Sechselaeuten.jpg Sechseläuten, schweizerdeutsch: Sächsilüüte ist ein Frühlingsfest in Zürich. Es findet Mitte April statt. Im Mittelpunkt des Festes steht die Figur Böögg, ein künstlicher Schneemann, der den Winter personifiziert.
| Brenndauer des Bööggs | |
| 2006 | 10 Min. 28 Sek. |
| 2005 | 17 Min. 52 Sek. |
| 2004 | 11 Min. 42 Sek. |
| 2003 | 5 Min. 42 Sek. |
| 2002 | 12 Min. 24 Sek. |
| 2001 | 26 Min. 23 Sek. |
| 2000 | 16 Min. 45 Sek. |
| 1999 | 23 Min. 52 Sek. |
| 1998 | 10 Min. 13 Sek. |
| 1997 | 7 Min. 30 Sek. |
| 1996 | 8 Min. ? Sek. |
| 1995 | 5 Min. 51 Sek. |
| 1994 | 21 Min. 55 Sek. |
| 1993 | 23 Min. 30 Sek. |
| 1992 | 10 Min. 13 Sek. |
| 1991 | 12 Min. ? Sek. |
| 1990 | 10 Min. 30 Sek. |
| 1983 | 24 Min. 20 Sek. |
| ... | |
| 1981 | 14 Min. 10 Sek. |
| ... | |
| 1974 | 5 Min. 7 Sek. |
Seit einigen Jahren erfreut sich ein weiteres, inoffizielles Element des Festes immer grösserer Beliebtheit: Hunderte von Leuten gesellen sich ab ca. 22 Uhr auf die Sechseläutenwiese, holen sich mit Schaufeln etwas Glut aus dem noch immer sehr heissen Holzstapel und braten darüber ihr selbst mitgebrachtes Grillgut. Auch bei kühler Witterung sorgt die Strahlungswärme des Scheiterhaufens für Lagerfeueratmosphäre mitten in der kühlen Jahreszeit. Das mehrheitlich jüngere, multikulturelle Publikum und die herrschende 68er-Stimmung kontrastieren dabei mit dem traditionell ablaufenden Fest tagsüber.
Zwölf der heutigen 26 Zünfte wurden im Mittelalter gegründet und waren Zusammenschlüsse verschiedener Handwerksvereinigungen, Innungen, Gilden, Korporationen und Meistergruppen, welche die Interessen ihres Gewerbes oder Standes vertraten. Die Zünfte waren wirtschaftliche, politische und militärische Organisationen, und besassen in Zürich grosse Macht. Aus ihren Vertretern wurde der Rat gebildet. 1798 nach 462 Jahren Vorherrschaft der Zünfte, wurden sie ihrer Macht entzogen. Nach dem Einmarsch der Franzosen unter der Devise "Liberté, Egalité, Fraternité" zu Deutsch: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" wurden die Zünfte aufgelöst. Die Zünfte verkauften mit wenigen Ausnahmen ihr Zunfthaus.
In der Zeit des Biedermeiers, als politische und berufsbezogene Aufgaben fehlten, suchten junge Zünfter innerhalb ihres Kreises neue Betätigungen. Ab 1818 begannen sie mit einfachen nächtlichen Umzüglein, die sich auch in den folgenden Jahren wiederholten, 1830 erstmals bei Tag. Seither bilden die Constaffel und die Zünfte Vereinigungen, «in welchen der alte Kern der Bürgerschaft die Liebe zur Vaterstadt, zur engern und weitern Heimat, einen gut bürgerlichen Sinn und das Verständnis für alte zürcherische Sitten, Gebräuche und Feste wachhält und pflegt». Kurz: Vereinigungen von Männern mit ähnlichen traditionellen Interessen.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine Gesellschaft, um "den gleichen Zwecken zu dienen wie die alten Zünfte". Dieser "Stadtzunft", wie sich die neue Gesellschaft nannte, folgten dann weitere Zünfte "der neuen Linie", die meisten in zwei Schüben, nämlich im Zusammenhang mit den Eingemeindungen von 1893 und 1934. Die Gründerväter der Quartierzünfte wollten sich einerseits bewusst zur Stadt bekennen, andererseits aber auch die Erinnerung an die ehemaligen Gemeinden wach halten.
