Der Sechstagekrieg ( hebr. מלחמת ששת הימים, milchemet scheschet hajamim Englisch Six Day War) zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien dauerte vom 5. Juni bis zum 10. Juni 1967. Als Teilaspekt des Nahostkonfliktes war er nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (1948) und der Sueskrise (1956) der dritte arabisch-israelische Krieg.
Der Krieg begann mit der Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt und dem Aufmarsch arabischer Armeen an den Grenzen Israels. Israel antwortete mit einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Luftwaffenbasen. Aus israelischer Sicht ein Präventivschlag, der einem Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte.
Am Ende des Krieges kontrollierte Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen und das Westjordanland.
Die Krise um den Sueskanal endete 1956 mit einer militärischen Niederlage Ägyptens, dennoch gelang es Gamal Abdel Nasser, eine quasi unanfechtbare Position als Führer der arabischen Welt aufzubauen. Die USA drängten Israel, die eroberte Sinai-Halbinsel wieder an Ägypten zurückzugeben. Israel kam dieser Bitte nach. Im Gegenzug sollte Ägypten dazu gebracht werden, auf Basis von beiderseitigem Einverständnis keine Guerillas mehr in das israelische Staatsgebiet zu schicken. Die Stationierung von UN-Friedenstruppen im Sinai (UNEF) mit dem Auftrag, die Grenzregion zu demilitarisieren, trug auch zeitweise zu einer Beruhigung des Konflikts bei.
Dennoch hatte zu diesem Zeitpunkt kein arabischer Staat Israels Unabhängigkeit anerkannt, auch war kein Friedensvertrag zwischen einem der Staaten und Israel unterzeichnet worden. Syrien, das ein Verbündeter der mächtigen Sowjetunion war, unterstützte in den 1960er Jahren Einfälle von Guerillas in das israelische Gebiet. Dies war Teil des Volksbefreiungskrieges der syrischen Baʿth-Partei.
Die geopolitische Lage unterschied sich insofern von der heutigen (2005), als der Gaza-Streifen von Ägypten und das Westjordanland einschließlich der Altstadt Jerusalems von Jordanien besetzt waren.
Nach vielen Militärputschen war die syrische Armee durch die politischen Ambitionen einzelner Offiziere mehr ein Mittel zur Erlangung politischer Macht als eine kriegsfähige Streitmacht. Zudem unterschätzte Nasser die Auswirkungen eines israelischen Erstschlags. Nasser ging, Vermutungen zufolge, zudem von einem Stellungskrieg aus, den die seiner Ansicht nach starke ägyptische Armee gewinnen müsse. Er zeigte sich überzeugt, Israel habe den Krieg von 1956 nur wegen der Mithilfe Englands und Frankreichs gewonnen. Von den Sowjets wurde 1966 der Schild-und-Schwert-Plan für einen Krieg Ägyptens gegen Israel entworfen, der die Weiten der Sinaiwüste auszunutzen gedachte. Er war den Israelis gut bekannt, aber obwohl die Landstreitkräfte Israels (IDF) entlang der Linie von Anvil stationiert waren, ging der israelische Verteidigungsplan von einer Vorwarnzeit von 48 Stunden aus, von der man nicht sicher sein konnte, ob sie ausreichend sein würde.
Nachteilig für einen von Israel befürchteten Kriegseintritt Ägyptens wirkte sich die Tatsache aus, dass die Vorbereitungen für den Schild-und-Schwert-Plan im Jahre 1967 noch nicht abgeschlossen waren und einige Offiziere, die sich mit dem Plan auskannten, durch Männer Amers ersetzt wurden.
Die arabischen Armeen waren Israel zahlenmäßig überlegen.
Ein weiterer Konfliktherd waren die seit dem Waffenstillstand von 1949 zwischen Israel und Syrien umstrittenen und demilitarisierten Gebiete. Diese lagen zwischen der Waffenstillstandslinie und der Grenze Palästinas, wie sie während des Völkerbundsmandats für Palästina seit 1922 bestanden (der UN-Teilungsplan von 1947 schlug die Gebiete dem jüdischen Staat zu). Es war vorgesehen, bei Abschluss des endgültigen Friedensvertrages eine Einigung über diese Gebiete zu erreichen. Allerdings versuchten beide Seiten, durch intensivierte Kultivierungsmaßnahmen vollendete Tatsachen zu schaffen, wobei Israel erfolgreicher war als Syrien.
