Malta 457.jpg Seeminen sind Sprengladungen, die im Wasser gegen Schiffe und U-Boote eingesetzt werden. Der Oberbegriff für das im Minenkrieg verwandte Material ist "Sperrwaffen".
Der Erfindung der Seemine liegt der Wunsch zugrunde, gegnerische Kriegsschiffe durch Feuer oder Sprengung zu zerstören. Eine solche Waffe ist vor allem für solche Kriegsparteien interessant, die einer gegnerischen Marine keine ebenbürtige Flotte entgegensetzen können. Im Sinne der Mahan'schen Seemachttheorie ist die Mine ein typisches Mittel des sea denial. Mit ihr kann man einem Gegner zwar die Nutzung von Seegebieten verwehren, jedoch keine eigene Überlegenheit begründen.
Vorläufer der Seeminen waren die Brander, in Brand gesetzte Schiffe, die man in eine gegnerische Flotte hineintreiben ließ, um die hölzernen Kriegsschiffe anzuzünden. Die erste Sprengladung, die unter Wasser ans Ziel gebracht wurde, konstruierte David Bushnell 1776 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Sie war mit einem Zeitzünder versehen und wurde an gegnerischen Schiffen mit einem Haken befestigt.
Aus derartigen Unterwasserladungen entwickelten sich im 19. Jahrhundert zwei Arten von Seekriegswaffen, die stationäre Seemine und der bewegliche Torpedo.
Der deutsche Ingenieur Ernst Werner von Siemens, Bruder des bekannten Erfinders und Industriellen Werner von Siemens, konstruierte 1848 während des Schleswig-Holsteinischen Krieges Seeminen für die Verteidigung des Hafens Kiel, die von Land aus elektrisch gezündet werden konnten. Auch im Amerikanischen Bürgerkrieg kamen Unterwasserladungen zum Einsatz, die wie bei Bushnell unter Wasser an ihr Ziel verbracht und dort gezündet wurden.
Trotz dieser Entwicklungen spielte die Mine in den Seekriegen des 19. Jahrhunderts nur eine untergeordnete Rolle. Erst in den Weltkriegen wurden große Zahlen von Minen eingesetzt, die erheblichen Einfluss auf die Bewegungen der Seestreitkräfte hatten und starke Kräfte banden. Auch während des Kalten Krieges spielten die Pläne für den Mineneinsatz eine wichtige Rolle. Nach dessen Ende hat die Minenkriegführung in den Einsatzplanungen der Seestreitkräfte an Bedeutung verloren.
Seeminen können nach der Art ihrer Positionierung in Grundminen und Ankertauminen und nach der Art ihres Zünders in Berührungs- und Fernzündungsminen eingeteilt werden. Die meisten dieser herkömmlichen Minen können in bis zu 60 m Wassertiefe gelegt werden.
Ankertauminen sind einfache, im wesentlichen auf Mechanik basierende Waffen, die auch von technologisch nicht sehr entwickelten Ländern preiswert hergestellt und eingesetzt werden können. Grundminen sind technisch anspruchsvoller, können dafür jedoch gezielt eingesetzt werden und sind sehr viel schwerer zu räumen.
Außerhalb dieser Einteilung gibt es eine Anzahl von Spezialminen.
Die Ankertaumine ist der älteste, in großer Zahl eingesetzte Minentyp. Die ersten wurden bereits 1813 vor den Forts Hudson und Richmond eingesetzt. Die Minensperren des Ersten Weltkriegs bestanden ausschließlich aus Ankertauminen, die des Zweiten Weltkriegs vorwiegend, und auch im Kalten Krieg und in Regionalkonflikten nach 1945 wurden Ankertauminen eingeplant bzw. eingesetzt.
Fernzündungsminen reagieren auf die Veränderung ihres physikalischen Umfelds, d. h. des umgebenden Magnetfelds, Geräuschfelds oder Druckfelds. Bewegt sich ein Schiff über eine Mine, so verändern sich alle drei Felder. Die ersten Grundminen reagierten nur auf das Magnetfeld, neuere auch auf einen der anderen oder auf mehrere Faktoren. Manche Zünder sind mit Zählwerken ausgestattet, die erst nach einer bestimmten Zahl von Überläufen ansprechen, um die genaue Lokalisierung des Minenfeldes und dessen Räumung zu erschweren. Moderne Seeminen verfügen über eine Kombination mehrerer Sensoren und können bestimmte Schiffsgrößen oder sogar –typen erkennen.
Zu den Spezialminen gehören auch solche, die von Land ein- und ausgeschaltet oder auch gezündet werden können. Solche Minen werden zum Schutz eigener Hafeneinfahrten und Wasserwege benutzt.
Vor Küsten, an denen gegnerische Landungen erwartet werden, können Antiinvasionsminen gelegt werden. Diese Grundminen sind besonders für den Einsatz in sehr flachem Wasser geeignet, ähneln z.T. Landminen und können mit ihren Sensoren auch kleine Landungsboote und Luftkissenfahrzeuge erkennen. Ihre Ladung ist meist klein, aber für die vorgesehenen Ziele ausreichend.
Eine weitere Sonderform der Seemine sind unbemannte Unterwasserplattformen, die elektronisch die Annäherung von feindlichen Schiffen feststellen und einen Torpedo auf das Schiff abschießen (z. B. MK-60 CAPTOR, USA).
