertgefühl im Heranwachsen

Die Basis eines gesunden Selbstwertgefühls wird nach gängigen Theorien in der Kindheit gelegt - vor allem durch das Ausmaß an Zuneigung und Anerkennung, also Urvertrauen, die ein Mensch insb. von den Eltern (oder besonders später von anderen Bezugspersonen) erfährt.

In späteren Lebensphasen kann das Individuum den Eigenwert umso eher positiv beeinflussen, je unabhängiger es von der Meinung der es umgebenden Gruppen ist. Naturgemäß ist hier die Pubertät eine kritische Zeitspanne.

Als Erwachsener beziehen die meisten von uns den Großteil der positiven und negativen Einflüsse auf den Selbstwert aus dem Beruf. Dies kann im Falle von Arbeitslosigkeit für den Betroffenen zum Problem werden. Das bei steigendem Arbeitsdruck immer häufiger werdende Mobbing kann verheerende Auswirkungen auf das seelische Gleichgewicht haben und bis zu tiefer Depression führen.

Zusammenhang mit dem restlichen Leben


Der Einfluss des Selbstwertgefühls auf die übrigen Lebensbereiche ist geringer als allgemein vermutet wird. Empirische Studien ergaben, dass die schulischen Leistungen, das Aussehen, die Beliebtheit bei anderen, die Konfliktfähigkeit und die Selbstbehauptung gegenüber den Gemeinheiten anderer nicht mit dem Selbstwertgefühl korrelieren. Es wurde auch kein Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl von 9 bis 13-Jährigen und ihrem späteren Alkoholkonsum im Alter von 15 Jahren festgestellt. Dagegen wurde festgestellt, dass Menschen mit hohem Selbstwertgefühl kontaktfreudiger und glücklicher als andere Menschen sind. Auch neigen Kinder mit hohem Selbstwertgefühl eher zum Herumkommandieren als andere Kinder. Roy F. Baumeister, Jennifer D. Campbell, Joachim I. Krueger und Kathleen D. Vohs: Mythos Selbstbewusstsein. In: Spektrum der Wissenschaft, August 2005, S. 24

Arbeitslosigkeit und Selbstwert


Langzeitarbeitslose, vor allem jene, die vorher in jahrelangem, festem Arbeitsverhältnis standen, tendieren dazu, ihr durch ihren Beruf definiertes Selbstverständnis in Frage zu stellen. In der Regel tritt nach 6 monatiger bis einjähriger Arbeitlosigkeit ein Gefühl der Nutzlosigkeit auf, das in manchen Fällen zur Entfremdung von der Familie und oder anderen sozialen Milieus führen kann, bis hin zur Selbstaufgabe und zum Suizid. Es besteht anscheinend, gemäß Jeremy Rifkins "Das Ende der Arbeit" (Seiten 156 ff.) ein deutlicher Zusammenhang zwischen anwachsender Arbeitslosigkeit und der Zunahme von Depression und psychotischen Erkrankungen.

Hier wird berichtet, dass der Soziologe und Psychologe Dr. Thomas T. Cottle, der die psychischen Folgen der Arbeitlosigkeit über fünfzehn Jahre hinweg untersuchte, bei Langzeitarbeitslosen in Amerika, die durch die US-Regierung als "entmutigt" eingestuft wurden, pathologische Symptome festellte, die denen Sterbender ähnelten.

Organisatoren von Motivationsseminaren scheinen die Bedeutung von Langzeitarbeitslosigkeit als potenzielle Einnahmequelle erkannt zu haben. Hier wird mit teilweise dubiosen Praktiken versucht, das Selbstwertgefühl gedemütigter Langzeitarbeitsloser zu steigern. Die Effektivität solcher "Motivationsseminare" bleibt - trotz teilweiser Förderung durch Arbeitsämter - jedoch fraglich. Dass eine Steigerung des Selbstwertgefühls zu einer unmittelbar gesteigerten Einsetzbarkeit und zum Erfolg auf dem Arbeitsmarkt führen könnte, entbehrt jedoch jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Vielmehr scheint es, dass es sich hier um einen Versuch handelt, die Eigenverantwortung des Einzelnen für sein Schicksal ins Gewissen zu rufen, anstelle der Heranziehung externer Faktoren für Arbeitslosigkeit, wie z.B. Rationalisierung, Outsourcing oder Automatisierung.

Weitere - zum Teil öffentlich geförderte - Maßnahmen zur Steigerung des Selbstwertgefühls, wie z.B. autogenes Training oder Yoga tragen wahrscheinlich nur in sehr geringem Maße zur tatsächlichen Verbesserung der Lage von Langzeitarbeitslosen bei.

Siehe auch


Literatur


  • Nathaniel Branden: Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls, Piper Verlag München Zürich 1995, Taschenbuchausgabe: 2003, ISBN 3-492-23767-3
  • Roy F. Baumeister, Jennifer D. Campbell, Joachim I. Krueger und Kathleen D. Vohs: Does High Self-Esteem Cause Better Performance, Interpersonal Success, Happiness, or Healthier Lifestyles?. In: Psychological Science in the Public Interest, Band 4, Nummer 1, May 2003, S. 1–44 *
  • Jeremy Rifkin "Das Ende der Arbeit (und ihre Zukunft)", 1995 Putnam, New York, 2004 Campus Verlag, S.Fischer Verlag Frankfurt a.M., 2005

Quellen


Differentielle und Persönlichkeitspsychologie

Self-esteem | Autoestima | Amour-propre | Autostima | 自尊心 | Auto-estima | 自尊

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Selbstwert".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld