„Schwerstbehindert ist immer eine komplexe Beeinträchtigung (...). Die Zuordnung zu einem sogenannten Leitsymptom im Sinne einer klassischen Behinderung wie körperbehindert, geistigbehindert, sinnesgeschädigt wird nicht vorgenommen (...)“ (Fröhlich, 1991).
In den letzten Jahrzehnten haben sich eine Vielzahl von Beschreibungsversuchen zum Begriff Schwerste Behinderung herauskristallisiert. Mit der Zeit kamen immer mehr neue Perspektiven hinzu, so dass sich die Definitionen weiter entwickelten.
Haupt und Fröhlich verstanden 1982 unter Schwerster Behinderung, im Gegensatz zu einer schweren Behinderung folgendes:
„Als schwerstbehindert werden körperbehinderte Kinder bezeichnet, die in allen Hauptbereichen der Entwicklung (psychomotorisch, emotional, kommunikativ, sozial, kognitiv) extreme Entwicklungsbeeinträchtigungen aufweisen. Es handelt sich um Kinder
Hans Jürgen Pitsch(2003) beschreibt kurz die Positionen Thalhammers und des Kollegiums seiner früheren Schule, wie schwere und schwerste Behinderung unterschieden werden:
Pragmatische Übereinkunft des Kollegium
| schwer | Wessen Verhalten durch verbale Hinweise aus der Distanz nicht zu steuern ist. |
| schwerst | Gezielte Bewegungen sind nur unter körperlicher Hilfestellung (z.B. Führen) möglich |
Thalhammer
| schwer | "ausdrucksfähige" Geistigbehinderte |
| schwerst | "eindrucksfähige" Geistigbehinderte |
Speck, G.-P. Hahn und Thesing/Vogt fassen nach Hans Jürgen Pitsch(2003) beide Formen zusammen.
Von solch einem defizitorientierten Definitionsansatz entwickelte sich die Sicht eines kompetenzorientierten Ansatzes. Man gelangt zur Darstellung ihrer Fähigkeiten:
Die Ursachen Schwerster Behinderung lassen sich nach dem Stand des heutigen medizinischen Wissens nicht genau festlegen.
„Vielmehr muss man sich an den allgemein bekannten Ursachen von Behinderungen orientieren. Damit ist die gesamte Breite von genetischen, chromosomalen, metabolischen, neurologischen und traumatischen Ursachen einzubeziehen. Dies gilt für die Pränatalzeit, Perinatalzeit und die nachgeburtliche Periode. Darüber hinaus können schädigende Ereignisse in jedem Lebensalter zu Formen schwerster Behinderung führen“ (Fröhlich, 1991).
Es handelt sich dabei um eine Verkettung von mehreren Umständen und nicht nur um eine bestimmte entscheidende Ursache.
Für Feuser spielen neben den medizinischen Faktoren außerdem noch die gesellschaftlichen Einflüsse eine entscheidende Rolle. Er sieht zusammenfassend Schwerste Behinderung als Ausdruck der Aneignung von Welt innerhalb von Wechselprozessen zwischen den organischen Voraussetzungen des Individuums und den gesellschaftlichen Bedingungen (vgl. Feuser, 1979).
Die Förderung schwerstbehinderter Menschen baut auf besondere Bedürfnisse dieser auf:
Haupt sieht als eine Möglichkeit der Förderung folgendes:
„(...) entwicklungsanaloge Förderung geschieht in dem Bewusstsein, dass Analogie nicht Gleichheit ist. Schwerstbehinderte Schüler sind nicht Säuglinge, sind nicht Kleinkinder. Die Entwicklung schwerstbehinderter Kinder weist Analogien zur Entwicklung nichtbehinderter Kinder auf und andere Möglichkeiten, kreative Lösungen der Lebensenergie im vernetzten Organismus für Kommunikation, Interaktion und Lernen“ (Haupt, 1996).
Trotz aller zusammenfassenden Personenbeschreibungen darf nicht außer acht gelassen werden, dass Menschen mit schwerster Behinderung Individuen, ganz eigenständige Menschen sind.
Der Mensch versucht Zeit seines Lebens „seinen individuellen Weg zu gehen und seine Identität zu wahren“ (vgl. Hannich, 1994).
Man kann daher sagen, dass es für den Begriff „Schwerste Behinderung“ keine allgemeingültige Definition gibt.
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