Ein Seezielflugkörper ist eine fliegende, lenkbare Waffe zum Einsatz gegen Schiffe.
Der Begriff Antischiffsrakete bezieht sich streng genommen nur auf Flugkörper mit Raketenantrieb, die allerdings den Großteil der Seezielflugkörper ausmachen.
Seezielflugkörper können von Luftfahrzeugen, Schiffen, Unterseebooten oder von Land aus eingesetzt werden. Abhängig vom Typ fliegen sie mit Unterschall- oder Überschallgeschwindigkeit. Auch die Reichweite variiert zwischen wenigen bis hin zu mehreren hundert Kilometern.
Man unterscheidet zwischen Sea-Skimmern, die das Ziel dicht über der Wasseroberfläche anfliegen und somit erst spät erkannt werden können, und Divern, die sich aus großer Höhe auf das angegriffene Schiff stürzen.
Als bewegliche Ziele sind Schiffe besonders schwer zu treffen. Aus großer Entfernung abgefeuerte Granaten oder aus großer Höhe abgeworfene Bomben lassen dem Schiff Zeit für Ausweichmanöver. Die Seezielbekämpfung aus der Luft stützte sich im 2. Weltkrieg daher vor allem auf Torpedo- und Sturzkampfflugzeuge. Da aber die Flugabwehr auf den Schiffen immer effektiver wurde, suchte man nach Möglichkeiten, die Waffen zwar ins Ziel zu lenken, wobei aber die eingesetzten Soldaten außerhalb der Reichweite der gegnerischen Flak bleiben sollten.
Einer der ersten erfolgreichen Seezielflugkörper war die deutsche Ruhrstahl X-1, auch unter den Namen FX-1400 oder Fritz X bekannt. Dabei handelte es sich allerdings um nicht viel mehr als um eine schwere Sprengbombe ohne Antrieb, die man mit kurzen Stummelflügeln, einem Leitwerk und einer Fernsteuerung ausgestattet hatte. Sie war damit auch einer der ersten Vorläufer der heutigen Smart Bombs. Mit dieser Waffe wurde am 9. September 1943 das italienische Schlachtschiff Roma versenkt.
Die deutsche Henschel Hs 293 war ebenfalls eine ferngesteuerte Bombe. Im Gegensatz zur X-1 hatte sie aber vollwertige Tragflächen, wodurch sie praktisch zu einem Segelflugzeug wurde. Die Hs 293 hatte auch einen kleinen Raketenmotor. Dieser diente jedoch nur dazu, die Waffe nach dem Abwurf vor das Trägerflugzeug und somit in das Blickfeld des Bombenschützen zu bringen. Eine Version mit einer Fernsehkamera in der Spitze war in Arbeit, kam aber wegen technischer Probleme nicht mehr zum Einsatz.
Der erste erfolgreiche Angriff mit einer Anti-Schiffs-Rakete im eigentlichen Sinne erfolgte am 21. Oktober 1967. Der israelische Zerstörer Eilat wurde von einem ägyptischen Komar-Schnellboot aus großer Entfernung mit 4 Styx-Raketen angegriffen und versenkt. Danach wurden weltweit die Entwicklungsbemühungen von Seezielflugkörpern verstärkt.
Im Falklandkrieg wurden mehrere britische Einheiten durch französische Exocet-Raketen der argentinischen Luftwaffe versenkt, so die HMS Sheffield.
Während des Irak-Iran Kriegs wurde am 17. Mai 1987 die US-Fregatte USS Stark (FFG-31) von einer irakischen Mirage mit einer Exocet beschossen. Das Schiff wurde stark beschädigt, konnte von der Besatzung aber gerettet werden. 37 Besatzungsmitglieder starben. Die Reparatur kostete ungefähr 142 Millionen US-Dollar.
Ein Seezielflugkörper besteht im wesentlichen aus den folgenden Komponenten:
Die meisten Seezielflugkörper besitzen ein Raketentriebwerk mit festem oder auch flüssigem Treibstoff, der ihnen eine besonders hohe Fluggeschwindigkeit verleiht. Einige S. werden durch ein Strahltriebwerk angetrieben. Auch die Verwendung von Staustrahltriebwerken ist möglich. Flugkörper, die nicht von Luftfahrzeugen aus eingesetzt werden, besitzen meist noch einen oder mehrere Raketenbooster als Starthilfe. Antriebslose Seezielflugkörper sind heute nicht mehr üblich.
Seezielflugkörper können über Funk, einen Draht oder ein Lichtwellenleiterkabel ferngelenkt werden. Üblicherweise besitzen sie jedoch einen Suchkopf, der die Waffe selbstständig ins Ziel steuern kann.
