Schwelm ist die flächenmäßig kleinste
Stadt in
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland und die
Kreisstadt des
Ennepe-Ruhr-Kreises.
Die Stadt befindet sich im Bereich des
Regionalverband-Ruhr.
Geografie
Schwelm liegt am südlichen Rand des östlichen
Ruhrgebiets in
Westfalen an der Grenze zum
Bergischen Land. Aus diesem Grund wird es auch als "
Pforte Westfalens" bezeichnet und insbesondere bei älteren Namensnennungen findet sich der Zusatz i.W. (in Westfalen).
Schwelm liegt zwischen Wuppertal, Ennepetal, Gevelsberg und Sprockhövel
Stadtgliederung
Die Stadt Schwelm gliedert sich in 13 sogenannte
Nachbarschaften (Aechte de Muer, Brunnen, Fronhof, Linderhausen, Loh, Möllenkotten, Oberstadt, Oehde, Ossenkamp, Parlament, Rote Wasser, Winterberg, Zur alten Post) die jährlich das
Schwelmer Heimatfest ausrichten. Die Namen der Nachbarschaften sind teils
Schwelmer Platt und leiten sich von
geografischen,
historischen oder
architektonischen Besonderheiten ab. Sie stellen allerdings keine
Stadtbezirke im eigentlichen Sinne dar.
Bekanntgeworden ist die Nachbarschaft Oberstadt durch das Lied Spiel nicht mit den Schmuddelkindern von Franz Josef Degenhardt. In der Oberstadt wohnen (dem Lied zufolge) die "guten Kinder".
Geschichte
Schwelm_Stadtansicht.JPG
Die Geschichte von Schwelm lässt sich bis ins
Mittelalter zurückverfolgen. Schon um 900 n. Chr. taucht der Name "Suelmiu" als altgriechische Gewässerbezeichnung für den Bach, die heutige
Schwelme auf, die für Ort schließlich namensgebend war. Als ältestes Stadtgebiet gilt der Fronhof, in dessen Höhe sich schließlich auch der Altmarkt und die Kirche bildeten. Urkundlich wurden diese erstmals 1085 erwähnt. Lange Zeit in kurkölnischer Hand, geriet das Landstück Schwelm schließlich in den Besitz der Grafen von der Mark.
Die Stadtrechte wurden Schwelm erstmals 1496 verliehen.
5 Jahre später wurden Schwelm die Stadtrechte wieder entzogen, da die Schwelmer den Zorn des Landesherren auf sich gezogen hatten. Trotzdem blieben Bürgermeisteramt und Bürgerrat weiter bestehen. Das war auch nötig denn es tobten viele schwere und minder schwere Stadtbrände in der Stadt, die einen fähigen Krisenstab erforderte. Am 16. Juni 1590 wurden dann wiederum die Stadtrechte an Schwelm zurück verliehen und diesmal verweilten sie auch bei dieser.
Seit 1929 ist Schwelm Kreisstadt.
Politik
Der Stadtrat setzt sich wie folgt zusammen:
- CDU: 18 Sitze
- SPD: 13 Sitze
- Grüne: 5 Sitze
- Bürger für Schwelm (BFS) 4 Sitze
- Schwelmer Wählergemeinschaft e.V. (SWG): 4 Sitze
- FDP: 3 Sitz
- NPD: 1 Sitz
Bürgermeister ist Dr. Jürgen Steinrücke (CDU), 1. Stellvertretender Bürgermeisterin Christiane Sartor (CDU) und 2. Stellvertretender Bürgermeister Günter Dresen (SPD).
Schwelm hat keine Städtepartnerschaften.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten
Haus Martfeld
Haus Martfeld (auch
Schloss Martfeld genannt) ist eine ehemalige Burganlage der Ritter Wandhoff. Das
Rittergut ist seit dem
14. Jahrhundert nachweisbar. Zum
Haus Martfeld gehört ein spätmittelalterlicher
Wehrturm von
1450 und ein
Torturm von
1627. Durch mehrere Umbauten und Verfall hat sich das Erscheinungsbild der Anlage stark gewandelt. Im
18. Jahrhundert wurde der Westflügel abgerissen und das Gebäude mit Stilelementen der bergischen Bürgerhausarchitektur versehen. Der Park, in dem das Gebäude heute liegt und auch die
Kapelle wurde im
19. Jahrhundert von
Friederike von Elverfeldt angelegt. Der Name
Martfeld leitet sich von dem Begriff für
sumpfiges Feld ab. Haus Martfeld dient heute als
heimatgeschichtliches Museum.
Schwelmer Brauerei
Eines der ältesten Gebäude Schwelms ist das Verwaltungsgebäude der
Brauerei Schwelm (ehemals
Haarmann & Kathagen). Das so genannte Rietz´sche Haus steht mitten im Stadtzentrum und wurde
1701 gebaut. Seit
1830 wird in Schwelm
Bier gebraut, die Brauerei Schwelm zählt zu den wenigen
Privatbrauereien in
Deutschland. Die Brauerei war eine der erste Brauereien weltweit, die von
Holzfässern auf (vom
Schwelmer Eisenwerk entwickelte)
Email-Metallfässer umstellte.
Christus Kirche
Die Schwelmer Christuskirche gilt als die
Kirche (nicht Dom) mit den höchsten Kirchtürmen, sowie als größte Hallenkirche in Westfalen.
Schwelmer Altstadt
In der Altstadt haben nur wenige Häuser die verheerenden Stadtbrände des 18. Jhds. überstanden.
