| Wappen | Karte |
|---|---|
| Wappen Schriesheim.png | Karte_dossenheim_in_deutschland.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk: | Karlsruhe |
| Landkreis: | Rhein-Neckar-Kreis |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 125 m ü. NN |
| Fläche: | 31,64 km² |
| Einwohner: | 14.382 (30. Sept. 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 454 Einwohner je km² |
| Ausländeranteil: | 6,3 % |
| Postleitzahl: | 69198 (alt: 6905) |
| Vorwahlen: | 06203 und 06220 (Altenbach) |
| Kfz-Kennzeichen: | HD |
| Gemeindeschlüssel: | 08 2 26 082 |
| Stadtgliederung: | 3 Stadtteile |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Friedrichstraße 28-30 69198 Schriesheim |
| Website: | www.schriesheim.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Hansjörg Höfer (ehemals Stadtrat der Grünen Liste) |
Ein schwerer Winterfrost im Jahre 1956 zerstörte viele Öbstbäume, namentlich Zwetschgen. Im eigentlichen Stadtgebiet gedeihen schon seit langer Zeit Feigen.
Nach der Stadtgründung wurde im Stadtgebiet eine Kirche erbaut, und zwar an der Stelle, wo heute noch die evangelische Kirche steht. Die alte Dorfkirche südlich der Bachgasse wurde aufgegeben. Darüber hinaus wurde ein herrschaftlicher Stadthof angelegt, der heutige Strahlenberger Hof. Das repräsentative Steinhaus mit einem fast zwei Meter starken Mauergiebel ist mit über 700 Jahren das älteste noch bewohnte Profangebäude der Gegend..
Nach dem langsamen Niedergang der Strahlenberger (siehe dort) wurde Schriesheim, die Strahlenburg und alle Herrschaftrechte schließlich am 8. September 1347 an den Pfalzgrafen in Heidelberg verkauft. Schriesheim verblieben jedoch weiterhin alle Stadtrechte.
Im Zuge der Weißenburger Fehde zwischen Kurfürst Friedrich I. und Ludwig von Veldenz-Zweibrücken begann Friedrich I. am 6. Mai 1470 Schriesheim und die Strahlenburg zu belagern. Am Sonntag, dem 13. Mai 1470 wurden zuerst die Burg, dann die Stadt im Sturm genommen. Die Sieger forderten nun eine Schatzung von 400 Gulden, die von den Bürgern aufgebracht werden musste, und die Herausgabe sämtlicher Weinvorräte, damit die Stadt nicht abgebrannt werde. Darüber hinaus wurden sämtliche Befestigungsanlagen geschleift, also die Türme abgebrochen, die Stadtmauer niedergelegt und die Gräben eingeebnet. Da Schriesheim nie die Blutgerichtsbarkeit besessen hatte, blieb nur das Marktrecht als letzte der drei Vorausetzuungen um als Stadt anerkannt zu werden. Das Marktrecht wurde dann letztlich auch aufgehoben. Von diesem Schlag erholte sich die Schriesheimer Seele nie wieder völlig, auch wenn später mit dem Mathaisemarkt wieder ein Markt gewährt wurde und im Jahre 1964 das Stadtrecht wiederverliehen wurde.
Man ahnte in Schriesheim schon böses und ließ bereits im Jahre 1619 ein Wachhäuschen auf dem Branich errichten um allfällig nahende Truppen bereits frühzeitig erspähen zu können.
Im Jahre 1621 war es dann soweit, die Truppen der katholischen Liga unter Tilly näherten sich von Norden kommend Heidelberg und damit auch Schriesheim. Im November lagerten etwa 10.000 Mann im Raum Schriesheim-Dossenheim-Ladenburg. Als die Kämpfe, die schließlich zur Einnahme Heidelbergs führten, beendet waren, zogen noch das gesamte Jahr 1622 Truppen durch die Gegend. Der Ort hatte einige junge Männer im Kampf verloren, war von allen Seiten zur Finanzierung des Kriege ausgepresst und geplündert worden und einige Gebäude waren zerstört. Auch die Glocken hatten die Bayern als Beute mitgenommen. Da die meisten jedoch über Reserven verfügten, begann man bald die Schäden zu beheben und das gewohnte Leben wieder aufzunehmen. Nur wurde nun von der Obrigkeit versucht das Land wieder katholisch zu machen, was den Pfarrer zu Flucht zwang.
Aber immer noch zogen kleinere Truppen marodierender Soldaten durchs Land. 1625/1626 grassierte das Fleckfieber und forderte seinen Tribut.
Im Jahre 1631 rückte dann wieder ein Heer von Norden kommend heran, diesmal die protestantischen Schweden, die sich in der Gegend von Schriesheim verschanzten und die Bevölkerung auspressten. An einem Freitag Mitte September 1631 wagten die Bayern einen Ausfall aus Heidelberg, eroberten Schriesheim und zogen sich wieder nach Heidelberg zurück. Schriesheim war danach nur noch ein rauchender Trümmerhaufen. Die meisten Häuser und die Kirche waren abgebrannt, nur entlang des Kanzelbaches, wo Wasser rasch zur Hand war, hatte man einige Häuser vor den Flammen retten können. Weiterhin marodierten Soldaten durch die Gegend.
