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Der Schriftsetzer, auch Setzer, Handsetzer als Gegensatz zum Maschinensetzer oder (eher umgangssprachlich:) „Bleisetzer“, war ein Ausbildungsberuf in Druckhandwerk und Druckindustrie zur Her- und Zusammenstellung und der Weiterverarbeitung von druckfähigem Material für den Buchdruck.

Geschichte


Der Schriftsatz ist auf Johannes Gutenberg zurückzuführen, der um 1445 den Buchdruck mit beweglichen und wieder verwendbaren Lettern erfand. Allerdings sollen die Koreaner schon etwa 200 Jahre vorher diese Technik gekannt haben. Diese Technik ersetzte das bisher übliche Schreiben und Kopieren von Büchern per Hand.

Während in den USA bereits vor 1900 auch Frauen in diesem Beruf arbeiteten, hatte es bis Mitte der 1960er Jahre und später gedauert, bis auch in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland Setzerinnen arbeiteten. Der Beruf des Setzers war für Frauen lange Zeit und in vielen Ländern einer der bestbezahlten zugänglichen Berufe und deshalb sehr begehrt.

Berufsinhalte und Ausbildung


Im weiteren Verlauf beschränkt sich der jetzige Verfasser darauf die Ausbildungssituation und das Berufsbild in Deutschland darzustellen. Erforschungen bei Handwerkskammern in Österreich und der Schweiz ergaben, dass diese dort fast vollkommen identisch waren bzw. sind. Auch erklärt er, dass er ein Jahr lang als Type Setter (so die englische Berufsbezeichnung) bei einem US-amerikanischen Dienstleister für die US-Armee in Europa (USAREUR Support Center) in Deutschland beschäftigt war und während dieser Zeit keinerlei gravierende Unterschiede in der Berufsausübung feststellen konnte (mit Ausnahme des Satzes vorwiegend in Englisch).

Die Ausbildungsdauer betrug drei bis dreieinhalb Jahre, bei besonderer Begabung konnte schon nach zweieinhalb Jahren die Gesellenprüfung abgelegt werden. Die Inhalte der Ausbildung waren der Aufbau des Satzsystems und der Umgang mit dem den Werkzeugen des Arbeitsumfelds wie dem Winkelhaken, der Setzerahle und dem Setzschiff, eine Übersicht über die Anordnung der Setzregale und die Einteilung der Setzkästen sowie der Umgang mit einer Handpresse zur Anfertigung von Korrekturabzügen; ein weiterer Schwerpunkt galt der Gestaltung: der Typografie. Zusätzlich war das Herstellen, vor allem aber das Einbringen von Bildelementen in den Satz Teil der Ausbildung. Dazu gehörte der Umgang mit Klischees, also Druckstöcken zur Wiedergabe von Bildern und grafischen Elementen, die im Ätzverfahren aus Zink- oder Auswaschverfahren aus Kunststoffplatten (Nyloprint), seltener als Gravur erzeugt wurden, oder als Linol- oder Bleischnitt. Schriftsetzer erlernten außerdem die Kunst des Schriftmalens, mit der sie eine Schrift exakt nachzeichnen konnten, um sie zum Beispiel mit Farbe oder Gold auf Leder oder Pergament aufzutragen, um Urkunden anzufertigen oder Kunden Vorschläge in Form von „Reinzeichnungen“ vorzulegen. In größeren Druckereibetrieben wurden die dort arbeitenden Schriftsetzer spezialisiert als Metteure oder Akzidenzsetzer, nach innerbetrieblicher Fortbildung auch als Maschinensetzer oder Korrektoren eingesetzt.

Obwohl sich der Beruf des Schriftsetzers im Laufe der Jahre stets den aktuellen Anforderungen anpasste – Ausbildungsinhalt war in den neunziger Jahren unter anderem bereits die Gestaltung von Web-Seiten – wurden im Rahmen einer Modernisierung der Ausbildungsberufe die Berufe Schriftsetzer/-setzerin für den Gestaltungsbereich der Industrie, Reprohersteller/-herstellerin, Werbe- und Medienvorlagenhersteller/-herstellerin, Reprograf/Reprografin und Fotogravurzeichner/-zeichnerin durch § 14 der „Verordnung über die Berufsausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien/zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien“ vom 4. Mai 1998 (BGBI. I S. 875 vom 13. Mai 1998) aufgehoben. Den Schriftsetzer als Ausbildungsberuf gibt es damit nicht mehr, einige Buchdrucker geben jedoch spezielle Kurse für Grafiker oder Studenten der typografisch orientierten Fächer; außerdem existieren einige Museumsdruckereien, in denen Besuchern die Kunst des Schriftsetzens gezeigt wird.

Der Beruf wurde in Einzelfällen bis etwa 1980 ausgebildet, jedoch waren ab etwa 1970 mehr die typografischen Inhalte wesentlich, da der Bleisatz hier schon stark im Rückgang war. Nach der Ablösung des Buchdrucks durch den Offsetdruck wechselten viele Setzer zum Fotosatz und später an einen Computer-Arbeitsplatz und zum digitalen Schriftsatz. Der Schriftsetzer ist somit der Vorläufer des Mediengestalters für Digital- und Printmedien (Schweiz: Polygraf/in, Österreich: Fachmann/-frau für Medientechnik).

