Stetl-Pinsk-1903.jpg Ein Schtetl (jiddisch שטעטל; Plural schtetlach; von deutsch „Städtlein“) ist die Bezeichnung für Siedlungen mit relativ hohem jüdischen Bevölkerungsanteil in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg.
Anders als in den Großstädten waren die jüdischen Bewohner in den Shtetl nicht nur geduldet, sondern ungeachtet bisweilen stattfindender Pogrome weitgehend akzeptiert. Sie konnten sich dort "wie in der heiligen Stadt Jerusalem" fühlen (Ilex Bellner), waren diese Städtchen doch "keine Ghettos, sondern wesensgemäß ebenso wie definitionsgemäß das Gegenteil." (Manès Sperber, All das Vergangene).
Die aschkenasischen Juden der Schtetl sprachen im Alltag zumeist Jiddisch. An ihren religiösen Traditionen hielten sie meist in erheblich höherem Maße fest als ihre Glaubensbrüder in Mittel- oder Westeuropa. Werktags lernten die Kinder im Cheder, am Sabbat und den jüdischen Festtagen waren die meisten Bewohner in der Synagoge, auf jiddisch „Schul“ genannt, anzutreffen, und auch für Kleidung und Haartracht bestanden zahlreiche Vorschriften.
In ihrer Sozialstruktur waren die Schtetls meist durch eine breite Unterschicht aus mittellosen Handwerkern, Kleinhändlern und Taglöhnern geprägt. Häufig herrschte in den Schtetls unvorstellbare Armut; die Errungenschaften der Aufklärung und des Industriezeitalters waren an ihnen weitgehend spurlos vorübergegangen. Oft fehlt es sogar an Heizung, Kanalisation und befestigten Straßen. Nicht zuletzt aufgrund der verbreiteten messianischen Endzeiterwartung trugen viele Schtetlbewohner ihre prekäre materielle Lage mit Gleichmut. Andere freilich wanderten gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus und trugen so zum heute vergleichsweise hohen jüdischen Bevölkerungsanteil etwa in den Vereinigten Staaten bei.
Dem Leben in den Schtetls wurden vielfach literarische Denkmäler gesetzt, in jiddischer Sprache (Scholem Alejchem, Mendele Moicher Sforim, Isaak Leib Perez, Isaak Schtern) ebenso wie in hebräischer (Samuel Agnon) und in deutscher (Joseph Roth).
Ein heute noch mit einem Schtetl vergleichbares Viertel ist Mea Shearim, nahe der Jerusalemer Altstadt, in der viele osteuropäische Traditionen nach wie vor gelebt werden. Hier wird Jiddisch allerdings nur noch von einer Minderheit gesprochen, die meisten Einwohner sprechen auch im Alltag hebräisch.
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Als Shtots zu betrachten sind indes etwa Breslau, Brest, Budapest, Klausenburg, Czernowitz, Danzig, Glogau, Iaşi, Kiew, Kischinau, Kaunas, Königsberg, Krakau, Lemberg, Minsk, Odessa, Posen, Prag, Riga, Wien, Wilna, Witebsk und Warschau.