Syrien erweiterte seine Grenzbefestigungen auf den Golanhöhen mit sowjetischer Hilfe. Es unterstützte die palästinensischen Guerilleros in ihrem Kampf gegen Israel. Diese Angriffe gingen oft von libanesischem und jordanischem Gebiet aus, was nicht dem Willen König Husseins entsprach. Außerdem beschoss Syrien Zivilisten in den israelischen Ortschaften im nordöstlichen Galiläa von seinen Grenzposten auf dem Golan aus. Im Frühjahr 1966 war deutlich geworden, dass Israels Nachbarstaaten ihre anti-israelischen Aktivitäten verstärkten. Zwischen Juni 1965 und dem Ausbruch des Krieges wurden 16 Israelis an der Grenze getötet und 67 verwundet.
Diese Konflikte führten zu einer Zunahme der Grenzzwischenfälle. Manchmal eskalierten die Schusswechsel zu Artillerieduellen oder Luftkämpfen, so etwa am 7. April 1967. Die israelische Luftwaffe schoss mit ihren Dassault Mirage III vier syrische MiG-21 über Jordanien und zwei weitere über den Vororten von Damaskus ab und überflog demonstrativ die Stadt.
Die Sowjetunion unterstützte die arabische Position und war durch falsche Geheimdienstinformationen schließlich für eine weitere, zuspitzende Eskalation der Ereignisse verantwortlich. Sie behauptete nämlich, Israel würde Truppen an der syrischen Grenze zusammenziehen. Israel lud den sowjetischen Botschafter ein, selbst die Gebiete zu bereisen, um sich ein Bild zu machen. Die Behauptungen von israelischen Truppenkonzentrationen an der syrischen Grenze wurden auch von dem eigens entsandten ägyptischen General Muhammad Fawzi, der am 14. Mai Syrien bereist hatte, nicht bestätigt. Er berichtete Nasser: „Dort ist nichts. Keine massive Truppenzusammenziehung. Nichts.” Ähnlich äußerte sich auch der Chef des ägyptischen Militärgeheimdienstes. Trotzdem behauptete Nasser weiterhin, die Israelis hätten aggressive Pläne.
Noch am 20. Mai 1967 verkündete Hafiz al-Assad (syrischer Verteidigungsminister): „Unsere Streitkräfte sind nun voll bereit (...) dem Akt der Befreiung den Anstoß zu geben und die zionistische Anwesenheit im arabischen Heimatland in die Luft zu jagen. Ich als Militär glaube, dass die Zeit gekommen ist, den Vernichtungskrieg zu führen.“
Die arabische Propaganda verfehlte ihre Wirkung auf die arabischen Massen nicht. Da der größte Teil der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte, schaffte es Nasser mit Hilfe seines Radiosenders „Saut al-Arab” (Stimme der Araber), seinen Einfluss weiter auszubauen. Die von Saut al-Arab propagierte Überlegenheit der arabischen Armeen über Israel wurde von manchen Offizieren für Wirklichkeit gehalten. Die Niederlagen von 1948/49 und 1956 wurden allgemein verdrängt.
Wegen des Truppeneinmarschs wurden am nächsten Tag die Truppen im Negev von Jitzhak Rabin eingewiesen, der zusätzlich eine oder zwei Brigaden von Reservisten einberufen wollte. Israel befand sich seiner Ansicht nach in einer Zwangslage: Wäre keine Reaktion erfolgt, hätten die Ägypter den Eindruck gewinnen können, man sei sich der feindlichen Truppenbewegungen nicht bewusst, oder gar mit ihnen einverstanden. „Auf der anderen Seite”, so Rabin später „hätte eine Überreaktion unsererseits die arabischen Befürchtungen nähren können, dass wir aggressive Absichten hätten, was einen vollkommen ungewollten Krieg hätte provozieren können.“ Israels Ministerpräsident Eschkol erklärte sich mit einer Erhöhung der Alarmstufe auf die niedrigste Stufe einverstanden, wies aber zu diesem Zeitpunkt die Einberufung von Reserveeinheiten zurück.
