Der Beruf des Schreibers als ein der Schreib- und Lesekunst Mächtigen wandelte sich im Laufe der Menschheitsgeschichte in seiner Bedeutung und Bedeutsamkeit mehrfach.
Erste Schreiber
Die
Kunst, eigene oder auch fremde Gedanken mittels durch Übereinkunft festgesetzter Zeichen (
Buchstaben) sichtbaren und dauerhaften Ausdruck zu geben, war zur Zeit der ersten
Handschriften der
Antike und des
Frühmittelalters wenigen Schriftgelehrten vorbehalten. Sie gehörten der höfischen oder klerikalen
Oberschicht an, wobei etwa ab
800 n.Chr. Klöster, zwar zunächst nur innerhalb ihrer Mauern, maßgeblich an der Verbreitung der Schreibkunst Anteil hatten. Viele Mönche (selten Nonnen) wurden an die Höfe berufen, um als Schreiber der
Landesherren tätig zu sein.
Ansehen der Schreiber
Ansehen und Zahl der Schreibkundigen stieg im
Hoch- und
Spätmittelalter stetig an, bedingt durch die Blüte des
Rittertums, das Einsetzen des Fernhandels und damit auch der
Geldwirtschaft und das Aufstreben des
Bürgertums. Der Schreiber wird zum Chronisten und Protokollanten, zum Urkundenverfasser und Bibelkopierer, aber auch manchmal zum
Literaten. Mit der Erfindung des
Buchdrucks durch
Gutenberg etwa
1450, also im Übergang vom
Mittelalter zur
Neuzeit, verliert der Beruf des Schreibers schnell an Bedeutung.
Schreiber heute
Seit Anfang des 16. Jahrh. gehört in den Ländern mit europäischer Kultur das Schreiben-Können mehr und mehr zum
Allgemeingut, so dass es nicht mehr als Kunst im höheren Sinn des Wortes, sondern nur noch als eine Fertigkeit angesehen wird. Der Handschriften verfassende Schreiber verschwindet aus dem Sprachgebrauch, der literarische Schreiber wird zum
Schriftsteller,
Verfasser und
Autor.
Verschiedene Schreiber
Zwar nicht mehr als Berufsbezeichnung, unterscheiden wir aber noch den Briefeschreiber, den Texteschreiber, den Zeitungsschreiber und bezeichnen den Urheber irrelevanter Schriftsätze gerne abfällig als "Schreiberling".
In einigen Städten (z. B. Mainz und Frankfurt am Main) gibt es auch einen Stadtschreiber, der für eine festgesetzte Anzahl von Jahren und ausgestattet mit einem festen Gehalt und Wohnung, frei von finanzieller Bedrängnis seinen literarischen Neigungen nachgehen kann.
Im englischen Sprachraum lebt die Berufsbezeichnung Schreiber jedoch weiter. Hier heißen Schriftsteller, Verfasser und Autor schlicht "writer" .
Siehe auch
Autor |
Schreiben
Scrivener