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Ein Seher ist eine Person, die die Fähigkeit des Hellsehens besitzt. Diese Fähigkeit wird traditionellerweise Priestern, Schamanen und Hexen zugeschrieben. Im Allgemeinen kann jedoch festgestellt werden, dass die Methode des Hellsehens von Personen eingesetzt wird, die sich einer spirituellen Arbeit hingeben. Der Seher oder die spirituell veranlagte Person glaubt Zugang zu nichtmaterieller, spiritueller, transzendenter Wirklichkeit zu erfahren.

Der Seher setzt seine Spiritualität ein, um Erkenntnisse über sich selbst und das Universum zu gewinnen und um andere Menschen zu heilen oder sie dabei zu unterstützen oder sie zu inspirieren, Antworten auf scheinbar unlösbare Probleme oder Fragen zu finden. Die meisten Seher sehen sich als "ein Kanal für die göttliche Kraft". Anstelle des Wortes "Kanal" sagen andere "Medium" und anstelle der "göttlichen Kraft" verwenden andere "universelle Bewusstsein", "göttliche Energie", "Alleins" oder "Gott". In jedem Fall ist die Eigenbeschreibung der Tätigkeit des Sehers immer sehr individuell und subjektiv. Dennoch weisen alle Variationen der Beschreibungen auf die bedingungslose Hingabe zur und der Glaube an eine allumfassende Lebenskraft hin.

Der Seher betrachtet alle Lebewesen als Geschöpfe der allumfassende Lebenskraft. Daher wird ein Seher eine Person, die ihn konsultiert und seine Dienste in Anspruch nimmt, immer nur als Unterstützer zur Seite stehen. Die Integrität und Eigenverantwortung der konsultierende Person steht für den Seher immer im Vordergrund. Ein Seher kann für seine Dienste eine angemessene Gegenleistung verlangen, sofern die konsultierende Person diese leisten kann und diese Gegenleistung die Integrität der konsultierende Person nicht verletzt. Er wird keine Person abweisen, die ihm diese Leistung nicht vergüten kann.

Missbrauch der "Machtposition" des Sehers gegenüber der Personen, die ihn konsultieren und Scharlatanerie sind im Laufe der Geschichte ein ungelöstes Thema, das schon in der Bibel behandelt wird (die Frage nach dem "falschen Propheten") und brachte und bringt nach wie vor immer wieder das Ansehen von Seher in Verruf. Dieses Thema unterliegt heute wie auch in der Vergangenheit der Eigenverantwortung des Sehers selbst und der Person, die ihn konsultiert.

Der Seher wird im religiösen, spirituellen Kontext erkannt und anerkannt. Besonders in der Antike waren Seher hoch angesehen. Am berühmtesten ist wohl das Orakel von Delphi: Aus der Erde aufsteigende Dämpfe versetzten die Pythia in Trance. Ihre Worte wurden dann von den Priestern interpretiert und den Ratsuchenden weitergegeben.

Der berühmteste Seher der Neuzeit ist Nostradamus oder Michel de Notredame (1503 - 1566). Er weissagte die Zukunft bis in unsere Zeit. Im nachhinein betrachtet, erwiesen sich für viele seiner Bewunderer die meisten seiner Vorhersagen als richtig. Unter anderem sagte er den Ausgang vieler Kriege voraus; allerdings wurde eine seiner Vorhersagen als Weltuntergangsprophezeiung für die Jahrtausendwende interpretiert.

Diese Beispiele zeigen, warum die Wahrsagerei als eine sehr vage „Wissenschaft“ gilt: Nicht wenige Prophezeiungen lassen sich unterschiedlich auslegen und so kann eine Prophezeiung oft zwei oder mehr Aussagen haben, die einander unter Umständen sogar ausschließen. Hinterher wird dann allzu leicht die stattgefundene Tatsache als eine der Möglichkeiten gepriesen.

Es gibt jedoch noch eine andere Kategorie Seher, und zwar treten solche bereits in der Bibel auf, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Sie prophezeien Geschehnisse, die auftreten können, wenn etwas nicht zuvor geschieht, z.B. „Buße tun der Gemeinde“. Tut sie das - die von Ninive tat es -, dann tritt das Ereignis nicht ein. Unterlässt sie die Auflage, die der Seher mitteilt, dann geschieht, wie durch Zufall, genau das prophezeite Übel. Dr. Martin Luther nannte das eine Verheißung mit Bedingung. Andere Arten von Prophezeiungen der Seher jedoch treten ein ohne Bedingung - es sind also Zukunftsvorhersagen, die oft bedeutungsvoll sein können. Völlig egal, ob man etwas dafür oder dagegen oder gar nichts tut.

Im Hinduismus werden Heilige und inspirierte Dichter als Seher oder Rishi, bezeichnet.

Das Phänomen des Sehers ist im wissenschaftlichem Kontext wenig untersucht, da es in der modernen Wissenschaft an Grundlagenkenntnisse und Theorien fehlt, die das Phänomen ausreichend erklären, analysieren und greifbar machen können. Das Phänomen wird hauptsächlich den wissenschaftlichen Disziplinen der Psychologie, speziell der Parapsychologie und der Religionswissenschaften zugeordnet.

Siehe auch:

Beispiele in der Literatur


Vgl. dazu Wouter J. Hanegraaff: Versuch über Friederike Hauffe: Zum Verhältnis zwischen Lebensgeschichte und Mythos der „Seherin von Prevorst“ (I). In: Suevica 8 (1999/2000). Stuttgart 2000 S. 17-45. ISBN 3-88099-395-5. - *, S. 233-276. ISBN 3-88099-428-5.

Siehe auch: Auguren, Mühlhiasl, Alois Irlmaier

Parawissenschaft | Esoterik | Beruf

Sierska

 

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