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Sehschärfe bezeichnet allgemein das Ausmaß der Fähigkeit eines Lebewesens, mit seinem Sehorgan an einem Objekt Einzelheiten wahrzunehmen. Um sie messen zu können, wird sie in der Physiologie als der mathematische Kehrwert des Auflösungsvermögens des Sehorgans in Bogenminuten definiert. In der medizinischen Terminologie wird der so gewonnene Wert als Visus bezeichnet.

Bedeutung der Sehschärfe


Die Sehschärfe ist der wichtigste messbare Parameter des Sehsinns. Der Visus gibt in der Regel zuverlässig Auskunft über die Qualität der visuellen Wahrnehmung eines Menschen. Der Visus ist in der Augenheilkunde der Zielparameter, dessen Verbesserung oder Erhalt mit den meisten ophthalmologischen Maßnahmen angestrebt wird. Zahlreiche rechtliche Vorschriften, die die Eignung für die Bedienung gefährlicher Geräte (z.B. Führerschein) oder für bestimmte Berufe (z.B. Polizei) festlegen, verlangen bestimmte Mindest-Visuswerte. Ebenso richten sich Leistungen privater und gesetzlicher Unfallversicherungen für Augenschäden und die Zahlung des gesetzlichen Blindengelds in erster Linie nach dem Visus.

Physiologie der Sehschärfe


Die Sehschärfe des Menschen ist abhängig von:

  • Den optischen Eigenschaften des Objekts und seiner Umgebung (Kontrast, Farbe, Helligkeit, Form)
  • Der Abbildungsqualität der durchsichtigen Teile des Auges, den "optischen Medien" (Hornhaut, Kammerwasser, Linse, Glaskörper, Netzhaut)
  • Dem Auflösungsvermögen des Auges
  • Der Verarbeitung des von der Netzhaut erzeugten Signals im Zentralen Nervensystem
Bei der praktischen Messung der Sehschärfe spielt außerdem die Fähigkeit, den Seheindruck zu beschreiben, eine wesentliche Rolle.

Das Auflösungsvermögen des Auges wird bei gegebenen optischen Medien begrenzt durch die Größe der Pupille und die der rezeptiven Felder der Netzhaut. Es ist also eine dynamische Größe, die je nach Pupillenweite und Netzhautort unterschiedlich ist. Es erreicht seinen geringsten Wert (größtes Unterscheidungsvermögen) bei maximal weiter Pupille im Bereich der Fovea centralis retinae ("Sehgrube"). Durch die Verarbeitung der Signale der Netzhaut ist das Zentrale Nervensystem in der Lage, bestimmte Strukturen (Kontrastgrenzen, Linien, rechte Winkel) höher aufzulösen als es dem Auflösungsvermögen des Auges allein entspricht.

Messung der Sehschärfe


In Deutschland wird der Visus in der Regel mit Hilfe von projizierten Sehzeichen definierter Größe, Helligkeit, Form und definierten Kontrasts bestimmt. Die Verwendung eines Projektors anstelle einer Tafel hat den Vorteil der Unabhängigkeit von der Prüfentfernung. Für eine reproduzierbare Visusprüfung existieren DIN-Vorschriften. Danach ist das Norm-Sehzeichen der sogenannte Landoltring, ein Ring definierter Breite mit einer Lücke von derselben Breite, die in 8 verschiedenen Richtungen angeordnet sein kann. Durch das Erkennen der Richtung der Lücke zeigt der Untersuchte, dass sein Auflösungsvermögen mindestens der Breite der Lücke entspricht. In der Praxis werden allerdings wegen der leichteren Verständigung meist genormte Abbildungen von Zahlen als Sehzeichen verwendet. Es existieren weitere genormte Sehzeichen, so die Snellen-Haken, die einem E ähneln und andere, die für die Visusprüfung von Analphabeten und Kindern im Vorschulalter sowie für die nicht-verbale Verständigung geeignet sind. Auf den meisten Sehzeichenprojektoren werden Zeichen bis zu einer Visusstufe von 0,05 angeboten. Dies ist in der mit zunehmender Sehschwäche anwachsenden Messungenauigkeit begründet. Für noch geringere Visuswerte werden Sehprobentafeln verwendet (s.u.) bzw. Fingerzählen, Handbewegungen und Lichtquellen benutzt.

Bei der Messung des Visus wird zwischen dem ohne optische Korrektur (z.B. Brille) und dem mit optischer Korrektur unterschieden. Diejenige optische Korrektur, die den höchsten Visuswert ergibt, wird häufig als die "beste Korrektur" bezeichnet. Die Möglichkeit der optischen Korrektur bewirkt, dass der Visus unabhängig von den Brechungseigenschaften des Auges ist. Der Visus im Sinne der obigen Definition ist also der Visus mit bester Korrektur.

Bei der Visusangabe handelt es sich entsprechend der Definition um eine dimensionslose Zahl. Der normale Visus ist altersabhängig und liegt bei einem 20jährigen Menschen bei 1,0 bis 1,6, bei einem 80jährigen bei 0,6 bis 1,0. Zur leichteren Verständigung werden die Visuswerte häufig mit 100 multipliziert und – ohne Bezug zur Definition - als Prozentzahlen angegeben.

Mit einer Sehschärfe von weniger als 1/50 (ermittelt mit Sehprobentafeln) auf dem besseren Auge gilt eine Person im Sinne des Sozialgesetzbuchs in Deutschland als blind, für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab einer Sehschärfe von 3/60 (0,05) oder weniger.

Sehprobentafeln

Die Verwendung von Sehprobentafeln hat unter anderem den Nachteil, dass wegen der unveränderlichen Größe der Sehzeichen sehr genau auf das Einhalten der Prüfentfernung geachtet werden muss. Eine bekannte Sehprobentafel ist der Snellen-Index, erstellt vom niederländischen Ophthalmologen Hermann Snellen, bei dem kleiner werdende Buchstaben und Zahlen gelesen werden müssen. Es gibt auch hier diverse andere Tafeln.

Sehprobentafeln sind auf eine Normentfernung geeicht. Der Visus wird durch einen Bruch ermittelt. Im Zähler steht die Ist-Entfernung, also die Entfernung, aus der der Untersuchte das Sehzeichen erkennt. Im Nenner steht die Normentfernung, die Entfernung, bei der ein Mensch mit einer Sehschärfe von 1,0 dasselbe Sehzeichen erkennen könnte. Gemessen wird die Entfernung entweder im metrischen System oder bei Snellen im englischen Foot-Maß, die in einander umgerechnet werden können. Häufig erfolgt die Angabe der Sehschärfe als Dezimalzahl.

Metrisch Dezimal Snellen
6/3 2.0 20/10
6/4.5 1.5 20/15
6/6 1.0 20/20
6/7,5 0.8 20/25
6/9 0.67 20/30
6/12 0.5 20/40
6/15 0.4 20/50
6/30 0.2 20/100
6/60 0.1 20/200
6/120 0.05 20/400

Ein Beispiel: Erkennt ein Patient ein Zeichen aus der Entfernung von 6 Metern, für das die Normentfernung 30 Meter beträgt, so ist sein Visus 6/30 oder 0.2.

Siehe auch


Web-Links


Auge | Augenheilkunde | Augenoptik

Visual acuity | Acuité visuelle | 視力

 

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