Pforta_Klosterkirche.jpg Die Landesschule Pforta in Schulpforte, einem Ortsteil der Stadt Bad Kösen, ist ein Internatsgymnasium an der Saale, etwa 3 km südwestlich von Naumburg (Saale) mit einer bis in das 16. Jahrhundert zurückgehenden Geschichte.
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1540 durch Herzog Heinrich V. v. Sachsen geschlossen. Nach längeren Verhandlungen über die weitere Nutzung der Gebäude des säkularisierten Klosters wurde Schulpforta 1543 von Kurfürst Moritz von Sachsen als eine von drei Landesschulen für Knaben gegründet. Die beiden Schwesterschulen waren "St. Afra" in Meißen sowie "St. Augustin" in Grimma. 150 Jungen aus allen Schichten erhielten hier eine Hochschulausbildung. Der Besuch war schulgeldfrei. Zur materiellen Absicherung der Schule übertrug Herzog Moritz den ehemaligen Klosterbesitz der Stiftung Schulpforte. Von 1573 bis 1575 erfolgten Umbau- und Erweiterungsarbeiten.
Nach den Napoleonischen Kriegen musste Sachsen auf dem Wiener Kongress von 1815 Landesteile an Preußen abtreten, darunter auch das Gebiet mit Schulpforta. 1850 erfolgte der Bau des Torhauses durch F. A. Stüler. Im III. Reich wurde die Schule 1935 in eine Nationalsozialistische Erziehungsanstalt (NPEA, NAPOLA) umgewandelt. Sie diente diesem Zweck bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Nach dem Kriegsende bis 1950 unternahm man zunächst den Versuch, die Schule mit dem Schulsystem der Weimarer Republik weiterzuführen. Durch die Bodenreform in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone wurde der Stiftungsbesitz enteignet.
Nach der Gründung der DDR wurde die Stiftung Schulpforte 1949 schließlich aufgehoben und die Einrichtung in eine sozialistische Oberschule umgewandelt, die zur Hochschulreife führte. Gleichzeitig erfolgte erstmals die Aufnahme von Mädchen an die Schule. Von 1958 bis 1990 hatte Schulpforta den Status einer Erweiterten (Heim)-Oberschule mit 360 Internatsplätzen. In den Jahren 1981 und 1982 erfolgte die Einrichtung von Spezialklassen für Musik und Fremdsprachen. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Schulpforta 1990 das Internatsgymnasium Landesschule Pforta in der Trägerschaft des Bundeslandes Sachsen-Anhalt für ca. 400 Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht der Klassen 9 bis 13 erfolgt in den Ausbildungszweigen Sprachen, Musik und Naturwissenschaften. Mit der Änderung des Schulgesetzes wird das Abitur demnächst schon nach 12 Schuljahren abgelegt werden. Das Internat, in dem alle Schülerinnen und Schüler leben, bestimmt weitgehend den Tagesablauf. 1992 erfolgte die Wiedererrichtung der Stiftung Schulpforta als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts.
Nachdem Herr Büchsenschütz, langjähriger Rector Portensis, zum Ende des Schuljahres 2005 pensioniert worden ist, übernahm Herr Dr. Däumer, der bisherige Leiter des Gymnasiums Laucha, zum 01. August 2005 die Stelle des Rektors der Landesschule.
Am 10. Nobember 2005 wurde Herr Kissling, der von 1996 bis 2002 als Prokurator die Stiftung Schulpforta leitete und die Führungen der Touristen übernahm, feierlich von der Schule verabschiedet.
Das Internatsleben mit seinen vielen Traditionen, wie z.B dem "Schwoof" zur Begrüßung der neuen Schüler oder auch der alljährlichen Wasserschlacht am letzten Tag eines Schuljahres, bietet eine einzigartige und sehr intensive Lernatmosphäre, die von Solidarität, dem Lösen von Problemen durch Dialektik und demokratische Institutionen, sowie kooperative Kreativität geprägt wird, was jedem Schüler die optimale Entfaltung seiner Fähigkeiten erlaubt.