Auch wenn von verschiedenen israelischen Offiziellen (unter ihnen Rabin) in dieser Vor-Phase nicht davon ausgegangen wurde, dass Nasser angreifen wolle, war man übereinstimmend der Ansicht, dass durch den vollzogenen arabischen Truppenaufmarsch das Abschreckungspotential und die Verteidigungskraft Israels abnehmen könnte, bis die Araber die Möglichkeit sahen, anzugreifen. 1982 räumte der damalige israelische Ministerpräsident Menachem Begin ein, dass die Initiative zum Krieg allein von Tel Aviv ausging und die ägyptischen Maßnahmen keinen Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf Israel darstellten.
Zusätzlich zu den bereits 30.000 im Sinai stationierten Truppen und den 10.000 Soldaten der Palästinensischen Befreiungsarmee im Gazastreifen wurde in den Nächten des 15. und 16. Mai die 5. ägyptische Armee in den Sinai verlegt. Rasch folgten ihr die 2. und die 7. Infanteriedivision und schließlich auch die 6. Panzerdivision über den Kanal. Dort hatte sich die 4. Division unter dem Kommando Generalmajors Sidki al Ghul in Bir al-Thamada eingegraben. Jede Division bestand aus 15.000 Mann, um die 100 T-54- und T-55-Panzern, 150 bewaffneten Truppentransportern sowie einer großen Menge sowjetischer Artillerie (Haubitzen, Schwere Mörser, Katjuscha-Raketen, SU-100 Antipanzerwaffen). Was für die Israelis besonders schwer wog, war die von ihnen vermutete Bewaffnung der MiG-17 und MiG-21 mit Giftgasbomben. Der Atomreaktor von Dimona im Negev befand sich inzwischen in Reichweite der 4. ägyptischen Division. Eschkol stimmte am 17. Mai auf massiven Druck Rabins widerwillig einer Einberufung von 18.000 Mann zu.
Am 25. Mai wurden Syrien, Jordanien, der Irak und Saudi Arabien durch Ägypten aufgefordert und ermutigt, ihre Truppen an Israels Grenzen zu stationieren. Der ägyptische Staatspräsident Nasser erklärte am 26. Mai 1967: „Unser Ziel ist die Zerstörung Israels. Das arabische Volk ist bereit, zu kämpfen. ... Sharm El-Sheikh ist eine Konfrontation mit Israel.”
Nach dem Vorbild des im November 1966 zwischen Ägypten und Syrien geschlossenen „Verteidigungspakts” unterzeichnete Ägypten am 30. Mai und am 4. Juni weitere Verteidigungspakte mit Jordanien und dem Irak und vollendete damit die Einkreisung Israels bis auf den Libanon im Norden. Ungefähr 250.000 Soldaten, 2.000 Panzer und 700 Kampfflugzeuge wurden von den arabischen Staaten aufgeboten, die damit in etwa Parität mit den israelischen Streitkräften erreichten.
Trotzdem sah keine der drei Großmächte USA, Frankreich und Großbritannien Israel ernsthaft in Gefahr. Die militärischen Analytiker der drei Nationen waren sich nur darin uneinig, ob Israel eine oder zwei Wochen brauchen würde, die arabischen Armeen zu besiegen. Grund für diese Einschätzung war die hohe Professionalität der israelischen Streitkräfte, ihre Ausrüstung mit modernen Waffen und ihre höhere Kampferfahrung.
Gleichzeitig rückten Bodenstreitkräfte der israelischen Armee gegen die ägyptischen Positionen vor.
Während in den ersten Stunden von israelischer Seite kaum Informationen über den Kriegsverlauf herausgegeben wurden, verkehrte die ägyptische Propaganda den Kriegsverlauf ins Gegenteil und berichtete von angeblichen Siegen der arabischen Truppen. So kam es in der übrigen Welt zu dem falschen Eindruck, nicht Israel sondern Ägypten habe den Krieg begonnen.
In einem Aufruf wurde Jordanien aufgefordert, sich aus dem Krieg heraus zu halten. Jordanien lehnte ab und beschoss Westjerusalem und das Gebiet um Tel Aviv mit Artillerie. Israel antwortete mit Gegenangriffen. Die ersten Befehle, die Verteidigungsminister Mosche Dajan für Jerusalem ausgab, lauteten: „Wir werden es, wenn es notwendig ist, umzingeln, werden es aber nicht stürmen.”
