Schwefelhexafluorid ist eine
anorganische,
chemische Verbindung aus den
Elementen Schwefel und
Fluor mit der
Summenformel SF
6. Es ist unter Normalbedingungen ein
farb- und geruchloses, ungiftiges Gas, das unbrennbar ist und sich äußerst reaktionsträge, ähnlich wie
Stickstoff, verhält.
Gewinnung und Darstellung
Schwefelhexafluorid kann direkt aus den elementaren Verbindung, durch Umsetzung von elementarem Schwefel (S
8) im Fluorgasstrom (F
2) synthetisiert werden. Die Reaktion verläuft stark
exotherm.
Neben SF6 bilden sich bei diesem Syntheseweg auch weitere Schwefelfluoride, wie zum Beispiel Dischwefeldecafluorid (S2F10). Daher wird bei der technischen Herstellung das Gas auf 400 °C erhitzt, wodurch eine Disproportionierung von Dischwefeldecafluorid in Schwefelhexafluorid und Schwefeltetrafluorid (SF4) erfolgt.
Durch Waschen des Gasgemisches in Lauge wird das Schwefeltetrafluorid zerstört, während SF6 durch die Lauge nicht angegriffen wird.
Durch anschließende Druckdestillation wird das reine SF6 abgetrennt.
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Schwefelhexafluorid ist unter Normal- und Standardbedingungen gasförmig. Es ist ca. 5 mal dichter als
Luft. Sein Schmelzpunkt liegt bei -50,8 °C, der
Sublimationspunkt bei -63,8 °C. Die
kritische Temperatur beträgt 45,55 °C und der kritische Druck liegt bei 3,76 MPa.
Chemische Eigenschaften
Die sechs Fluoratome sind perfekt
oktaedrisch um das zentrale Schwefelatom angeordnet, die Bindungslänge beträgt jeweils 156,1
pm. Aufgrund seiner Struktur (der Schwefel ist
koordinativ abgesättigt) ist es praktisch
inert (reaktionsträge) und verhält sich chemisch dadurch ähnlich wie elementarer Sticktstoff (N
2) oder die
Edelgase. Es ist nahezu unlöslich in Wasser und nicht entflammbar.
Reaktionen von SF6 sind einzig mit Natrium in flüssigem Ammoniak zu Natriumsulfid (Na2S) und Natriumfluorid (NaF)
sowie die Komproportionierung mit Schwefelwasserstoff (H2S) zu elementarem Schwefel und Fluorwasserstoff (HF) bekannt.
SF6 ist weiterhin isoelektronisch zu den Anionen Hexafluorophosphat (PF6-), Hexafluorosilicat (SiF62-) und Hexafluoroaluminat (AlF63-).
Verwendung
Da Schwefelhexafluorid sehr reaktionsträge ist, wird es als
Isolationsgas in der
Hochspannungstechnik eingesetzt, z.B. in
Hochspannungsschaltern in Schaltanlagen wie auch in komplett gekapselten Schaltanlagen von 6 kV bis 800kV. Dort dient es auch als
Löschgas, um den Schalt
lichtbogen zu unterbrechen. Die
Durchschlagsfestigkeit ist bei Atmosphärendruck fast dreimal höher als Luft oder Stickstoff. Diese geringen
dielektrischen Verluste machen es als
Schutzgas in
Koaxialkabeln geeignet. Zur Befüllung von Autoreifen wurde es bis etwa zum Jahr 2000 eingesetzt, dort wurde aus Kosten- und Umweltgründen auf die Befüllung mit dem
Reifengas Stickstoff umgestellt.
Weiterhin wird SF
6 in Halbleiter-, Displaytechnik und Mikrotechnik eingesetzt. Im Halbleiterbereich dient es als Ätzgas und wird als Isoliergas beim Routinetesten mikroelektronischer Schaltkreise im Rahmen der Qualitätssicherung verwendet. Außerdem wird es zum Reinigungsätzen eingesetzt. Dies ist auch das primäre Einsatzgebiet von SF
6 im Display-Bereich. In der Mikrotechnik ist SF
6 ein Schlüsselmedium im sehr verbreiteten
DRIE-Prozess (DRIE-Prozess =
Deep Reactive Ion Etching).
Weiterhin verwendet man SF
6 in großem Umfang als Schutzgas bei der technischen Erzeugung von
Magnesium. Das spezifisch schwere SF
6 verhindert hier den Kontakt der heißen Metallschmelze mit der Luft. Prozessbedingt werden bei dieser Anwendung sehr große SF
6-Mengen in die Atmosphäre abgegeben.
Einfluss auf die Umwelt
Laut einer Studie des
Intergovernmental Panel on Climate Change (
Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) ist Schwefelhexafluorid das stärkste bekannte
Treibhausgas. Sein
Treibhauspotenzial ist etwa 23.900 mal größer als das von
Kohlenstoffdioxid (CO
2). Aufgrund der sehr geringen Konzentration von SF
6 in der
Erdatmosphäre (ca. 0,005
ppb volumenbezogen, was 0,12 ppmV-CO
2-Äquivalent entspricht.; CO
2 ca. 365 ppm) wird sein Einfluss auf die
globale Erwärmung jedoch als äußerst gering betrachtet.
Kurioses
Zu einem interessanten Effekt kommt es, wenn SF
6 eingeatmet wird. Im Gegensatz zu
Helium erhält man wegen einer wesentlich höheren spezifischen Masse von SF
6 als Luft eine tiefe Stimmlage. Vor derartigen Experimenten wird ausdrücklich gewarnt, da Schwefelhexafluorid die Abatmung des Kohlendioxids behindert. Die Gefahr einer
Kohlendioxidnarkose oder eines Atemstillstandes ist größer als bei der Verwendung anderer sauerstofffreier Gase wie Stickstoff oder Helium. Hintergrund ist die geringere
Diffusionsgeschwindigkeit von Gasen in Schwefelhexafluorid, das auf Grund seines großen
Stoßquerschnitts und seines hohen Molekulargewichtes die
mittlere freie Weglänge herabsetzt.
Literatur
- Holleman A.F., Wiberg E.: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Aufl., S. 561 ff, de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9
Weblinks
Chemische Verbindung
Sulfur hexafluoride | Rikkiheksafluoridi | Hexafluorure de soufre | 六フッ化硫黄