Schtonk! ist eine deutsche Filmsatire auf die Geschehnisse um die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher durch die Illustrierte Stern.
Der Titel ist dem Film Der große Diktator von Charlie Chaplin entnommen. Darin verwendet Chaplin als Diktator in seinen Reden eine Deutsch klingende Pseudosprache und erwähnt da mehrmals das Wort Schtonk, wenn er z.B. sagt: "Demokratsie Schtonk! Liberty Schtonk! Free Sprecken Schtonk!". Dies soll so viel heißen wie "Die Demokratie taugt nichts!".
Inhalt
"Der Film zum Buch vom Führer" handelt vom Skandal um die 1983 veröffentlichten Hitler-Tagebücher. Der Maler Dr. Fritz Knobel, alias
Konrad Kujau, produziert sich als Kunsthändler und verkauft dem Fabrikanten Lentz eines der Hitlertagebücher. Der Reporter Hermann Willié erhält ebenfalls Kenntnis von den Büchern und macht sich an die Recherche für seine Zeitung, die HHpress, die Verkörperung des
Stern.
Hermann Willié steckt seine gesamte Redaktion mit seiner Begeisterung an und erwirkt den Aufkauf aller Hitlertagebücher. Ständige Zweifel an der Echtheit von unterschiedlicher Seite werden immer wieder mit naiven Methoden verworfen, bis zum Schluss der Schwindel auffliegt.
Der Film persifliert die gläubige Szene der Presse, die jeden offensichtlichen Hinweis auf die Fälschung aus Gier nach Sensation nicht sieht. Auch die Annäherung an Alt-Nazis wird von allen Akteuren in Kauf genommen, ja sogar gesucht. Knobel als Protagonist selbst, wirkt der Entwicklung im Film voraus, er verändert sich vom kleinen Ganoven zum Drahtzieher, zur schizophrenen Hitlerfigur, bis er am Schluss als erster die Szene verlässt und nicht belangt wird.
Anmerkung: In der Originalen Kinofassung endet der Film anders. Knobel, der sich mit seinen zwei Frauen ins Ausland absetzt erfährt dort, wie Willié sich an der ganzen Fälschungsgeschichte bereichert. Er fühlt sich ausgenutzt, fährt in einer Kurzschlusshandlung nach Hamburg und stellt Willié auf seiner Jacht "Carin II". Willié ist jedoch völlig weggetreten und fährt mit dem Schiff los. Als letztes sieht man die letzte Szene des Filmes wo die Jacht von mehreren Polizeibooten begleitet davonfährt. Knobel sitzt in der vorderen Hälfte des Schiffes. (Deutlich sichtbar auch in der abgeänderten/gekürzten TV/DVD - Fassung.) Vermutlich wurde das Ende abgeändert, da Dr. Knobel sich im Verlaufe des Filmes zu einem Sympathieträger entwickelt und daher ungeschoren davonkommt.
Produktionsnotizen
Der Film schrieb unfreiwillig Filmgeschichte. Die Zeitschrift im Film sollte ursprünglich "Express" heißen. Doch dagegen klagte noch vor Kino-Start die in Köln und Düsseldorf erscheinende Boulevard-Zeitung "Express" und gewann den Prozess. Da die Dreharbeiten bereits abgeschlossen waren, mussten Szenen neu gedreht oder mit Hilfe damals noch völlig neuartiger digitaler Effekte geändert werden. Daher heißt die Zeitung in der endgültigen Filmfassung "HHpress".
Auszeichnungen
Zitate
- In einer schwarz-weiß gehaltenen Einleitungssequenz versucht eine Gruppe SS-Männer vergeblich, die Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun zu verbrennen. Ein SS-Mann (Armin Rhode) erstattet seinem Vorgesetzten (Peter Roggisch) Bericht.
- SS-Mann: Melde gehorsamst! Er brennt nicht, Obersturmbannführer!
- Obersturmbannführer: (trägt bereits Zivilkleidung) Was? Wer brennt nicht?
- SS-Mann: Der Führer, Obersturmbannführer! Und die Frau Braun, die Frau Führer auch nicht, Herr Obersturmbannführer!
- Obersturmbannführer: Mensch dann schüttet Benzin drüber, dann brennen die schon.
- SS-Mann: (ungläubig) Ben–zin? Über den Führer? Herr Obersturmbannführer?
- Obersturmbannführer: Ach was Mensch. Es gibt keinen Führer mehr. Und sagen Sie nicht dauernd Obersturmbannführer zu mir, Sie Ignorant!
- SS-Mann: (schlägt die Hacken zusammen und brüllt) Jawoll, Herr Obersturmbannführer!
- Obersturmbannführer: Mein Gott!
- Freya von Hepp (Christiane Hörbiger) zitiert ihren Onkel, Hermann Göring:
- Freya von Hepp: Weißt Du, was der Onkel Hermann immer gesagt hat?
