Der Schwedisch-Polnische Krieg, auch Erster Nordischer Krieg und in Polen Schwedische Sintflut (pln. Potop Szwedzki) genannt, von 1655-1660 war ein militärischer Konflikt um die Vorherrschaft im Baltikum (siehe auch Nordische Kriege).
Schweden und Polen waren schon seit der Absetzung Sigismund III. als schwedischer König im Jahr 1599 in schwere kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Es ging um den Besitz der baltischen Küstenregionen Estland und Livland. Riga, Dorpat, große Teile von Kurland, Königsberg und wichtige preußische Küstengebiete fielen in schwedische Hand.
Zum anderen hatte Polen die Zeit der Wirren in Russland genutzt, um große Gebiete im Westen des Russischen Reiches zu annektieren. 1648 begann in der von Polen besetzten Ukraine ein Kosakenaufstand unter der Führung ihres Atamans Bohdan Chmelnyzkyj, durch den Polen einen Großteil seiner eroberten Gebiete wieder verlor. Als die schwedische Königin Christina I. am 16. Juni 1654 abdankte, machte der polnische König Johann II. Kasimir, ein Urenkel des Königs Gustav I. und letzter lebender Wasa, Ansprüche auf den schwedischen Thron geltend.
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Ostpreußen von der polnischen Krone als Lehn erhalten hatte, war notwendigerweise in den Krieg einbezogen. Er hatte das geplante Bündnis mit Schweden aufgegeben, weil ihm dessen Forderungen auf den Stettiner Verhandlungen zu hoch erschienen. Brandenburg zog alle Truppen aus Cleve und Brandenburg nach Ostpreußen, ließ in dieser Provinz Milizen, die so genannten "Wybranzen", aufbieten und schloss im November mit den Ständen des polnischen Preußens in Rinsk einen gegenseitigen Verteidigungspakt. Auf diese Weise im Rücken bedroht wandte sich Karl X. Gustav nach Preußen, drängte die Brandenburger bis unter die Mauern von Königsberg und erzwang am 17. Januar 1656 den Vertrag von Königsberg.
In diesem Vertrag nahm der Kurfürst Preußen als schwedisches Lehen an und kappte die Verbindung mit den westpreußischen Ständen. Er musste sein Land den durchziehenden schwedischen Truppen und die Häfen den schwedischen Schiffen öffnen. Auch trat Brandenburg dem König die Hälfte der einträglichen Seezölle ab. Dafür erhielt Brandenburg das Bistum Ermland als schwedisches Lehen.
Der erbitterte Widerstand der polnischen Adligen, die ihre Eide gegen die Schweden brachen, die Rückkehr des Königs Johann II. Kasimir sowie der nationale Fanatismus der Polen führte zu einer prekären Lage für den schwedischen König, der daraufhin die Hilfe der Brandenburger benötigte. Nachdem sich Friedrich Wilhelm in Königsberg zwar zur Neutralität, nicht aber zur Mitwirkung am Krieg gegen Polen verpflichtet hatte, wurde am 23. Juni 1656 in Marienberg ein neuer Vertrag geschlossen. In diesem Vertrag verpflichtete sich der Kurfürst für die Überlassung des Bistums Ermland und vier großer polnischer Wojwodschaften mit seiner ganzen Macht als freier Bundesgenosse dem König zu Hilfe zu ziehen.
Trotz der bedeutenden Überzahl der Polen und den verbündeten Tataren erreichten die Schweden und Brandenburger zwischen dem 28. und 30. Juli einen großen Sieg bei Warschau. Im Anschluss daran zeigte sich die schwedische Schwäche: der fehlende Nachschub an Truppen und Material. Den Polen zogen bald neue große Scharen zu, auch der russische Zar trat auf ihre Seite und drang in das schwedische Livland ein. Der brandenburgische General Graf Waldeck erlitt im Oktober am Lyck eine Niederlage, König Johann II. Kasimir eroberte Danzig. In dieser Not entschloss sich Karl X. Gustav sogar dazu, dem Kurfürsten im Vertrag zu Labiau (20. November 1656) die Souveränität über ganz Preußen zuzugestehen.
Noch einmal unternahm der schwedische König einen Zug durch ganz Polen, um mit seinem neuen Bundesgenossen, dem Fürsten von Siebenbürgen Georg II. Rakoczy zusammenzutreffen. Vor den Toren der Stadt Tschenstochau wurde er aber gestoppt.
Nach einer erfolgreichen Offensive der antischwedischen Koalition schlugen England und Frankreich Friedensverhandlungen vor.
Brandenburg musste sich aus den besetzten schwedischen Gebieten in Pommern, Holstein und Schleswig zurückziehen, erlangte aber gleichzeitig die endgültige Souveränität über das Herzogtum Preußen und erwies sich während des Krieges als militärischer und politischer Machtfaktor. Frankreich übernahm die Garantie der Einhaltung des Friedens.
Nordische Kriege | Polnische Militärgeschichte | Brandenburgische Geschichte
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