Die von Kleinkampfmitteln, Bemannten Torpedos aus bzw. von Kampfschwimmern eingesetzten Kontaktminen und Grundminen sind weitere Formen. Weitere, ältere Sonderformen sind Spierentorpedo und nachgeschleppte Mine am Seil.
Danach müssen unverankerte Kontaktminen (Treibminen) eine Stunde nach dem Aussetzen unscharf werden. Ankertauminen müssen unscharf werden, wenn sie sich aus ihrer Verankerung reißen. Torpedos müssen unscharf werden, wenn sie ihr Ziel verfehlt haben. Durch diese Regelungen soll vermieden werden, dass scharfe Sprengladungen unkontrolliert und ohne weiteren militärischen Nutzen die Meere gefährden.
Nach Kriegsende ist jede Partei angehalten, die Minen vor ihren Küsten zu beseitigen und die andere Partei über die von ihr gelegten Sperren in deren Gewässern zu informieren.
Offensive Minensperren sollen den Gegner daran hindern, seine Häfen zu verlassen oder ihn zwingen, Seewege zu wählen, auf denen man ihn besser angreifen kann. So kann es die Aufgabe einer Minensperre sein, einen Seeweg entlang der Küste zu sperren und gegnerische Schiffe ins tiefe Wasser zu zwingen, wo man besser U-Boote gegen sie einsetzen kann.
Bei defensiven Sperren vor der eigenen Küste wird man stets verdeckte Durchlässe für den eigenen Schiffsverkehr bestehen lassen. Diese können in einigen Fällen durch kontrollierte Minen zusätzlich gesichert werden.
Um die Schifffahrt vor der Minengefahr zu schützen, werden minenfreie Wege geschaffen, durch die Schiffe geleitet werden. Bei starker Minengefährdung außerhalb dieser Wege werden die Schiffe durch Minenabwehrfahrzeuge gelotst. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden fast dreißig Jahre lang so genannte Zwangswege in Nord- und Ostsee, auf die die Handelsschifffahrt angewiesen wurde. Bei Verlassen der Wege erlosch der Versicherungsschutz.
Um Ankertauminen zu räumen, verwendet man Räumkabel, die von Minensuchbooten durch das Wasser gezogen werden. Sie werden entweder von mehreren Booten im Verbund eingesetzt oder von Einzelbooten, deren Räumkabel mit Hilfe von Scherbrettern seitlich ausgesteuert werden. Mit Hilfe von Schwimmern werden die Kabel in einer vorbestimmten Räumtiefe geführt und sollen mit anmontierten Greifern die Ankertaue der Minen erfassen und zerschneiden. Die Minengefäße schwimmen dann auf und werden mit Schusswaffen zur Explosion gebracht.
Grundminen werden geräumt, indem man die Signaturen simuliert, die die Zünder der Minen ansprechen. So genannte Hohlstäbe, die von Minensuchbooten geschleppt werden, enthalten eine große Magnetspule und simulieren Magnetfelder größerer Schiffe. Ebenfalls nachgeschleppte Geräuschbojen können die Geräuschfelder von Schiffen simulieren. Bei dem deutschen System Troika werden ferngelenkte Hohlstäbe mit Eigenantrieb eingesetzt, die außerdem eine Geräuschboje mitführen. Ein solches System erlaubt die Minensuche bei geringer Personalgefährdung. US Navy explosive ordnance disposal (EOD) divers.jpg
Magnetfelder können auch durch Flugzeuge und vor allem durch Hubschrauber mit Magnetspulen simuliert werden. Bereits im Zweiten Weltkrieg setzte die Wehrmacht Flugzeuge vom Typ Junkers Ju 52/3m (Variante MAUSI) mit einer großen Magnetspule zum Minenräumen ein. Die U.S. Navy verwendet Hubschrauber vom Typ Sikorsky S-65 in der Variante RH-53A, die einen Räumschlitten über die Wasseroberfläche ziehen.
Im Gegensatz zu Magnet- und Geräuschfeldern lassen sich Druckfelder nicht simulieren. Minen mit Druckzünder können nur mit Sperrbrechern geräumt werden, die als besonders geschützte Schiffe die Minen überlaufen und zur Zündung bringen.
Bei der Minenabwehr ergänzen sich Minenräumen und Minenjagd. Während mit Hilfe der Minenjagd Minen gefunden werden können, die gegen Räumverfahren resistent sind (z. B. bei Geräuschzündern), werden beim Minenräumen auch solche Minen unschädlich gemacht, die die Minenjagd nicht erfassen kann (z. B. im Sand verborgene und überwucherte Minen). Zu den Trends der Minenabwehr gehört der Einsatz ferngelenkter Systeme, um die Gefährdung des Personals zu vermindern. Außerdem können solche Systeme auch von anderen Fahrzeugen als Minensuchbooten eingesetzt werden, die auf Grund ihrer häufig geringen Größe und Geschwindigkeit für entfernte Einsätze nur bedingt geeignet sind.
Auch hat es Versuche mit Delfinen gegeben, Minen aufzuspüren und Vernichtungsladungen zu den gefundenen Minen zu bringen. Allerdings versprechen moderne Minenjagddrohnen einen zuverlässigeren Erfolg bei geringerem Aufwand.
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