1635 brach dann die Pest aus und raffte einen beträchtlichen Teil der geschwächten Bevölkerung dahin.
Diesmal kam der Wiederaufbau nur sehr schleppend in Gang. Die Reserven waren aufgezehrt, ein geregeltes Leben und Wirtschaften immer noch nicht möglich. Lediglich die Weinberge und das in den Wald getriebene Vieh machten ein Überleben möglich.
Da kamen im Jahre 1643 die Lothringer und brachten den Krieg wieder in die Gegend, 1644 kam die Reichsarme und 1645 die Franzosen unter Turenne. Zwar kam es zu keinen großen Schlachten mehr, aber die völlig verrohten Soldaten selbst waren nun die größte Gefahr. Obwohl keine bestimmten Gräuel aus Schriesheim überliefert sind, spricht die Tatsache Bände, dass man nun, nachdem man 25 Jahre lang ausgehalten hatte im Jahre 1644 den Ort aufgab. Die Bevölkerung versteckte sich im nahen Wald oder war in umliegenden, weniger zerstörte Orte geflohen. An ruhigen Tagen kamen die Überlebenden aus den umliegenden Orten um den Wildwuchs auf den Weinbergen und Feldern zu ernten.
Als 1648 Frieden geschlossen wurde, kamen dann die verstreuten Überlebenden wieder in den Ort zurück. Die meisten hatten nun Land und zerstörte Häuser geerbt, aber weder Vieh noch Saatgut noch Baumaterial. So verkaufte man wo es ging etwas Land oder einen Bauplatz an Zuziehende um selbst wieder Mittel zu Wiederaufbau zu erlangen. Kaum 40 Familien fanden sich ein, davon nur 24 mit alten Schriesheimer Namen. Das waren weniger als 20% der Bevölkerung aus der Zeit vor dem 20-jährigen Krieg. Allein die Einwanderung einer beträchtlichen Zahl reformierter Schweizer ließ die Bevölkerungzahl schnell wieder steigen. Es sollte dennoch fast ein Jahrhundert dauern, bis die alte Zahl wieder erreicht wurde.
Eine erste Rebellion gegen die Abgabenlasten begann bereits am 21. Oktober 1789. Diese konnte jedoch bald durch Zugeständnisse der Obrigkeit relativ leicht beendet werden. 1791 und 1794 kam es jedoch zu weiteren Abgabenverweigerungen. Im Jahre 1798 kam es dann zu jenem „Schriesheimer Aufstand“ gegen den Zentgrafen Nikolaus Lissingolo, der viel Staub aufwirbelte, dessen Verlauf aber bis heute nicht völlig geklärt ist. Die drei Schriesheimer Balthasar Ortlipp, Wendel Müller und Heinrich Riehl wurden zu drei bzw. zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, neun weitere erhielten mildere Freiheitsstrafen.
Im März 1815 kam es dann schon wieder zu einer offenen Rebellion der Schriesheimer gegen die Obrigkeit, die nur mit Soldaten niedergeschlagen werden konnte.
Schriesheim war kurz nach dem 30-jährigen Krieg rein reformiert, in der Folgezeit wanderten neben reformierten Schweizern auch wieder Katholiken, Lutheraner und Juden zu.
Juden waren bereits im Mittelalter in Schriesheim ansässig, wurden aber während des Pestjahrs 1349 aus Schriesheim vertrieben. Im 15. Jahrhundert sind wieder Juden in Schriesheim nachweisbar. Im 30-jährigen Krieg, als der Ort 1644 aufgegeben wurde, verschwanden auch die Juden. Erst 1651 und 1653 siedelten sich wieder zwei jüdische Familien in Schriesheim an. In Jahre 1858 erreichte die Jüdische Gemeinde mit 125 Mitgliedern ihren Höhepunkt, um dann vor allem durch Auswanderung in die USA und Abwanderung nach Frankfurt und Mannheim zu schrumpfen. Anfang 1933 lebten in Schriesheim nur noch 38 Juden, die fast alle bis 1938 auswanderten. Lediglich vier verblieben zu Beginn des Zweiten Weltkrieges noch in Europa. Einer starb aufgrund seines hohen Alters wohl eines natürlichen Todes, zwei weiteren gelang noch eine Auswanderung nach New York. Levi Schlösser fiel als einziger der Judenvernichtung zum Opfer.
In den Jahren 1705/1706 bildete sich um Alexander Mack eine pietistische Strömung, die im Jahre 1708 zur Einführung der Erwachsenentaufe in diesem Kreis führte, was ihnen den Namen Dunker oder Tunker einbrachte. Bald musste diese Gemeinde aber wegen der einsetzenden Verfolgung fliehen und wanderte schließlich nach Amerika aus, wo aus ihr die Church of Brethren mit all ihren Stömungen wurde, darunter die Old German Baptist Brethren, die mit ihrem Pennsylvania Dutch noch heute eine dem Schriesheimer Dialekt nah verwandte Sprache sprechen.
Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gab es immer wieder pietistische Kreise in Schriesheim und im Jahre 1895 entstand um Ludwig Grüber eine baptistische Gemeinde.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine Neuapostolische Gemeinde.
Der Bau der Stadtkirche, am Ort der heutigen evangelischen Kirche, wurde wohl im Jahre 1243 begonnen, wie Münzfunde aus dem Grundstein nahelegen. Dieses Kirchengebäude hatte im Laufe der Jahrhunderte aber so gelitten, dass in der Mitte des 18. Jahrhunderts nur eine sehr aufwändige und teure Renovierung oder ein völliger Neubau in Frage kamen. Man entschied sich für einen Neubau, der zwischen 1748 und 1751 ausgeführt wurde.
Die beiden nach dem 30-jährigen Krieg langsam entstandenen katholischen und lutherischen Gemeinden haben nach gut einem Jahrzehnt des Simultaneum in der alten Stadtkirche zu Beginn des 18. Jahrhunderts eigen Kirchen gebaut. 1711 baute die katholische Gemeinde mit großzügiger Unterstützung der Obrigkeit eine eigene Kirche, die heute noch die katholische Kirche Schriesheims ist. Zwischen 1708 und 1711 baute die lutherische Gemeinde unter großen Anstrengungen ein kleines Kirchlein in der heutigen Lutherischen Kirchgasse, das eine wechselvolle Geschichte erleben sollte. Nach der Zwangsunion zwischen Lutheranern und Reformierten zur Badischen Landeskirche wurde der Bau an den ortsansässigen Simon Oppenheimer verkauft und 1839 errichtete die jüdische Gemeinde eine Synagoge im östlichen Teil des Gebäudes. Diese Synagoge wurde am 9. November 1938 geplündert, was jedoch nur noch Seligmann Fuld als letzter zu dieser Zeit in Schrieheim lebender Jude noch erleben musste, der daraufhin auch nach Amerika auswanderte. Im Jahre 1954 errichtete die neuapostolische Gemeinde in der ehemaligen Synagoge einen Gottesdienstraum.
Die Baptistengemeinde bezog ebenfalls im Jahre 1954 eine eigene, neuerrichtete kleine Kirche in der oberen Bahnhofstraße.
Besonders interessant ist das Wort „weller“ für „wider/gegen“ etwa in „do bin do weller gerennt“ für „da bin dort dagegen gestoßen“. „Wieder“ im Sinne von „nocheinmal“ heißt dagegen „widda“. Hier hat bei den aus der Hochsprache geläufigen Wort „wieder“ eine Prozess der „Sprachreparatur“ stattgefunden, der bei dem weniger geläufigen Wort „wider“ nicht ansetzen konnte.
Interessant ist auch das Wort „Fleesch“ für „Fleisch“. Eigentlich müsste das Wort lautgesetzlich „Flaasch“ heißen, da mhd. „ei“ im Schriesheimerischen zu „aa“ wird, wie etwa „isch waaß“ für „ich weiß“. Das Wort scheint als typisches Marktwort aus dem mannheimerischen „Fleesch“ entlehnt worden zu sein, wo mhd. „ei“ lautgesetzlich zu „ee“ wird. Tatsächlich gibt es einen Beweis, dass „Fleisch“ einst in Schriesheim die Form „Flaasch“ hatte. Der (die) heutige „Fleischbach“ auf der Schriesheimer Gemarkung heißt in alten Urkunden „Flauersbach“ was aus mhd. „Floursbach“ kommt. Da mhd. „ou“ regelmäßig zu „aa“ wird, wie etwa in „kaafe“ für „kaufen“ aus mhd. „koufen“ und mhd. „rs“ am Silbenende regelmäßig zu „sch“ wird, wie etwa in „Oaschebach“ für Ursenbach wurde aus „Floursbach“ lautgesetzlich „Flaaschbach“. Dass dieser Bach heute offiziell „Fleischbach“ heißt, ist nur zu erklären wenn „Fleisch“ in Schriesheim einst „Flaasch“ lautete.
Den 30-jährigen Krieg haben nur 12-15% der Bevölkerung überlebt. Nur 24 Familiennamen aus der Vorkriegszeit tauchen nachher wieder auf. Nur aus der reichen Müllersfamilie Mack (Siehe auch Alexander Mack) überlebten zwei erwachsene Männer den Krieg, sonst jeweils von allen überlebenden Familien nur ein erwachsener männlicher Namensträger.
Zwischen 1644 und 1648 war die Ortschaft aufgegeben worden und menschenleer. In den Jahrzehnten nach dem 30-jährigen Krieg setzte eine starke Zuwanderung ein, darunter besonders viele Schweizer.
Nach der gescheiterten Revolution 1848 verstärkte sich die bereits seit 1724 begonnene Auswanderung so sehr, dass die Bevölkerungszahl sank. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine starkes Wachstum ein, das durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen in den Jahren 1945 und 1946 noch verstärkt wurde. Seit dem Ende der 1950er siedelten sich verstärkt „Stadtflüchtlinge“ in Schriesheim an.
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