Konstanz_Rheintorturm.JPG Als Seerhein wird das etwa vier Kilometer lange Stück des Rheins verstanden, welches den Ober- und Untersee des Bodensees verbindet und die Stadt Konstanz in zwei Teile trennt.
Der Großteil des Seerheins, darunter der gesamte westliche Teil und das Nordufer des Ostteils liegen auf deutschem Territorium. Entlang der östlichen zwei Kilometer verläuft die Grenze zur Schweiz in der Mitte des Flusses.
Der Seerhein beginnt bei Konstanz im Westen des Obersees. Der bei Hard in Österreich in den See geflossene Rhein fließt in der Tiefe des Obersees bis nach Konstanz, wo er am Konstanzer Trichter den See verlässt. Hier kehrt er für wenige Kilometer in das „Seerhein“ genannte Flussbett zurück, um wenige Kilometer westlich bei Gottlieben wieder in den Rheinsee genannten Teil des flacheren Untersee zu münden.
Am Südufer des Seerheins liegen die Innenstadt von Konstanz und das Paradies, die von Tägerwilen verwaltete Konstanzer Exklave Tägermoos sowie die Schweizer Gemeinde Gottlieben.
Am Nordufer liegen der Konstanzer Stadtteil Petershausen, das Industrie- und Naherholungsgebiet Stromeyersdorf sowie das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried (ein Teil davon zur Gemeinde Reichenau gehörig). (Irrtümlich wird oft angenommen, der Seerhein trenne Konstanz und Kreuzlingen.)
Im Stadtgebiet ist das Ufer befestigt und wird teilweise als Bootsanlegestelle genutzt. Außerhalb der Stadt ist das Ufer unbefestigt und bietet im Tägermoos Bademöglichkeiten. Das westliche Nordufer (Wollmatinger Ried) ist, ebenso wie das Schweizer Ufer westlich von Gottlieben, moorig-sumpfig und mit Schilf bewachsen.
Sehenswürdigkeiten am Seerhein sind der Rheintorturm und der Pulverturm als Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung, das ehemalige Kloster Petershausen und das Schloss Gottlieben. Am Rheinufer liegen zudem die Gebäude der HTWG Konstanz und des Rheinstrandbads.
Der Seerhein wird von drei Brücken überquert. Im Osten überspannt ihn die Alte Rheinbrücke, die wichtigste Verkehrsader schon seit dem Mittelalter und heute innerstädtische Verbindung zwischen der nach Allmannsdorf und Staad führenden Mainaustraße und der Konzilstraße in der Innenstadt. Westlich davon führt seit 1991 eine Geh- und Radwegbrücke von der Schottenstraße nach Petershausen. Im Westen der Stadt überquert die vierspurige Neue Rheinbrücke („Schänzlebrücke“) den Seerhein und verbindet die überregionalen Verkehrsadern der Schweizer Autobahn A7 und der deutschen B 33.
Der Seerhein ist schiffbar und wird vor allem von den Ausflugsbooten der Weißen Flotte, Sportbooten und Ruderern genutzt.
An der Alten Rheinbrücke beginnt mit dem Kilometer 0 die Kilometrierung des Rheins.
Der Seerhein bildete über Jahrhunderte hinweg die natürliche Nordgrenze der Stadt Konstanz. Auf dem Nordufer lag die im Jahr 983 als Kloster gegründete, später als Siedlung eingemeindete Vorstadt Petershausen. Als Gründungsort des Klosters Petershausen wurde die nördliche Rheinseite gewählt, damit es wie der Petersdom auf dem außerstädtischen Flussufer zu stehen kam. Als Entsprechung des Tiber diente der Seerhein.
Das Stadtufer war im Mittelalter durch eine teilweise im Wasser gelegene Stadtmauer mit mehreren Türmen wehrhaft befestigt und durch eine teilweise in Stein gebaute Brücke mit dem Nordufer verbunden. Auf der Brücke befand sich eine große, vom Rhein angetriebene städtische Kornmühle. Das lange Zeit unbefestigte Petershauser Ufer wurde im 19. Jahrhundert für Industrieansiedlungen genutzt. Teilweise noch Industriegebiet, wird es mittlerweile nach und nach in Naherholungs- und Wohngebiete umgewandelt. Wasserwunder Konstanz.jpg Am 23. Februar 1549 soll sich das „Wasserwunder von Konstanz“ ereignet haben: Der Seerhein hob und senkte sich über mehrere Stunden in Abständen von etwa einer Viertelstunde um eine Elle, also mehr als einen halben Meter. Im Untersee meinten Fischer zu beobachten, dass das Wasser des Rheins rückwärts floss. Der Konstanzer Chronist Christoph Schulthaiß berichtete über dieses Ereignis:
Heute kann dieses Ereignis wissenschaftlich erklärt werden: Bestimmte Windverhältnisse regten die Eigenschwingung des Ober- und Untersees an. Eine stehende Welle entstand, bei der der gesamte See als Resonanzkörper wirkte. Am Seerhein, gewissermaßen einem Querschnitt durch die Seemitte, war dieser Effekt besonders gut sichtbar.http://physik.uni-graz.at/~cbl/C+P/contents/Stud-WS02/schuetky/mehrgitterverfahren.htm
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