Gleichzeitig rückten die Israelis in Ostjerusalem und auf der von Jordanien besetzten West Bank (Judäa und Samaria) vor. Auch die jordanischen Truppen konnten keinen entscheidenden Widerstand leisten. Der Angriff auf Jerusalem war schließlich vor allem auf Druck Menachem Begins und Jigal Allons gegen den Willen Dajans und orthodoxer Kabinettsmitglieder ausgeführt worden. Die Minister, die eine sofortige Besetzung Jerusalems verlangten, fürchteten, dass der UN-Sicherheitsrat einen Waffenstillstand verhängen würde, bevor das Gebiet um die Klagemauer erobert sein würde. Die syrischen Golanhöhen wurden währenddessen heftig von Israels Artillerie und Luftwaffe beschossen.
Levi Eshkol, auf der anderen Seite, war zusammen mit dem Chef des Nördlichen Kommandos, David Elazar, eher zu einer Operation auf den Golanhöhen bereit. Elazar dürfte mit seinem mitreißenden Enthusiasmus und seiner Überzeugung in die Durchführbarkeit der Operation einen Meinungsumschwung bei Dajan erreicht haben, und als sich die Lage an den südlichen und mittleren Fronten besser gestaltete, änderte Dajan seine Meinung und stimmte der Operation zu.
Die meisten syrischen Truppen flohen, so dass die Berge schon am 10. Juni völlig in israelische Hand gerieten. Nach nur sechs Tagen hatten die Israelis die feindlichen Linien durchbrochen und waren kurz davor, in Kairo, Amman und Damaskus einzumarschieren.
Israel konnte große Gebiete unter seine Kontrolle bringen: Die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, Judäa und Samaria (Westbank) mit der historischen Altstadt von Jerusalem sowie die Golanhöhen. Strategisch waren vor allem die Golanhöhen interessant, da das übersichtliche Gelände gut zu verteidigen war. Die seitdem von Israel besetzten Gebiete Gazastreifen, Westjordanland und Ost-Jerusalem bleiben bis heute ein ständiger Unruheherd und ein Nährboden für Terroristen. Die israelische Armee hat sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen und die 38 Jahre andauernde Militärbesatzung beendet.
Die israelische Wirtschaft, die vor dem Krieg in einer Krise gesteckt hatte, florierte dank des Tourismus, Spenden aus dem Ausland und der Ölquellen auf dem Sinai. Generalstabschef Jitzhak Rabin bekam die Ehre, dem Krieg einen Namen zu geben. Aus einer Reihe mehrerer Möglichkeiten (beispielsweise Erlösungskrieg) wählte er den am wenigsten großsprecherischen: „Sechstagekrieg”. Auf arabischer Seite bezeichnete man ihn als den „Rückschlag”, das „Desaster” oder „Juni-Krieg”, Nasser bezeichnete ihn als den „Bunche-Krieg” (nach Ralph Bunche).
Noch am 22. November 1967 erließ die UNO in New York die Resolution 242, in der Israel zum Rückzug „aus besetzten Gebieten” aufgefordert wurde. Im Gegensatz zum Sinaifeldzug zog sich Israel jedoch nicht hinter die Waffenstillstandslinien von 1949 zurück. Israel begann schon bald mit intensivem Bau von staatlich geförderten Wehrdörfern und Siedlungen. Obwohl nur Ostjerusalem offiziell und die Golanhöhen de facto annektiert wurden (der Golan steht, im Gegensatz zu der Westbank und Gaza, unter israelischer Rechtsprechung, wurde jedoch nie offiziell annektiert), deutete dies auf den Willen hin, diese Gebiete langfristig zu kontrollieren oder gar zu behalten. Die Sinai-Halbinsel wurde 1982, nach dem Friedensvertrag von Camp David, an Ägypten zurückgegeben.
Die Waffenstillstandslinien von 1967 blieben bis 1973 die israelischen Grenzen. Die ägyptischen Terroranschläge hörten auf, die jordanischen und syrischen verringerten sich erheblich. Obwohl die israelischen Streitkräfte in der Lage waren, viele Terrorakte zu verhindern, war es den Terroristen trotzdem möglich, Sicherheitsbasen in Jordanien und im Libanon zu halten, die zu internen Konflikten in diesen beiden Ländern führten.
