La_coppia.jpg Mit dem Adjektiv "schwul" werden primär Dinge bezeichnet, die mit der männlichen Homosexualität zu tun haben. Häufig geschieht die Bezeichnung in einem kulturellen und nicht primär sexuellen Zusammenhang. Das Substantiv ist "Schwuler". Obwohl „schwul“ oft mit dem englischen „gay“ übersetzt wird, ist der männliche Bezug von „gay“ nicht ganz so eindeutig, in der Tendenz aber schon vorhanden.
Auch das Wort "schwul" (drückend heiß; in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert schwül als Parallelbildung zu "kühl" oder von „Schwulität“ = Schwierigkeit, Bedrängnis, peinliche Lage) wurde ursprünglich abwertend gebraucht. Die Schwulenbewegung der frühen siebziger Jahre nahm bewusst das deutsche Schimpfwort "schwul" als Begriff für homosexuelle Männer, da es in der deutschen Sprache keinen positiven Begriff für sie gab, und drängte die abwertende Bedeutung zurück. Dieses nun als Identifikationsbegriff verwendete Wort sollte die bis dahin verwendeten diskriminierenden Begriffe mit vulgärem, medizinischem oder verleumderischen Hintergrund ablösen. Eine ähnliche Entwicklung hat auch das englische Wort Queer erfahren, das aber keinen rein männlichen Bezug hat. Gleichwohl hat "schwul" in der Jugendsprache (siehe Abschnitt unten) immer noch eine pejorativ gemeinte Bedeutung.
Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum so genannten Coming out. Mittlerweile wird das Coming out in zwei Phasen beschrieben. Die erste Phase ist die Phase des "Sich-bewusst-Werdens" oder "Sich-Selbst-Eingestehen", stellt also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung dar, dass man für die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das "Sich-Erklären", also den Schritt nach außen, das Coming out bei Familie, Freunden und / oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren über ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Das Coming out kann manchmal in eine Lebenskrise führen, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann (Anmerkung: Diese Lebenskrisen werden aber nicht von der Sexualität an sich ausgelöst, sondern vor allem von nicht vorhandener sozialer Akzeptanz, unter der homosexuelle Menschen immer noch häufig leiden oder unter deren Zwängen sie aufwachsen müssen). Beratungsstellen in den größeren Städten können auch für Angehörige, wie z.B. Eltern Hilfe leisten. Viele Eltern kommen mit dieser Gewissheit: "Mein Kind ist schwul" nicht zurecht, deshalb versuchen sie, dies zu verdrängen.
Daneben steht nach wie vor die spezifischere, abwertende Verwendung für vermeintlich "homosexuelles" Verhalten, beispielsweise für männliche Jugendliche, die sich "weiblich" verhalten, Frauenrollen zugesprochene Gesten benutzen oder eine Frauen zugesprochene Wortwahl treffen.
Im Dialekt, v.a. in Norddeutschland, spricht man auch teilweise von einer Schwumse/Schwutte/Schwuchtel. Auch diese Begriffe sind häufig negativ besetzt.
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