| Name | Beschreibung | Gründung | Zunft-/ Gesellschaftshaus | Homepage |
|---|---|---|---|---|
| Gesellschaft zur Constaffel | Gesellschaft der Ritter und Edelleute | 1336 | Haus Zum Rüden | Homepage |
| Zunft zur Saffran | Zunft der Händler vor allem Textil-, Eisenwaren-, Lebensmittel- und Gewürzhändler | 1336 | Zunfthaus Zur Saffran | Homepage |
| Zunft zur Meisen | Zunft der Weinhändler, Weinwirte, Sattler und Maler | 1336 | Zunfthaus Zur Meisen | |
| Zunft zur Schmieden | Zunft der Eisen-, Kupfer-, Silber- und Goldschmiede, Kannengiesser, Schlosser, Uhrmacher, Glockengiesser, Spengler und Ärzte (Bader und Scherer) | 1336 | Zunfthaus Zur Schmiden | Homepage |
| Zunft zum Weggen | Zunft der Bäcker und Müller | 1336 | Restaurant Weisser Wind | Homepage |
| Vereinigte Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern | Zunft der Gerber und Schuhmachern | 1336, Vereinigung der beiden Zünfte 1877 | Hotel Savoy | |
| Zunft zum Widder | Zunft der Metzger und Viehhändler | 1336 | Hotel Widder | Homepage |
| Zunft zur Zimmerleuten | Zunft der Zimmerleute, Maurer, Wagner, Drechsler, Holzhändler, Steinmetze, Hafner und Rebbauern | 1336 | Zunfthaus Zur Zimmerleuten | Homepage |
| Zunft zur Schneidern | Zunft der Tuchausrüster, Kürschner und Schneider | 1336 | Zunfthaus Zum Königstuhl | Homepage |
| Zunft zur Schiffleuten | Zunft der Fischer und Schiffleute | 1336 | Hotel zum Storchen | Homepage |
| Zunft zum Kämbel | Zunft der Lebensmittelhändler und Weinfuhrleute | 1336 | Zunfthaus Zur Haue | Homepage |
| Zunft zur Waag | Zunft der Wollweber, Hutmacher, Leinenweber und Leinenhändler | 1336, Vereinigung mit der Zunft der Wollweber und der Zunft der Leinenweber 1440 | Zunfthaus und Restaurant Zur Waag | Homepage |
| Stadtzunft | 1867 | Zunftstube: Hotel Marriott | Homepage | |
| Zunft Riesbach | Zunft des Quartiers Riesbach | 1887 | Restaurant Zum Grünen Glas | Homepage |
| Zunft Fluntern | Zunft des Quartiers Fluntern | 1895 | (nur am Sechseläuten): Kunsthaus Restaurant | Homepage |
| Zunft zu den Drei Königen | Zunft des Quartiers Enge | 1897 | Kongresshaus, Dreikönigsaal | |
| Zunft Hottingen | Zunft des Quartiers Hottingen | 1897 | Zunfthaus Am Neumarkt | |
| Zunft zu Wiedikon | Zunft der Quartiers Wiedikon | 1897 | Gasthof zum Falken/Falcone | Homepage |
| Zunft Wollishofen | Zunft des Quartiers Wollishofen | 1900 | Restaurant Belvoirpark | |
| Zunft Hard | Zunft der Quartiere Aussersihl und Hard | 1922 | Restaurant Werdguet | Homepage |
| Zunft Oberstrass | Zunft des Quartiers Oberstrass | 1925 | Taverne zur Linde | Homepage |
| Zunft St. Niklaus | Zunft der Quartiere Affoltern, Oerlikon und Seebach | 1933 | Restaurant Carlton | Homepage |
| Zunft Höngg | Zunft des Quartiers Höngg | 1934 | Restaurant Mülihalde/Desperado | Homepage |
| Zunft zur Letzi | Zunft der Quartiere Altstetten und Albisrieden | 1934 | Restaurant Letzistube/Zum Turm Am Sechseläuten: Bahnhofbuffet, Au Premier | Homepage |
| Zunft Schwamendingen | Zunft des Quartiers Schwamendingen | 1975 | Gasthof Hirschen Am Sechseläuten: Hotel Glockenhof | Homepage |
| Zunft Witikon | Zunft des Quartiers Witikon | 1980 | Zunftstube: Restaurant Elefant Am Sechseläuten: Hotel Schweizerhof | Homepage |
Jede Zunft besitzt ein Zunfthaus oder eine Zunftstube in der das ganze Jahr über die Anlässe und Veranstaltungen der jeweiligen Zunft stattfinden. Diese Zunftstuben liegen zum grössten Teil in der Zürcher Altstadt, einige Zünfte, besonders Quartierzünfte, besitzen mehr als ein Zunftlokal und beziehen am Sechseläuten auch ein Lokal in der Altstadt.