Die PLO bekam reichlich Zulauf und verstärkte ihren militärischen Druck unter anderem auch in Form von Terroranschlägen gegen Zivilisten, was 1968 zur Schlacht von Karame führte, die Widersprüche zwischen PLO und König Hussein von Jordanien auf die Spitze trieb, was im Schwarzen September zur Vertreibung der PLO aus Jordanien führte.
Seit 1968 führten die Araber einen sogenannten Abnutzungskrieg gegen Israel.
Nicht nur Angehörige der Streitkräfte der beteiligten Staaten, sondern auch ungezählte Zivilisten, meist Frauen und Kinder, gehörten zu den „Kollateralschäden”. Sie kamen zumeist nicht durch die Kampfhandlungen selbst, sondern auf der Flucht (Wassermangel, totale Erschöpfung) oder in den Flüchtlingslagern ums Leben (katastrophale Hygiene). Juden in Ägypten, Jemen, Libanon, Tunesien und Marokko wurden gelyncht, verhaftet und ihre Synagogen angezündet (nur die Staatschefs von Tunesien und Marokko verurteilten diese Handlungen). Aus den von Israel eroberten Gebieten, insbesondere aus dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland, aber auch aus Ost-Jerusalem, flohen zwischen 175.000 (israelische Schätzung) und 250.000 (jordanische Schätzung) Palästinenser, teils aufgrund von Vertreibungen.
5.000 ägyptische Soldaten (einschließlich 21 Generäle), 365 syrische Soldaten (darunter nur etwa 30 Offiziere) und 550 jordanische Soldaten sowie zwei sowjetische Militärberater gerieten in israelische Gefangenschaft. Auf der anderen Seite gerieten nur 15 Israelis in Kriegsgefangenschaft. Der Austausch der Kriegsgefangenen zog sich jedoch über Monate hin. Israel hoffte, auch ägyptische Juden, die seit 1954 wegen Spionage eingesperrt waren, sowie die Leichen exekutierter Agenten (unter anderem Eli Cohen) freizubekommen. Erschwert wurde der Austausch durch die Weigerung Syriens und Ägyptens, direkt mit Israel zu verhandeln.
Über die Gründe dieses Angriffs gibt es bis heute, trotz vielfacher offizieller Untersuchungen des Vorfalls durch die amerikanische Seite und dreimaliger Prüfung durch Israel, keine absolute Sicherheit. Eine Meinung zielt auf die relative Unerfahrenheit der nach dem Bombenangriff der IDF-Luftwaffe hinzugekommenen Torpedoboot-Besatzungen ab. Die andere Position spricht von einem gezielten Angriff auf das Schiff. Über die damit verbundenen Ziele gibt es nur Spekulationen. Der damalige Assistant Secretary of Defense for Command, Control, Communications, and Intelligence John Stenbit nannte den Vorfall 2003 mehrfach bei Erläuterungen von Strukturveränderungen in seinem Bereich als Beispiel für ein Versagen in der Kommunikation innerhalb des Ministeriums. Die Israelis hätten ein 24-Stunden-Ultimatum zum Abzug der Liberty unter Androhung der Versenkung gestellt. Diese Information habe die zuständige Stelle erst nach Ablauf der Frist erreicht, als das Schiff bereits angegriffen wurde. Das Motiv für das Ultimatum und seine rigorose Umsetzung bleibt unklar. Es gibt Spekulationen, dass die Israelis befürchteten, dass von der Liberty gesammelte Informationen durch sowjetisches Abhören oder auf anderem Weg hätten an den Feind gelangen können. Die Information über Vorbereitungen zum Angriff auf den Golan, die wenig später begannen und die von der Liberty kaum hätten übersehen werden können, hätte demnach auch um den Preis des Angriffs auf einen Verbündeten geschützt werden sollen. Eine andere Spekulation besagt, der Angriff sollte die US-Amerikaner vom Abhören des israelischen Funkverkehrs abhalten, um das Bekannt werden eines Massakers an ägyptischen Soldaten vor der Stadt Al Arish um jeden Preis zu verhindern.
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