Als Kleinspannung, umgangssprachlich auch Niedervolt oder Schwachstrom, werden in der Elektrotechnik Wechselspannungen bis 50 Volt und Gleichspannungen bis 120 Volt bezeichnet.
Es wird unterschieden zwischen:
SELV, früher „Schutzkleinspannung“, ist eine Form der Kleinspannung, die als Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag dient.
Bei SELV ist kein Schutzleiter vorhanden. Metallische Gehäuse dürfen nicht geerdet werden. Die Spannung wird so klein gewählt, dass elektrische Körperströme ohne Folgen bleiben. Die Spannungsquelle muss ein Inselbetrieb sein, zum Beispiel ein Fahrraddynamo oder eine Batterie. Soll ein Transformator verwendet werden, ist er so zu bauen, dass ein Kurzschluss zwischen Primärwicklung und Sekundärwicklung nicht möglich ist. Die Wicklungen werden nur übereinander auf einen Kern gelegt, wenn dazwischen eine gesonderte Wicklung gelegt ist, die geerdet ist. Ansonsten sind die Anschlüsse so herauszuführen, dass sie sich nicht berühren können. Die Prüfspannung beträgt 3 kV.
Ist die Nennspannung bei Wechselspannung kleiner als 25 V beziehungsweise bei Gleichspannung kleiner als 60 V, so erübrigt sich bei SELV ein Schutz gegen direktes Berühren. Ist die Spannung höher, muss ein Schutz gegen direktes Berühren sichergestellt werden, zum Beispiel durch Isolierung, Abdeckungen oder Umhüllungen.
Bekannte Anwendungen von SELV sind Klingeltransformatoren und Trafos für die Modelleisenbahn. Bei Kinderspielzeug darf eine Wechselspannung nicht 50 V, sondern maximal 24 V betragen.
Bei Arbeiten in engen Räumen und gefährdeten Bereichen zum Beispiel im Innern von Kesseln und Tanks ist der Gebrauch einer Netzspannungsversorgung in Form von Schutzkleinspannung von 42 V üblich.
PELV, früher „Funktionskleinspannung mit sicherer Trennung“, ist ebenfalls eine Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag.
Aktive Teile und Körper der Betriebsmittel dürfen im Gegensatz zu SELV geerdet und mit dem Schutzleiter verbunden sein. Sichere Trennung bedeutet, dass der Primärstromkreis des Transformators von seinem Sekundärstromkreis durch eine doppelte oder verstärkte Isolierung getrennt sein muss.
PELV wird eingesetzt, wenn aus betrieblichen Gründen aktive Leiter der Kleinspannung oder die Körper der Betriebsmittel geerdet werden müssen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man einen Potenzialausgleich zur Vermeidung von Funkenbildung in Behältern und explosionsgefährdeten Räumen realisieren muss. Durch die Gehäuseerdung können aber unabhängig von der Kleinspannung gefährliche Ableitströme über den Körper fließen, wenn Störungen im übergeordneten Netz auftreten.
Doppelte oder verstärkte Isolierungen sind nicht vorgesehen. Erdungen sind ebenso zulässig wie Verbindungen mit Schutzleitern.
Typische Anwendungen sind Steuerungen von Maschinen. Deren Funktion erfordert bei Kleinspannung eine weniger aufwändige Isolierung. Die Erdung des Sekundärkreises verhindert die Selbsteinschaltung von Schützen. Ein Körperschluss oder Erdschluss der spannungsführenden Leiter führt zu einer Abschaltung der Überstromschutzorgane. In nicht geerdeten Sekundärkreisen können dagegen Doppelkörperschlüsse oder Erdschlüsse auftreten (zum Beispiel vor und hinter den Schaltgeräten), die zur Selbsteinschaltung führen.
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