Der Schriftsetzer, auch Setzer, Handsetzer als Gegensatz zum Maschinensetzer oder (eher umgangssprachlich:) „Bleisetzer“, war ein Ausbildungsberuf in Druckhandwerk und Druckindustrie zur Her- und Zusammenstellung und der Weiterverarbeitung von druckfähigem Material für den Buchdruck.
Während in den USA bereits vor 1900 auch Frauen in diesem Beruf arbeiteten, hatte es bis Mitte der 1960er Jahre und später gedauert, bis auch in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland Setzerinnen arbeiteten. Der Beruf des Setzers war für Frauen lange Zeit und in vielen Ländern einer der bestbezahlten zugänglichen Berufe und deshalb sehr begehrt.
Die Ausbildungsdauer betrug drei bis dreieinhalb Jahre, bei besonderer Begabung konnte schon nach zweieinhalb Jahren die Gesellenprüfung abgelegt werden. Die Inhalte der Ausbildung waren der Aufbau des Satzsystems und der Umgang mit dem den Werkzeugen des Arbeitsumfelds wie dem Winkelhaken, der Setzerahle und dem Setzschiff, eine Übersicht über die Anordnung der Setzregale und die Einteilung der Setzkästen sowie der Umgang mit einer Handpresse zur Anfertigung von Korrekturabzügen; ein weiterer Schwerpunkt galt der Gestaltung: der Typografie. Zusätzlich war das Herstellen, vor allem aber das Einbringen von Bildelementen in den Satz Teil der Ausbildung. Dazu gehörte der Umgang mit Klischees, also Druckstöcken zur Wiedergabe von Bildern und grafischen Elementen, die im Ätzverfahren aus Zink- oder Auswaschverfahren aus Kunststoffplatten (Nyloprint), seltener als Gravur erzeugt wurden, oder als Linol- oder Bleischnitt. Schriftsetzer erlernten außerdem die Kunst des Schriftmalens, mit der sie eine Schrift exakt nachzeichnen konnten, um sie zum Beispiel mit Farbe oder Gold auf Leder oder Pergament aufzutragen, um Urkunden anzufertigen oder Kunden Vorschläge in Form von „Reinzeichnungen“ vorzulegen. In größeren Druckereibetrieben wurden die dort arbeitenden Schriftsetzer spezialisiert als Metteure oder Akzidenzsetzer, nach innerbetrieblicher Fortbildung auch als Maschinensetzer oder Korrektoren eingesetzt.
Obwohl sich der Beruf des Schriftsetzers im Laufe der Jahre stets den aktuellen Anforderungen anpasste – Ausbildungsinhalt war in den neunziger Jahren unter anderem bereits die Gestaltung von Web-Seiten – wurden im Rahmen einer Modernisierung der Ausbildungsberufe die Berufe Schriftsetzer/-setzerin für den Gestaltungsbereich der Industrie, Reprohersteller/-herstellerin, Werbe- und Medienvorlagenhersteller/-herstellerin, Reprograf/Reprografin und Fotogravurzeichner/-zeichnerin durch § 14 der „Verordnung über die Berufsausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien/zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien“ vom 4. Mai 1998 (BGBI. I S. 875 vom 13. Mai 1998) aufgehoben. Den Schriftsetzer als Ausbildungsberuf gibt es damit nicht mehr, einige Buchdrucker geben jedoch spezielle Kurse für Grafiker oder Studenten der typografisch orientierten Fächer; außerdem existieren einige Museumsdruckereien, in denen Besuchern die Kunst des Schriftsetzens gezeigt wird.
Der Beruf wurde in Einzelfällen bis etwa 1980 ausgebildet, jedoch waren ab etwa 1970 mehr die typografischen Inhalte wesentlich, da der Bleisatz hier schon stark im Rückgang war. Nach der Ablösung des Buchdrucks durch den Offsetdruck wechselten viele Setzer zum Fotosatz und später an einen Computer-Arbeitsplatz und zum digitalen Schriftsatz. Der Schriftsetzer ist somit der Vorläufer des Mediengestalters für Digital- und Printmedien (Schweiz: Polygraf/in, Österreich: Fachmann/-frau für Medientechnik).
Zur Gesellenprüfung wurde „nach Zeit“ gesetzt. Der Durchschnitt nach einer Stunde Satz lag bei 30 bis 35 Zeilen auf eine Breite von 20 Cicero (1 Cicero = 12 Punkt = 4,513mm). Hinzu kam das Setzen einer Tabelle mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden plus das Entwerfen und Setzen einer so genannten „Akzidenz“, was mit Familien- oder Kleindrucksache übersetzt werden kann (z. B. ein Flugblatt, eine Anzeige oder ein Prospekt oder ähnliches).
Mit der Erfindung der Setzmaschinen von Linotype 1886 und Monotype 1897 entstand der Beruf des Maschinensetzers. Der Setzer gab Texte nun an einer Tastatur ein, während in diesen Maschinen Blei geschmolzen wurde und so das Zusammenfügen (Ausgießen mit heißem Blei) der aneinander gereihten Buchstabenmatrizen übernahm. Diese kamen zeilenweise aus den Setzmaschinen und wurden vom Schriftsetzer mit Überschriften versehen und zum Satz zusammengefügt. Der Handsatz war deshalb zunächst noch nicht abgeschafft.
Brillant - 3 Punkt / Diamant - 4 Punkt / Perl - 5 Punkt / Nonpareille - 6 Punkt / Petit - 8 Punkt / Borgis - 9 Punkt / Korpus - 10 Punkt / Cicero - 12 Punkt / Mittel - 14 Punkt / Tertia - 16 Punkt / Text - 20 Punkt. (Weitere siehe besonders: Schriftsatzmaß!)
Eine Besonderheit der grafischen Berufe wie Schriftsetzer und Drucker war das „Gautschen“: Beim Lehrabschluss, also nach der Gesellenprüfung, wurden die „Fehler“ aus der Lehrlingszeit (ab 1970: Ausbildungszeit) symbolisch „abgewaschen“, indem er in eine Bütte mit kaltem Wasser getaucht wurde.
Beruf | Handwerksberuf | Buchdruck | Drucktechnik | Typografie
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