Freizeit bedeutete im Normalfall, dass die Schüler das Gebäude zu verlassen und sich (auch bei Minusgraden unter 15 Grad) im Schulgelände aufzuhalten hatten. Das Recht, das Schulgelände zu verlassen, war lange Zeit auch den Primanern nur wenige Stunden in der Woche gestattet: drei Stunden für den normalen Primaner, vier Stunden für die, die sich besonders ausgezeichnet hatten. Unter dem Einfluss der Jugendbewegung und der Reformpädagogik wurde die Klausur langsam gelockert, was bedeutete, dass auch Schüler der unteren Klassen (8 und 9) das Schulgelände verlassen durften, aber nur ein bis zwei Stunden pro Woche.
Im1848a.jpg Die Schule kann in ihrer langen Geschichte auf bemerkenswerte Erfolge zurückblicken. So sind an später herausragenden Persönlichkeiten neben Friedrich Nietzsche auch Friedrich Gottlieb Klopstock (In der Nähe der Landesschule Pforta an einem Nebenarm der Saale befindet sich die sogenannte Klopstockquelle.), Johann Gottlieb Fichte, Johann Friedrich Röhr, August Ferdinand Möbius, Leopold von Ranke, Carl Richard Lepsius, Heinrich Hoffmann, Karl Lamprecht (dessen Grabstein sich auf dem dortigen Kirchfriedhof neben der Klosterkirche befindet), Theobald von Bethmann Hollweg, Georg Groddeck, Otto Koehler, Ernst Wilhelm Nay und Wolf von Niebelschütz Schüler dieser Schule gewesen. Die Schule hat also einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung dieser bedeutenden Geister gehabt. Die Chöre der Schule (auch der Ehemaligenchor) werden regelmäßig für ihre exzellenten Leistungen ausgezeichnet, bei Bundeswettbewerben in den Naturwissenschaften und den Sprachen liegen die Schüler Schulpfortas regelmäßig weit vorn.
Das Gelände der Schule ist am Tage frei zugänglich. Ebenso können die ehemalige Klosterkirche mit Friedhof und der Kreuzgang besichtigt werden.
Johann Gigas 1543-45, Cyriacus Lindemann 1546-48, Caspar Landsidelius 1549-50, Georg Melhorn 1551, Paulus Vogel 1552-53, Christoph Baldauf 1554-79, Jakob Lindner 1580-87, Bartholomäus Walther 1588-91, Jakob Lindner 1592-1600, Justinus Bertuch 1601-25, Franz Keß 1626-29, Elias Ehinger 1630-31, Andres Kunad 1632-37, Johann Kühn 1638-71, Georg Lorentz 1672-89, Daniel Müller 1690-1704, Johann Gottlob Hartmann 1705-15, Johann David Schreber 1716-30, Friedrich Gotthilf Freytag 1731-60, Christoph Gottfried Grabener 1761-78, Johann Gottfried Geisler 1779-86, Friedrich Gottlieb Barth 1787-94, Karl Wilhelm Ernst Heimbach 1795-1801, Karl David Ilgen 1802-30, Adolph Gottlob Lange 1831, Carl Kirchner 1832-54, Karl Peter 1855-72, Wilhelm Herbst 1873-77, Diederich Volkmann 1878-98, Christian Muff 1898-1910, Wilhelm Bruns 1911-21, Karl Schmidt 1922-27, Walter Kranz 1928-33, Bruno Kranz1934, Adolf Schieffer 1935-36, Kurt Person 1937-45, Robert Pahncke komm. 1945-46, E.Habenstein 1947-51, W. Ostrowitzki 1952-54, St. Baar 1955-57, H. Reinbothe 1958-68, Gerhard Arnhardt 1969-79, W. Gaudig 1980-86, H.Erhardt 1987-89, N. Horn 1990-91, Karl Büchsenschütz 1992-2005, Hans-Jörg Däumer ab Schuljahr 2005/06
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