Als Schmutz bezeichnet man die Verunreinigung eines Gegenstandes, einer Fläche, Person, oder anderer Dinge. Umgangssprachlich wird Schmutz auch als Dreck oder Siff (seit ca. 1900, abgek. v. Syphilis) bezeichnet. Schmutz kennzeichnet sowohl den Zustand der Verunreinigung, als auch das Material, das diese Verunreinigung bildet, wie Staubpartikel, Schlamm, Erde, Sand oder Essensreste. Ob eine Materieansammlung eine Verschmutzung bildet ist orts- und zeitabhängig und unterliegt subjektiven Einschätzungen. Schmutz ist in diesem Sinne "falsche Materie zur falschen Zeit am falschen Ort". Es handelt sich um einen Begriff, der nur aus menschlicher Perspektive einen Sinn hat, vergleichbar mit Unkraut ("falsche Pflanze zur falschen Zeit am falschen Platz").
Haushalt
Schmutz bietet
Mikroorganismen und
Schädlingen Nahrung und gute Lebensbedingungen. Im Schmutz gibt es daher viele krankheitserregende Keime (siehe
Haushaltshygiene).
Daher ist die Entfernung für die
Hygiene, sowie für die Werkstofferhaltung enorm wichtig.
Die Haftung des Schmutzes ist abhängig von mehreren Faktoren.
- Art des Schmutzes (organisch, anorganisch + flüssig oder fest)
- Alter des Schmutzes (je länger die Schmutzhaftung desto schwieriger die Entfernung)
- Beschaffenheit der Oberfläche (rau, glatt)
Die Haftung des Schmutzes ist möglich durch
- Elektrostatische Kräfte (Schmutzteilchen und Werkstoffoberfläche sind unterschiedlich geladen)
- Adhäsionskräfte (Anziehungskraft unterschiedlicher Stoffe)
- Mechanische Verankerung (Brotkrümmel, Granulat, Fäden in dem Fasermaterial eines Textilbelages)
- Chemische Oberflächenveränderung (Rost, Patina, Grünspan)
Naturwissenschaft, Technik, Medizin
In
Naturwissenschaft,
Technik und
Medizin bezeichnet
Kontamination die Vergiftung oder Verunreinigung eines
Organismus oder eines Systems durch unerwünschte oder schädliche Stoffe. Die Wiederherstellung des gewünschten Zustands wird als
Dekontamination bezeichnet.
Industrielle Fertigung
In der Industrie werden
Reinräume zur Sicherung vor unerwünschten Stoffe eingerichtet. Es handelt sich um geschlossene Räume mit kontrolliertem Zugang.
Andere Bedeutungen
Beschimpfung
Die Bezeichnung Schmutz wurde und wird auch als abwertende Bezeichnung, Beschimpfung, für künstlerische Werke verwendet. Teilweise gleichzeitig oder auch
synonym mit
Schund.
Fett
In vielen Teilen im deutschsprachigen Raum wurde (und wird teilweise heute noch) der Begriff "Schmutz" für
Fett verwendet.
Rösti mit Gätzischmutz ist eine in der Schweiz beliebte Speise, welche mit Schweinefett zubereitet wird. Der Begriff
schmutziger Donnerstag (
Fasnachts- bzw.
Fastnachts-Donnerstag) leitet sich auch von der Bedeutung Fett ab, da an diesem Tag vor der Fastenzeit nochmals fettige Speisen verzehrt wurden.
Joseph Beuys Kunstwerk
Fettecke wurde 1986 von einer Reinigungskraft in der Düsseldorfer Kunstakademie als
Schmutz entfernt.
Kuss
In der
Schweiz wird auch ein
Kuss so genannt.
Getränk
In
Norddeutschland und der Region um den
Teutoburger Wald wird ein Getränk aus
Bier und Cola so genannt.
Brettspielvariante
Schmutz ist auch eine, vor allem in
Süddeutschland bekannte, Variation von
Mensch ärgere dich nicht, bei dem je zwei Spieler als Team zusammenspielen. Hierbei dürfen Figuren des eigenen Teams nicht überholt werden, die Partie ist erst gewonnen, wenn die Figuren beider Teamspieler im Ziel sind.
Nachnamen
Vor allem in der Schweiz in den
Kantonen Baselland, Bern und Fribourg anzutreffende Nachnamen. Möglicherweise ursprünglich aus dem
mittelhochdeutschen "smutzen" -> schmunzeln. Schmutz als Bezeichnung für Verunreinigung ist erst später anzutreffen und kommt als Ursprung kaum in Frage.
Literatur
- Christian Enzensberger: Größerer Versuch über den Schmutz, Essay (Erstauflage 1968)
Weblinks
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