Zum Zeichen des Frühlings ist in Zürich am ersten Montag, welcher auf die Tagundnachtgleiche folgte, Abends um 6 Uhr das erste Mal die Feierabendglocke beim Grossmünster geläutet worden, was Anlass für das Frühlingsfest war. Das Verbrennen eines Bööggs vor der Lindenhofmauer am Abhang gegen die Limmat fand schon im 18. Jahrhundert statt. Der "Böögg" war ursprünglich eine vermummte Schreckgestalt; diese Bezeichnung ist in Zürich schon seit dem 15. Jahrhundert belegt. Bööggen sind Larven tragende oder sonst vermummte Personen, die Kinder erschrecken, Unfug treiben oder bettelnd durch die Strassen ziehen.
Im frühen 19. Jahrhundert verbrannten Buben im Kratzquartier (Fraumünsterquartier) Strohpuppen zur Zeit der Tagundnachtgleiche im Frühjahr. Aus dem Sechseläutenfeuer im Kratz, das seit 1868 ein Anwohnerverein organisierte, entwickelte sich die heutige Verbrennung des Bööggs. Auch verschiedene weitere Private verbrannten ihren Böögg, so z.B. brachten 1873 die Zöglinge der Zürcher Blinden- und Taubstummmenanstalt eine von ihnen aus alten Kleidern und Stroh gebastelte Figur, die sie als Dieb bezeichneten, vor ihren Direktor und verbrannten sie nach dessen Urteilsspruch am Sechseläutentag.
Wurden im 19. Jahrhundert als verschiedenste Figuren an verschiedenen Orten hingerichtet, kennt das 20. Jahrhundert nur mehr die Vernichtung eines Schneemanns, der den Winter symbolisiert. Seit 1904 wurde der Böögg auf dem Platz der 1897 abgebrochenen alten Tonhalle verbrannt; 1947 hat der Stadtrat den Tonhalleplatz in Sechseläutenplatz umbenannt.
Da Frauen im offiziellen Sechseläuten-Umzug mit Ausnahme offiziell geladener Gäste nicht mitmarschieren dürfen, organisiert die Zürcher Frauenzunft einen eigenen Umzug ca. eine halbe Stunde vor dem Zug der Zünfte.
2006 wurde der Böögg von der Fertigungstätte in Stäfa entwendet. Ein Bekennerschreiben wurde von der Gruppe "1. Mai - Strasse frei" hinterlegt. Am Sechseläuten kam ein Ersatzböögg zum Einsatz, der eigentlich für den Kinderumzug gedacht war. Der originale Böögg tauchte an der Erster-Mai-Feier am Helvetiaplatz wieder auf, verschwand später wieder. Einen Tag danach, am 2. Mai wurde er von der Zürcher Kantonspolizei in einem Bunker eines Schulhauses in der Zürcher Innenstadt gefunden und in der Stadtgärtnerei untergebracht. Von dort ist er am 21. Mai zum zweiten Mal von der Gruppe "1. Mai - Strasse frei" entwendet worden.
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