Schlucken ist ein Reflex und eine komplexe Bewegungsabfolge vieler Muskeln im Mund-, Rachen- und Halsbereich bei Menschen und Säugetieren. Es dient der Aufnahme von fester und flüssiger Nahrung sowie dem Abtransport von Schleim in den Verdauungstrakt.
Medizinisch-anatomisch wird der Mundinhalt über Rachen (Pharynx) und Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen befördert.
Phasen des Schluckakts (med.)
- Das Gaumensegel wird durch Musculus levator palatini gehoben (dabei wird die Tuba Auditiva (Eustachische Röhre) geöffnet).
- Durch Musculus constrictor pharyngis superior wird der Passavant-Ringwulst gebildet und mit dem Gaumensegel der Weg zum Nasenrachenraum (Epipharynx/Nasopharynx) abgedichtet.
- Der Mundboden spannt sich und zieht den Kehlkopf (Larynx) nach vorne oben. Dadurch verschließt der Kehldeckel (Epiglottis) die Luftröhre (Trachea). Der ober Schließmuskel (m. cricopharyngeus) der Speiseröhre, der mit dem Ringknorpel des Kehlkopfs verbunden ist, wird dadurch geöffnet und ermöglicht so dem Schlundschnürer die Nahrung in die Speiseröhre zu drücken.
- Die Zunge führt (mit dem Gaumen als Widerlager) eine peristaltische Bewegung nach hinten aus, und bewegt den Speisebolus in den Mesopharynx/Oropharynx und weiter in den Hypopharynx
- Der Musculus constrictor pharyngis (Schlundschnürer) presst die Speise nach unten, bzw. zieht die Rachenwand nach oben.
- Die Ringmuskulatur der Speiseröhre schiebt die Speise mittels Peristaltik in den Magen.
Ein Schluck dauert etwa ein bis zwei Sekunden, wobei sich unmittelbar nach dem Schluckvorgang eine Refraktärphase von einer weiteren Sekunde anschließt. Somit ist es dem Menschen möglich, höchstens alle zwei bis drei Sekunden zu schlucken. Die Menge eines Schlucks variiert stark und ist von der Art der Nahrung abhängig. Pro Schluck können etwa 20 Gramm wässriger Nahrungsbrei oder maximal 40 ml Flüssigkeit in den Körper befördert werden (hastiges Trinken). Beim gewöhnlichen Essen wird die Menge eines Bolus aber auf mehrere Schluckvorgänge verteilt.
Unwillkürlichkeit des Schluckens
Während der Beginn des Schluckaktes willkürlich gestartet wird, so läuft er ab Punkt 2 unwillkürlich ab und ist willentlich nicht mehr unterdrückbar. Hieraus resultieren auch Unfälle, die entstehen, wenn Menschen etwas in den Mnd nehmen, das nicht zum Schlucken vorgesehen ist. Nägel und Schrauben von Handwerkern, die beide Hände frei haben wollen; Gold oder Schmuck zum sicheren Transport, aber auch Flüssigkeiten wie
Kraftstoff, der mit einem Schlauch aus einem Tank gezogen wird. Gelangen diese Dinge in den hinteren Rachenraum, werden sie reflektorisch verschluckt.
Fehler beim Schlucken
Schlucken kann auch falsch ablaufen; Die Nahrung/der Speichel kann in den „falschen Hals“ gehen, die
Luftröhre. Passiert ein Fremdkörper die Stimmlippenebene (Glottis), so spricht man von Aspiration. Physiologisch löst eine
Aspiration heftige Reaktionen des Körpers aus, um die fehlgeleiteten Substanzen aus der Luftröhre zu entfernen (
Husten). Man spricht auch vom
Verschlucken. Tritt kein Hustenreflex trotz
Aspiration auf, so spricht man von "stiller Aspiration". Da der an Dysphagie erkrankte Mensch in diesem Fall keine direkte Reaktion auf die fehlgeleitete Nahrung zeigt, ist eine stille Aspiration nur durch septische Fieberschübe,
rezidivierende
Pneumonien oder bildgebende Schluckdiagnostik (Nasale Endoskopie, Video-Schluck-Röntgen,...) zu erkennen.
Die Unfähigkeit, den Schluckakt physiologisch ablaufen zu lassen, nennt man Dysphagie. Sie kann zu Sprachbehinderungen und bad habits führen (viscerales Schlucken). Schlucken kann von Kindheit an falsch erlernt werden. Solch fehlerhafte Schluckmuster können jedoch logopädisch behandelt werden („Zungengymnastik“ etc.).
Medizinisch bedingte Schluckbeschwerden können sogar schon von einer leichten Erkältung hervorgerufen werden.
In seltenen Fällen kann ein fehlerhaftes Schlucken zum augenblicklichen Tod der Person führen, der durch einen Reflex bewirkt wird und nicht mit dem Ersticken durch Aspiration zu verwechseln ist. Der Betreffende verschluckt sich, fällt um und ist sofort tot. (siehe Bolustod)
weitere Bedeutungen des Begriffs
Umgangssprachlich wird der Begriff
Schlucken im Bezug mit
- Alkoholismus (Schluckspecht) oder Ecstasyabusus genannt.
- Schlucken ist auch eine umgangssprachlich abgekürzte Bezeichnung für eine Variante der Fellatio.
- Auch das Hinnehmen eines Nachteils wird als Schlucken bezeichnet (eine Kröte schlucken)
- ebenso das Unterdrücken eines Affekts (den Protest hinunter schlucken)
- als unbestimmmtes Mengenmass (ein Schluck Wasser)
Siehe auch
Weblinks
Reflex
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