Das „Setzen“


Die älteste Technik des Setzens war der Handsatz. Der Schriftsetzer setzte aus Blei gegossene Schriften und den Wortzwischenraum in einen so genannten Winkelhaken, den er in der linken Hand hielt, während mit den Fingern der rechten Hand die einzelnen Buchstaben/Zeichen aus dem Setzkasten gegriffen wurden. In der Regel konnte man pro Stunde auf diese Weise 1500 Zeichen setzen, was aber von der Schriftgröße abhing (eine 6-Punkt-Schrift war nicht so rasch zu setzen wie eine 10-Punkt-Schrift). Da die Lettern aus Blei bestanden, musste sehr auf Reinlichkeit geachtet werden, denn die Gefahr einer Bleivergiftung, die tödlich sein kann, war sehr groß! Bevor diese Gefahr erkannt wurde, litten viele Schriftsetzer an der „Bleikrankheit“.

Zur Gesellenprüfung wurde „nach Zeit“ gesetzt. Der Durchschnitt nach einer Stunde Satz lag bei 30 bis 35 Zeilen auf eine Breite von 20 Cicero (1 Cicero = 12 Punkt = 4,513mm). Hinzu kam das Setzen einer Tabelle mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden plus das Entwerfen und Setzen einer so genannten „Akzidenz“, was mit Familien- oder Kleindrucksache übersetzt werden kann (z. B. ein Flugblatt, eine Anzeige oder ein Prospekt oder ähnliches).

Setzkasten und Maschinensatz


Der Setzkasten mit seinen 125 Fächern war aus Holz, manchmal auch aus Kunststoff oder Metall, und wog als Normalkasten etwa 15 Kilogramm. Brotschriftkästen (als „Brotschriften“ wurden die Schriften des Textes ohne Überschriften bezeichnet; sie brachten dem Berufstätigen sein „Brot“, also sein Gehalt) wogen bis ca. 35kg. Große Schriftgrade (ab 20 Punkt) waren in so genannten Steckschriftkästen untergebracht: man musste sie dort von Hand oder mit einer Pinzette die einzelnen Zeichen herausziehen. Nach Druck des Satzes wurden die Lettern wieder in die entsprechenden Kästen „abgelegt“, eine Tätigkeit, die gerne den Auszubildenden überlassen wurde. Das Erlernen der Einteilung des Setzkastens gehörte zu den ersten Ausbildungszielen.

Mit der Erfindung der Setzmaschinen von Linotype 1886 und Monotype 1897 entstand der Beruf des Maschinensetzers. Der Setzer gab Texte nun an einer Tastatur ein, während in diesen Maschinen Blei geschmolzen wurde und so das Zusammenfügen (Ausgießen mit heißem Blei) der aneinander gereihten Buchstabenmatrizen übernahm. Diese kamen zeilenweise aus den Setzmaschinen und wurden vom Schriftsetzer mit Überschriften versehen und zum Satz zusammengefügt. Der Handsatz war deshalb zunächst noch nicht abgeschafft.

Schriftgrößen


Das gebräuchliche typografische System geht auf den französischen Schriftgießer Firmin Didot zurück. Dieser legte 1780 die kleinste Einheit, den „Punkt“, in seiner Breite nach der damaligen Maßeinheit, dem „Pariser Fuß“, fest. Der deutsche Schriftgießer Hermann Berthold stellte im Jahr 1878 fest, dass dieses System auch auf Millimeter ausging: Das Platin-Urmeter ergab genau 2660 Punkte. Seitdem wurde diese Einheit in allen westeuropäischen Ländern gebraucht. Nur die englischen und amerikanischen Schriftgießereien verwendeten den Pica-Punkt (Pica-Point), der inzwischen, als Übernahme aus den USA, auf digitalen Rechnern verwendet wird (1 Didot-Punkt = 0,375mm, 1 Pica- oder DTP-Punkt = 0,352mm). Die Schriftgrößen-Bezeichnungen von klein nach groß:

Brillant - 3 Punkt / Diamant - 4 Punkt / Perl - 5 Punkt / Nonpareille - 6 Punkt / Petit - 8 Punkt / Borgis - 9 Punkt / Korpus - 10 Punkt / Cicero - 12 Punkt / Mittel - 14 Punkt / Tertia - 16 Punkt / Text - 20 Punkt. (Weitere siehe besonders: Schriftsatzmaß!)

Weitere Aufgaben und Kenntnisse


Neben der Handarbeit gehörte zum Schriftsetzerberuf auch ein gründliches Wissen über die Herkunft des Buchdrucks und der (Klassifizierung der) Schriften sowie über die anderen Druckverfahren. Auch mussten sie über sehr gute Rechtschreibkenntnisse verfügen. Ein innerbetrieblicher Aufstieg war der Einsatz als Korrektor; dieser las alle Satzarbeiten auf Rechtschreib- und orthografische Fehler, Abweichungen zum Manuskript und typografische Fehler gegen. Bleisetzer mussten den Text spiegelverkehrt UND „auf dem Kopf stehend“ lesen können, da die Lettern im Winkelhaken für den Druck so gesetzt wurden, also vom Körper weg (eine Eigenschaft, die der Verfasser heute noch selbst nach langer Absenz beherrscht). Die Schriftsetzer lernten ausgewogene Gestaltung von ganzen Seiten bis hin zur Verwendung von Seidenpapierstreifen zur Anpassung der Abstände zwischen einzelnen Buchstaben. Sie galten aufgrund des ebenfalls verlangten guten Allgemeinwissens als die Intellektuellen unter den Handwerkern, und solche, die bei Zeitungen arbeiteten, galten als politisch immer „links“.

Eine Besonderheit der grafischen Berufe wie Schriftsetzer und Drucker war das „Gautschen“: Beim Lehrabschluss, also nach der Gesellenprüfung, wurden die „Fehler“ aus der Lehrlingszeit (ab 1970: Ausbildungszeit) symbolisch „abgewaschen“, indem er in eine Bütte mit kaltem Wasser getaucht wurde.

Weblinks


Beruf | Handwerksberuf | Buchdruck | Drucktechnik | Typografie

 

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