„Matt vom Schreiben von Mein Kampf
kriegt der Führer einen Krampf,
zittert mit der rechten Hand,
welches Glück für's Vaterland!“
- Ressortleiter Pit Kummer (Harald Juhnke) will Verlagsleiter Dr. Wieland (Ulrich Mühe) von den Hitler-Tagebüchern überzeugen.
- Dr. Wieland: Tja… das ist ja wohl ne ziemlich braune Sauce.
- Kummer: Tja, natürlich will man sich mit sowas nicht gern bekleckern. Ich ja auch nicht. Aber andererseits müssen wir uns auch sagen, Herr Doktor, die Konkurrenz ist hart. Ganz davon zu schweigen, dass wir sowas weltweit verkaufen. Weltweit! Also wenn ich denke was die Amis damals mit den Tagebüchern von Albert Einstein verdient haben. Millionen! Da mein' ich, ist doch dann Adolf Hitler, weltweit gesehen, der viel größere Name. (Pause) Also so einen Autor haben wir bei uns im Blatt noch nie gehabt.
- Knobel (Uwe Ochsenknecht) beim Fälschen eines Tagebuchs.
- Knobel: 24. zwoter 1940. Die übermenschlichen Anstrengungen der letzten Zeit verursachen mir Blähungen im Darmbereich (furzt) und Eva sagt, ich habe Mundgeruch. (rülpst)
- Verlagsleiter Dr. Wieland (Ulrich Mühe) übernimmt ehrfürchtig die ersten Tagebücher.
- Dr. Wieland: Wenn ich denke, dass wir hier in Händen halten, was seine Hände berührten. Und wenn ich denke, dass ich hier und heute berühre, was er damals in seinen Händen hielt, dann … dann weht einen hier schon so was an, so ein … so ein Gefühl. So ein, ich will mal sagen, so ein Eishauch der Geschichte. Muß ich schon sagen … muß ich sagen … was wollt ich jetzt sagen? Ah ja! Was steht denn drin?
- Willié: Ich habe (räuspert sich) ich habe nicht gewagt die Siegel zu erbrechen, mein Führer, äh, Herr Doktor. Steht ja drin, äh, drauf, dass kein Unbefugter … extra.
- Dr. Wieland: Ah ja. (liest) „Streng geheim, Eigentum des Führers, immer unter Verschluß zu halten, etc. Bormann.“ Hmm. Tja, äh… Das ist ja… Das ist ja wohl jetzt irgendwie verjährt. Ich meine für uns gilt das ja jetzt wohl nicht mehr.
- Bei einer Besprechung im Verlag entdeckt man die falschen Initialen auf dem Einband
- Uwe Esser: Für mich ist der erste Buchstabe vorn drauf keen „A“ sondern ein „F“. Und Fritze Hitler hieß er ja wohl nicht, oder?
- Kurt Glück: Was ist das? Ein „F“? „FH“?
- Willié: Das ist doch ein „A“, das ist doch kein „F“! Ich meine das ist doch ganz eindeutig ein … (schaut noch mal genau auf den Einband) … „F“. „FH“. Fffff… Führer Hitler!
- Pit Kummer: Genau! Führer Hitler.
- Dr. Wieland: Quatsch! Führer Hitler.
- Kurt Glück: Fahne hoch vielleicht, Uwe?
- Uwe Esser: Quatsch! Fahne hoch.
- Willié: Ffff… Ffff…
- Dr. Wieland: Ff-ff-ff… Führer. Führer. – Führer Heil. – Führers Hund.
- Uwe Esser: (abfällig) Führers Hund.
- Dr. Wieland: Führers … Hand. Nein. Führers … Haupt…quartier. Führerhauptquartier.
- Obergruppenführer von Klantz im Gespräch mit Professor Strasser.
- Von Klantz: Sagen Sie mal, Herr Kamerad, unter uns: des ist doch ka „A“, des is doch a „F“. Und Ferdinand hat er ja wohl net g'heissn.
- Professor Strasser: Natürlich nicht.
- Von Klantz: Na was soll das dann, das „FH“?
- Professor Strasser: Falscher Hase, Herr Obergruppenführer.
- Von Klantz: Was?
- Professor Strasser: Fälschung, Herr Obergruppenführer. Haben Sie das nicht gewußt?
- Hermann Willié (Götz George) zu Pit Kummer (Harald Juhnke) nach Aufdeckung des Schwindels.
- Willié: Pit! Begreifst du denn nicht, was das für ein Oberknaller ist? Wenn nämlich die Handschrift in den Tagebüchern Adolf Hitlers Handschrift ist – und dafür haben wir drei hieb- und stichfeste Gutachten – das Papier aber auf dem er's geschrieben hat aus der Nachkriegszeit stammt, dann kann das doch nur heißen … * Adolf Führer hat seine Tagebücher ganz eindeutig nach seinem Tod geschrieben. Und da Tote ja wohl nicht schreiben können, ganz klar, kann das doch nur heißen: er lebt!
Weblinks
Filmtitel | Deutscher Film | Filmtitel 1992
Schtonk!