Die Seetalbahn ist eine Normalspurbahn der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zwischen Lenzburg im Kanton Aargau und der Stadt Luzern.
Gegründet wurde die Bahn 1881 als "Swiss Lake Valley Railway Comp." mit englischem Kapital. Die Investoren spekulierten vor allem auf Touristen, welche von Luzern aus den Hallwilersee und den Baldeggersee besuchen wollten. Am 3. September 1883 wurde die erste Teilstrecke zwischen Emmenbrücke und Beinwil am See eröffnet, der Abschnitt zwischen Beinwil am See und Lenzburg folgte am 15. Oktober des gleichen Jahres. Die Hauptstrecke wurde dann am 1. Oktober 1895 von Lenzburg nach Wildegg verlängert.
Von Beinwil am See aus baute man in zwei Etappen eine Zweigstrecke ins Wynental; ab dem 23. Januar 1887 fuhren die Züge zunächst bis Reinach, ab dem 1. Oktober 1906 bis Beromünster. Diese Strecke wurde jedoch 1992 für den Personenverkehr und 1999 für den Güterverkehr wieder stillgelegt. Seit dem 15. Dezember 2002 wird das Teilstück zwischen Reinach und Menziken von der schmalspurigen Wynental- und Suhrentalbahn befahren. Das Teilstück zwischen Lenzburg und Wildegg ist seit Mai 1984 ausser Betrieb.
Vor ihrer Übernahme (Verstaatlichung) durch die Schweizerischen Bundesbahnen im Jahr 1922 führte die Seetalbahn sogar Buffet-Speisewagen. Sie war überdies ein Pionier der Elektrotraktion in der Schweiz. Von 1910 bis 1930 war sie mit 5500 V 25 Hz elektrifiziert, danach erfolgte die Umstellung auf die bei den SBB üblichen 15'000 V 16 2/3 Hz. Von 1926 bis 1983 verkehrten die "Seetal-Krokodile", Elektrolokomotiven des Typs De 6/6.
Die Bahn erlangte eine traurige Berühmtheit als unfallreichste Bahnstrecke der SBB. Gründe waren die vielen unbewachten Bahnübergänge und die auf weiten Strecken strassenbahnartige Trassierung. Auch heute noch verkehrt die Seetalbahn in den Ortschaften zwischen Lenzburg und Emmen zwischen der Strasse und den angrenzenden Häusern. Diese kostengünstige Bauweise war bei Bahnen lokaler Bedeutung weit verbreitet. Die Triebwagen mussten mit auffallenden gelben oder roten Warnmarkierungen an den Frontseiten ausgestattet sein.
Wegen der Unfallhäufigkeit (insbesondere an den Bahnübergängen) mit mehreren Todesopfern pro Jahr erhielt die Seetalbahn im Volksmund den etwas makaberen Namen "Kundenmetzger". Die Sicherheitslage hat sich aber inzwischen stark verbessert, seitdem im Mai 1998 das unfallträchtigste Teilstück in Emmen durch eine neue Linienführung mit dem 630 Meter langen Hüslentunnel ersetzt wurde.
Seit dem 12. Dezember 2004 ist die Seetalbahn die Linie S9 der S-Bahn Luzern. Der Betrieb erfolgt durchgängig mit den niederflurigen Gelenktriebwagen RABe 520.
Ehemalige Bahngesellschaft (Schweiz) | Bahnstrecke in der Schweiz | Aargau (Kanton)
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