Bild:Schwelm Martfeld Ansicht 1.jpg|Haus Martfeld
Bild:Schwelm Martfeld Torturm.jpg|Torturm Haus Martfeld
Bild:Schwelm Brauerei Verwaltungsgebäude.jpg|Brauerei Verwaltung
Bild:Schwelm Christuskirche Nacht.jpg|Türme der Christuskirche bei Nacht
Regelmäßige Veranstaltungen
Schwelmer Heimatfest
Regelmäßig findet am 1. Septemberwochende das
Schwelmer Heimatfest statt. Es hat ca. 40.000 Besucher. Höhepunkt ist neben der
Kirmes ein
Umzug von
Motivwagen ähnlich dem beim
Kölner Karneval. Das Heimatfest hat jedes Jahr ein neues Motto auf plattdeutsch. Im Jahr 2005 war es "Et giet nix wat et nich giet" (
Es gibt nicht was es nicht gibt). Das Motto für 2006 lautet " Vie stellt wat oppe Beene ".
Trödelmarkt
Eine weitere regelmäßige Veranstaltung in Schwelm ist der große Trödelmarkt, der jedes Jahr im Mai und im Oktober stattfindet. Zu diesem Trödelmarkt kommen meist ca. 35.000-40.000 Besucher. Er ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Parallel dazu findet ein verkaufsoffener Sonntag statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die wirtschaftliche Situation Schwelms ist problematisch, da in den letzten Jahren viele örtliche Unternehmen schlossen oder Entlassungen vornahmen. Die Arbeitslosenquote lag mit 8,4 % (Stand 2003) noch leicht unter dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen.
Bekannte Schwelmer Unternehmen sind neben der Brauerei:
- die Klavierfabrik Rud. Ibach Sohn, die seit 1794 Klaviere herstellt und damit Deutschlands ältester Klavierhersteller ist. Das Unternehmen ist im Familienbesitz.
- das Schwelmer Eisenwerk war bis in die 60er Jahre des 20. Jhds. weltweit einer der führenden Hersteller von Benzinzapfsäulen für Tankstellen. Selbst in den U.S.A. konnte man die Säulen finden. Das Schwelmer Eisenwerk war auch einer der ersten Produzenten von emaillierten Stahlfässern, die um 1905 die bis dahin gebräuchlichen hölzernen Bierfässer ablösten.
- Die gepa (jetzt in Wuppertal) wurde als Gesellschaft für fairen Handel mit der so genannten Dritten Welt in Schwelm gegründet und ist heute die größte Fair-Handelsorganisation in Europa.
Sport
Als Sportteams in Schwelm werden vor allem der ehemalige Basketball-Bundesliga-Verein Union Baskets, und der Fußball-Landesligist, der VfB Schwelm, in den Vordergrund gestellt.
Öffentliche Einrichtungen
Schwelm ist Sitz des für die Städte Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg und Schwelm zuständigen
Amtsgerichts.
Verkehr
Die Lage von Schwelm ist äußerst verkehrsgünstig. Die Stadt liegt an den Autobahnen A 1, A 43 und A 46 und wird durchquert von der B7 und der B 483.
Die Stadt hat einen Bahnhof, der an der Eisenbahnstrecke von Wuppertal nach Hagen in Westfalen liegt. Außerdem gibt es einen zweiten S-Bahnhof, Schwelm West.
Es fahren folgende Linien des SPNV in NRW in Schwelm:
- RE4 (WupperExpress) von Aachen über Mönchengladbach, Düsseldorf, Wuppertal, Hagen, Witten nach Dortmund.
- RE7 (Rhein-Münsterland-Express) von Krefeld über Köln, Solingen, Wuppertal, Hagen, Unna, Hamm, Münster nach Rheine
- RE13 (Maas-Wupper-Express) von Venlo über Mönchengladbach, Düsseldorf, Wuppertal, Hagen, Unna nach Hamm.
- S8 von Mönchengladbach über Düsseldorf, Wuppertal nach Hagen, weiter als S5 nach Dortmund über Witten.
Die direkte Verbindung der Stadt mit dem Ruhrgebiet über die Eisenbahnstrecke Witten-Schwelm wurde 1980 endgültig stillgelegt. Heute gibt es eine regelmäßige Schnellbusverbindung, Linie SB37, nach Bochum.
Die Stadt gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr an. Außerdem gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe für Fahrten in deren Verkehrsgebiet. Der Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg gilt als Übergangstarif bis Köln.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Folgende Personen sind in Schwelm geboren (Auflistung chronologisch nach Geburtstag):
- 1899, 23. Juli, Gustav Heinemann, † 7. Juli 1976 in Essen, Politiker (CDU, SPD), MdB, MdL (Nordrhein-Westfalen), Bundespräsident (1969-74), Bundesminister, NRW-Landesminister
- 1926, 31. Januar, Johannes Joachim Degenhardt, † 25. Juli 2002 in Paderborn, Kardinal und Erzbischof
- 1931, 3. Dezember, Franz Josef Degenhardt, Liedermacher
- 1950, 13. Oktober, Rolf Rüssmann, Fußballspieler und Manager
- 1959, 17. Juni, Judith Kuckart, Schriftstellerin
Literatur
- Petra Gallmeister, Wolfgang Fenner, Claudia Menne: Schwelm. (Vorwort von Rainer Döring), Stadt Schwelm (Hg.). Born, ISBN 3-87093-077-2
Weblinks
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