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Selbstbestimmung (f; Adjektiv: selbstbestimmt) bedeutet soviel wie Autonomie, umfasst Selbstverantwortung und Selbststeuerung. Sie ist das Gegenteil von Fremdbestimmung.

Begriff und Geschichte


Selbstbestimmung ist ein zentraler Grundsatz der Menschenrechte: Menschen sollen ihre eigenen Ideen und Wünsche frei verwirklichen können, ohne von außen unterdrückt oder bedrängt zu werden. Selbstbestimmtes Handeln, Lernen und Leben können als Kennzeichen eines vom freien Willen gelenkten, selbständigen, verantwortungsbewußten Erwachsenen gelten. Die Selbstbestimmung des Individuums ist daher keinesfalls mit Willkür und Selbstgerechtigkeit zu verwechseln.

In den Menschenrechten ist deshalb festgelegt, dass die Freiheit des Einzelnen da enden muss, wo die Freiheit der Anderen beginnt. Dies stellt eine wichtige Einschränkung und unerlässliche Grenze der Selbstbestimmung dar, die leicht übersehen werden kann.

Entscheidend geprägt wurde der Begriff der Selbstbestimmung durch die Idee des US-Präsidenten Woodrow Wilson über das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Falsch verstanden, kann diese Idee dazu missbraucht werden, ethnische, nationale oder religiöse Konflikte zu schüren, indem das jeweils eigene "Selbstbestimmungsrecht" höher gewichtet wird als dasjenige der jeweils Anderen.

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist fundamentale Basis internationaler Verständigung und globaler Beziehungen und die Selbstbestimmung des Einzelnen ist unverzichtbares Grundprinzip jeder Demokratie.

Die Selbstbestimmungsrechte von Menschen mit geistigen Behinderungen zählen zu den Paradigmen der Behindertenhilfe.

Anmerkung


Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Gentechnik ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts - zusätzlich zu den bisherigen Diskussionen in der Philosophie - die Determinismus-Debatte wieder aufgekommen, inwieweit der Mensch überhaupt Herr über seine Entscheidungen ist: Haben wir einen freien Willen oder ist er letztendlich durch Veranlagung und Umwelteinflüsse doch vorherbestimmt?

Literatur


  • Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Geistiger Behinderung e.V. (Hrsg.): Selbstbestimmung: Kongressbeiträge. 2. Aufl. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 1997
  • Ulrich Hähner et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003
  • Ulrich Niehoff: Grundbegriffe selbstbestimmten Lebens. In: Hähner, Ulrich et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003, 53-64
  • Gusti Steiner: Wie alles anfing – Konsequenzen politischer Behindertenselbsthilfe. In: INFORUM, 20 Jahre Assistenz – Behinderte auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Publikation über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Persönlichen Assistenz. Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen ForseA e.V., Berlin Dezember 2001, 14-33
  • Weingärtner, Christian: Schwer geistig behindert und selbstbestimmt. Eine Orientierung für die Praxis. Freiburg: Lambertus 2006
  • McManama, Brigitte: "Was willst Du, was ich Dir tun soll?-Selbstbestimmung von geistig behinderten Menschen,die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben" in: "Behindertenpädagogik, Heft 3, 4-2003 oder unter www.mcmanama.de
  • McManama, Brigitte: "Brigitte zieht um - und alle reden mit" - eine kritische Betrachtung zu selbstbestimmtem Leben von Menschen mit geistigen Behinderungen. in: www.mcmanama.de

Siehe auch


Weblinks


Rechtsphilosophie | Menschenrechte

Self-determination | Zelfbeschikkingsrecht

 

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