Suchköpfe moderner Seezielflugkörper besitzen meist aktives oder passives Radar oder passive Infrarotsensoren. Beim aktiven Radar befindet sich das vollständige Radargerät (Sender/Empfänger) im Flugkörper. Bei passiven Radargeräten besitzt der Flugkörper nur einen Radarempfänger. Das Ziel muss also während des Angriffs ständig von einem separaten Radargerät angestrahlt werden. Vorteile dieses Systems sind die geringeren Kosten, die Einfachheit und die geringe Größe des Suchkopfes. Außerdem sendet der Flugkörper selbst keine Radarstrahlen aus, so dass er vom Ziel schwerer geortet werden kann. Rein passive Suchköpfe auf Radarbasis werden aber recht wenig gegen Schiffe eingesetzt. Infrarotsensoren erfassen die Wärmestrahlung, die von einem Schiff ausgeht (Abgase, durch die Sonne aufgeheizte Decks, heiße Waffensysteme) oder bei moderneren Suchköpfen die Konturen welche sie bei sehr modernen Suchköpfen mit einer Datenbank abgleichen können. Auch die elektromagnetische Strahlung, die das Schiff selbst aussendet, kann angepeilt werden. Dies wird bei sehr störfesten Suchköpfen dazu benutzt, bei aktiver Störung des Radarsuchkopfes die Quelle der Störung anzupeilen. Daneben ist der Einsatz von bildverarbeitenden Systemen möglich.
Langstreckenflugkörper wie die US-amerikanische BGM-109 Tomahawk besitzen außerdem noch Navigationssysteme wie Trägheitsnavigation oder GPS, mit deren Hilfe der Flugkörper das Zielgebiet ansteuern kann, bevor der Suchkopf das eigentliche Ziel erfasst.
Elektronische Störeinrichtungen dienen dazu, die Feuerleitsysteme des angegriffenen Schiffes zu verwirren und so die Abwehr des Flugkörpers zu erschweren.
Seezielflugkörper stellen eine enorme Bedrohung für alle militärischen und zivilen Schiffe dar. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit moderner Flugkörper bleibt für die Abwehr nur wenig Zeit. Auch wenn der Sprengkopf beim Einschlag versagen sollte, so kann trotzdem durch den mitgeführten Treibstoff das getroffene Schiff außer Gefecht gesetzt oder sogar versenkt werden (auf diese Weise ging im Falklandkrieg die britische HMS Sheffield verloren). Daher ist die Flugkörperabwehr eine der wichtigsten und technisch anspruchsvollsten Aufgaben in der modernen maritimen Kriegsführung.
Zur aktiven Bekämpfung von Seezielflugkörpern kommen sowohl Flugabwehrraketen verschiedener Reichweite als auch Rohrwaffen (Flak) zum Einsatz. Zu den Flugabwehrraketen zählen zum Beispiel die Sea Sparrow und das RAM-System. Bei den Rohrwaffen werden vor allem kleinkalibrige Schnellfeuerkanonen eingesetzt. Der bedeutendste Vertreter ist das amerikanische CIWS Phalanx, das nach dem Gatling-Prinzip arbeitet. Diese Waffen wirken allerdings nur auf kurze Distanz, weshalb ein Schiff selbst bei vorzeitiger Explosion des Flugkörpers noch durch die große kinetische Energie der zahlreichen Splitter und Trümmer schwer beschädigt werden kann.
Der Einsatz von Ködern wie Düppeln (Radartäuschkörpern) oder Flares (Infrarottäuschkörpern) soll den Flugkörper dazu verleiten, anstelle des Schiffes ein solches Scheinziel anzugreifen. Auch der Einsatz von Mitteln der Elektronischen Kampfführung (EloKa) ist üblich, um die Elektronik der Waffe zu verwirren. Infrarotsensoren können auch durch Laser geblendet werden.
In den letzten Jahren wird darüber hinaus die Stealth-Technologie auch im Kriegsschiffbau immer wichtiger, bei der potentiellen Angreifern die Radar-Ortung von Schiffen erschwert wird.
Die wichtigsten Vertreter unter den Seezielflugkörpern sind:
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sowie die folgenden sowjetischen / russischen Typen (geordnet nach NATO-Codenamen; die Originalbezeichnung ist in Klammern dahintergesetzt):
Rakete (militärisch) | Anti-Schiffs-Rakete
Anti-ship missile | Meritorjuntaohjus | טיל ים-ים | 対艦ミサイル | Anti-scheepsraket | Sjømålsmissil
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